Verfolgung der Sinti und Roma in Herne
Die Verfolgung der Sinti und Roma in Herne erreichte ihren Höhepunkt in der Zeit des Nationalsozialismus.[1][2] Die beiden Städte Herne und Wanne-Eickel waren in dieser Zeit selbstständig und wurden erst 1975 zusammengelegt.
Die Roma und Sinti, waren eng mit dem alljährlichen Cranger Pferdemarkt und der Cranger Kirmes verbunden, wie es heute noch in den alten Zeitungen von 1930 und 1932 zu finden ist: „Abseits, hinter der Herrstraße, hat eine Schar aus dem unvermeidlichen Train des Kirmesheeres, eine Horde Zigeuner, ihr Lager aufgeschlagen. Auch hierhin zieht sich ein großer Teil der Schaulustigen. Man demonstriert eine Abart Romantik, die mit der solchen Volksfesten zugrunde liegenden Kindlichkeit harmonisch zusammen klingt.“[3] „Die Vorboten des Pferdemarktes. Sie stellen sich allmählich ein, die Zigeuner, ohne die man sich gar keinen Cranger Pferdemarkt und auch nicht die Cranger Kirmes denken kann.“[4][1]
Bis 1935 gab es traditionelle innerstädtische Lagerplätze im Cremershof an der Bahnhofsstraße, an der Goethestraße und an der Flottmannstraße. 1935 fand parallel zur Cranger Kirmes in Wanne-Eickel eine nationale Fachtagung des „Ambulanten Gewerbes“ statt mit der Botschaft: „Auch mit den Zigeunern im Schaustellerwesen, wie mit allen, deren Verhalten nicht der Würde entspricht, zu der jahrtausendalte Tradition verpflichtet, wird das ambulante Gewerbe gründlich aufräumen.“ Ab Dezember 1935 wurde der Sportplatz an der abgelegenen Weichselstraße (heute ein Teil der Sodingerstraße) als einzige Lagerstätte für die Sinti und Roma vorgeschrieben. Die Stadt Gelsenkirchen betrieb hier auf der anderen Seite des Rhein-Herne-Kanals ebenfalls ein „Zigeunerlager“.[1]
1936 begann die systematische genealogische und rassistische Erfassung der Sinti und Roma im Reichsgebiet.[1]
Aufgrund des Auschwitz-Erlasses von Heinrich Himmler wurden am Morgen des 10. März 1943 die der Sinti und Roma von Kriminalpolizei und Gestapo festgenommen, das Eigentum beschlagnahmt und Geldbörsen eingezogen. Von Herne, Wanne-Eickel und Wattenscheid aus erfolgte der Transport zum Bahnhof Bochum-Nord. Die Ankunft des Sammeltransportes im Zigeunerlager Auschwitz erfolgte am 13. März 1943.[1] Das Schicksal der dort angekommenen Menschen lässt sich anhand des Hauptbuchs nachvollziehen, das von einem Schreiber und zwei weiteren Häftlingen vergraben wurde, um es vor der Zerstörung durch das Wachpersonal zu schützen. Am 2. August 1944 wurden bei der Auflösung des Lagers mehrere tausend verbliebene Insassen ermordet.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Stadt Herne: Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma.
- ↑ Herne von damals bis heute: Sinti und Roma.
- ↑ Wanne-Eickeler Zeitung, 9. August 1930
- ↑ Wanne-Eickeler Volkszeitung, 4. August 1932