Villa Regina (Obersalzberg)

Die Villa Regina, später Haus Bormann genannt, war ein Bauwerk auf dem Nordhang des Eckerbichls in Obersalzberg, einem Ortsteil von Berchtesgaden im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land. Im Dritten Reich war es ein Teil des Führersperrgebiets Obersalzberg.

Geschichte

Der Kinderarzt Richard Seitz erwarb 1921 die Villa und richtete dort ein Sanatorium für lungenkranke Kinder ein. Im Winter 1937 wurde die Familie von den Nationalsozialisten vertrieben. Verantwortlich für die Räumung von 54 Gründstücken auf dem Obersalzberg war Martin Bormann, Reichsleiter und „Sekretär des Führers“. Bormann selbst bezog das Anwesen der Familie Seitz. Von seinem Haus aus konnte er das Anwesen von Adolf Hitler, den Berghof, überblicken. Zum Objekt gehörte ein Schwimmbecken. Hinter dem Haus gab es einen Luftschutzbunker und ein Bunkersystem. Martin Bormann besaß ab 1943 noch ein zweites Haus in Süddeutschland, die heutige Villa Schwarzwald in der Gemeinde Schluchsee.

Am 25. April 1945 warfen US-amerikanische Bomber insgesamt 1300 Bomben über dem Berg aus. Die Villa wurde zum großen Teil zerstört. Im Mai 1945 besetzte die US-amerikanische Armee das Gebiet. Die 3. US Infanterie-Division hisste hier die US-amerikanische Flagge am 5. Mai 1945. Die Reste des Hauses wurden 1951–52 abgetragen.[1]

Nach dem Krieg fielen die Grundstücke an den Freistaat Bayern als den Rechtsnachfolger der NSDAP. Die vorherigen Bewohner erhielten ihre Anwesen nicht zurück, sondern wurden vom Freistaat durch alle Instanzen niederprozessiert. Am 1. März 2005 wurde auf dem Gelände ein Luxushotel eröffnet. Der Bau wurde von einer Tochtergesellschaft der Bayerischen Landesbank finanziert. Das Objekt wurde für 25 Jahre an die britische InterContinental Hotels Group verpachtet. Michel Friedman sah in der Errichtung eine „Enthistorisierung des Ortes“. Brigitte Reimold, Tochter von Richard Seitz, kritisierte den Eingriff in die Landschaft als „Todsünde“.[2][3][4] Heute ist das Hotel als Kempinski Hotel Berchtesgaden bekannt.

Literatur

  • Volker Koop: Martin Bormann. Hitlers Vollstrecker. Böhlau, Köln, 2012.
  • Max Hartmann: Die Verwandlung eines Berges unter Martin Bormann: Ein Augenzeuge berichtet: Meine 10 Jahre auf dem Obersalzberg. 1989
  • Volker Dahm: Die tödliche Utopie. Bilder, Texte, Dokumente, Daten zum Dritten Reich. 2011

Einzelnachweise

  1. Geoff Walden: Obersalzberg. Martin Bormann's House. Abruf: 7. Dezember 2025
  2. Barbara Möller: Beim Einschlafen an Hitler denken? Obersalzberg: Durfte man dort, wo der “Führer“ seine Kriege plante, ein Luxushotel errichten? Man hat. Morgen ziehen die ersten Gäste ein. Hamburger Abendblatt, 28. Februar 2005
  3. Hans Holzhaider: Obersalzberg. Nachbar Bormann. Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 2010
  4. Hitlers braune Eminenz. Deutschlandfunk, 3. Oktober 2012

Koordinaten: 47° 38′ 3″ N, 13° 2′ 42,9″ O