Tsujigahana

Tsujigahana (japanisch 辻ヶ花) ist eine japanische Stofffärbetechnik, die in der Muromachi-Zeit (1336–1573) entstand und bis in die Edo-Zeit (1603–1868) verwendet wurde. Der Begriff Tsujigahana bedeutet wortwörtlich „Blumen an der Straße“ oder „Blumen an der Kreuzung“. Historisch ist unklar, ob sich der Begriff auf bestimmte Farben, Muster oder Färbemethoden bezog. In der westlichen Forschung wurde Tsujigahana im 20. Jahrhundert als spezielle Technik neu definiert, die vorwiegend auf leichten, meist seidenen Geweben angewendet wird. Dabei wird die resist-dyeing-Methode Nuishime Shibori, bei der durch Nähen und Zusammenziehen des Stoffes Bereiche von der Farbe abgeschirmt werden, mit Handmalerei in Tinte kombiniert. Zusätzlich wurden oft Stickereien sowie Gold- und Silberblatt zur Verzierung eingesetzt.[1]

Die entstehenden Stoffe zeigen komplexe, dekorative Muster, häufig mit floralen und bildhaften Motiven. Tsujigahana wurde besonders von Angehörigen der japanischen Oberschicht getragen, vor allem im 16. Jahrhundert. Nach dem Tod eines Mannes wurden seine Tsujigahana-Kleider oft als Erbstücke aufbewahrt, während die Kleider von Frauen häufig an buddhistische Tempel gespendet wurden, um die Durchführung von Gedenkzeremonien zu finanzieren. Dort wurden die Stoffe in einzelne Fragmente zerschnitten, die weiterverwendet und als Altardecken oder Priestergewänder eingesetzt wurden. Im 19. Jahrhundert sahen sich viele Tempel aufgrund finanzieller Schwierigkeiten gezwungen, diese Fragmente zu verkaufen. So gelangten sie auf den Antiquitätenmarkt, wo sie häufig weiter zerschnitten wurden.[1]

Mit dem Aufkommen anderer Färbetechniken, insbesondere des Yūzen-Färbens, ging die Originaltechnik des Tsujigahana gegen Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts weitgehend verloren. Heute existieren nur noch wenige Fragmente, die als Zeugnisse der damals erreichten hohen handwerklichen und künstlerischen Qualität gelten. Im 20. Jahrhundert wurde die wiederentdeckte Färbetechnik vom Textilkünstler Itchiku Kubota neu interpretiert und damit wiederbelebt. Dabei kombinierte Kubota traditionelle Shibori-Techniken mit modernen Textilien und Farbstoffen, um die ursprüngliche Ästhetik und Komplexität des Tsujigahana wiederzugeben. Seine sogenannten „Itchiku Tsujigahana“-Kimonos gelten als Meisterwerke der zeitgenössischen japanischen Textilkunst.[1]

Literatur

  • Terry Satsuki Milhaupt: Tsujigahana Textiles and Their Fabrication. In: Murase, Miyeko (Hrsg.) Turning Point: Oribe and the Arts of Sixteenth-Century Japan. Metropolitan Museum of Art, 2003.
Commons: Tsujigahana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Tsujigahana technique - The Kubota Collection. 18. März 2020, abgerufen am 6. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).