Trinitatiskirche (Zwönitz)
| Trinitatiskirche | ||
|---|---|---|
Ansicht der Kirche aus Nordosten | ||
| Daten | ||
| Ort | Zwönitz | |
| Baumeister | Johann Paul | |
| Bauherrin | Kirchengemeinde Zwönitz | |
| Baustil | barockisiert | |
| Baujahr | 1692 | |
| Bauzeit | 1688–1892 | |
| Koordinaten | 50° 37′ 44,9″ N, 12° 48′ 46,6″ O | |
| Besonderheiten | ||
| Denkmalschutz seit den 1970er Jahren[1] | ||
Die evangelische Trinitatiskirche ist eine barocke Emporenhalle in Zwönitz im Erzgebirgskreis in Sachsen. Sie entwickelte sich aus einem im 17. Jahrhundert im Ort Zwönitz errichteten einfachen Gotteshaus durch stetige nachfolgende Um- und Erweiterungsarbeiten.[1] – Die Trinitatisgemeinde gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Zwönitz im Kirchenbezirk Annaberg der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Ihr Patrozinium ist Trinitatis, die Dreieinigkeit oder die Verehrung von „Gottvater“, „Sohn“ und „Heiliger Geist“.
Lage
Das denkmalgeschützte Gotteshaus ist wegen seines hohen Turmes vom Stadtzentrum aus gut zu sehen und fußläufig erreichbar. Es trägt die Adresse Kirchstraße 1, 08297 Zwönitz. In der Nachbarschaft, Kirchstraße 6, steht das Pfarrhaus der Trinitatisgemeinde.[2] Südlich der Kirche liegt der Friedhof, auf dem ein Bereich den Kriegsgefallenen der beiden Weltkriege gewidmet ist.
Geschichte
Baugeschichte
Die barocke einschiffige Trinitatiskirche wurde von 1688 bis 1692, nach einem Stadtbrand, nach Plänen und unter Leitung von Johann Paul aus Adorf neu gebaut. Sie ersetzte den früheren Kirchenbau, der 1473 erstmals urkundlich erwähnt worden war.[3]
Die wehrhaften Mauern des Kirchenschiffs, das quer zum Turm verläuft, zeigen den ursprünglichen Schutzzweck und wirken burgartig; sie sind bis zu vier Meter dick. Eine solche Bauweise ist für erzgebirgische Kirchen untypisch. Mit der Fertigstellung im Jahr 1692 wurde das Sakralgebäude auf den Namen St. Trinitatis (Heilige Dreieinigkeit) geweiht.[4]
Das Geläut bestand anfangs wohl aus drei Bronzeglocken. Im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg musste die Kirchgemeinde die Glocken als Metallspende des deutschen Volkes abliefern. Zunächst konnten im Jahr 1921 zwei neue Eisenhartgussglocken als Ersatz für die mittlere und die kleinste Glocke angefertigt und aufgezogen werden, gegossen bei Schilling & Lattermann im Auftrag eines Schützenvereins. Neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, 1954 entstand in der gleichen Glockengießerei eine neue große Glocke wiederum als Eisenhartguss. Alle tragen auf der Flanke Inschriften und in römischen Ziffern das Gussjahr.
Umbauten, Sanierungen
Die Kirche wurde in den Jahren 1890/1891 sowie 1938 im Inneren renoviert, eine weitere Restaurierung erfolgte zu Beginn der 1980er Jahre.[1]
Erst nach der deutschen Wiedervereinigung konnte das gesamte Kirchengebäude außen und innen saniert, vor allem das Dach instandgesetzt und die Fenster erneuert werden.
In den 2020er Jahren wird über den Austausch der rostigen Eisenhartgussglocken gegen völlig neue Bronzeglocken nachgedacht bzw. werden Spenden dafür gesammelt.
Im Jahr 2025 begann eine Generalreparatur der Kirchturmuhr, die von der Firma Bernhard Zachariä in Leipzig angefertigt worden war.[5]
Architektur
Außenarchitektur
Das Gotteshaus ist ein verputztes Bruchsteinbauwerk mit geradem Ostschluss, schmale Korbbogenfenster zwischen kräftigen Strebepfeilern erhellen das Innere. Im Nordosten ist die Sakristei angebaut.
Das rechteckige Nordportal ist zugleich der Haupteingang in die Kirche. Es ist mittig im Turmunterbau angeordnet, mit einer hölzernen Flügeltür verschlossen und mit einem dreieckigen Giebel geschmückt. In dessen Feld lesen die Besucher die Ermahnung Soli deo gloria („Alle Ehre sei Gott allein“).
Der 1725 fertiggestellte Nordturm mit quadratischem Grundriss und sechseckigem Obergeschoss hat ein achteckiges Glockengeschoss mit welscher Haube und hoher Laterne. Die Turmuhr wurde 1747 von einem Lößnitzer Uhrmacher hergestellt und eingebaut. Sie besitzt unterhalb der Glockenstube nach drei Seiten sichtbare quadratische Zifferblätter mit vergoldeten Zeigern.
Haube und Laterne sind mit Schiefer verkleidet, der Spitzhelm über der Laterne trägt dagegen ein Kupferdach. Auf dessen Spitze sitzt eine Turmkugel auf, bekrönt mit einer Wetterfahne und einem metallenen Kreuz.
Das Kirchenschiff trägt ein Satteldach, das mit Schieferschindeln gedeckt ist. Auf dem Dach der Sakristei wurde eine kleine Solaranlage installiert.[6]
Innenarchitektur
Der hauptsächlich weiß gefasste Innenraum ist ein Saal mit Emporen in den Seitenschiffen. Die Pfeiler von den Emporen zu den Decken sind als Palmen mit gedrehten Stämmen ausgebildet, mit vergoldeten Baumkronen als Kapitelle. Über den Seitenschiffen sind die Decken flach, aber mit Gliederung in Joche und geometrischen Stuckleisten in den Feldern. Das Mittelschiff hat ein segmentbogiges Tonnengewölbe. Die daran angebrachten hölzernen Rippen sind mit schlusssteinartigen Rosetten und mit drei Vierpässen mit einer Darstellung der Dreifaltigkeit versehen. Die Rippen im Chor sind als Sterngewölbe gestaltet. Die Ratsloge ist unter der Orgelempore im Erdgeschoss angeordnet und trägt eine reich geschnitzte Bekrönung mit dem seitenverkehrten Zwönitzer Wappen, das von zwei Bergleuten gehalten und von Allegorien der Gerechtigkeit und Weisheit flankiert wird. Ähnliches Schnitzwerk ist auch über den Türen zur Empore und zur tonnengewölbten Sakristei zu finden.
Ausstattung
Der Portikus-Kanzelaltar wurde Ende des 17. Jahrhunderts als Teil des barocken Schnitzwerks vom Zwönitzer Holzbildhauer Gottfried Ullrich angefertigt.[1] Er wurde 1704 fertiggestellt, ist etwa zehn Meter hoch und gilt in sächsischen Stadtkirchen als ältester Altar seiner Art.[7]
Der Kanzelkorb ist wie eine Wolke geformt, mit zahlreichen Engelsköpfen besetzt und wird von Engeln getragen. Zwei weitere Engel halten den Schalldeckel, auf dessen Krone Gottvater dargestellt ist. Als Rahmung dienen gedrehte, rankenumwundene Doppelsäulen mit geschweiftem Giebel und Strahlenkranz, der ebenfalls von Wolken und Engelsköpfen umgeben ist. Die Bekrönung bildet der auferstandene Christus mit der Siegesfahne; seitlich sind die Figuren der Evangelisten angeordnet.
Die runde Marmortaufe mit einem Holzdeckel mit klassizistischem Schmuck stammt vom Beginn des 19. Jahrhunderts. Daneben existiert noch ein weiterer Taufstein aus Sandstein und ein Kugelleuchter aus dem Jahr 1704. Hier im Chor wird in der Advents- und Weihnachtszeit ein 40 cm hohes, holzgeschnitztes Bornkinnel aufgestellt. Die farbig bemalte barocke Figur von 1688 steht, mit einem roten Samtkleid geschmückt, auf einer mit Sternen verzierten Kugel und trägt in ihrer linken Hand eine symbolische Weltkugel mit einem aufgerichteten Kreuz.
Das Kirchenhauptschiff wird von mindestens drei Kronleuchtern erhellt, die über dem Mittelgang angebracht sind. Über der Nordempore ist ein auf Holz gemaltes Bild des Zwönitzer Schulrektors Israel Junghanns in einem Rahmen mit Rollwerk aus der Zeit um 1700 zu sehen. Drei Pfarrerbildnisse wurden gegen Mitte des 18. Jahrhunderts als Ölgemälde ausgeführt. Vier geschnitzte und gefasste Sargschilde von Bergleuten aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts sind mit Darstellungen der Kreuzigung und der Auferstehung in Akanthusumrahmung mit Engelskopf geschmückt. Eine Darstellung der Szene im Garten Gethsemane und der Auferstehung mit Stiftermonogramm wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts geschaffen.
Die einfachen Kirchenbänke sind weitestgehend im Original erhalten, sie zeigen zurückhaltende Schnitzereien an den Wangen. Sie werden durch einen Mittelgang getrennt und seitlich enden sie vor den Emporen. Insgesamt stehen mit den Sitzen auf den Emporen Plätze für rund 400 Besucher zur Verfügung.
Orgel
Die ursprüngliche Orgel war ein Werk von Johann Christoph Gottlob Donati aus dem Jahr 1732 und wurde – nach mehreren Neubauten – im Jahr 1993 unter Beibehaltung des Prospekts durch ein Werk der Firma Eule Orgelbau mit 32 Registern auf zwei Manualen und Pedal ersetzt. Die Disposition lautet wie folgt:[8][9]
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- Koppeln: II/I, I/P, II/P
Glocken
Das dreistimmige Geläut besteht aktuell (Stand 2025) aus drei Eisenhartgussglocken, in den Jahren 1921 und 1954 in der Firma Schilling & Lattermann in Apolda gegossen. Der Glockenstuhl ist aus Eichenholz gefertigt, die Glockenjoche sind aus Stahl, gekröpft gefertigt.[10]
Im Folgenden eine Datenübersicht des Geläutes:
| Nr. | Gussdatum | Gießer | Durchmesser in mm |
Masse in kg |
Schlagton | Bemerkungen, ggf. Inschriften |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 1954 | Glockengießerei Schilling & Lattermann | 1560 | 1550 | e | In der Schulter: „Ehre sei Gott in der Höhe“; Gießzeichen drei ineinander verschlungene Kreise |
| 2 | 1921 | Glockengießerei Schilling & Lattermann | 1240 | 750 kg | g’ | Auf der Flanke: „Zum Andenken […] Gefallen […]. Gott schütze euch“; gestiftet vom […] Stadtrat Max Schröder […] |
| 3 | 1921 | Glockengießerei Schilling & Lattermann | 1030 | 400 kg | b’ | Auf der Flanke: „[…] Vaters […]“, ähnlich wie die mittlere Glocke |
Kirchennutzung
Überblick
Im Kirchenraum finden gelegentlich Konzerte statt, die die gute Akustik und auch die Orgel dafür nutzen.[11] Auch Chöre aus anderen Gemeinden treten gelegentlich in Trinitatis auf, z. B. 2022 der Lübecker Knabenchor.[12] Es finden auch Buchlesungen oder Buchpräsentationen in der Kirche statt.[13] Im Zusammenhang mit dem Landes-Erntedankfest (2014) fand unter den teilnehmenden Kirchen ein Wettbewerb zum Thema Schönste Erntekrone und schönster Erntekranz Sachsens statt – und ein ökumenischer Gottesdienst wurde gefeiert.[14]
Im Zeitraum April bis Oktober jeden Jahres sorgt die Gemeinde dafür, dass Besucher das schöne Innere der Kirche besichtigen können, drei Freiwillige unterhalten eine Verlässlich geöffnete Kirche.[15]
Der Organist veranstaltet auch manchmal Orgelmatineen.[16]
Jeden Montag ruft die Gemeinde um 19 Uhr zur Teilnahme an einem Friedensgebet auf.[17]
Seelsorge
Insgesamt unterstützt die Zwönitzer evangelische Kirchengemeinde unter anderem folgende Aktivitäten:
Kirchenchor, Posaunenchor, Kreativkreis, Seniorenkreis, Bibelkreis, Meditatives Tanzen, Kirchenmäuse, Junge Gemeinde.
Als Pfarrer der Gemeinde war ab 2018 bis Ende 2024 das Ehepaar Tetzner tätig. Ihm folgte Jochen Pangert.[4][18]
Gemeinde, Sonstiges
Die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Zwönitz im Kirchenbezirk Annaberg entstand am 1. Januar 2020 aus dem Zusammenschluss der Kirchengemeinden Zwönitz Trinitatis, St. Johannis (Niederzwönitz), Ev. Kirche (Dorfchemnitz) und Ev. Kirche (Brünlos).[19] Sie hat damit derzeit (Stand Herbst 2025) etwa 2800 Mitglieder.
Zweimonatlich informiert der Pfarrbrief „Gemeinsam Gemeinde erleben“ über Geschichtliches, Termine, Personelles.[20]
Direkt in einer nordwestlichen Ecke des Kirchengebäudes steht ein Lutherstein. Er wurde zum Gedenken an den 400. Jahrestag der Reformation, die auf Martin Luther zurückgeht, im Oktober 1917 von der Kirchengemeinde aufgestellt (siehe Bild). – Zudem wurde auch eine nahe der Kirche im Jahr 1483 gepflanzte Eiche Martin Luther gewidmet und erhielt 400 Jahre später einen entsprechenden Gedenkstein.
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen II. Die Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1998, ISBN 3-422-03048-4, S. 1109–1110.
Weblinks
- Website der Kirchgemeinde St. Johannis Zwönitz
- Geläut der Zwönitzer Trinitatiskirche. youtube.com, abgerufen am 11. Oktober 2025 (Läutedauer 11:14 Minuten; mit Werbevideos dazwischen).
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Georg Piltz: Kunstführer durch die DDR. 4. Auflage. Urania-Verlag, Leipzig / Jena / Berlin, 1973, S. 159.
- ↑ Gemeinde Zwönitz, Trinitatis. www.kirche-zwoenitztal.de, abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Erlebnisland Erzgebirge. St. Trinitatis Kirche. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ a b Ev.-Luth.Trinitatiskriche Zwönitz. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Generalreparatur Turmuhr St. Trinitatis. Zwönitzer Anzeiger, abgerufen am 31. Oktober 2025 (Fotos von Uhrendetails).
- ↑ Auf den GFotos zu sehen
- ↑ St. Trinitatis Kirche, Zwönitz. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Informationen zur Orgel auf orgbase.nl. Abgerufen am 22. April 2020.
- ↑ Zwönitz, Evangelische Trinitatis-Kirche – de Orgelsite | orgelsite.nl. Abgerufen am 30. Januar 2022 (niederländisch).
- ↑ Rainer Thümmel: Glocken in Sachsen. Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, ISBN 978-3-374-02871-9, S. 375 ff.
- ↑ Trinitatis-Kirche Kirchstraße. www.zwoenitz.de, abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Rückblick: Lübecker Knabenkantorei in Trinitatis Zwönitz. Zwönitzer Anzeiger, 3. August 2022, abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Frank Trommler: Dorothee oder das Nachtleben in der alten Welt. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (Beispiel für eine aktuell geplante Veranstaltung).
- ↑ Alter Brauch und große Vielfalt. 2014, abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ Offene Trinitatiskirche. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Zwönitzer Hutzentage. Abgerufen am 11. Oktober 2025 (siehe "Trinitatiskirche").
- ↑ Friedensgebet in Trinitatis. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Christliche Gemeinden – Ev.-Luth. Trinitatisgemeinde Zwönitz. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Firmenauskunft für Pfarramt der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Zwönitz. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Gemeinsam Gemeinde erleben, Heft 4/2024. 2024, abgerufen am 20. Oktober 2025.