Toshiko Takaezu
Toshiko Takaezu (* 17. Juni 1922 in Pepeekeo, Hawaii; † 9. März 2011 in Honolulu, Hawaii) war eine US-amerikanische Keramikkünstlerin und Hochschullehrerin. Sie gilt als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der modernen Keramik in den Vereinigten Staaten sowie als zentrale Figur bei der Entwicklung der Keramik vom traditionellen Handwerk zur freien Kunstform. Takaezu war eine Nisei japanischer Abstammung.[1]
Leben
Toshiko Takaezu wurde als sechstes von elf Kindern der aus Japan eingewanderten Eltern Shinsa und Kama Takaezu in Pepeekeo auf Hawaii geboren. Nach den ersten Lebensjahren zog die Familie nach Maui und betrieb eine Farm im Gebiet von Kula. Ihre Muttersprache war Japanisch; Englisch erlernte sie erst mit dem Besuch der Grundschule. Nach ihrem Highschool-Abschluss im Jahr 1940 ging Takaezu nach Honolulu, wo sie während des Kriegs für die Hawaii Potter’s Guild von Hugh und Lita Gantt arbeitete. Dort entstanden ihre ersten keramischen Arbeiten und sie erhielt Unterricht in Bildhauerei. Zudem besuchte sie Malereikurse an der Honolulu Academy of Arts bei Louis Pohl und Ralston Crawford. Mit der Unterstützung des Keramikers Claude Horan begann sie ein Studium an der University of Hawaiʻi mit den Fächern Keramik, Design, Kunstgeschichte und Weberei. Parallel dazu unterrichtete sie erste Keramikkurse in Honolulu. Im Jahr 1951 entschloss sie sich schließlich, ihre Studien auf dem US-Festland fortzusetzen.[1]
1951 nahm Takaezu ein Studium an der Cranbrook Academy of Art in Michigan auf. Sie war dort zunächst Schülerin und später Assistentin der finnischen Keramikerin Maija Grotell. Weitere Lehrer waren Bill McVey (Skulptur) und Marianne Strengell (Weberei). Während dieser Zeit erhielt sie wesentliche Impulse durch die Begegnung mit dem Keramiker Bernard Leach. 1955 unternahm Takaezu eine achtmonatige Studienreise nach Japan, wo sie unter anderem bei Toyo Kaneshige und Shoji Hamada arbeitete und verschiedene Töpfertraditionen in Okinawa und anderen Regionen kennenlernte. Nach ihrer Rückkehr verband sie Einflüsse japanischer Keramiktraditionen mit eigenen Ausdrucksformen.[1]
Nach ihrem Abschluss in Cranbrook im Jahr 1954 lehrte sie zunächst an der University of Wisconsin und ab 1956 am Cleveland Institute of Art, dessen Keramikabteilung sie bis 1964 leitete. In dieser Zeit entwickelte sie ihre charakteristische Formensprache, zu der geschlossene, bauchige Gefäßformen mit kleinem, funktionalem Öffnungsansatz sowie später vollständig verschlossene Kugel- und Flaschenformen gehören. Ihre Arbeiten entfernten sich zunehmend von funktionaler Keramik und näherten sich der abstrakten Skulptur an. Takaezu experimentierte mit Zufallsprozessen beim Glasieren und Brennen und integrierte unbeabsichtigte Effekte in ihre künstlerische Arbeit.[1]
1964 erhielt Takaezu ein Stipendium der Tiffany Foundation und richtete ein eigenes Studio in Clinton, New Jersey, ein. Ab 1967 war sie Dozentin an der Princeton University, wo sie bis 1992 unterrichtete. 1975 verlegte sie ihr Studio nach Quakertown in New Jersey. Sie bildete zahlreiche Schüler und Assistenten aus, die über lange Zeit in ihrem Studio lebten und arbeiteten. Ab den 1960er-Jahren entstanden die sogenannten Moon Forms: vollständig geschlossene Kugelformen ohne sichtbare Öffnung. Später folgten größere, mehrteilige Arbeiten, Baum- und Säulenformen sowie handgeformte Arbeiten wie Hearts und Torsos. In den 1980er-Jahren fertigte sie zudem skulpturale Arbeiten aus Bronze an. Der Zugang zu einem Großofen im Skidmore College Ceramic Studio ermöglichte in den 1990er Jahren die Erstellung monumentaler Werke.[1]
Rezeption
Toshiko Takaezu galt ab den 1980er-Jahren als eine der weltweit führenden Keramikkünstlerinnen. Sie erhielt 1982/83 den Dickinson College Art Award. Wichtige Einzelausstellungen fanden unter anderem 1993 in Honolulu, 1995 im National Museum of Modern Art in Kyoto und 2004 im Philadelphia Museum of Art statt. Ab den 1990er-Jahren lebte sie überwiegend in New Jersey, hielt aber enge Verbindungen zu Hawaii und unterrichtete weiterhin in Honolulu. Toshiko Takaezu starb 2011 im Alter von 88 Jahren in Honolulu.[1]
Literatur
- Ed McNulty (Produktion): Artists of Hawaii, Part 8: Toshiko Takaezu. 1984.
- Joan Clarke / Diane Dods (Hg.): Artists/Hawaii. University of Hawaiʻi Press, 1996.
- William Grimes: Nachruf in der New York Times, 19. März 2011.
- Peter Held (Hg.): The Art of Toshiko Takaezu: In the Language of Silence. University of North Carolina Press, 2011.
- Joseph Hurley: Toshiko Takaezu: Ceramics of Serenity, American Craft, 1979.
- Leonard Lueras (Hg.): Kanyaku Imin: A Hundred Years of Japanese Life in Hawaii. 1985.
- Toshiko Takaezu, Ausstellungskatalog, Honolulu Academy of Arts / The Contemporary Museum, 1993.
- Murray Turnbull (Hg.): Artists of Hawaii, Volume Two. 1977.
- Jeffrey Wechsler (Hg.): Asian Traditions, Modern Expressions. 1997.
- J. Stanley Yake: Toshiko Takaezu: The Earth is In Bloom. University of Hawaiʻi Press, 2006.
Weblinks
- Densho Encyclopedia
- Toshiko Takaezu Foundation
- The Isamu Noguchi Foundation and Garden Museum. Toshiko Takaezu: Worlds Within