Villa Ginzkey
Die Villa Ginzkey (das sogenannte Herrenhaus, auch als Schloss Maffersdorf bezeichnet) ist eine großbürgerliche Villa in Vratislavice nad Nisou (Maffersdorf), einem Stadtteil von Liberec (Reichenberg), in Tschechien. Diese Villa Alfred Ginzkey (1897/98) gehörte zusammen mit der Villa Ignaz Ginzkey sen. (1867/68), der Villa Ignaz Ginzkey jun. (1882/83) und der Villa Heinrich Ginzkey zu einem Gesamtkomplex von vier Villen der Familie Ginzkey, die im Bereich des Schlossparks nordöstlich der Teppich- und Deckenfabrik I. Ginzkey errichtet wurden. Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz.[1][2]
Geschichte
Die Villa Alfred Ginzkey in Maffersdorf, Poštovní 280 wurde in den Jahren 1897/98 nach einem Entwurf der Architekten Hans Grisebach (1848–1904) und Georg Dinklage (1849–1926) errichtet.[3]
Das im Neorenaissancestil erbaute Schloss liegt innerhalb eines großen Parks, des sogenannten Schlossparks (tschech. Zámecký park). Als Baumaterial wurde Pläner verwendet, um das Abbild einer Adelsresidenz der Renaissancezeit zu erzeugen. Das ursprünglich zweistöckige Gebäude mit einer Eingangstreppe, einer Statuengruppe und einem konischen Turm war der Wohnsitz der Besitzer der Teppich- und Deckenfabrik I. Ginzkey. Rund um das Schloss bestand ein sieben Hektar großer privater Park mit einheimischen und ausländischen Bäumen. Im unteren Teil des Parks wurde ein künstlicher See angelegt, daneben ein Pferdestall, jetzt Restaurant Zámecká konírna, Tanvaldská 49.
Die Villa wurde im Jahr 1945 enteignet und vom staatlichen Unternehmen Teppich- und Möbelstofffabrik (TOKO) übernommen. Im Februar 1948 wurde das Gebäude durch ein Feuer im Obergeschoss stark beschädigt. Nach der Renovierung und Aufstockung um eine weitere Etage war darin ein Wohnheim der Firma BYTEX untergebracht. Nach 1990 war es im Besitz der Firma Byservis a.s. Anschließend wurde das Schloss privatisiert und diente als Touristenherberge.
Die Antiquitäten, Kunstgegenstände, Teppiche und Möbel aus den Ginzkey-Villen wurden nach 1945 nach Prag, in das Schloss Sychrov und in das Liberecer Gewerbemuseum gebracht oder sie wurden gestohlen bzw. sind beim Brand des Herrenhauses im Februar 1948 zerstört worden.[4]
Weitere Ginzkey-Villen
Bereits im Jahr 1867/68 war die erste Villa Ginzkey (Nr. 121), die sogenannte Untere Villa, für Ignaz Ginzkey errichtet worden, die aber in den 1960er Jahren abgerissen wurde. Im Jahr 1882/83 wurde die zweite Villa Ginzkey (Tanvaldská 224), die sogenannte Obere Villa, nach einem Entwurf des Reichenberger Architekten Edmund Trossin vom Baumeister Gustav Miksch aus Reichenberg erbaut.[5][6] Die dritte Villa Ginzkey war das Herrenhaus. Im Bereich des Schlossparks gibt es auch noch eine vierte Villa Ginzkey (Poštovní 233), die bis 1945 von Adeline (Ada) Ginzkey bewohnt war.[4] Weitere Besitzungen gab es bis 1945 in Hammer am See (Hamr na Jezeře) und in Chrastná bei Oschitz (Osečná).
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Die erste Villa Ginzkey in Maffersdorf Nr. 121, die sog. Untere Villa (von 1867/68)
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Die zweite Villa Ginzkey in Maffersdorf, die sog. Obere Villa (von 1882/83)
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Die dritte Villa Ginzkey, das sog. Schloss Maffersdorf (von 1897/98)
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Restaurant Zámecká konírna (Tanvaldská 49), ursprünglich der Pferdestall der Villa Ginzkey
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Die vierte Villa Ginzkey (Poštovní 233)
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Villa Ginzkey (Tanvaldská 282)
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Skulptur des Böhmischen Löwen vor dem Herrenhaus
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Jagdhaus Ginzkey in Hammer am See (Hamr na Jezeře)
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Feste Krassa (Chrastná) bei Oschitz (Osečná)
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Architektur in Nordböhmen - Villa Ginzkey (tschech.) (abgerufen am 7. Oktober 2025)
- ↑ Prázdné domy: Vila Alfreda Ginzkeye (tschech.) (abgerufen am 7. Oktober 2025)
- ↑ Villa Ginzkey von Hans Grisebach und Georg Dinklage (abgerufen am 7. Oktober 2025)
- ↑ a b Was geschah mit dem beweglichen Besitz der Ginzkeys und Mallmanns nach 1945? auf muzeum-libea.cz (tschech.) (abgerufen am 7. Oktober 2025)
- ↑ Marek Řeháček: Obrázky z Vratislavic nad Nisou (tschech.) (abgerufen am 7. Oktober 2025)
- ↑ Vila Ignaze Ginzkeyho jun. (tschech.) (abgerufen am 7. Oktober 2025)
Koordinaten: 50° 44′ 45,2″ N, 15° 5′ 31,6″ O