Travelmann (Adelsgeschlecht)

Travelmann (auch von Travelmann) ist der Name eines erloschenen Münsteraner Erbmännergeschlechts, das in der Hanse aktiv war.

Herkunft und Bedeutung

Die Travelmann waren eine Erbmännerfamilie in Münster, deren Herkunft nicht klar ist, die jedoch zu Beginn des 14. Jahrhunderts urkundlich als Ratsherren und Bürgermeister in Erscheinung trat und im Fernhandel (vergl. engl. to travel = reisen) ein bedeutendes Vermögen erwarb. Sie gehörten auch dem Lübecker Patriziat und der dortigen exklusiven Zirkelgesellschaft an.

1302 wird Henricus Travelmannus als Ratsherr und Schöffe von Münster urkundlich erwähnt, 1310/11 und 1315/16 Godefridus (Godfrid) Travelman (Travelmanninc), der 1318/19 als Gofidus dictus Travelman zum Bürgermeister gewählt wurde. 1327/28 war auch Bernhardus Travelmann Bürgermeister, der auch 1328/29 Ratsherr war. Henricus Travelmannynch war 1329/30 und 1330/31 Schöffenmeister. Bürgermeister waren 1331/32 und 1334/35 auch Henrich Travelmann, 1332/33 Godfrid Travelmann sowie 1333/34, 1336/37 und 1346/47 Bernhardus Travelmann, der 1357–1359 auch Richtherr und 1362/63 Schöffe in Münster war. Ratsherr und Vertreter der Stadt auf Hansetagen in Lübeck war auch Gottfried Travelmann († 27. September 1391 in Dorpat) gewesen, bevor er zum Bürgermeister von Lübeck gewählt wurde. Nach einer mehr als 100-jährigen Pause tritt in Münster 1446–48, 1450/51 sowie 1454/55 und 1458/59 Brun Travelmann als Ratsherr auf. Nach einer abermaligen Pause ist 1516/17 Hinrich Travelmann Richtherr und 1520–1527 Schöffe der Leischaft St. Aegidii. 1527–1532 ist Bertoldt Travelman Grutherr von Ludgeri, bevor die politische Ära der Erbmänner mit dem Täuferreich Münster endgültig vorbei ist. Die längste Amtszeit von 37 Jahren hatte 1327–1363 Bernhard Travelmann. Die Travelmann stellten zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert insgesamt zehn Ratsherren und drei Bürgermeister der Stadt Münster.[1]

Auch wenn Erbmänner wie die Travelmann ohne Adelsprädikat erwähnt wurden, galten sie spätestens seit dem 15. Jahrhundert gemeinhin als adelig. Die ab dem 15. Jahrhundert[2] im Volksmund „Erbmänner“ genannten Geschlechter stellten die Mitglieder des Schöffenskollegiums, den späteren Stadtrat, die Bürgermeister und den Stadtrichter. Die Travelmann waren z. B. mit den Erbmännergeschlechtern Warendorf [3] und Droste zu Hülshoff verwandt.[4]

Ein Bernhard Travelmann (* im 14. Jahrhundert; † im 14. Jahrhundert) war in den Jahren 1354 bis 1367 Domherr in Münster, bevor die Mitwirkung in diesem Machtzentrum ab dem 16. Jahrhundert durch den Erbmännerprozess versperrt wurde.

Die Travelmann im Erbmännerstreit

Nach dem Täuferreich Münster, in dem das Stadtarchiv und Archive der Erbmänner vernichtet worden waren, wurden die Stadt Münster und deren Ratsherren durch den Bischof entmachtet. Die nicht erbmännische Ritterschaft nutzte die dadurch entstandene Situation. So wurde im Hochstift Münster am Ende des 16. Jahrhunderts die Adelsqualität der Erbmänner im Kampf um die Pfründen des Domkapitels Münster angezweifelt. Die später im Domkapitel vertretenen nichterbmännischen Familien hatten ein verständliches Interesse daran, den Kreis der Zugangsberechtigten möglichst klein zu halten. So stieg die Chance, die eigenen nachgeborenen Söhne standesgemäß versorgen zu können. Es wurde auch Mitgliedern auswärtiger Adelsfamilien der Zugang zum Domkapitel verwehrt mit dem Argument, man könne ihre Stiftsfähigkeit nicht überprüfen. Die erst im 14. Jahrhundert in Münster urkundlichen Travelmann scheinen im Unterschied zu den alten Erbmännergeschlechtern nicht auf Ministeriale des Bischofs zurückzugehen und waren stark als Hanse-Kaufleute engagiert. Ihre Abkunft bot Angriffspunkte, durch die z. B. auch das ehemals edelfreie Geschlecht der Droste zu Hülshoff in den Prozess hineingezogen wurde, weil es mit den Travelmann finanziell vorteilhafte Ehen eingegangen war. Im Erbmännerstreit, der wegen seiner enormen Dauer und seiner historischen Bedeutung als „einmalig“ bezeichnet wird, verteidigten die Travelmann gemeinsam mit anderen Erbmännerfamilien erfolgreich ihre rechtliche Gleichstellung mit dem Landadel.

Der Münsteraner Erbmann Johann Schenckinck erreichte 1557 eine päpstliche „Präsentation“ auf ein solches münstersches Domkanonikat, stieß jedoch auf den Protest des aus der ländlichen Ritterschaft zusammengesetzten Domkapitels. Lubbert Travelmann zu Ebbeling und Bertholt Travelmann unterzeichneten mit anderen Erbmännerfamilien 1575 zur Unterstützung von Schenckinck eine Eingabe an den Papst und Egbert Travelmann gehörte zu den Beklagten des Prozesses.[5] Das Domkapitel und die in ihm vertretenen Stände klagten jedoch 1597 beim Reichskammergericht in Speyer gegen diese „unanständige“ Besetzung mit Johann, verloren aber gegen die Erbmänner – nach vielem Hin und Her – schließlich durch kaiserlichen Rechtsspruch. Der Prozess dauerte – mit Revisionen und Gegenklagen – rund zwei Jahrhunderte. Am Erfolg teilhaben und ins Domkapitel einziehen konnten jedoch die zwischenzeitlich im Mannesstamm erloschenen Travelmann nicht mehr.

Vermögen und Besitzungen

Die Travelmann besassen in der Stadt Münster um 1350 einen Erbmannshof am Alten Steinweg. Vor 1400 besaß die Familie Travelmann gen. Rode einen Erbmannshof an der Salzstraße, wo 1568 vier große Häuser dem Lubbert Travelmann gehörten. Einen großen Erbmannshof am Hörster Tor verkaufte 1650 Junker Christoph Travelmann zu Maser. Den Travelmann gehörten auch zwei Kaufmannshäuser am Prinzipalmarkt schräg gegenüber dem Stadtweinhaus.[6]

Folgende Landgüter gehörten den Travelmann:

Persönlichkeiten

  • Bernhard Travelmann (* im 14. Jahrhundert; † im 14. Jahrhundert), 1354 bis 1367 Domherr in Münster,
  • Gottfried Travelmann (* in Münster; † 27. September 1391 in Dorpat), Bürgermeister der Hansestadt Lübeck.
  • Wobelia von Travelmann, verh. mit dem Bürgermeister der Stadt Münster Johann IV. Droste zu Hülshoff
  • Richmod von Travelmann-Ebeling, verh. mit dem Ersten Bürgermeister der Stadt Münster Bernhard II. von Droste zu Hülshoff
  • Elisabeth Lucretia von Travelmann, verh. mit Heinrich Herding, auch Herdingh (* im 16. oder 17. Jahrhundert; † Mai 1656 in Hiltrup), Jurist, Bürgermeister und Gesandter der Freien Reichsstadt Münster zu den Verhandlungen, die 1648 zum Westfälischen Frieden geführt haben.

Wappen

Blasonierung: Von Gold, Blau und Silber zweimal geteilt. Auf dem Helm mit blau-goldenen Helmdecken ein goldener silbern gestülpter Hut, hinten mit zwei Straußenfedern.[7]

Alternativ führten die Travelmann in Lübeck auch einen von Gold, Blau und Gold zweimal geteilten Schild. Als Helmzier erscheinen zwei fünfmal geteilte Büffelhörner, rechts von Blau und Gold, links von Blau und Silber.[8]

Literatur

  • Anton Fahne: Geschichte der Westphälischen Geschlechter unter besonderer Berücksichtigung ihrer Uebersiedelung nach Preußen, Curland und Liefland, mit fast 1200 Wappen und mehr als 1300 Familien, Heberle, Köln 1858, S. 386 (Google Bücher).
  • Maximilian Gritzner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 11. Abt., T. 2: Der Adel der russischen Ostseeprovinzen, Teil 2: Der Nichtimmatrikulierte Adel, Nürnberg 1901, S. 227 (uni-goettingen.de) und Tfl. 159 (uni-goettingen.de).
  • Otto Titan von Hefner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 3. Abt.: Der Adel der freien Städte Hamburg, Bremen und Lübeck, Nürnberg 1871, S. 21 (digitale-sammlungen.de) und Tfl. 20 (digitale-sammlungen.de).
  • Johann Holsenbürger: Die Herren v. Deckenbrock (v. Droste-Hülshoff) und ihre Besitzungen. Münster i. W. 1869.
  • Fred Kaspar, Volker Gläntzer (Hrsg.): Güter, Pachthöfe und Sommersitze. Wohnen, Produktion und Freizeit zwischen Stadt und Land, Münster und Hameln 2014.
  • Karl-Heinz Kirchhoff: Die Erbmänner und ihre Höfe in Münster. In: Westfälische Zeitschrift. 116, 1966, ISSN 0083-9043, S. 3–26 (PDF; 2,3 MB).
  • Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 9: Steinhaus–Zwierlein. Leipzig 1870, S. 263 (Google Bücher).
  • Helmut Lahrkamp: Das Patriziat in Münster. In: Hellmuth Rössler (Hrsg.): Deutsches Patriziat. 1430–1740 (= Schriften zur Problematik der deutschen Führungsschichten in der Neuzeit 3, ISSN 0582-0456 = Büdinger Vorträge 3, 1965). Starke, Limburg/Lahn 1968, S. 195–207.
  • Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 3: T–Z, Berlin 1858, S. 25 (digitale-sammlungen.de).
  • Rudolfine Freiin von Oer: Der münsterische „Erbmännerstreit“. Zur Problematik von Revisionen reichskammergerichtlicher Urteile (= Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich. Band 32). Böhlau, Köln u. a. 1998, ISBN 3-412-03197-6.
  • Wilderich von Droste zu Hülshoff: 900 Jahre Droste zu Hülshoff. 2. erweiterte Auflage, Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2022, ISBN 978-3-936509-19-9
  • Rudolfine Freiin von Oer: Die Münsterischen Erbmänner. In: Helmut Richtering (Red.): Dreihundert Jahre Stiftung Rudolph von der Tinnen. 1688–1988. Stiftung von der Tinnen, Münster 1988, S. 1–14 (PDF; 3,7 MB).
  • Rudolfine Freiin von Oer: Wer waren die Erbmänner? In: Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster. N.F. 12, 1987, ISSN 0930-9292, S. 279–286.
  • Joseph Prinz: Mimigernaford–Münster. Die Entstehungsgeschichte einer Stadt. (= Geschichtliche Arbeiten zur westfälischen Landesforschung 4 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalens 22). 3., durchgesehene Auflage. Aschendorff, Münster 1981, ISBN 3-402-05210-5, passim.
  • Johann Siebmacher: Johann Siebmachers allgemeines großes und vollständiges Wappenbuch, 3. Teil, 9. Ausgabe, Nürnberg 1772, Tfl. 196 (uni-goettingen.de).
  • Wolfgang Weikert: Erbmänner und Erbmännerprozesse. Ein Kapitel Münsterscher Stadtgeschichte. Waxmann, Münster u. a. 1990, ISBN 3-89325-060-3 (Zugleich: Münster, Univ., Diss., 1989: Eine Darstellung des münsterischen Stadtpatriziats, der sogenannten Erbmänner, sowie eine Schilderung der „Erbmännerprozesse“ als Beispiel ständischer Auseinandersetzung.)

Einzelnachweise

  1. Mirko Crabus: Die Ratsherren der Stadt Münster im Mittelalter, in: Westfälische Zeitschrift, Nr. 166, 2016, S. 75–134 (PDF, 1,69 MB).
  2. Rudolfine Freiin von Oer: Die Münsterischen Erbmänner. In: Helmut Richtering (Red.): Dreihundert Jahre Stiftung Rudolph von der Tinnen. 1688–1988. Stiftung von der Tinnen, Münster 1988, S. 1–14
  3. Boldewin Warendorf zu Nevinghoff stiftete 1600 in Münster gemeinsam mit seiner Frau Goddele Travelmann das Armenhaus Warendorf
  4. Wilderich von Droste zu Hülshoff: 900 Jahre Droste zu Hülshoff. 2. erweiterte Auflage, Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2022, ISBN 978-3-936509-19-9
  5. Wolfgang Weikert: Erbmänner und Erbmännerprozesse. Ein Kapitel Münsterscher Stadtgeschichte. Waxmann, Münster u. a. 1990, ISBN 3-89325-060-3 (Zugleich: Münster, Univ., Diss., 1989: Eine Darstellung des münsterischen Stadtpatriziats, der sogenannten Erbmänner, sowie eine Schilderung der „Erbmännerprozesse“ als Beispiel ständischer Auseinandersetzung.)
  6. Karl-Heinz Kirchhoff: Die Erbmänner und ihre Höfe in Münster in: Westfälische Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, 116. Band, 1966, S. 14 (PDF; 2,3 MB).
  7. Gritzner (1901), S. 227.
  8. Hefner (1871), S. 21.