Tina Mußack

Albertine „Tina“ Mußack (* 1. August 1933 in Aletshausen; † 23. März 2021)[1][2] war eine deutsche Telefonistin und Blindenaktivistin.

Werdegang

Tina Mußack wurde im Dorf Aletshausen bei Krumbach geboren. Als blindes Kind besuchte sie von 1940 bis 1948 Blindenschulen in Augsburg und Ursberg. Nach Ende der Volksschule absolvierte sie eine zu dieser Zeit klassische Ausbildung im Blindenhandwerk. Dazu gehörten Kunststricken, Bürstenbinderei, Stuhl- und Korbflechterei. In Augsburg ging sie in die Fortbildungsschule für das Blindenhandwerk und lebte im dortigen Blindenheim.[3]

Nachdem sie die Möglichkeit hatte, in Kempten einen Telefonistenkurs zu belegen, nahm sie eine Stelle im Landratsamt Krumbach an. Da ihr Arbeitsplatz in der Nähe ihres Elternhauses lag, zog sie wieder dort ein. In dieser Zeit begann sie, sich im Blindenbund - heutiger Name: Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) - zu engagieren, dem sie im März 1954 beitrat. Als das Landratsamt 1972 geschlossen wurde, fand Tina Mußack bei der Post in Memmingen eine neue Arbeit. Sie zog 1973 in eine eigene Wohnung[1] in der Nähe, von der aus sie den Arbeitsweg selbständig bewältigen konnte und führte zum ersten Mal ein eigenständiges Leben.[3]

Um auch anderen Blinden mehr Selbständigkeit zu ermöglichen, weitete Tina Mußack ihren Einsatz beim Blindenbund aus. Sie setzte sich politisch für die Belange von Menschen mit Behinderung ein[3] und war viele Jahre als Mitglied im Sozialhilfeausschuss und im Behindertenbeirat in Memmingen tätig.[1] Tina Mußack starb 2021.

Arbeit im Blindenwesen

Tina Mußack setzte sich für ein selbstbestimmtes Leben für Blinde ein. Als Grundvoraussetzung dazu erachtete sie eine Erwerbstätigkeit zur Sicherstellung wirtschaftlicher Unabhängigkeit. In ihrer Stellung als Beauftragte der Unterallgäuer Bezirksgruppe des BBSB sprach sie sich für bessere Bildungsmöglichkeiten aus und übernahm langjährig zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten.[1][3]

Während ihrer Zeit in Krumbach war sie in der Bezirksgruppe Schwaben-Augsburg des BBSB aktiv, nach dem Umzug nach Memmingen übernahm sie 1975 das Amt der Kreisbeauftragten für das Unterallgäu und die Stadt Memmingen. Dem Bezirksgruppenausschuss gehörte sie von 1975 bis 1999 und von 2008 bis 2011 an. Sie war auch stellvertretende Bezirksgruppenleiterin in den Jahren 1975 bis 1979, 1983 bis 1987 und 1991 bis 1999.[1]

Ab 1983 kümmerte sie sich mit um die Vervielfältigung und die Verteilung einer Zeitung für Sehgeschädigte auf Kassette mit ausgewählten Artikeln aus der Memminger Zeitung und der Mindelheimer Zeitung.[4][5] Als Blinden- und Sehbehindertenberaterin war sie von 2008 bis 2017 aktiv,[1] machte Hausbesuche bei blinden Menschen, um Tipps zur Bewältigung des Alltags zu geben und geeignete Hilfsmittel zu empfehlen.[3]

Ehrungen

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j Ehrendes Gedenken. (PDF; 0,8 MB) In: Geschäftsbericht 2021 des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes e.V. (BBSB). S. 18. Abgerufen am 13. Oktober 2025.
  2. Albertina Mußack. In: BLF-Sterbebilderprojekt. Abgerufen am 13. Oktober 2025.
  3. a b c d e f g Tina Mußack: Die Mutmacherin. In: bayerns-frauen.de, Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Abgerufen am 12. Oktober 2025.
  4. Eine Zeitung, die man hören kann. In: all-in.de, Allgäuer Zeitung vom 29. April 2004. Abgerufen am 13. Oktober 2025.
  5. Johann Stoll: Geballte Information aus der Heimat. In: Augsburger Allgemeine. 22. Januar 2011. Abgerufen am 13. Oktober 2025.
  6. 100 Jahre BBSB. (PDF; 7,6 MB) In: Festschrift zum 100. Geburtstag des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes e.V. (BBSB). S. 124, 126. Abgerufen am 13. Oktober 2025.
  7. Ehrungen von Stadtratsmitgliedern und Auszeichnungen verdienter Bürgerinnen und Bürgern. In: Jahresbericht 2001 der Stadt Memmingen. S. VIII. Abgerufen am 13. Oktober 2025.
  8. Ehrungen, Ernennungen und Auszeichnungen von Stadtratsmitgliedern und verdienten Bürgerinnen und Bürgern. In: Jahresbericht 2001 der Stadt Memmingen. S. 8. Abgerufen am 13. Oktober 2025.
  9. FrauenOrte. In: bayerns-frauen.de, Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Abgerufen am 12. Oktober 2025.