Verfolgung der Sinti und Roma in Gelsenkirchen

Die Verfolgung der Sinti und Roma in Gelsenkirchen erreichte ihren Höhepunkt in der Zeit des Nationalsozialismus.[1][2]

Einige Familien, die zuvor zeitweilig in Gelsenkirchen gelebt hatten, waren nach Köln gegangen, um den Schikanen von Kriminalpolizei, städtischen Dienststellen und der SA in Gelsenkirchen zu entkommen. Dort wurden sie im Zwangslager in Köln-Bickendorf untergebracht. Es handelt sich um die Familien:[2]

  • Rosina Lehmann und Kinder
  • Familie Rosenberg
  • Malla Müller und Josef Wernicke
  • Familie Michael Wernicke
  • Familie Johann Wernicke.

Im Mai 1940 wurde von dort eine grosse Zahl Sinti und Roma in das so genannte Generalgouvernement deportiert.[2]

Die in der Stadt verbliebenen Roma und Sinti wurden auf einem Lagerplatz an der Reginenstraße untergebracht. Heute zählt das Gelände zum Betriebshof der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG an der Stadtgrenze zu Herne. Eine Standgeldliste des „Zigeunerlagerplatzes“ umfasste:

  • die Familie Wilhelm Wernicke und Anna Paul (7 Personen)
  • Familie Franz Grosch (6 Personen)
  • Familie Dietrich Behrens (7 Personen)
  • Familie Paul Geisch (9 Personen)
  • Familie der Witwe Maria Petermann (3 Personen)
  • Familie Maria Müller (5 Personen)
  • Familie Josef Zenz (3 Personen)
  • Familie von Weschko Weiss und Sophie mit vier Kindern

Der Auschwitz-Erlass vom 16. Dezember 1942 von Heinrich Himmler selbst ist im Wortlaut nicht mehr bekannt. In den entsprechenden Ausführungsbestimmungen („Schnellbrief“) des Reichskriminalpolizeiamts (RKPA) vom 29. Januar 1943 wurde verfügt: „Auf Befehl des Reichsführers SS vom 16.12.42 – Tgb. Nr. I 2652/42 Ad./RF/V. – sind Zigeunermischlinge, Rom-Zi- geuner und nicht deutschblütige Angehörige zigeunerischer Sippen balkanischer Herkunft nach bestimmten Richtlinien auszuwählen und in einer Aktion von wenigen Wochen in ein Konzentrationslager einzuweisen. Dieser Personenkreis wird im nachstehenden kurz als ‚zigeunerische Personen‘ bezeichnet. Die Einweisung erfolgt ohne Rücksicht auf den Mischlingsgrad familienweise in das Konzentrationslager Auschwitz.“

Am 10. März 1943 erfolgte der Transport von 62 Menschen in das Zigeunerlager Auschwitz.[1] Dort wurden sie im Hauptbuch des Zigeunerlagers verzeichnet, das von Häftlingen vor der Zerstörung bewahrt wurde.

Einzelne Fälle

Zu den Opfern zählt die Familie Böhmer. Die Familie Böhmer lebte seit 1930 in Gelsenkirchen. Der Musiker Karl Böhmer, geboren am 26. September in Bochum, wurde am 9. Dezember 1941 festgenommen. Er verstarb im KZ Niederhagen, Wewelsburg angeblich an Lungenentzündung. Seine Frau Anna und die neun Kinder, die in der Bergmannstraße 34 wohnten, wurde zunächst in das Internierungslager an der Reginenstraße gebracht. Schließlich wurden sie in das sogenannte Zigeunerlager in Auschwitz deportiert. Dort kamen die Mitglieder seiner Familie um bzw. wurden ermordet:

  • Anna Böhmer, geboren am 10. Oktober 1909 in Rossov, Tod am 16. Dezember 1943,
  • Sonia Böhmer, geboren am 30. Mai 1930 in Gelsenkirchen, weiterer Leidensweg nicht bekannt,
  • Elisabeth Böhmer, geboren am 29. August 1931 in Gelsenkirchen, Tod in Auschwitz am 10. Juli 1943,
  • Rosa Böhmer, geboren am 22. September 1933 in Gelsenkirchen, Tod in Auschwitz am 13. August 1943,
  • Willy Böhmer, geboren am 27. März 1935 in Gelsenkirchen, Tod in Auschwitz 10. Januar 1944,
  • Karl Böhmer, geboren am 10. April 1937, Tod in Auschwitz am 9. Juli 1943,
  • Marie Böhmer geboren am 23. September 1938 in Gelsenkirchen, Tod in Auschwitz am 3. August 1943,
  • Sophie Böhmer, geboren am 18. August 1939 in Gelsenkirchen, Tod in Auschwitz am 3. August 1943,
  • Albert Böhmer, geboren 1940 in Gelsenkirchen, Tod in Auschwitz am 19. April 1943,
  • Werner Böhmer, geboren am 1. September 1942 in Gelsenkirchen, Tod in Auschwitz am 24. März 1943.

Einzelnachweise

  1. a b Gelsenzentrum: März 1943 - Deportation der Gelsenkirchener Sinti und Lovara nach Auschwitz-Birkenau.
  2. a b c Gelsenzentrum: Digitales Gedenkbuch Gelsenkirchen Teil II.