Walter Ludwig (Politiker, 1909)

Walter Ludwig (* 30. August 1909 in Weißenfels, Provinz Sachsen; † 22. März 1984 in Augsburg) war ein deutscher Parteifunktionär (NSDAP) im Gau Westfalen-Süd.

Leben

Ludwig Walter war ein Sohn des Kürschners Magnus Ludwig und besuchte die Übungsschule eines Lehrerseminars, machte 1926 nach einer Lehre im elterlichen Betrieb die Gesellenprüfung im Kürschnerhandwerk und blieb dort bis zur Aufgabe des Betriebes wegen der Weltwirtschaftskrise. Bis 1933 verdiente er als Handlungsreisender, Lagerist, Kaufmann und Fabrikarbeiter seinen Lebensunterhalt. Er war politisch engagiert und trat zum 1. Juni 1930 in die NSDAP und in die SA ein, wo er als SA-Truppführer 1931 zum Aufbau der örtlichen Hitlerjugend (HJ) abkommandiert wurde. Von 1933 an war er dort Unterbannführer und stellvertretender Kreisgeschäftsführer in der NSDAP-Kreisleitung Weißenfels. Nach dem Besuch der Reichsführerschule der HJ war er von Juni 1934 bis März 1938 Bannführer bzw. Oberbannführer in Eisleben. Danach war er bis Mai 1939 Sozialabteilungsleiter in der HJ-Gebietsführung Halle und im Anschluss bis 1943 Führer des HJ-Bannes in Augsburg. Zusätzlich war er Stabsleiter des HJ-Gebietes Schwaben. Kurz vor Kriegsbeginn wurde er zur Wehrmacht einberufen und musste als Gefreiter am Überfall auf Polen teilnehmen, wurde aber zu Jahresbeginn 1940 für die HJ freigestellt. Von Juni bis August 1941 wurde er zur Parteikanzlei abkommandiert mit dem Ziel, als künftiger Kreisleiter eingesetzt zu werden. Im Oktober 1943 kam er in den Gau Westfalen-Süd, wo er im Umfeld des Gauleiters Albert Hoffmann und bei verschiedenen Behörden tätig wurde. Mit Jahresbeginn 1944 wurde er zum NSDAP-Kreisleiter im Kreis Witten ernannt. Nach Kriegsende meldete er sich freiwillig bei der britischen Militärbehörde und wurde im Internierungslager Recklinghausen-Hillerheide interniert. Wegen seines Wohnsitzes wurde er am 22. Juli 1947 in die Amerikanische Besatzungszone nach Moosburg an der Isar und am 13. Februar 1948 in das Internierungslager Augsburg-Göggingen verlegt.

Im Entnazifizierungsverfahren wurde er am 28. April 1948 wegen seiner Tätigkeit als Kreisleiter und Hauptbannführer als Hauptschuldiger zunächst in die Gruppe I und im schriftlichen Verfahren durch die Spruchkammer Augsburg-Göggingen am 18. Mai 1948 in die Kategorie IV (Mitläufer) eingestuft. Dabei wurde ein einmaliger Sühnebetrag von 2000 Reichsmark für einen Wiedergutmachungsfonds festgesetzt und seine sofortige Freilassung verfügt. Auf seinen Antrag vom 27. Juli 1948 auf Erlass/Ermäßigung des Sühnebetrages setzte der Bayerische Staatsminister für Sonderaufgaben im Gnadenwege den Betrag auf 50 Deutsche Mark fest.

Ludwig war Zeuge vor dem britischen Kriegsverbrechertribunal im Rahmen der Hamburger Curiohaus-Prozesse gegen Gauleiter Albert Hoffmann und Kreisleiter Friedrich Hermann Behr sowie 1949/1950 in dem Mordprozess gegen den Wittener Ortsgruppenleiter Voss.

Literatur

  • Wolfgang Stellbrink: Die Kreisleiter der NSDAP in Westfalen und Lippe. Veröffentlichung der staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen: Reihe C, Quellen und Forschung; Band 48, Münster 2003, ISBN 3-932892-14-3, S. 248f.(Digitalisat)