Villa Schwarzwald

Die Villa Schwarzwald ist heute ein Hotel im Wolfsgrund in der Gemeinde Schluchsee im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Sie liegt am Schluchsee.

Geschichte

Siegfried Menke aus Frankfurt am Main, Fabrikant für Fahrradzubehör, und seine Frau Anita geb. Herz ließen die Villa mit Baugenehmigung vom 24. Mai 1922 errichten.[1]

Unter nationalsozialistischem Druck musste Menke 1939 die Villa zwangsverkaufen und emigrierte über Holland nach Argentinien. Er starb dort 1946 auf seiner Farm in Monogotos.[2] Die Stadt Recklinghausen erwarb das Haus für 30.000 Reichsmark, um daraus ein Kinderheim zu machen, was durch den Krieg vereitelt wurde. Im August 1943 erwarb die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt das Gebäude und veräußerte es auf Weisung der Reichskanzlei an Gerda Bormann, der Ehefrau des Reichsleiters und „Sekretär des Führers“ Martin Bormann, weiter.[2] Der Auktionator Max Sasse, Freiburg, versteigerte das Mobiliar.[2]

Die Bormanns ließen die Villa 1943 mit Material von Hitlers Baustelle am Obersalzberg umbauen, wo die Bormanns ein zweites Haus, die ehemalige Villa Regina, besaßen. Seine Ehefrau Gerda Bormann und die zehn gemeinsamen Kinder lebten ab 11. Juni 1944 in der Villa. Zum Personal zählten eine Kinderfrau, drei Dienstmädchen und ein Chauffeur. Am 13. April 1945 wurde Gerda mit Kindern von einer SS-Fahrkolonne evakuiert.[2]

In der Bibliothek und in den Fachbibliotheken der Universität Mainz finden sich noch 1657 Bände aus Bormanns Besitz, die 1946 von französischen Besatzungstruppen übergeben worden waren. Bormann hatte wertvolle Güter vom Obersalzberg, darunter auch Bücher, in seine Villa in Sicherheit bringen lassen, als sich der Zusammenbruch abgezeichnete.[3]

Die Société nationale des chemins de fer français (SNCF) erhielt das Haus übereignet und stellte das Haus für erholungsbedürftige Eisenbahner zur Verfügung.[2] Ab November 1949 wurde das Haus von Freiburgs Jugend- und Sportoffizier Jacques Deshayes gegründetem Freiburger Institut für Internationale Begegnungen in Miete genommen.[2]

Am 11. August 1949 erhob Ella Leser-Menke, Amsterdam, Restitutionsklage. Es stellte sich heraus, dass Gerda Bormann 1946 in Meran in Folge einer Krebserkrankung verstorben war.[2] Die Kinder kamen in Pflegefamilien.[4] Martin Bormann war Anfang Mai 1945 durch Suizid in Berlin gestorben.

Das Anwesen ist heute ein Hotel und firmiert unter dem Namen Villa Schwarzwald.

Kulturdenkmal

Villa, Gästehaus und Garten sind als Kulturdenkmal unter der Objekt-ID 102654464 eingetragen und baulich der Heimatschutzarchitektur zugeordnet.[5]

Einzelnachweise

  1. Jüdischer Besitz geht an die Nazis.
  2. a b c d e f g Acht natürliche Kinder. Spiegel, 1950
  3. Christian George: Abgestempelt: Eigentum Reichsleiter Bormann.
  4. Bormann, Gerda.
  5. WMS LAD Kulturdenkmale der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg

Koordinaten: 47° 49′ 5,4″ N, 8° 10′ 6,9″ O