Maija Grotell

Maija (Majlis) Grotell (* 19. August 1899 in Helsingfors, Finnland; † 6. Dezember 1973 in Pontiac, Michigan) war eine finnisch-amerikanische Keramikkünstlerin und Hochschullehrerin. Sie gilt als eine der Pionierinnen der amerikanischen Studiokeramik.[1]

Leben

Maija Grotell wurde in Helsinki geboren. Sie entstammte einer Familie, in der ihre Mutter als Bildhauerin und Holzschnitzerin tätig war, während ihr Vater als Geschäftsmann arbeitete und 1914 verstarb. Als Jugendliche studierte sie am Ateneum in Helsinki und absolvierte dort eine Ausbildung in Malerei, Bildhauerei und Design. Während dieser Zeit finanzierte sie sich unter anderem durch Zeichenarbeiten für das Nationalmuseum und als Textildesignerin. Nach ihrem Abschluss im Jahr 1920 folgte eine sechsjährige weiterführende keramische Ausbildung bei dem in Finnland tätigen Künstler-Töpfer Alfred William Finch. Er galt als einer der wenigen professionellen Keramiklehrer des Landes und förderte sie insbesondere im Umgang mit der Töpferscheibe. Da sie in Helsinki nur geringe berufliche Perspektiven für eine innovative keramische Praxis fand, emigrierte sie 1927 im Alter von 28 Jahren nach New York.[1]

In den Vereinigten Staaten arbeitete Grotell zunächst in einem Umfeld, in dem Keramik überwiegend als Industrieprodukt oder Hobby betrachtet wurde. Sie sicherte ihren Lebensunterhalt mit Lehrtätigkeiten und technischen Demonstrationen an der Töpferscheibe in New York City sowie mit der Ausstellung und dem Verkauf eigener Arbeiten. Zwischen 1936 und 1938 war sie die erste künstlerische Lehrkraft und wissenschaftliche Assistentin an der School of Ceramic Engineering der Rutgers University in New Brunswick, New Jersey. Im Jahr 1938 übernahm sie die Leitung des Keramikprogramms an der Cranbrook Academy of Art in Bloomfield Hills, Michigan. Ihre Tätigkeit an der Cranbrook Academy, wo sie bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 1966 lehrte, gilt als Wendepunkt ihrer Laufbahn. In dieser Zeit schuf sie ihre bedeutendsten Werke und entwickelte die Abteilung für Keramik zu einer der einflussreichsten Ausbildungsstätten der Vereinigten Staaten.[1]

Für ihr Schaffen erhielt Maija Grotell zahlreiche Auszeichnungen, darunter ein Diplom bei der Internationale Weltausstellung 1929 in Barcelona, eine Silbermedaille bei der Pariser Internationalen Ausstellung 1937, die Charles-Fergus-Binns-Medaille der Alfred University (1961), die Cranbrook-Founders-Medaille (1964) sowie die Cranbrook-Academy-of-Art-Faculty-Medaille (1966). Nach ihrem Rückzug aus dem Lehrbetrieb lebte sie weiterhin in Cranbrook. Sie starb am 6. Dezember 1973 in Pontiac, Michigan.[1]

Werk

Maija Grotell arbeitete vorwiegend mit Steinzeug und Hochbrandglasuren. Sie wurde insbesondere für ihre experimentelle Arbeit an Glasurrezepturen bekannt, mit denen sie starke Farbwirkungen von tiefen Blautönen bis zu leuchtenden Orangetönen erzielte. Ihre Forschung zur Zusammensetzung farbiger Glasuren trug auch zur Entwicklung farbig glasierter Ziegel bei. Diese fanden unter anderem im architektonischen Werk des Architekten Eliel Saarinen Anwendung, beispielsweise im General Motors Technical Center. Mithilfe der technischen Möglichkeiten der groß dimensionierten Brennöfen an der Cranbrook Academy konnte Grotell Gefäße in bisher für sie ungekannten Größen herstellen und eine geometrisch akzentuierte Formensprache entwickeln. In ihren Arbeiten verband sie verschiedene keramische Materialien – von Porzellan bis hin zu grob schamottierten Erzeugnissen – miteinander, um je nach Ausdrucksabsicht unterschiedliche haptische und visuelle Eigenschaften zu erzielen.[2][3]

Als Pädagogin legte Maija Grotell großen Wert darauf, dass ihre Studierenden eine eigenständige künstlerische Haltung entwickelten und nicht ihre Formen und Glasuren imitierten. Zu ihren Schülerinnen und Schülern zählten zahlreiche später einflussreiche Keramikerinnen und Keramiker der amerikanischen Studiobewegung; ihre Lehrtätigkeit wird als wichtiger Beitrag zur Anerkennung der Keramik als autonome Kunstform in den Vereinigten Staaten gewertet.[1]

Maija Grotell war in zahlreichen Ausstellungen vertreten. Einzelausstellungen wurden ihr unter anderem 1950 im Art Institute of Chicago, 1952 im Cranbrook Museum sowie 1967 in Form einer Retrospektive in der Cranbrook Academy of Art, im Joe and Emily Lowe Art Center der Syracuse University und im Museum of Contemporary Crafts gewidmet. Ihre Werke befinden sich in den Sammlungen verschiedener bedeutender Museen.[4]

Literatur

  • Janet Koplos, Bruce Metcalf: Makers: A History of American Studio Craft, University of North Carolina Press, Chapel Hill 2010.
  • Susan J. Bandes (Hrsg.): With Eyes Opened: Cranbrook Academy of Art Since 1932, Hirmer, München 2021.
  • Maija Grotell: Works Which Grow From Belief, Cranbrook Academy of Art Museum, Bloomfield Hills 1973.
Commons: Maija Grotell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e Maija Grotell: Revolutionary Craft in 20th Century America. Abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
  2. Grotell | The Marks Project. Abgerufen am 1. Dezember 2025.
  3. Maija Grotell. Abgerufen am 1. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  4. Maija Grotell. In: Cranbrook Art Museum. 2. Mai 2016, abgerufen am 1. Dezember 2025.