Teppich- und Deckenfabrik I. Ginzkey
Die Teppich- und Deckenfabrik I. Ginzkey, Maffersdorf war ein bedeutendes Unternehmen der Textilindustrie in Maffersdorf (heute Vratislavice nad Nisou, ein Stadtteil von Liberec) in Böhmen und ab 1918 der Tschechoslowakei. Die Geschichte des Unternehmens ist eng verbunden mit den untereinander verwandten Eigentümer-Familien Ginzkey und Mallmann.[1][2][3][4]
Unternehmensgeschichte
Gründung und erste Jahre
Das Unternehmen wurde von Ignaz Ginzkey (1819–1876) im Jahr 1843 in Maffersdorf gegründet, als er einen Jacquard-Webstuhl zum Weben von Teppichen in seinem Elternhaus (in Maffersdorf links der Neiße Nr. 612) errichten ließ und damit die Tradition der Teppichherstellung in Maffersdorf begründete. Noch im selben Jahr kaufte er einen Tuchwebstuhl zum Weben von Decken. Im Jahr 1847 mietete er ein Haus als Wohn- und Wirtschaftsgebäude (in Maffersdorf rechts der Neiße Nr. 111) unterhalb der Kirche und stellte dort nach und nach sechs Teppichwebstühle und einen Tuchwebstuhl zum Weben von Decken auf. Zu Beginn seines Gewerbes war Ignaz Ginzkey auf Handweberei angewiesen. In den folgenden Jahren bis 1874 erfolgte der weitere Ausbau des Unternehmens. Eine erste Erweiterung erfolgte 1852/53, als er die Spinnerei mit Wasserantrieb von Ignaz Hauser (Rumburská) übernahm und dort im Laufe der Zeit 48 Webstühle aufstellte. Durch den Wasserantrieb mit einem 12-PS-Wasserrad am Fabrik-Mühlgraben der Lausitzer Neiße erzielte er eine höhere Wirtschaftlichkeit.[5][6]
Nach dem Erwerb der Hauser-Spinnerei im Jahr 1858 konzentrierte er seine Weberei auf diesen Standort. Bereits 1861 ließ er ein Kesselhaus mit Kamin erbauen und nahm die erste Dampfmaschine mit 20 PS Leistung in Betrieb. Durch die Lieferungen von Militärdecken an die österreichische Armee konnte er seine Fabrikanlagen erweitern. Nach 1862 stellte er die ersten mechanischen Webstühle auf. Es waren nun etwa 230 Arbeiter und 80 Familien in Heimproduktion bei ihm beschäftigt. Auch die maschinelle Industrieproduktion von Bouclé-Teppichen in der Ginzkey-Fabrik geht auf diese Zeit zurück.
Am Rande des Fabrikgeländes wurde 1867/68 eine Familienvilla (die sogenannte Untere Villa, Maffersdorf, Nr. 121) errichtet. Im Jahr 1868 kaufte Ignaz Ginzkey die Gürtler-Mühle (neben Za Cukrárnou 534) mit Wasserrad-Antrieb in Maffersdorf links der Neiße, in der sich damals eine Tuchfabrik befand. Im selben Jahr errichtete er dort ein Kesselhaus mit Schornstein und Dampfmaschine und begann mit dem Aufbau einer Fabrik zur Veredelung und Aufbereitung textiler Rohstoffe, der sogenannten „Kunstwollefabrik“.[7][8]
In den weiteren Jahren entstand ein drittes Kesselhaus mit einer Dampfmaschine von 40 PS Leistung. Im Jahr 1874, also 30 Jahre nach der Gründung der Firma, hatte das Unternehmen etwa 400 Webstühle, drei Dampfmaschinen und zwei Wasserräder mit einer Gesamtleistung von 230 PS installiert.[9]
Im Jahr 1875 erwarb Ignaz Ginzkey auch die sogenannte Elstner-Mühle (Dlouhomostecká ev. 78/112) am rechten Neißeufer. Die Spinnerei in der ehemaligen Elstner-Mühle wurde weiterhin mit dem Wasser der Neiße aus dem Mühlenantrieb betrieben.[10][11]
Die zweite Generation
Nach dem Tod des Firmengründers Ignaz Ginzkey 1876 übernahmen dessen Söhne als Vertreter der zweiten Generation für 58 Jahre die Leitung des Unternehmens, zunächst die beiden älteren Ignaz Ginzkey jun. (1851–1895) und Wilhelm (Willy) Ginzkey (1856–1934) und später auch der jüngste Bruder Alfred Ginzkey (1866–1911). Nach dem Tod der beiden Brüder stand Wilhelm Ginzkey allein für weitere 23 Jahre an der Spitze des Unternehmens. In den 1880er Jahren wurden mehrere Dampfmaschinen von der Görlitzer Maschinenbauanstalt an die Firma Ginzkey geliefert.[12]
Im Jahr 1885 begann auch die Produktion von Möbelbezugsstoffen. Zu diesem Zeitpunkt waren in der Fabrik bereits hundert mechanische Webstühle installiert und 70 Webstühle zur Herstellung handgeknüpfter Teppiche, von denen einige außergewöhnlich breit waren (bis zu 17 m). Die Fabrik besaß zwei Spinnereien zur Herstellung von Teppichgarnen und Streichgarnen zur Herstellung von Decken. Es war eine Anlage zur Herstellung sogenannter „Kunstwolle“ in Betrieb sowie Web- und Veredelungsanlagen für Teppiche und Decken, eine Spinnerei und eine eigene Färberei. Zu dieser Zeit beschäftigte die Maffersdorfer Fabrik bereits 1.200 Arbeiter. Im Jahr 1890 waren es 1.480 Arbeiter und 48 Angestellte.
Das Unternehmen beteiligte sich an zahlreichen Weltausstellungen, z. B. 1862 in London, 1867 in Paris, 1876 in Philadelphia, 1877 in Kapstadt sowie 1889 und 1900 in Paris und wurde dabei mit zahlreichen Medaillen ausgezeichnet. Höhepunkt war die Teilnahme an der Weltausstellung in Paris im Jahr 1900, die stark vom Jugendstil geprägt war. Die ausgestellten Teppiche wurden nach den Entwürfen von Alfons Mucha (1860–1939), Hans Christiansen (1866–1945) und Georg Sturm (1855–1923) und Felician Myrbach (1853–1940) sowie dem Architekten Rudolf Hammel (1862–1937) hergestellt. Den Grand Prix gewann ein 4,5 m × 6,0 m großer Wandteppich, der nach dem Entwurf des Chefdesigners der Firma Josef Halbig gefertigt worden war.
In dieser vom Jugendstil geprägten Zeit verstärkte die Firmenleitung die Zusammenarbeit mit zahlreichen Künstlern, Designern und Architekten, dazu gehörten Persönlichkeiten wie Rudolf Hammel, Hans Christiansen, Carl Moll (1861–1945), Alfons Mucha, Felician Myrbach, Joseph Maria Olbrich (1867–1908), Jože Plečnik (1872–1957), Georg Sturm, Charles Voysey (1857–1941). Diese Künstler schufen etwa 800 Jugendstilentwürfe für die Maffersdorfer Fabrik.[13][14] Der Chefdesigner der Firma Josef Halbig besucht im April 1910 Florenz und besichtigte bei einem Antiquitätenhändler eine große Stoffsammlung. Dort skizzierte er 130 Renaissancemuster, von denen viele für Teppiche und Decken verwendet werden konnten. Weitere Skizzen fertigte er in der Biblioteca Laurenziana, in der Trinita-Kirche, im Palazzo Vecchio und im Archäologischen Nationalmuseum an. Dies zeigt, wie viel Aufmerksamkeit das Unternehmen der Vorbereitung und Erstellung von Mustern für seine Produkte widmete. In dieser Zeit wurde neben der Wandteppichweberei auch eine Restaurierungswerkstatt etabliert.
Der Wohlstand und die Blütezeit der Fabrik spiegelten sich auch in der Mitarbeiterzahl wider. Im Jahr 1905 beschäftigte das Unternehmen 1.600 Mitarbeiter. Im Jahr 1907 wurde an der Stelle des ersten Kesselhauses ein neues, modernes Kesselhaus errichtet. Nach einem Brand auf dem Gelände der ehemaligen Elstner-Mühle im Februar 1907 wurde 1910 ein neues Spinnereigebäude errichtet, das bis heute im nahezu unveränderten Zustand erhalten geblieben ist.
Im Jahr 1912/13 wurde für die Firma ein neues Verwaltungsgebäude (Tanvaldská 345) errichtet, Architekten waren Heinrich Kühn und Max Fanta (Kühn & Fanta in Reichenberg), später war es die Zentrale von Bytex. Es war die Zeit der größten Erfolge der Maffersdorfer Fabrik. Noch im Februar 1913 begann die Fabrik mit der Auslieferung einer neuen Qualität von Axminster-Teppichen. Die Produktion handgeknüpfter Teppiche erreichte in diesem Jahr ein Volumen von 31.981 m². Zu dieser Zeit arbeiteten 50 Zeichner und 32 Kopisten im Firmensalon.
Kurz vor dem Ersten Weltkrieg beauftragte Wilhelm Ginzkey den Architekten Leopold Bauer (1872–1938) mit dem vollständigen Umbau der Fabrik. Das Projekt umfasste den Bau einer neuen Energiezentrale mit eigenem Kraftwerk und die Elektrifizierung der gesamten Fabrik sowie den Bau neuer Produktions- und Lagerhallen, eines Eingangstors und einer Arbeitersiedlung mit Geschäften, Schule, Theater und Sportplatz. Von diesem großzügigen Projekt wurde jedoch nur ein kleiner Teil verwirklicht. In den Jahren 1916 bis 1919 entstanden ein Kesselhaus, ein Kraftwerk sowie ein Bekohlungs- und Wasserturm und 1924 wurde noch ein Lagergebäude errichtet. Bauer entwarf 1929 auch noch eine neue Spinnerei, die auf Grund der Weltwirtschaftskrise jedoch nicht mehr gebaut wurde.[15] Während des Ersten Weltkriegs richtete sich das Unternehmen auf die Produktion von Decken für die Gemeinsame Armee um.[16][17]
Entwicklung nach dem Ersten Weltkrieg
Nach der Unabhängigkeitserklärung der Tschechoslowakischen Republik am 28. Oktober 1918 kehrten ab Mitte November einige Mitarbeiter des Unternehmens aus dem Krieg an ihre Arbeitsplätze zurück. Im Dezember wurde Alfred Mallmann (1885–1945) zum Prokuristen der Firma ernannt. Wilhelm Ginzkey behielt jedoch als Vorsitzender des Aufsichtsrats die Kontrolle über das Unternehmen. Im Januar 1919 trat Egon Mallmann (1890–1980), Alfreds Halbbruder, in die Fabrik ein. Dies führte nun dazu, dass die Mallmanns die Unternehmensleitung dominierten, beide waren aber Neffen von Wilhelm Ginzkey. Die 1920er Jahre waren die Blütezeit der Maffersdorfer Firma, sie erlebte ihre größten Erfolge, produzierte qualitätsvolle Teppiche und wurde zu einem führenden Hersteller von Decken. Im Jahr 1926 wurde zum 70. Geburtstag von Wilhelm Ginzkey ein Jubiläumsteppich gefertigt.[18][19][20]
Ginzkey reiste zu Ausstellungen auf fast allen Kontinenten, um die Maffersdorfer Teppichfabrik international bekannt zu machen.[21]
Teppich für das Waldorf Astoria Hotel
Der wohl berühmteste Teppich für die Eingangshalle des Waldorf Astoria Hotels in New York wurde im Jahr 1928 geliefert. Der Teppich mit einer Fläche von 326 m² und einem Gewicht von 1.230 kg wurde mit 13.013.600 Knoten geknüpft. Er wird als größter Teppich der Welt bezeichnet.[22][23]
Im Jahr 1930 unterhielt das Maffersdorfer Unternehmen Vertriebsbüros in dreißig Hauptstädten Europas, Nord- und Südamerikas, Afrikas und Asiens. Die Weltwirtschaftskrise traf jedoch auch das Maffersdorfer Werk hart. Im Dezember 1932 musste das Unternehmen fast alle Mitarbeiter entlassen. Mit dem Tod von Wilhelm Ginzkey im April 1934 endete auch die Ära der zweiten Generation der Ginzkeys in der Maffersdorfer Teppichfabrik. Unter seiner Führung hatte das Unternehmen eine weitsichtige Sozialpolitik betrieben, z. B. durch die Gründung einer eigenen Betriebskrankenkasse, einer Pensionskasse (ab 1884) und eines Verbrauchervereins mit niedrigen Preisen. Im Jahr 1904 wurde das „Martha-Heim“ eröffnet, eine Versorgungseinrichtung für Arme. Mit den Mitteln des Unternehmens wurden Kantinen, ein Krankenhaus und ein Altenheim für die Mitarbeiter gebaut. Wilhelm Ginzkey hatte einen grundlegenden Beitrag zum weiteren Wachstum und zur Entwicklung der Firma, ihrer technischen Ausstattung, dem hohen Niveau und der Ästhetik ihrer Erzeugnisse geleistet und damit auch zur Entwicklung von Maffersdorf beigetragen.[16]
Die dritte Generation
Anfang der 1930er Jahre, während der Weltwirtschaftskrise, geriet das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste sogar einen Konkurs abwenden. Aufgrund der hohen Kredite geriet das Unternehmen unter enormen Druck der Banken, die einen Plan zur Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft ausarbeiteten, um kostengünstig eine große Fabrik zu erwerben. Letztendlich scheiterten aber die langwierigen Verhandlungen mit den Banken über eine Beteiligung am Unternehmen und die Eigentümer Mallmann und Ginzkey konnten ihr Unternehmen retten.[24]
Während des Zweiten Weltkriegs erlebte das Unternehmen einen erneuten Aufschwung. Im Jahr 1943 konnte es sein 100-jähriges Bestehen feiern. Vor allem durch die Produktion von Decken für die Wehrmacht konnte das Unternehmen seine Schulden endgültig begleichen. Bis 1945 waren Egon Fritz Phillip Mallmann zusammen mit seinem Halbbruder Alfred Mallmann, seinem Cousin Heinrich Ginzkey und seiner Tante Julia Culp-Ginzkey die vier Gesellschafter des Unternehmens.[25]
Entwicklung nach 1945
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs endet auch die über hundertjährige Geschichte der Teppichfabrik Ignaz Ginzkey.[26] Am 25. Juli 1945 wurden die Gesellschafter der Firma Alfred Mallmann, Egon Mallmann und Heinrich Ginzkey entlassen. Der tschechoslowakische Staat übernahm die Fabrik und führte per Dekret vom 5. September 1945 die staatliche Verwaltung ein. Am 7. März 1946 gründete das Industrieministerium der Tschechoslowakischen Republik mit Wirkung zum 1. Januar 1946 das Staatsunternehmen TOKO (Teppich- und Möbelstofffabriken) mit Sitz in Brno. Die Teppichproduktion wurde nach der Verstaatlichung unter dem Markennamen KOVRAL (Koberec-Vratislavice-Liberec) bis 1990 hier fortgesetzt.
Nach dem Februarumsturz 1948 wurden in der zweiten Phase der Verstaatlichung am 28. April 1948 weitere Textilfabriken in das Unternehmen TOKO eingegliedert. Im Jahr 1949 wurde das Unternehmen TOKO in fünf eigenständige Staatsbetrieb aufgeteilt, dazu zählte auch TOKO Vratislavice (ehemals I. Ginzkey). Die Teppich- und Polsterfabrik Vratislavice n. N. war zwischen 1949 und 1958 intern in neun Werke aufgeteilt, darunter das Werk Vratislavice n. N. und das Werk Proseč n. N. (ehemals Carl Wagner & Co.). Mit Wirkung vom 1. April 1958 wurde das Unternehmen BYTOVÝ TEXTIL n. p. mit Sitz in Vratislavice nad Nisou gegründet. Auf der Weltausstellung Expo 58 in Brüssel erzielten Decken (Plaids mit Fransen) dieser Firma die höchste Auszeichnung – den Grand Prix.[27] Ende 1958 wurde das Werk in PRŮMYSL BYTOVÝCH TEXTILIÍ, n. B. (abgekürzt als „PBT“) umbenannt. Am 1. Januar 1967 wurde das Unternehmen in BYTEX, n. p. mit Sitz in Vratislavice nad Nisou umbenannt und in die VHJ Vlnařský průmysl (Produktions- und Wirtschaftseinheit Wollindustrie) mit Sitz in Brno eingegliedert. Nach der Samtenen Revolution und der damit verbundenen schrittweisen Privatisierung der staatlichen Unternehmen erfolgte am 30. Juni 1990 die Aufspaltung und Privatisierung von BYTEX, n. p. in zehn Einzelunternehmen.[28]
Gebäude unter Denkmalschutz
Im Jahr 2015 wurden vier Gebäude der ehemaligen Teppichfabrik Ignaz Ginzkey & Co. unter Denkmalschutz ÚSKP-Nr. 105775 gestellt.
Die markante architektonische Gestaltung einer Kombination aus Wasserspeicher und Bekohlungsturm ist völlig einzigartig und macht sie zu einem charakteristischen Wahrzeichen der Fabrik und der Stadt.[29]
- Bekohlungs- und Wasserturm: Der Turm befindet sich auf der Westseite des Kraftwerks. Im Untergeschoss befand sich ein Lagerraum für höherwertige Kohle, die über ein Bahngleis zum Turm transportiert wurde. Der Maschinenraum befand sich im ersten und zweiten Obergeschoss. Ein Lagerraum für Kohlenstaub und Asche sowie der Wassertank befanden sich im mittleren Teil des Turms. Darüber befand sich eine Aussichtsterrasse mit einem kleinen achteckigen Pavillon. Der Turm ist durch eine Brücke mit zwei Bogenfeldern mit dem Kesselhaus verbunden. Die Tragkonstruktion des Gebäudes und die Decke des Wassertanks bestehen aus einem Stahlbetonskelett mit massiven Stahlbetonträgern. In den Jahren um 1970 wurde die Heiztechnik von Kohle und Kohlenstaub auf Heizöl umgestellt. Der Wassertank wurde zum Heizöllagertank umgebaut. Seit 2015 setzt sich ein Bürgerverein für den Erhalt und eine künftige kulturelle Nutzung des Turms ein.[30]
- Kraftwerk mit Kesselhaus der Firma Ignaz Ginzkey und Co.: Das Kraftwerk befand sich an der Nordseite des Geländes. Der gemauerte 74 m hohe Fabrikschornstein wurde von der Baufirma Erhart & Ehmann aus Pilsen errichtet, steht innerhalb des Kesselhauses und wird erst oberhalb vom Dach des Gebäudes sichtbar. Im Kesselhaus befinden sich die Überreste der ursprünglichen Kesselanlage. An der Westseite ist es durch eine Brücke mit dem Bekohlungs- und Wasserturm verbunden.
- Verbindungsbrücke: Die Brücke verbindet den Bekohlungsturm mit dem Kesselhaus. Hier war ursprünglich das Förderband für den Kohletransport angeordnet. Die Ziegelbrücke besteht aus zwei Bögen mit einem Mittelpfeiler und ist mit einem Satteldach versehen. Nach der Umrüstung des Kesselhauses auf Heizöl verlief hier die Ölleitung.
- Straßenbrücke: Die Straßenbrücke über die Lausitzer Neiße ermöglichte den Zugang zum Fabrikgelände vom Süden her, heute ist sie Teil der Rumburská-Straße.
Die Unternehmerfamilien
Die Familien Ginzkey und Mallmann waren bis 1945 die Eigentümer des Unternehmens.[9][25][31]
Familie Ginzkey
- Ignaz Ginzkey (1819–1876), Gründer der Teppich- und Deckenfabrik in Maffersdorf, seit 1847 verheiratet mit Julie Bergmann (1826–1909)
- Wilhelm Ginzkey (* 8. September 1826 in Maffersdorf; 20. September 1885 in Maffersdorf), Bruder von Ignaz Ginzkey, Leiter der Färberei der Teppichfabrik I. Ginzkey
- Ignaz Ginzkey jun. (* 27. Juli 1851 in Maffersdorf; † 10. Oktober 1895 in Maffersdorf), Sohn von Ignaz Ginzkey, verheiratet mit Helena Ginzkey, geb. Suess, beider Töchter Nelli Ginzkey und Crista Ginzkey, Präsident der Handels- und Gewerbekammer in Reichenberg
- Anna Ginzkey (1853–1895), verheiratet mit Oskar Klinger (1844–1927) in Neustadt an der Tafelfichte – Nové Město pod Smrkem
- Maria Juliane Ginzkey (1855–1904), Tochter von Ignaz Ginzkey, verheiratet mit Carl Arthur Joseph Mallmann
- Wilhelm Ginzkey (* 26. Oktober 1856 in Maffersdorf; † 29. April 1934 in Reichenberg), genannt Willy, Sohn von Ignaz Ginzkey, verheiratet mit Rosa Ginzkey, geb. Mrzina (1871–1905) und Julia Bertha Culp-Ginzkey (* 6. Oktober 1880 in Groningen; † 13. Oktober 1970 in Amsterdam), niederländische Sängerin jüdischen Glaubens
- Ida Agatha (* 1859–?)
- Rosa Antonie Ginzkey (1861–1885), Tochter von Ignaz Ginzkey, verheiratet mit Carl Arthur Joseph Mallmann
- Hermine Louise Anna Ginzkey (1864–1933), Tochter von Ignaz Ginzkey, Malerin
- Alfred Ginzkey (* 28. September 1866 in Maffersdorf; † 27. Juni 1911 in Dresden), Sohn von Ignaz Ginzkey
- Martha Margareta Ginzkey, geb. von Schmitt (1872–1950), verheiratet mit Alfred Ginzkey, Stifterin des Marthaheims (Altersheim)[31][32]
- Helene (Nelly) Anna Maria Friederike Ginzkey (* 17. Januar 1887 in Maffersdorf; † 23. Mai 1967 in Wien), Tochter von Ignaz Ginzkey jun., verheiratet mit Oktave Josef Felix Roman Graf Orlowski und in 2. Ehe mit Felix Georg Ludwig Ritter Gutmannsthal von Benvenuti[33]
- Alfred Ginzkey jun. (30. Januar 1897 in Reichenberg; † 10. Januar 1975 in Wien), Sohn von Alfred Ginzkey, verheiratet mit Carla Zelenka, nach 1918 Leiter der Niederlassung in Wien, Gesellschafter der Firma bis 1943
- Adeline (Ada) Ginzkey (* 26. März 1898; † 6. Juli 1999 in Wien), Tochter von Alfred Ginzkey[34]
- Heinrich Theodor Ginzkey (* 17. September 1903 in Maffersdorf; † 10. Januar 1971 in Lofer), genannt Heinz, Sohn von Alfred Ginzkey, heiratete 1930 Margarethe, geb. Seidl († 1993), Gesellschafter der Firma bis 1945[35]
- Yolanda Schmidt-Ginzkey (* 1931), Tochter von Heinrich Ginzkey, Nichte von Ada Ginzkey[35]
- Christoph Schmidt-Ginzkey (* 1961), Sohn von Yolanda Ginzkey, Architekt in Wien[36]
Familie Mallmann
- Carl Arthur Joseph Mallmann (* 1. November 1847 in Boppard; † 27. Juni 1908 in Boppard), Sohn von Jacob Mallmann (1815–1880), verheiratet mit Rosa Antonie Ginzkey (1861–1885) und in 2. Ehe mit Maria Juliane Ginzkey (1855–1904), Generalrat in der Firma
- Carl Mallmann, Sohn von Carl Arthur Joseph Mallmann
- Alfred Wilhelm Franz Mallmann (oder Alfred W. Mallmann) (* 25. April 1885 in Reichenberg; † 25. Juli 1945 in Maffersdorf), Sohn von Carl Arthur Joseph Mallmann, verheiratet mit Rosamunde Mallmann, geb. Fay Olis († 1979), ab 1909 technischer Direktor, ab 1918 Prokurist des Unternehmens, Gesellschafter der Firma bis 1945 und von 1934 bis 1945 Generaldirektor des gesamten Unternehmens, starb 1945 durch Selbstmord oder Herzinfarkt
- Hermine (Mizzi) Anna Wilhelmine Mallmann (* 15. Dezember 1888 in Reichenberg; † 30. Oktober 1957 in Klagenfurt), Tochter von Carl Arthur Joseph Mallmann, verheiratet mit Theodor Karl Johann Jovanović, Edler von Hambar (1888–1958)
- Egon Fritz Phillip Mallmann (* 2. November 1890 in Reichenberg; † 13. Oktober 1980 in Kitzbühel), Sohn von Carl Arthur Joseph Mallmann, verheiratet mit Lieselotte Mallmann († 1985 in Kitzbühel), ab 1919 Leiter der Maffersdorfer Fabrik, Gesellschafter der Firma bis 1945
- Wilhelm Egon Mallmann (* 5. Juli 1917 in Maffersdorf; † 4. April 2004 in Salzburg), Sohn von Alfred Mallmann[37]
- Flavia Winger, geb. Mallmann, Tochter von Alfred Mallmann
- Matthias Mallmann (1940–?), Sohn von Egon Mallmann
- Egon Mallmann jun. (1941–?), Sohn von Egon Mallmann
Die Ginzkey-Villen in Maffersdorf
- Wohn- und Gewerbehaus der Familie Ignaz Ginzkey in Maffersdorf Nr. 111, 1963 abgerissen
- Villa 1 (Untere Villa) in Maffersdorf ev. 121, erbaut 1867/68 für Ignaz Ginzkey sen., später Haus Willy Ginzkey, bis 1945 bewohnt von den Familien Alfred und Egon Mallmann, in den 1960er Jahren abgerissen
- Villa 2 (Obere Villa) in Maffersdorf, Tanvaldská 224, erbaut 1882/83 vom Reichenberger Baumeister Gustav Miksch nach einem Entwurf von Edmund Trossin für Ignaz Ginzkey jun., nach dessen Tod bewohnt von Helena Ginzkey und ihren Töchtern Nelli und Crista, jetzt Gesundheitszentrum
- Villa 3 (Herrenhaus Ginzkey, auch als Schloss bezeichnet) in Maffersdorf, Poštovní 280, erbaut 1897/98 für Alfred Ginzkey nach einem Entwurf von Hans Grisebach und Georg Dinklage, bis 1945 bewohnt von der Familie Heinrich Ginzkey, im Februar 1948 durch ein Feuer im Obergeschoss stark beschädigt, jetzt unter Denkmalschutz[38]
- Villa 4 (Villa am Schlosspark) in Maffersdorf, Poštovní 233, bis 1945 bewohnt von Adeline (Ada) Ginzkey
Weitere Besitzungen der Familie waren das
- Jagdschloss bzw. Landhaus Ginzkey in Hammer am See (Hamr na Jezeře)[39]. Entwurf von Leopold Bauer (um 1919) und die
- Feste Krassa (Chrastná) in Oschitz (Osečná), von 1921 bis 1945 im Besitz der Familie Ginzkey.
Die Antiquitäten, Kunstgegenstände, Teppiche und Möbel aus den Ginzkey-Villen wurden nach 1945 nach Prag, in das Schloss Sychrov und in das Liberecer Gewerbemuseum gebracht oder sie wurden gestohlen bzw. sind beim Brand des Herrenhauses im Februar 1948 zerstört worden.[2]
Weitere Unternehmen in Vratislavice nad Nisou und Proseč nad Nisou
In Maffersdorf gab es seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhundert eine Reihe von weiteren Unternehmen, insbesondere der Textilindustrie, z. B.
- Teppich- und Deckenfabrik Carl Wagner & Co. in Proschwitz - Proseč nad Nisou später unter Artur und Oskar Wagner geführt[40][41]
- Baumwollspinnerei Josef Herzig und Söhne in Neuwald (Nový Svět, OT von Proseč nad Nisou, Prosečská 273) [42][43]
- Spinnerei Ignaz Möller in Proschwitz - Proseč nad Nisou, Prosečská 150, am Hölleflössl unterhalb der drei Hölleteiche (Peklo I, II und III), die I. Ginzkey von 1856 bis 1858 gepachtet hatte
- Elstner-Mühle, später Elstner-Spinnerei-Fabrik in Maffersdorf - Vratislavice, Dlouhomostecká
- Lithographische Anstalt Conrad Jäger, Proschwitz - Proseč nad Nisou, Prosečská 130 und 141[44]
- Porzellanfabrik Eduard Stiassny (1896)
Literatur
- Kristina Uhlíková (Hrsg.): Konfiskované osudy - Umělecké památky z německého majetku získaného československým státem a jejich severočeští majitelé (Konfiszierte Schicksale. Kunstdenkmäler aus deutschem Besitz, erworben durch den tschechoslowakischen Staat und ihre nordböhmischen Besitzer) (tschech.), 2020, Artefactum, ISBN 978-80-88283-24-9, 703 S.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Industriální topografie: Ignaz Ginzkey a Co., výroba koberců (tschech.) (abgerufen am 25. Dezember 2025)
- ↑ a b Was geschah mit dem beweglichen Besitz der Ginzkeys und Mallmanns nach 1945? auf muzeum-libea.cz (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Maffersdorf-Chronik: Die Firma Ignaz Ginzkey (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Teppich- und Deckenfabrik Ignaz Ginzkey Maffersdorf auf mapy.cz
- ↑ Fa. I. Ginzkey – 1: Vom Handwebersohn zum Großindustriellen (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Teppich- und Deckenfabrik Ginzkey (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Tschechische Mühlen-Datenbank: Donathův, Gürtlerův mlýn (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Vratislavické mlýny - Gürtlerův mlýn auf muzeum-libea.cz (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ a b Ignaz Ginzkey (1819–1876) – Gründer der Teppichfabrik in Vratislavice auf muzeum-libea.cz (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Tschechische Mühlen-Datenbank: Elstnerův mlýn (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Vratislavické mlýny - Elstnerův mlýn auf muzeum-libea.cz (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Kraft- und Dampfmaschinen für Ignaz Ginzkey, Wollwaren- und Teppichfabrik (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Die Geschichte eines Teppichdesigns von Alfons Mucha auf muzeum-libea.cz (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Designer im Dienst der Firma I. Ginzkey auf muzeum-libea.cz (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Leopold Bauer: Gesund wohnen und freudig arbeiten. Wien: Kunstverlag Anton Schroll & Co., 1919, 66 S.
- ↑ a b Teppichfabrik in der 2. Generation der Ginzkeys (1876–1934) auf muzeum-libea.cz (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Fa. I. Ginzkey – 2: Die zweite Generation übernimmt ein solides Erbe (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Jubiläumsteppich von 1926 auf muzeum-libea.cz (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Marek Řeháček: Obrázky z Vratislavic nad Nisou 2021/11 (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Broschüre: Geschichte des Jubiläumsteppichs, hrsg. vom IGI VRATISLAVICE, 20 S.
- ↑ Fa. I. Ginzkey – 3: Auf der Höhe der Entwicklung (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Teppich für das WALDORF ASTORIA Hotel in New York (1928) auf muzeum-libea.cz (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Hier entstand der größte Teppich der Welt (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Fa. I. Ginzkey – 4: Die Firma in der großen Krise (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ a b Die Fabrik von Mallman und Ginzkey in der 3. Generation (1934–1945) auf muzeum-libea.cz (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Fa. I. Ginzkey – 5: Alles ist zu Ende (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ TOKO – Deckenproduktion nach 1945 in Vratislavice (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Von der Tepichfabrik I. Ginzkey zu BYTEX auf muzeum-libea.cz (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Architektur in Nordböhmen: Zauhlovací a vodárenská věž s elektrárnou (Bekohlungs- und Wasserturm eines Kraftwerks) (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Ginzkeys Teppichfabrik in Vratislavice (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ a b Maffersdorf – Erinnerungen in Bildern, S. 56 (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Martha Ginzkey (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Maffersdorf 2025 (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Reichenberger Heimatblatt 1999 (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ a b Yolanda Ginzkey - Im Reichenberger Kreisgericht (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Neuigkeiten aus Maffersdorf (abgerufen am 24. Oktober 2025)
- ↑ Salzburg-Wiki: Wilhelm Mallmann (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Grisebach, Hans auf glas-portal (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Landhaus Willy Ginzkey (abgerufen am 7. November 2025)
- ↑ Firma Carl Wagner & Co. (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Industriální topografie: Carl Wagner a spol., výroba koberců a přikrývek (tschech.) (abgerufen am 25. Dezember 2025)
- ↑ Baumwollspinnerei J. Herzig und Söhne (abgerufen am 6. Oktober 2025)
- ↑ Industriální topografie: Josef Herzig a synové, přádelna bavlny (tschech.) (abgerufen am 25. Dezember 2025)
- ↑ Conrad Jäger - Litographische Anstalt Proseč nad Nisou auf muzeum-libea.cz (tschech.) (abgerufen am 6. Oktober 2025)