Usine sidérurgique d’Hagondange
Die Usine sidérurgique d’Hagondange (Stahlwerk Hagondange) war ein Stahlwerk in Hagondange in Lothringen.
Geschichte
Die Epoche August Thyssen
1899 wurde die S.A. des Minières et Usines de Pierrevillers (Pierrevillers Bergwerke und Fabriken AG) in der Nähe von Hagondange gegründet, um die lothringischen Erzvorkommen (Minette-Erze) zu verarbeiten. Nach finanziellen Schwierigkeiten übernahm August Thyssen 1905 das Werk, Teile Lothringens gehörten von 1871 bis 1918 zum Deutschen Reich. Zur Verhüttung der Minette-Erze wurde Kohlen und Koks aus dem Ruhrgebiet angeliefert, im Austausch wurden Minette-Erze ins Ruhrgebiet geliefert. Am 6. März 1910 wurde das Stahlwerk Thyssen AG in Hagondange gegründet. 1912 wurden die ersten zwei von vier geplanten Hochöfen angeblasen. Der Krieg verhinderte den weiteren Ausbau.[1]
Zwischenkriegszeit in der Französischen Republik
Nach 1918 wurde Lothringen wieder französisch. Der französische Staat übernahm die Firma und sie wurde 1920 von der neu gegründeten Union des Consommateurs de Produits Métallurgiques (UCPMI) (Verband der Verbraucher metallurgischer Produkte) übernommen. Diese Firma vertrat die Interessen der Stahlverbraucher. Um die Abhängigkeit der Kokslieferungen vom Ruhrgebiet zu beenden, wurde 1927 mit dem Bau einer Kokerei begonnen. Um den Transport zu erleichtern, wurde 1929 mit dem Bau des Canal des mines de fer de la Moselle (Mosel-Eisenminenkanal) begonnen, der Thionville mit Metz verbindet. Er wurde 1932 eröffnet, da aber nur Schiffe der Péniche-Klasse, maximal 400 t, ihn befahren konnten, brachte er keine große Reduktion der Transportkosten. Während der großen Depression der 1930er Jahre hatte das Werk finanzielle Schwierigkeiten. 1932 gründete Louis Renault die Société des Aciers Fins de l’Est (SAFE) (Gesellschaft der Stahlwerke in Ostfrankreich), um die Versorgung seiner Fabriken mit Stahl sicherzustellen.[2][3]
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Usine d’Hagondange 1921 Hochofen
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Usine d’Hagondange 1921 Siemens-Martin-Ofen
Zweiter Weltkrieg
Nach 1940 annektierte Deutschland Teile Lothringens, darunter auch Hagondange (auf Deutsch Hagendingen), das Stahlwerk wurde Teil der Reichswerke Hermann Göring. Bis 1942 wurde die Produktion der Gruppe Süd-West, zu der Hagondange gehörte, von 516.000 auf 623.000 Tonnen gesteigert. 1943 arbeiteten 6350 Arbeiter in Hagondange.[3][4]
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Hagondange das modernste Stahlwerk in Frankreich.[5] Nach dem Krieg wurde das Werk weiter modernisiert und ausgebaut. Ein vierter Hochofen wurde in Betrieb genommen, die Aufarbeitung des Erzes wurde verbessert durch eine Agglomerations-Anlage.[3]
Neuorganisation und Ende
Ab 1963 wurde klar, dass die UCPMI zu klein war, um zukünftig rentabel zu arbeiten. Die Firma wurde mit der Société Métallurgique de Knutange (SMK) (Metallwerke Knutage) zur Société Mosellane de Sidérurgie (SMS) (Mosel-Stahlindustrie) vereinigt. Auch die neue Firma war zu klein, um weiter investieren zu können. Am 1. Januar 1968 wurde sie mit der Union Sidérurgique Lorraine, de Wendel et Cie und Sidélor fusioniert zu Wendel-Sidélor. 1974 traf die Stahlkrise die lothringischen Betriebe schwer. Zwischen 1968 und 1980 wurde die Belegschaft mehr als halbiert, mehr als 31.000 Arbeitsplätze gingen verloren.[6] 1979 wurde der letzte Hochofen ausgeblasen. Die Firma Ascométal übernahm mit der SAFE einen Rest der Spezial-Stahlherstellung mit ca. 680 Arbeitern.[7] 2025 musste Ascométal Konkurs anmelden, das Werk Hagondange wurde geschlossen, 434 Arbeiter verloren ihren Arbeitsplatz.[2][8][9]
Literatur
- Françoise Berger: La France, L’Allemagne et l’Acier (1932–1952) – De la Stratégie des Cartels a l’Élaboration de la CECADE, Histoire, Université Panthéon-Sorbonne – Paris I, 2000. Online[10]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ thyssenkrupp - Historie. Thyssen Krupp, 2025, abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ a b Historique de l'usine UCPMI à Hagondange. In: Le Républicain Lorrain. 15. Juli 2017, abgerufen am 25. November 2025 (französisch).
- ↑ a b c Usine U.C.P.M.I. / Sacilor Hagondange (France). In: industrie.lu - Die Industriegeschichte Luxemburgs, und darüber hinaus. industrie.lu a.s.b.l., 2025, abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ Françoise Berger: La France, L'Allemagne et l'Acier (1932-1952). S. 406.
- ↑ Françoise Berger: La France, L'Allemagne et l'Acier (1932-1952). S. 714.
- ↑ Monique Thouvenin: De WENDEL-SIDÉLOR à SACILOR-SOLLAC : 1968-1980. 13 années de mutations difficiles en Lorraine. In: Persée - Université de Lyon, du CNRS et de l'ENS de Lyon. Revue Géographique de l'Est, 1981, abgerufen am 25. November 2025 (französisch).
- ↑ Ascométal dope ses usines de Fos et Hagondange. In: L'Usine Nouvelle. 20. September 2007, abgerufen am 25. November 2025 (französisch).
- ↑ Pascale Braun: Le français Asco Industries reprend Ascométal. In: L'Usine Nouvelle. 22. Mai 2024, abgerufen am 25. November 2025 (französisch).
- ↑ Novasco : "La fin de la sidérurgie chez nous", s'émeut la maire d'Hagondange, dont le site est condamné à la liquidation. In: France Inter. Radio France, 17. November 2025, abgerufen am 25. November 2025 (französisch).
- ↑ Françoise Berger: LA FRANCE, L’ALLEMAGNE ET L’ACIER (1932-1952). DE LA STRATEGIE DES CARTELS A L’ELABORATION DE LA CECA. In: HAL Thèses - thèses en ligne. CNRS, 2000, abgerufen am 25. November 2025 (französisch).