Itchiku Kubota
Itchiku Kubota (japanisch 久保田 一竹; * 7. Oktober 1917 in Kanda, Tokio; † 26. April 2003 in Kawaguchiko) war einer der bedeutendsten japanischen Textilkünstler des 20. Jahrhunderts.[1] Für seine künstlerischen Kimonos ließ er sich von der im 17. Jahrhundert entstandenen, aber in Vergessenheit geratenen Tsujigahana-Technik inspirieren und entwickelte sie über einen Zeitraum von 30 Jahren weiter. Durch die Verbindung seiner eigenen künstlerischen Vorstellungen mit den Techniken des Tsujigahana schuf er den Stil „Itchiku Tsujigahana“.[2] Seine Werke werden im Itchiku Kubota Art Museum ausgestellt.[3]
Leben
Itchiku Kubota wurde als Sohn eines Antiquitätenhändlers geboren und wuchs in einem von traditioneller japanischer Kunst sowie zahlreichen Färbereien geprägten Umfeld auf. Im Jahr 1931 begann er im Alter von 14 Jahren eine Lehre bei Kiyoshi Kobayashi, einem Meister der Yūzen-Färbetechnik. Bereits mit 19 Jahren eröffnete er ein eigenes Atelier für Färbearbeiten. Mit 20 Jahren sah Kubota im Nationalmuseum Tokio erstmals ein Fragment eines Tsujigahana-Textils aus dem 16. Jahrhundert. Diese Begegnung prägte sein künstlerisches Leben nachhaltig. Die Technik des Tsujigahana, die von der Muromachi- bis zur frühen Edo-Zeit verbreitet war, galt zu diesem Zeitpunkt als verloren. Da es keine überlieferten Aufzeichnungen zu den ursprünglichen Verfahren gab, widmete Kubota sich der Wiederentdeckung und Erneuerung dieser Methode.[1]
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Itchiku Kubota eingezogen und verbrachte drei Jahre in Kriegsgefangenschaft. Mit 31 Jahren kehrte er nach Japan zurück, eröffnete erneut ein Atelier in Tokio und arbeitete zunächst wieder mit der Yūzen-Technik. Etwa sieben Jahre später widmete er sich ausschließlich der Erforschung und Neuschöpfung des Tsujigahana. Nach jahrzehntelangen Experimenten gelang es ihm im Alter von 60 Jahren, eine eigene Technik zu entwickeln, die er „Itchiku Tsujigahana“ nannte. Diese verband traditionelle Färbeverfahren mit modernen künstlerischen Ausdrucksformen. 1977 fand seine erste Ausstellung mit Werken in dieser Technik statt. Trotz kritischer Stimmen aus konservativen Kreisen erhielt er Unterstützung von Fachleuten wie dem Textilwissenschaftler Tomoyuki Yamanobe.[1]
Ab 1978 betrachtete Itchiku Kubota den Kimono nicht mehr als einzelnes Kleidungsstück, sondern als fortlaufende Bildfläche. Im Jahr 1979 schuf er die fünfteilige Serie The Setting Sun, die den Verlauf der letzten zwei Stunden des Tages darstellte. Der Erfolg dieser Serie führte zu seinem Lebensprojekt Symphony of Light, das aus etwa 80 zusammenhängenden Kimonos bestehen sollte und die „Größe des Universums“ thematisiert. Neben dieser Großserie schuf er auch Einzelstücke mit Natur- und Bergmotiven, insbesondere mit dem wiederkehrenden Thema des Berges Fuji. Itchiku Kubota konnte das Werk Symphony of Light bis zu seinem Tod im Jahr 2003 nicht vollenden. Er verstarb am 26. April 2003 im Alter von 85 Jahren.[1]
Itchiku Kubotas Arbeiten fanden national sowie international große Anerkennung. Zu seinen Auszeichnungen zählen der Preis der Society for the Dissemination of Folk Costumes and Customs (1978), der vierte Jahrespreis der Society for Furthering Studies on Costume (1983) sowie die Ernennung zum Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres durch das französische Kulturministerium (1990). Itchiku Kubotas künstlerisches Vermächtnis umfasst eine bedeutende Sammlung von Kimonos, die durch ihre leuchtenden Farben, komplexen Muster und die Verbindung von Tradition und Moderne hervorstechen. Seine Arbeiten gelten als zentrale Beiträge zur Wiederbelebung und Weiterentwicklung der japanischen Textilkunst des 20. Jahrhunderts und werden im Itchiku Kubota Art Museum in Minamitsuru-gun, Yamanashi, ausgestellt. Itchiku Kubotas Werke wurden auch international präsentiert – unter anderem in Japan, Europa und Nordamerika – und trugen dazu bei, Textilien und Kimonos als Kunstformen und nicht nur als Kleidungsstücke zu sehen.
Literatur
- Cas Holmes: Textile Landscape: Painting with Cloth in Mixed Media, Pavilion Books, London, 2018.
Weblinks
- Itchiku Kubota Art Museum – Website
- 久保田一竹美術館 – Itchiku-Kubota-Kunstmuseum/
- The Kubota Collection – offizielle Website
- Itchiku Kubota Art Museum – Adresse
- Japan National Tourism Organization – Eintrag zum Itchiku Kubota Art Museum
- Itchiku Tsujigahana
- Itchiku Kubota’s Fascination With an Ancient Textile Art
- Tsujigahana technique
Einzelnachweise
- ↑ a b c d About artist - The Kubota Collection. 12. März 2020, abgerufen am 2. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Flextiles: Itchiku Tsujigahana. In: Flextiles. 21. Mai 2015, abgerufen am 2. November 2025 (englisch).
- ↑ 久保田一竹美術館 ITCHIKU KUBOTA ART MUSEUM. Abgerufen am 2. November 2025.