Ullensvang
| Wappen | Karte | |
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | Norwegen | |
| Kommunennummer: | 4618 | |
| Provinz (fylke): | Vestland | |
| Verwaltungssitz: | Odda | |
| Koordinaten: | 60° 19′ N, 6° 49′ O | |
| Fläche: | 3.229,9 km² | |
| Einwohner: | 10.981 (1. Jan. 2025)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 3 Einwohner je km² | |
| Sprachform: | Nynorsk | |
| Webpräsenz: | ||
| Verkehr | ||
| Straße: | Europastraße 134 | |
| Lage in der Provinz Vestland | ||
Ullensvang ist eine Kommune im norwegischen Fylke Vestland. Die Kommune hat 10.981 Einwohner (Stand: 1. Januar 2025). Verwaltungssitz ist die Stadt Odda. Die heutigen Grenzen der Kommune entstanden im Jahr 2020, als Odda und Jondal eingemeindet wurden. Ullensvang ist ein beliebtes Ziel bei Touristen und gehört durch seine vielen Wasserkraftwerke zu den Kommunen mit der höchsten Stromproduktion des Landes.
Geografie
Die Kommune Ullensvang liegt im Südosten des Fylkes Vestland in der Hardanger-Region. Sie grenzt im Nordwesten an die Kommune Kvam, im Norden an Voss, im Nordosten an Eidfjord, im Osten in einem Punkt an Nore og Uvdal, im Südosten an Vinje, im Süden an Suldal und Sauda sowie im Südwesten an Kvinnherad und Etne. Die beiden südlichen Nachbarkommunen Suldal und Sauda liegen im benachbarten Fylke Rogaland, Vinje in Telemark und Nore og Uvdal in Buskerud. Die Grenzen zu Kvam und Voss im Norden verlaufen vollständig im Hardangerfjord, der die Nordwestgrenze von Ullensvang bildet. In die Kommune schneidet sich von Norden kommend der Sørfjord, ein südlicher Seitenarm des Hardangerfjords, ein. An dessen südlichen Ende befindet sich die Stadt Odda.[2]
Die Kommune liegt in einer Gebirgslandschaft. Das Terrain steigt an den Seiten der Fjorde steil an, so dass meist nur schmale Küstenstreifen vorliegen. Sowohl im Westen als auch im Osten des Sørfjords werden Höhen von über 1600 moh. erreicht.[2] 83 Prozent der Fläche von Ullensvang liegen auf einer Höhe von mindestens 900 moh.[3] Die höchste Erhebung der Kommune Ullensvang, die Sandfloegga, hat eine Höhe von 1721,26 moh.[4] Der Berg liegt im Südosten der Kommune nahe der Grenze zur Kommune Vinje.[2] An der westlichen Grenze zu den Kommunen Kvinnherad und Etna befindet sich der Gletscher Folgefonna. Er geht in den Folgefonna-Nationalpark (Folgefonna nasjonalpark) ein.[5] Mit dem Hardangervidda-Nationalpark (Hardangervidda nasjonalpark) liegt zudem ein zweiter Nationalpark in Teilen in der Kommune.[6]
In den Bergen der Kommune liegen mehrere Seen, etwa das Røldalsvatnet und das Ringedalsvatnet. Über dem Ringedalsvatnet befindet sich die Trolltunga, ein bekannter Felsvorsprung.[2] Die Gesamtfläche der Kommune beträgt 3.229,9 km², wobei Binnengewässer zusammen 267,47 km² ausmachen.[7] Die Flüsse der Kommune bilden mehrere Wasserfälle. Zwei der Wasserfälle, der Skjeggedalsfossen und die Tyssestrengane, erreichen Fallhöhen von über 300 Meter. Im Oddadalen, einem Tal südlich von Odda, befindet sich der Låtefossen, der zur Storelva herunterfällt.[3]
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Trolltunga mit dem Ringedalsvatnet im Hintergrund
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Blick auf die Ortschaft Lofthus
Einwohner
Der Großteil der Einwohner lebt in den schmalen Küstenstreifen am Hardanger- und Sørfjord sowie im Oddadalen. Die Anzahl der Einwohner ist rückläufig.[3] In der Kommune liegen mehrere sogenannte Tettsteder, also mehrere Ansiedlungen, die für statistische Zwecke als eine städtische Siedlung gewertet werden. Diese sind Jondal mit 427, Skarde mit 330, Odda mit 4750, Tyssedal mit 596, Røldal mit 313, Lofthus mit 601 und Kinsarvik mit 591 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2025).[8]
Offizielle Schriftsprache ist wie in vielen Kommunen in Vestland Nynorsk, die weniger weit verbreitete der beiden norwegischen Sprachformen.[9]
| Jahr | 1986 | 1990 | 1995 | 2000 | 2005 | 2010 | 2015 | 2020 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohnerzahl[10] | 14.012 | 13.543 | 13.086 | 12.440 | 11.973 | 11.465 | 11.463 | 11.048 | 10.981 |
Geschichte und Kultur
In Ullensvang wurden zahlreiche archäologische Funde gemacht. In Jondal befinden sich Felsritzungen aus der Bronzezeit.[3]
Grenzänderungen und Eingemeindungen
Als im Jahr 1838 in Folge der Formannskapslovene die kommunale Selbstverwaltung in Norwegen eingeführt wurde, wurde auch die Kommune Kinsarvik gegründet. Sie wurde 1870 in Ullensvang umbenannt. Die Kommune hatte im Laufe der Zeit viele Grenzänderungen.[11]
Zunächst ging im Jahr 1882 ein von 22 Personen bewohntes Gebiet ans heutige Kvam über. Zum 1. Januar 1913 wurden die Kommunen Odda und Kinsarvik von Ullensvang abgespalten. Odda hatte bei seiner Gründung 3077 Einwohner. Als es 1964 mit der Kommune Røldal zusammengelegt wurde, hatte Odda bereits 9487 Einwohner. Røldal brachte 676 Einwohner mit. Die Kommune Kinsarvik hatte bei ihrer Gründung im Jahr 1913 hingegen 1736 Einwohner. Kinsarvik wurde zum 1. Januar 1964 wieder ein Teil von Ullensvang, als sowohl Kinsarvik mit 1513 Einwohnern als auch Eidfjord mit 983 Einwohnern eingemeindet wurden. Eidfjord wurde 1977 mit dann 1223 Bewohnern wieder abgespalten. Ullensvang hatte nach der Grenzänderung noch 3937 Einwohner.[11]
Im Rahmen einer landesweiten Kommunalreform gingen zum 1. Januar 2020 Odda und Jondal in Ullensvang auf.[12] Odda hatte zuletzt 6745 Einwohner und Jondal 1087.[13] Die Kommune Jondal war 1862 entstanden, als sie mit damals 1663 Einwohnern von Strandebarm abgespalten wurde.[11]
Am 1. Januar 2020 ging Ullensvang zudem im Zuge der Regionalreform in Norwegen vom Fylke Hordaland in das zum 1. Januar 2020 neu geschaffene Fylke Vestland über.[14]
Kirchen
In der Kommune befindet sich mehrere Kirchen. Die Ullensvang kyrkje wurde um 1250 erbaut und hat 350 Sitzplätze.[15] Ebenfalls aus der Zeit um 1250 stammt die Stabkirche Røldal (Røldal stavkyrkje).[16] Die Jondal kyrkje aus dem Jahr 1888 ist eine Holzkirche. Sie verfügt über 450 Sitzplätze.[17] Etwa genauso alt ist die Odda kyrkje aus dem Jahr 1870. Die in Holz erbaute Kirche im Zentrum von Odda hat 500 Sitzplätze.[18]
Weitere Kirchen in Ullensvang sind die Skare kyrkje, die Tyssedal kirke und die Utne kyrkje.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Durch den Süden der Kommune führt die Europastraße 134 (E134), die auch unter dem Namen Haukelivegen bekannt ist. Die Straße verläuft in Ost-West-Richtung quer von Drammen nach Haugesund durch Norwegen. Innerhalb von Ullensvang durchquert die E134 mehrere Tunnel, unter anderem den Røldalstunnel und den Haukelitunnel. Im Süden der Kommune wird die E134 durch den Riksvei 13 gekreuzt. Dieser verläuft in Nord-Süd-Richtung durch die Kommune. Ab Odda führt er an der Ostuferseite des Sørfjords in den Norden. An der westlichen Uferseite verläuft der Fylkesvei 550. Der Fylkesvei 520 stellt in Richtung Südwesten die Verbindung zur Nachbarkommune Sauda her.[2]
Im Juni 2001 wurde der Folgefonntunnel eröffnet, der auf einer Länge von rund 11,1 Kilometern von der Westuferseite des Sørfjords in die Nachbarkommune Kvinnherad führt.[19] In der Nähe des Tunnels befindet sich auch der 10,4 Kilometer lange Jondalstunnel. Er ist Teil des Straßenverlaufs des Fylkesvei 49.[3]
Zwischen Utne und Kinsarvik in der Kommune Ullensvang sowie dem Ort Kvanndal in der Kommune Voss besteht eine Fährverbindung. Neben der Fährverbindung stellt auch die Hardangerbrua, die einen Teil des Riksveis 13 bildet, eine Verbindung zur Norduferseite des Hardangerfjords her. Die Brücke befindet sich kurz hinter der Grenze zur Kommune Eidfjord, von wo sie in die Kommune Ulvik führt.[2]
Wirtschaft
Im Jahr 2021 arbeiteten von rund 5580 Arbeitstätigen etwa 4740 in Ullensvang selbst. Rund 200 Personen pendelten nach Bergen.[20]
Landwirtschaft und Industrie
Im Bereich der Landwirtschaft ist vor allem die Tierhaltung – insbesondere die Haltung von Rindern, Schafen und Hühnern – und der Gartenbau verbreitet. Das milde Klima entlang der Fjordufer bildet insbesondere in den Gebieten, die auch vor 2020 schon zur Kommune Ullensvang gehört haben, die Grundlage für den Obstbau. Angebaut werden vor allem Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen. In Jondal gibt es Anlagen zur Fischzucht.[3]
In der früheren Kommune Odda hat die Industrie eine größere Bedeutung als die Landwirtschaft. Von Bedeutung ist insbesondere die Eisen- und Metallindustrie sowie die mechanische Industrie. In der Stadt Odda und deren Umgebung befinden sich mehrere Schmelzwerke. Die Stadt fungiert auch als regionales Handelszentrum und als Exporthafen für Industrieprodukte.[3]
Wasserkraftwerke
In der Kommune befinden sich zahlreiche Wasserkraftwerke. Ullensvang gehört zu den Kommunen mit der höchsten Stromproduktion des Landes.[3]
Das Wasserkraftwerk Tysso II wurde im Jahr 1967 in Betrieb genommen. Zwischen 1991 und 2020 hatte es eine durchschnittliche Jahresproduktion von rund 1118 GWh. Es nutzt eine Fallhöhe von rund 725 Metern hinunter zum Ringedalsvatnet aus.[21] Am Kraftwerk Oksla, das seit 1980 betrieben wird, liegt die Fallhöhe bei etwa 450 Metern und die durchschnittliche Jahresproduktion beträgt zirka 1082 GWh.[22] Ein weiteres großes Wasserkraftwerk ist das Kraftwerk Røldal aus dem Jahr 1966. Die Fallhöhe beträgt rund 365 Meter und die mittlere Jahresproduktion 889 GWh.[23]
Das frühere Kraftwerk Tyssedal (Tysso I) ist seit 2000 ein denkmalgeschütztes technisch-industrielles Kulturdenkmal. Es war von 1908 bis 1989 in Betrieb und fungiert mittlerweile als Museum (Norsk Vasskraft- og Industristadmuseum).[24]
Tourismus
Ullensvang verzeichnet jährlich eine hohe Anzahl an Touristen. In vielen Ortschaften der Kommune liegen bekannte Hotels. Für die Touristen sind hauptsächlich Outdoor-Aktivitäten von Bedeutung und es gibt unter anderem viele Wanderrouten.[3] Die Trolltunga entwickelte sich in den 2010er-Jahren zu einem beliebten Wanderziel. Bis 2018 stieg die Anzahl der Besucher innerhalb von zehn Jahren von etwa 800 auf rund 90.000. Der starke Anstieg an Touristen führte mit der Zeit dazu, dass die lokale Infrastruktur – insbesondere auch die Bergwacht und das Gesundheitswesen – an ihre Grenzen kam.[25] In Ullensvang gibt es zudem alpine Skianlagen.[3]
Name und Wappen
Ullensvang erhielt im Rahmen der Eingemeindungen im Jahr 2020 ein neues Wappen. Das zuvor verwendete Wappen hatte lediglich andere Farben: Rot statt Blau und Gold statt Silber. Beschreibung: In Blau trennt ein silberner Balken drei silberne Lilien.
Der Name der Kommune leitet sich vom altnordischen Namen Ullinsvangr ab. Ursprünglich war dies vermutlich nur die Bezeichnung des Pfarrhofs. Der Name setzt sich aus dem Gottesnamen *Ullinn und der Nachsilbe „-vang“ (deutsch „offener Platz“ oder „Ebene“) zusammen.[26][27]
Persönlichkeiten
- Knud Knudsen (1832–1915), Pomologe und Landschaftsfotograf
- Frits von der Lippe (1901–1988), Journalist, Theaterkritiker und Theaterleiter
- Zinken Hopp (1905–1987), Schriftstellerin und Übersetzerin
- Claes Gill (1910–1973), Schriftsteller, Journalist, Dichter und Schauspieler
- Bergfrid Fjose (1915–2004), Politikerin
- Anne B. Ragde (* 1957), Schriftstellerin
- Børge Brende (* 1965), Politiker
- Tina Bay (* 1973), Skilangläuferin
- Ingvill Måkestad Bovim (* 1981), Mittelstreckenläuferin
- Håkon Opdal (* 1982), Fußballtorhüter
- Anna Langås Jøsendal (* 2001), Fußballspielerin
Weblinks
- Ullensvang im Store norske leksikon (norwegisch)
- Fakten über Ullensvang beim Statistisk sentralbyrå (norwegisch)
Einzelnachweise
- ↑ 07459: Population, by region, contents and year. In: ssb.no. Statistisk sentralbyrå, abgerufen am 27. Februar 2025 (englisch).
- ↑ a b c d e f Ullensvang kommune. In: Norgeskart. Abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ a b c d e f g h i j Geir Thorsnæs: Ullensvang. In: Store norske leksikon. Abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Høgaste fjelltopp i kvar kommune. Kartverket, abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch (Nynorsk)).
- ↑ Folgefonna nasjonalpark. In: naturbase.no. Miljødirektoratet, abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Hardangervidda nasjonalpark. In: naturbase.no. Miljødirektoratet, abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ 09280: Area of land and fresh water, by municipality (km²) (M) 2007 - 2025. In: ssb.no. Statistisk sentralbyrå, abgerufen am 3. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Population and land area in urban settlements. Statistisk sentralbyrå, 20. November 2025 (englisch).
- ↑ Forskrift om språkvedtak i kommunar og fylkeskommunar (språkvedtaksforskrifta). In: Lovdata. Abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Population. Municipalities, pr. 1.1., 1986 - latest year. In: ssb.no. Abgerufen am 3. Januar 2026 (englisch).
- ↑ a b c Dag Juvkam: Historisk oversikt over endringer i kommune- og fylkesinndelingen. (PDF) In: Statistisk sentralbyrå. 1999, abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Kommunesammenslåinger i kommunereformen. In: regjeringen.no. 3. Januar 2020, abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ 06913: Endringer i kommuner, fylker og hele landets befolkning (K) 1951 - 2025. In: ssb.no. Statistisk sentralbyrå, abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Reform of local government. In: regjeringen.no. 3. Dezember 2020, abgerufen am 3. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Ullensvang kyrkje. In: Kirkesøk. Abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Røldal stavkyrkje. In: Kirkesøk. Abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Jondal kyrkje. In: Kirkesøk. Abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Odda kyrkje. In: Kirkesøk. Abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Geir Thorsnæs, Yngve Jarslett: Folgefonntunnelen. In: Store norske leksikon. Abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Pendlingsstrømmer. Statistics Norway, abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Tysso II. In: NVE. Abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Oksla. In: NVE. Abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Røldal. In: NVE. Abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Knut A. Rosvold: Kraftmuseet (Tysso I kraftverk). In: Store norske leksikon. Abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Ingrid Gulbrandsen Årdal, Arne Egil Tønset: Aukande besøkstal: – Allemannsretten er på nokre måtar under press. In: NRK. 15. Juni 2024, abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Ullensvang. In: Norsk stadnamnleksikon. Abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch (Nynorsk)).
- ↑ Grunnord: vang. In: Norsk stadnamnleksikon. Abgerufen am 3. Januar 2026 (norwegisch (Nynorsk)).