Vittorio Cazzetta
Vittorio „Vittorino“ Cazzetta (* 24. November 1947 in Pescul di Selva di Cadore, Belluno; † am oder nach dem 10. August 1996 am Piz del Corvo, tot aufgefunden am 19. August 1997) war ein italienischer Konditor und Heimatforscher. Er entdeckte die archäologischen Fundstellen Mondeval de Sora und Riparo Mandriz sowie die ersten Dinousaurierfährten in den italienischen Alpen.[1]
Leben
Vittorino Cazzetta wurde als Sohn eines Konditors in Pescul geboren, einem Weiler in der Gemeinde Selva di Cadore in den Ampezzaner Dolomiten. Er erlernte den Beruf des Vaters, der saisonal in Hotels oder auf Schiffen arbeitete. Während Cazzetta in Venedig den Militärdienst ableistete, erwarb er den Realschulabschluss und kehrte anschließend nach Pescul zurück, um als Forstarbeiter und bei einem Sesselliftbetreiber zu arbeiten. Cazzetta galt als schüchtern, zurückhaltend und sehr heimatverbunden. Er unternahm häufig lange Wanderungen rund um das Fiorentinatal, die oft mehrere Tage dauerten und bei denen er sich nur selten begleiten ließ. Seit seiner Kindheit hatte er großes Interesse an der Natur, Geschichte, Geologie und Paläontologie seiner Heimat und bald auch eine beträchtliche Menge und Vielfalt an Fossilien gesammelt. 1980 regte er an, seine Funde in örtlichen Schulen zugänglich zu machen, um Schülern die Besonderheiten ihre Heimat näherzubringen. Seine Bemühungen führten schließlich im März 1982 zur Gründung des Städtischen Museums Fiorentinatal (Museo Civico Val Fiorentina) in Selva di Cadore.[2]
Bereits in den 1970er Jahren glaubte Cazzetta in einem Felsblock am Fuß des westlichen Hauptmassivs des Monte Pelmo mehrere Dinosaurierfährten zu erkennen, berichtete jedoch erst Jahre später von seiner Entdeckung. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigten 1984 seine Vermutung. Ein Abguss der Dinosaurierfährten am Monte Pelmetto befindet sich heute im Museum in Selva di Cadore, das Cazzetta zu Ehren seit 1997 seinen Namen trägt.
1985 wurde Cazzetta beim Lesen eines Ausstellungskatalogs über Mesolithische Jäger in den Dolomiten auf die abgebildeten Feuersteinartefakte aufmerksam. Steine mit ähnlich markantem Aussehen waren ihm bereits als Kind auf einer Almweide am Monte Mondoval aufgefallen. Bei einer erneuten Suche vor Ort an einem überhängenden Felsblock fand er im Aushub eines Murmeltierbaus Fragmente von Steinwerkzeugen. Bei der folgenden archäologischen Ausgrabung unter Leitung von Antonio Guerreschi von der Universität Ferrara wurde das fast vollständige, rund 8.000 Jahre alten Skelett von Valmo – dem Mann von Mondeval mit zahlreichen Grabbeigaben freigelegt.[2]
Auch an mehreren Versturzblöcken im nahe gelegenen Loschiesuoi-Tal führte Cazzetta Prospektionen durch. Mit dem Riparo Mandriz entdeckte er dort eine weitere bedeutende, neolithische Fundstätte, die zwischen 1999 und 2002 Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen war.[2][3]
Bergunfall und Tod
An einem Wochenende im Sommer 1985 brach Cazzetta zu einer Wanderung auf, von der er wenige Tage später mit einer Kopfverletzung und gebrochenem Oberschenkelknochen zurückkehrte. Er gab bei seiner Einlieferung in ein Krankenhaus an, an den Unfall selbst keine Erinnerung zu haben.
Elf Jahre später, am 10. August 1996, machte er sich zum letzten Mal allein auf den Weg in die Berge. Nachdem er vermisst und sein an einem zur Malga Mondeval führenden Saumpfad abgestelltes Auto gefunden wurde, beteiligten sich die örtlichen Bergretter und bis zu 200 Freiwillige an tagelangen Suchaktionen. Diese wurden mit dem Einsetzen von Schneefall unterbrochen und im Frühjahr fortgesetzt. Am 19. August 1997 fand ein Speläologe schließlich Cazzettas sterbliche Überreste am Piz del Corvo in einer Felsspalte, in 30 m Tiefe auf einem Absatz liegend. Neben dem Klettergurt und Seilen trug er eine Madonnenfigur aus Bronze bei sich, die er in Cortina d’Ampezzo hatte gießen lassen. Weiter unten wurden sein alter Rucksack und die Kamera gefunden, die er offenbar bereits bei seinem Unfall 1985 an dieser Stelle verloren hatte. Man nimmt an, dass Cazzetta an den Unfallort zurückgekehrt war, um die Madonna dort als Votivgabe anzubringen und dabei tödlich verunglückte.[2][3][4]
Vittorino Cazzetta wurde auf dem Friedhof in Santa Fosca beigesetzt.[4]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Städtisches Museum Vittorino Cazzetta. Abgerufen am 23. September 2025.
- ↑ a b c d Un pioniere delle scoperte dolomitiche. Vittorino Cazzetta (1947-1997). Abgerufen am 23. September 2025.
- ↑ a b Selva di Cadore. Abgerufen am 23. September 2025.
- ↑ a b Il cacciatore di misteri. Abgerufen am 23. September 2025.