Albert Benteli (Chemiker)
Albert Benteli (* 1893 in Bern; † 1955 ebenda) war ein Schweizer Chemiker, Unternehmer und Mitgründer der Firma Merz & Benteli AG. Er war über mehrere Jahrzehnte hinweg die zentrale Figur für Forschung, Entwicklung und Leitung des Unternehmens, das unter anderem Leuchtfarben, Klebstoffe und Dichtmassen produzierte.
Herkunft und Ausbildung
Albert Benteli wurde 1893 als Sohn des Verlegers und Druckereiunternehmers Ludwig Wilhelm Albert Benteli (1867–1944) und der Maria Berta Candelaria Kaiser (1867–1945), der Tochter des Gründers des Warenhauses Kaiser in Bern, geboren. Die Familie lebte im Neuen Schloss Bümpliz, das Vater Benteli 1903 erworben hatte.
Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte Benteli Chemie an der Universität Bern, ab dem Wintersemester 1913/14 bis 1924/25, unter anderem bei Professor Volkmar Kohlschütter (1874–1938). Während des Studiums entstand eine enge Zusammenarbeit mit seinem Kommilitonen Walter Merz (1893–1966), mit dem er erste chemische Experimente im elterlichen Schloss durchführte – zunächst im Tiefparterre, später in eigenen Gebäuden auf dem Areal.
Gründung und Entwicklung von Merz & Benteli
Am 9. Oktober 1918 gründeten Albert Benteli und Walter Merz die Kollektivgesellschaft «Chemisches Laboratorium» in Bern-Bümpliz, welches später unter dem Namen Merz & Benteli AG firmierte.
Frühe Schwerpunkte: Leuchtfarben
Die erste erfolgreiche Produktlinie bestand aus radioaktiven Leuchtfarben auf der Basis von Radiumsalzen und Zinksulfid. Diese wurden insbesondere in der Uhrenindustrie für Zifferblätter, Zeiger und Skalen verwendet. Bereits im März 1918, also noch vor der offiziellen Firmengründung, hatten Benteli und Merz ihr Herstellungsverfahren patentieren lassen.
Benteli war für die technische Umsetzung dieser Produkte verantwortlich. Die Herstellung der Leuchtstoffe erforderte grosse Sorgfalt und Wissen im Umgang mit gefährlichen Materialien. Die Produktion war zunächst im Gartenhaus und Waschhaus des Schlosses Bümpliz angesiedelt und wurde später auf eigens errichtete Bauten ausgeweitet.
Klebstoffe und Innovation: Cementit
Ab den 1930er Jahren entwickelte Benteli zusammen mit seinem Team einen neuen Kunstharzklebstoff, der unter dem Namen Cementit bekannt wurde. Dieses Produkt wurde ein wirtschaftlicher Meilenstein für das Unternehmen. Es wurde 1936 in einem neu erbauten Laborgebäude hergestellt.
Unternehmensstruktur und Leitung
Albert Benteli leitete das Unternehmen ab 1929 mit seiner Schwester Dora Merz-Benteli (1892–1954), der Gattin von Walter Merz, der sich aus der Unternehmensleitung zurückgezogen hatte. 1942 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
Familie
Albert Benteli war verheiratet mit Anna Emilie Hüssy (1896–1989), genannt Anny, die sich ab 1936 in der Administration der Firma engagierte. Das Paar hatte zwei Kinder:
- Sandro Benteli (1925–2005), der zeitweise in der Firma tätig war
- Silvia Benteli (1928–2001), verheiratete Siegrist
Die Familie lebte zunächst in Bern, später auch am Murtensee. Das Wochenendhaus wurde während des Zweiten Weltkriegs zeitweise zum Dauerwohnsitz.
Tod und Nachfolge
1955 starb Albert Benteli nach langer und schmerzvoller Krankheit. Die schädliche Wirkung von Radioaktivität war lange Zeit bekannt und wurde von Benteli wohl vernachlässigt. So verstrahlte der sorglose Umgang mit radioaktivem Material insbesondere seine Brust, Halsgegend und Kieferpartie. Nach dem Tod von Albert Benteli, Dora Merz-Benteli verstarb ein Jahr zuvor, übernahmen Angehörige der Familie die Weiterführung des Unternehmens. Die Firma merz+benteli ag besteht heute noch, in Familienbesitz, mit Sitz in Niederwangen bei Bern.
Literatur
- Walter Thut: Merz & Benteli: Mit Leuchten, Kleben und Dichten Geschichte gemacht. In: Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik. Band 111. Verein für wirtschaftshistorische Studien, Zürich 2018, ISBN 978-3-909059-74-4.
Weblinks
- Albert Benteli im Katalog Schweizer Pioniere