Vinland-Sagas

Als Vinland-Sagas werden zwei Isländersagas, die Grænlendinga saga („Saga von den Grönländern“) und Eiríks saga rauða („Saga von Erik dem Roten“) bezeichnet, die über die ersten Fahrten von Europäern nach Amerika um das Jahr 1000 berichten.

Entstehung

Inhaltlich spielen beide Sagas im 10. und 11. Jahrhundert, allerdings sind die Texte erst zu einem späteren Zeitpunkt entstanden und die Verschriftlichtungen sind noch jünger. Man geht davon aus, dass die Grænlendinga saga aus dem späten 12. Jahrhundert, also rund 200 Jahre nach dem Zeitpunkt ihrer Handlung, stammt. Sie ist in der Flateyjarbók überliefert, die aus dem späten 14. Jahrhundert stammt. Die Eiríks saga rauða ist vermutlich erst im späten 13. Jahrhundert entstanden. Überliefert ist sie in zwei verschiedenen Versionen, einerseits in der Hauksbók aus dem 14. Jahrhundert und andererseits in der Skálholtsbók aus dem 15. Jahrhundert.[1][2]

Inhalt

Beide Sagas behandeln im weitesten Sinne die Skandinavische Besiedlung Amerikas. Allerdings haben die Sagas unterschiedliche Schwerpunkte und widersprechen sich teilweise stark. Beide Sagas beinhalten die Besiedelung Grönlands durch Erik den Roten (Eiríkr inn rauði). Beide Sagas behandeln zudem die Entdeckung des westlich von Grönland gelegenen Nordamerikas, dessen Regionen sie Helluland, Markland und Vinland nannten, die heute aber nicht mehr zweifelsfrei zugeordnet werden können. Allerdings erfolgt diese Entdeckung der Grænlendinga saga zufolge durch Bjarni Herjólfsson, der in der Eiríks saga rauða nicht vorkommt, wo stattdessen Eriks Sohn Leif Eriksson (Leifr Eiríksson) Amerika entdeckt. Die anschließende Expedition dorthin erfolgt in der Grænlendinga saga durch Eriks Sohn Þorvaldr Eiríksson, in der Eiríks saga rauða hingegen durch den isländischen Kaufmann Þorfinnr karlsefni, der in der Grænlendinga saga erst nach Þorvaldr nach Amerika kam. Die Eiríks saga rauða hat einen größeren Fokus auf Þorfinnr und seiner Frau Guðríðr Þorbjarnardóttir, während die Grænlendinga saga sich eher mit Eriks Tochter Freydís Eiríksdóttir beschäftigt. Auch in Bezug auf die Biografie Erik des Roten sind beide Sagas unvereinbar. Laut der Grænlendinga saga starb Erik vor Þorvaldrs Expedition, während er in der Eiríks saga rauða noch Þorfinnr nach dessen Expedition beherbergte, wobei dieser in der Grænlendinga saga noch nach Þorvaldr in Amerika war.[1][2]

Realitätsgehalt

Es wird angenommen, dass die Sagas größtenteils auf wahren Ereignissen beruhen, was unter anderem durch Funde von skandinavischen Artefakten und Siedlungsresten auf Neufundland (in L’Anse aux Meadows) gestützt wird. Daneben sind die Sagas aber fantasievoll ausgeschmückt und literarisch auf christlich-ethischer Grundlage durchgestaltet.[3]

Literatur

  • Magnus Magnusson (Hrsg.): The Vinland Sagas: The Norse Discovery of America. Penguin Books, Baltimore 1965.
  • Else Ebel (Hrsg.): Die Vínlandsagas. Ausgewählte Texte zur Entdeckung Amerikas durch die Wikinger. Niemeyer, Tübingen 1973.

Einzelnachweise

  1. a b Else Ebel: Grœnlendinga saga. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. 2. Auflage. Band 13. De Gruyter, Berlin / New York 1999, ISBN 978-3-11-016315-5, S. 71–73 (Online).
  2. a b Heinrich Beck: Eiríks saga rauða. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. 2. Auflage. Band 7. De Gruyter, Berlin / New York 1989, ISBN 978-3-11-011445-4, S. 57 f. (Online).
  3. Else Ebel: Fiktion und Realität in den Vínlandsagas. In: Heiko Uecker (Hrsg.): Studien zum Altgermanischen. De Gruyter, Berlin/New York 1994, ISBN 978-3-11-012978-6, S. 89–100.