Trens Urbanos de João Pessoa

_  Trens Urbanos de João Pessoa
Basisdaten
Ortslage João Pessoa, Brasilien Brasilien
Betreiber Companhia Brasileira de Trens Urbanos (CBTU)
Eröffnung 11. März 1985
Netz
Linien 1
Streckenlänge 30,0 km
Stationen 13
Einzugsbereich 1.213.000 Ew. (Schätzung 2025)[1]
Fahrgastzahl 8,182 Mio. (2024)[2]   810 %
Technik
Fahrzeugtypen 5 Bom Sinal Mobile 3
3 ALCO RSD-8 mit Pidner-Waggons
Spurweite 1000 mm (Meterspur)
Topographischer Netzplan (2013)

Streckenverlauf
ehem. Anschluss Porto de Cabedelo
Cabedelo
Jardim Manguinhos
Jardim Camboinha 2022–
Poço
Jacaré
Ausweichstelle
Renascer
Rio Jaguaribe (41 m)
Mandacaru
(18 m)
Róger (geplant)
João Pessoa
PB-004 Av. Redenção
(36 m)
ehem. Anschluss Cimpor
Ausweichstelle
Ilha do Bispo
(39 m)
Alto de Mateus
Rio Sanhauá (90 m)
Sesi Imalculada (geplant)
Bayeux
Ausweichstelle
Av. Santo Amaro
Várzea Nova
Tibiri Fábrica (geplant)
Rio Preto (10 m)
Santa Rita
ehem. RFFSA nach Fortaleza (PV –1957, GV –1982)

Als Trens Urbanos de João Pessoa oder VLT de João Pessoa (VLT für Veiculo Leve sobre Trilhos, sinngemäß Leichtbahnfahrzeug) wird der stadtbahnähnliche Betrieb auf einer nicht elektrifizierten Meterspurbahn in der nordostbrasilianischen Stadt João Pessoa und den umgebenden Gemeinden Santa Rita, Bayeux und Cabedelo bezeichnet. Die Strecke ist 30 Kilometer lang und hat 13 Stationen. Betreiber ist die Bahngesellschaft Companhia Brasileira de Trens Urbanos (CBTU), die dieselhydraulische Triebwagen einsetzt.

Geschichte

1880 erhielt während des brasilianischen Kaiserreiches die Companhia Estrada de Ferro Conde D’Eu die Konzession und begann mit dem Bau einer 40 Kilometer langen Strecke zwischen João Pessoa und Entroncamento in der Gemeinde Sapé, die 1881 eingeweiht wurde. Die Verbindung zwischen der Hauptstadt Parahyba do Norte (dem heutigen João Pessoa) und dem Hafen von Cabedelo wurde 1889 mit dem Bau einer 35 Kilometer langen Strecke hergestellt. Nachdem zwischen Juli 1901 und 1957 die britische Great Western Railway die Strecke betrieb, übernahm die Rede Ferroviária Federal (RFFSA), stellte kurz darauf den Personenverkehr ein und 1982 auch den Güterverkehr. Lediglich zwischen dem Hafen von Cabedelo und dem Cimpor-Werk in Ilha de Bispo bestand weiterhin Verkehr. 1996 übernahm diesen die Companhia Ferroviária do Nordeste, die heutige Transnordestina Logística.

Mit Gründung der CBTU 1984 wurden Planungen angestellt, auf der rund 30 Kilometer langen Strecke zwischen Cabedelo und Santa Rita wieder Personenverkehr einzurichten. Am 11. März 1985 begann der Betrieb mit zwei lokbespannten Zügen, die täglich 28 Fahrten absolvierten.

Ab 2013 lief eine umfassende Modernisierung im Rahmen des Programmes PAC Mobilidade. Investitionen in Höhe von 186 Millionen Real, umgerechnet rund 61 Millionen Euro, beinhalteten den Austausch von Schienen, Schwellen und Schotter, die Sanierung von 12 Stationen und den Bau von vier neuen Bahnübergängen[3] sowie die Anschaffung von fünf dreiteiligen Dieseltriebwagen vom Typ Mobile 3 des brasilianischen Herstellers Bom Sinal.[4] Der vierte Wagen ging im Dezember 2016 in Betrieb.[3] Außerdem war bereits damals der Neubau von vier weiteren Stationen geplant, von denen bis heute (Stand November 2025) allerdings nur die im Dezember 2022 eröffnete Station Jardim Camboinha umgesetzt wurde.[5] Außerdem sollten zusätzliche Ausweichgleise entstehen, um die Taktfrequenz von 60 Minuten auf 15–20 Minuten zu senken und durch das attraktivere Angebot die Fahrgastzahlen zu erhöhen.[3] Neben der Ausweiche auf freier Strecke im Südteil der Strecke sind weitere zwischen den Stationen Renascer und Jacaré sowie unmittelbar hinter der Station Ilha do Bispo und an der Station Poco entstanden.

Nachdem im September 2019 der Bau angekündigt wurde, budgetiert mit knapp 4,3 Millionen Real, umgerechnet rund 940.000 Euro, und aus Bundesmitteln vom Ministerium für regionale Entwicklung finanziert[6], ist Anfang Dezember 2022 mit der Station Jardim Camboinha im Nordteil der VLT João Pessoa der erste zusätzliche Halt eröffnet worden. Außerdem wurde mit der Einweihung der Station Jacaré im Juni 2025 als dritter grundlegend sanierter Halt nach den Stationen Várzea Nova und Poco das jahrelang verschleppte Modernisierungsprogramm fortgesetzt. Alle vier Stationen entsprechen dem neuen Baustandard der CBTU: sie sind vollständig umbaut, klimatisiert und verfügen auf der Gleisseite über jeweils neun deckenhohe Bahnsteigtüren. Diese automatisch öffnenden Doppelschiebetüren ermöglichen den Fahrgastwechsel erst nach vollständigem Fahrzeughalt. Außerdem sind die Stationen gefliest, die Bahnsteighöhe ermöglicht stufenloses Ein- und Aussteigen, der Zugang zum Gebäude ist barrierefrei sowie mit taktilem Leitsystem ausgerüstet und es gibt elektronische Fahrausweiskontrollen. Als nächstes sollen die Stationen Bayeux und Renascer saniert werden.[7]

Im November 2023 kündigte die CBTU die Sanierung dreier Flussbrücken im Verlaufe der folgenden sechs Monate an. Die Ertüchtigung betraf die längeren Stahlbetonbrücken über Rio Jaguaribe und Rio Sanhauá sowie eine Stahlfachwerkbrücke nordöstlich von Porto do Capim. Der Umfang der Arbeiten sollte 912.000 Real, umgerechnet rund 170.000 Euro, kosten und aus Bundesmitteln finanziert werden.[8]

Strecke

Die Strecke der Trens Urbanos de João Pessoa verläuft durchgehend auf eigenem Gleiskörper und ist weitgehend eingleisig. Ausweichgleise befinden sich an den Stationen Santa Rita, Mandacaru und Poço sowie mit dem ergänzenden Kopfgleis an der Station João Pessoa und Ausweichstellen auf freier Strecke zwischen Várzea Nova und Bayeux sowie Renascer und Jacaré sowie unmittelbar nach der Station Ilha do Bispo. Die Strecke ist ebenerdig, der Rio Sanhauá wird auf einer 90 Meter langen Brücke gequert.

Fahrzeuge

Ab 1985 starteten vier gebrauchte Diesellokomotiven der RFFSA, die 1958 im Lizenzbau für ALCO hergestellt wurden[9] und seither im Einsatz waren, mit 24 ebenfalls gebrauchten Personenwaggons des brasilianischen Hersteller Pidner, die um 1978 gebaut wurden. Die Lokomotiven vom Typ RSD-8 haben 671 Kilowatt Motorleistung, die 62 Tonnen schweren Fahrzeug erreichen 96 Kilometer pro Stunde.[10] Zwei der Lokomotiven (Nr. 6012 und 6013) und acht Waggons sind im August 2023 noch betriebsfähig und werden gelegentlich eingesetzt.[11]

2012 wurde der Kauf von fünf neuen dreiteiligen Fahrzeugen des Typs Mobile 3 von der brasilianischen Bom Sinal angekündigt.[4] Der erste Zug wurde 2014 ausgeliefert, der vierte Zug ging im Dezember 2016 in den Plandienst.[3] Die Zweirichtungs-Gelenktriebwagen sind 55,88 Meter lang, 2,86 Meter breit und 3,74 Meter hoch. Sie sind durchgängig begehbar, voll klimatisiert und bieten 562 Passagieren Platz. Die Leistung der beiden Motoren beträgt zusammen 676 Kilowatt, was die 76,0 Tonnen schweren Fahrzeuge auf eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern beschleunigt. Jeder aus verzinktem Stahl hergestellte Wagenkasten ruht auf zwei zweiachsigen Drehgestellen. Im August 2023 sind nach Reparatur der VLT01 und 04 insgesamt vier der fünf Mobile 3 einsatzfähig. Dazu kommen zwei Arbeitswagen für den Streckenunterhalt.[11]

Betrieb

Die Trens Urbanos de João Pessoa verkehren aktuell Montag bis Freitag von 5 bis 19 Uhr und samstags von 5 bis 13 Uhr. Derzeit werden in der Woche 16 Umläufe gefahren und samstags acht. Im Berufsverkehr morgens wird etwa alle 40 Minuten gefahren, tagsüber alle rund 70 Minuten und nachmittags wieder alle etwa 45 Minuten.[12]

Derzeit kostet eine Einzelfahrt 2,50 Real, umgerechnet rund 0,40 Euro.[12]

Im Jahr 2024 wurden angeblich 8,182 Millionen Fahrgäste befördert, dies wäre ein Zuwachs von 810 Prozent gegenüber den 1,01 Millionen in 2023.[2] Da im selben Zeitraum alle anderen Stadtbahnen in Brasilien 10–20 Prozent Fahrgäste eingebüßt haben, erscheint dieser Anstieg sehr zweifelhaft.

Unfälle

  • Am 9. Februar 2023 prallten die Triebwagen VLT02 und 04 nahe der Station Ilha do Bispo frontal aufeinander. 21 Fahrgäste wurden verletzt, einer davon schwer.[13]
Commons: Trens Urbanos de João Pessoa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Cidades e Estados. Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística (IGBE), abgerufen am 2. November 2025 (portugiesisch).
  2. a b Relatório de Gestão 2024. (PDF) Companhia Brasileira de Trens Urbanos (CBTU), 30. Mai 2025, abgerufen am 2. November 2025 (brasilianisches Portugiesisch). S. 45 (PDF; 21,8 MB)
  3. a b c d Quarto VLT entrará em circulação no final deste mês em João Pessoa. In: ANP Trilhos. 6. Dezember 2016, abgerufen am 2. November 2025 (portugiesisch, englisch).
  4. a b Empresa cearense ganha licitação da CBTU para implantar VLT's em JP (Memento vom 28. Dezember 2016 im Internet Archive) (portugiesisch)
  5. CBTU João Pessoa Mapa da linha. CBTU, abgerufen am 2. November 2025 (portugiesisch).
  6. CBTU João Pessoa construirá nova estação no bairro Jardim Camboinha, em Cabedelo. In: ANP Trilhos. 6. September 2019, abgerufen am 3. November 2025 (portugiesisch, englisch).
  7. CBTU João Pessoa inicia operação experimental da nova estação Jacaré. In: ANP Trilhos. 3. Juni 2025, abgerufen am 2. November 2025 (portugiesisch, englisch).
  8. Renato Lobo: CBTU de João Pessoa inicia recuperação de três pontes ferroviárias. In: ViaTrolebus. 7. November 2023, abgerufen am 17. Dezember 2025 (brasilianisches Portugiesisch).
  9. List of locomotives built by Alco and its licencees, ordere (Memento vom 17. Juli 2011 im Internet Archive) (englisch)
  10. ALCO RSD-8 3507. In: ABPF - Regional Sul de Minas. Abgerufen am 2. November 2025 (portugiesisch).
  11. a b Renato Lobo: CBTU recupera dois VLTs para João Pessoa. 3. August 2023, abgerufen am 17. Dezember 2025 (brasilianisches Portugiesisch).
  12. a b CBTU João Pessoa Horários e Tarifas. CBTU, abgerufen am 2. November 2025 (portugiesisch).
  13. Renato Lobo: Imagem mostra VLT danificado após acidente em João Pessoa. In: ViaTrolebus. 10. Februar 2023, abgerufen am 17. Dezember 2025 (portugiesisch).