Thomas Johannessen Heftye
Thomas Johannessen Heftye, oft abgekürzt Tho. Joh. Heftye, Aussprache [hefti],[1] (* 29. Oktober 1822 in Christiania (Oslo); † 4. Oktober 1886 ebenda)[2][3] war ein norwegischer Bankier, Schriftsteller und Philanthrop. Mit 26 Jahren trat er in die von seinem Großvater gegründete Bank Thos. Joh. Heftye & Søn ein, rettete sie kurz danach aus einer existenzbedrohenden Krise und machte sie in Folge zur führenden Privatbank Norwegens. Er war maßgeblich tätig in zahlreichen Unternehmen, öffentlichen Ausschüssen und privaten Vereinen, ein Mäzen für Künstler und Schriftsteller und ein Unterstützer der noch jungen Frauenbewegung. Er war Kommunalpolitiker und verfasste Schriften über den Freihandel und die Geldpolitik.
Auf seine Initiative hin wurde 1868 der Norwegische Wanderverein gegründet, den er bis zu seinem Tod leitete. Selbst ein begeisterter friluftsmann, öffnete er seine Anwesen Frognerseteren, Sarabråten und Eidsbugarden am Bygdin-See für die Öffentlichkeit. Sein im Tudorstil erbautes Osloer Stadthaus Frognæs dient heute als Botschaft Großbritanniens.
Leben und Werk
Familie
Thomas Johannessen Heftye entstammt der aus Hätzingen (Kanton Glarus) in der Schweiz gebürtigen norwegischen Familie Heftye. Er war der älteste Sohn des Honorarkonsuls und Bankiers Johannes Thomassen Heftye (1792–1856) und der Anna Christine (Tina) Haslef (1798–1862). Seine Geschwister hießen: Marie Catharine (* 1821), Jørgen Haslef (* 1828), Valborg Cathinka (* 1830) und Johanne Christine (* 1831).[4][5]
Der gleichnamige Großvater Thomas Johannessen Heftye (1769–1827) hatte um 1790 ein Holzhandelsunternehmen gegründet, aus dem 1818 die Privatbank Thos. Joh. Heftye & Søn hervorging.[1][2] Der jüngere Bruder des Vaters, Henrik Thomassen Heftye, machte sich ebenfalls als Unternehmer einen Namen und hinterließ großzügige Stiftungen. Eine Schwester des Vaters heiratete den Reeder Mogens Thorsen, der seinerzeit als reichster Mann Norwegens galt.
Jugend
Obwohl Thomas Heftye in der vornehmen Tollbugata in Christiania geboren wurde, verbrachte er einen Großteil seiner Kindheit in ländlicher Umgebung auf dem Gut Filipstad etwas außerhalb der Stadt, im heutigen Frogner gelegen. Schon als Jugendlicher hielt er sich gerne in der Natur auf, wie er in seinen Erinnerungen berichtet. Bekannte Vertreter der Landschaftsmalerei der Romantik wie Johan Christian Clausen Dahl und später Hans Gude und Johan Fredrik Eckersberg waren Freunde der Familie Heftye.[2][6]
Thomas Heftye erhielt seine schulische Ausbildung an der Osloer Domschule und von 1840 bis 1843 an der Handelsschule in Leipzig. Danach hielt er sich für einige Zeit in Frankreich und Großbritannien auf.[2]
Ehe, Heim und Kinder
Am 7. Oktober 1846 heiratete der 24-Jährige in der Vår Frelsers kirke (Osloer Dom) die drei Jahre jüngere Marie Jacobine Meyer (* 22. Januar 1826 in Christiania; † 14. Oktober 1895 ebenda), Tochter des Großhändlers Jacob Peter Meyer (1781–1856) und der Ingeborg Marie Barth Muus (1781–1835).[7][2] Es war eine Hochzeit auf Augenhöhe: Der Schwiegervater war ein einflussreicher Waldbesitzer, Holzhändler und Reeder. Dessen Sohn Thorvald Meyer vermehrte das väterliche Erbe und war ein großzügiger Mäzen des Christiania Theaters und anderer Einrichtungen der Hauptstadt.
1852 kaufte Thomas Heftye in Frogner ein Anwesen am Drammensveien 79 (ursprünglich 77[8]), das er Frognæs nannte, und ließ darauf ein herrschaftliches Haus im Tudorstil errichten. Das Grundstück gehörte bis 1878 zu Aker[9] und wurde danach mit Frogner nach Christiania eingemeindet. Die Straße wurde 1891 in Thomas Heftyes gate umbenannt; sie ist mit Villen und mit um 1900 errichteten Mietshäusern bebaut und noch immer eine „sehr attraktive Wohnstraße“. Frognæs trägt heute die Adresse Thomas Heftyes gate 8 und dient als Residenz des britischen Botschafters.[10]
Der Platz am Ende der Straße ist ebenfalls nach Thomas Heftye benannt. Er ist seit 2011 mit einem Granitboden bedeckt, eingefasst mit Aluminiumprofilen in demselben Rot, das vom Norwegischen Wanderverein zur Markierung von Wanderwegen verwendet wird.[11]
Thomas und Marie Heftye bewohnten Frognæs mit ihren fünf Kindern: Johannes Thomassen (* 1849), Ingeborg Marie (* 1852), Anne Christine (* 1858), Thomas Thomassen (* 1860) und Jacob Meyer (* 1863).[12][13] Der nach seinem Großvater benannte Johannes Thomassen Heftye wurde als Bergsteiger bekannt, Thomas Thomassen Heftye als Direktor der staatlichen Telegrafengesellschaft, Venstre-Politiker und Minister (statsråd). Die Tochter Ingeborg Marie heiratete mit Frits Hansen einen Volkshochschulleiter, Redakteur und Zentrumspolitiker.
Bankier
1848 wurde Thomas Heftye Teilhaber des Familienunternehmens Thos. Joh. Heftye & Søn. Im selben Jahr rettete der erst 26-Jährige das Bankhaus vor dem Untergang,
„als die älteren Mitglieder, bedrückt von den Unwägbarkeiten der Zeit und der Panik, die die allgemeine Krise ausgelöst hatte, das voll solvente Vermögen der Konkursverwaltung übergaben. Thomas Heftye ruhte nicht, bis die Hilfe bereitgestellt war, die man vorübergehend benötigte oder zu benötigen glaubte, und der damalige Bürgermeister, später Staatsrat Bretteville, unter dessen Zuständigkeit die Konkursverwaltung damals fiel, gab die Konkursanmeldung zurück.“
Diese Schilderung aus dem Nekrolog wird von der Nachwelt übereinstimmend wiedergegeben,[9][15] als früher Beweis für sein „finanzielles und administratives Talent von herausragendem Rang“ und die ihn auszeichnende „Schnelligkeit, Energie und kluge Nutzung der vorhandenen Hilfsquellen“.[3]
Ab 1851 war Thomas Heftye einer der Chefs des Handelshauses und von 1857 bis zu seinem Tode leitete er es gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Jørgen Hasleff Heftye.[15] In den 1850er Jahren war die Infrastruktur der norwegischen Finanzwirtschaft, das Geflecht von Kreditinstituten und Versicherungsgesellschaften, noch wenig entwickelt. „Thomas Heftyes Fähigkeit, usere Geldverhältnisse zu leiten, zu regulieren, zu unterstützen und zu festigen, wurde während der schweren Wirtschaftskrise von 1857 auf eine harte Probe gestellt.“[2.1] Als Mitglied des am 12. Dezember 1857 bestellten Komitees hatte er maßgeblichen Anteil an der Einrichtung einer vorübergehenden Kreditanstalt zur Refinanzierung der in Schieflage gekommenen Unternehmen.[15][16]
Multifunktionär
Im Laufe der Jahre machte Thomas Heftye nicht nur Thos. Joh. Heftye & Søn zur führenden Privatbank Norwegens, er war auch „an der Lösung der meisten größeren wirtschaftlichen Aufgaben und Unternehmungen beteiligt, die in der folgenden Generation in diesem Land auf den Weg gebracht wurden.“[2.1] Er war in nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens aktiv, im Vorstand von privaten Unternehmen und als Mitglied staatlicher Kommissionen.
Thomas Heftye war Direktionsmitglied der Norwegischen Rentenversicherung, der Norwegischen Guano-Gesellschaft, der Norwegisch-Englischen Telegrafengesellschaft, der Akers Sparebank, der Kristiania Kreditbank, der Versicherungsgesellschaften Storebrand und Idun und der Arendals Privatbank. Vom 21. Dezember 1855 bis zum 18. August 1860 war er Mitglied der Direktion der norwegischen Bahnverwaltung (Hovedjernbanen). 1867 war er norwegisches Jurymitglied (in der Kategorie Holzwaren) für die Weltausstellung in Paris. Im Jahr 1869 wurde er Mitglied des Bauausschusses für die Eisenbahnstrecke Kristiania–Drammen. Er war Mitglied der königlichen Eisenbahnkommission vom 14. November 1874. Er nahm an zwischenstaatlichen Ausschüssen zur Harmonisierung des skandinavischen Handelsrechts teil, so an der Wechselrechtskommission vom 20. Januar 1877, an der Firmenrechtskommission vom 9. September 1881, an der Seerechtskommission vom 9. Dezember 1882 und an der Königlichen Bankenkommission vom 6. Dezember 1884.[15][9]
Von 1873 bis zu seinem Tod war Thomas Heftye im Vorstand der örtlichen Akers Sparebank. Als sein Wohnsitz Frognæs 1878 zu Christiania kam, änderte die Bank ihre Satzung, um den nun „Auswärtigen“ als Vorstandsmitglied behalten zu können. Heftye stand dem Leitungsausschuss der Handelskammer von Christiania vor, aber auch dem Verein für Norwegens Verteidigung (Norges Forsvarsforening).[2][16] Der Leseverein für Frauen (Leseforeningen for kvinner) wurde nicht nur in Heftyes Büro gegründet; er wurde auch dessen erster Vorsitzender.[17] Für die Schweiz, die Heimat seiner Vorfahren, wirkte er ab April 1857[15] (oder 1859[9]) als Honorarkonsul.
Politiker
Thomas Heftye engagierte sich in der Kommunalpolitik seiner jeweiligen Heimatgemeinde. 1855–1856 war er Mitglied des Stadtrats von Christiania. Mit dem Einzug in die Villa Frognæs wurde er Bewohner von Aker und war dort 1869–1877 Gemeinderatsmitglied. Durch die Erweiterung der Stadtgrenze von Kristiania wurde er ab dem 1. Januar 1878 wieder in der Hauptstadt wählbar und Anfang 1879 erneut in die Gemeindevertretung gewählt, der er bis zu seinem Tod angehörte.[15][2]
An der nationalen Politik nahm Heftye nur am Rande teil.[3.1] Bei der Stortingwahl 1879 wurde er als Unabhängiger („ohne Parteibindung“)[18] für Christiana zum Wahlmann[19] gewählt, lehnte aber bei der eigentlichen Abstimmung am 9. Oktober die Wahl zum Abgeordneten ab. Stattdessen wurde er zum 2. Ersatzabgeordneten (Vararepresentant) für den Wahlkreis Christiania, Hønefoss und Kongsvinger gewählt. Er rückte während der Wahlperiode 1880–1882 nicht ins Parlament nach. Im Oktober 1882 bewarb er sich erneut als Wahlmann, wurde aber nicht mehr gewählt.[15][9]
Bereits der Nekrolog im Dagbladet warf die Frage auf, wieso Thomas Heftye keinen seinen Fähigkeiten entsprechenden Platz im politischen Leben erreichen konnte. Seine Tätigkeit in den staatlichen Kommissionen und sein Engagement als Wahlmann belegen seine Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. „Er stand vor der Tür, aber er kam nicht durch das Tor herein.“ Im von der „Linken“ beherrschten Akershus war er als zu weit rechts nicht wählbar, und als er später Bürger der konservativ geprägten Hauptstadt wurde, hatte er sich längst mit der „Rechten“ überworfen. „Heftye war für die Partei zu individuell, zu unzuverlässig als gehorsamer Parteimann.“[20] Er war aber gewiss kein Anhänger von Johan Sverdrup, wofür ihm ein Historiker des 21. Jahrhunderts das Prädikat „Reaktionär“ umgehängt hat.[6]
Publizist
Erfolgreicher war Thomas Heftye als wirtschaftspolitischer Publizist. Vor allem im Morgenbladet, gelegentlich auch im Aftenbladet, erschienen ab 1863 seine Artikel über das Bank- und Geldwesen,[3][21] die „Passagen von stilistischer und dramatischer Anspannung“ enthalten, „denn er konnte ein kompliziertes Wirtschaftsproblem in einem aussagekräftigen Bild veranschaulichen“.[20] Zudem veröffentlichte er ab 1871 sieben Monografien, etwa über die Wechselkursverhältnisse, die Ausgabepolitik skandinavischer Notenbanken und das Problem der Metalldeckung der norwegischen Währung. An der Einführung der Norwegischen Krone als Ersatz für den Speciedaler im Jahre 1875 war Heftye publizistisch und durch seine Arbeit in den Kommissionen federführend beteiligt.[6][22]
Thomas Heftye war Mitbegründer der Statsøkonomisk Forening (Volkswirtschaftliche Vereinigung), die von studierten Juristen und Historikern dominiert wurde. Der Nichtakademiker Heftye wurde als nützliches Mitglied sehr geschätzt: „Unter den Geschäftsleuten, mit denen wir Juristen in diesen und ähnlichen Ämtern zu tun hatten, gab es niemanden, bei dem wir mehr Anleitung fanden und mit dem wir in diesen Bereichen lieber zusammenarbeiteten.“ (So der Vorsitzende T. H. Aschehoug in seinem Nachruf in der Vereinszeitung Statsøkonomisk tidsskrift.)[22]
Heftye war (zusammen mit Ferdinand Roll und Nils Hertzberg) Mitglied des Aufsichtsrats der von Bjørnstjerne Bjørnson seit März 1866 redigierten Wochenzeitung Norsk Folkeblad.[15] Bjørnsons scharfes Eintreten gegen eine engere Bindung des Königreichs Norwegen an die Schwedische Krone und für nationale Eigenständigkeit in politischen und wirtschaftlichen Belangen wollte Heftye nicht mittragen. Im Februar 1868 gab er sein Aufsichtsratmandat auf, da er „den Inhalt der Zeitung nicht gutheißen könne“ und dieser „in einigen Punkten tendenziös und einer Volkszeitung wenig angemessen sei“, wie er der Zeitungsredaktion schriftlich mitteilte.[23]
Mäzen
Thomas Heftye „war ein Mann mit einem ausgeprägten Gespür für die sozialen Verpflichtungen des Reichtums“[3] und „übte still und leise Wohltätigkeit aus“.[2] Unter anderem unterstützte er Aasmund Olavsson Vinje, Bjørnstjerne Bjørnson, Hans Fredrik Gude, Peter Andreas Munch und Johan Peter Selmer. Er war Mitglied der Direktion des Christiania Theaters, der Vereinigung für Denkmalpflege (Fortidsminneforeningen) und der Kunstvereinigung (Olso Kunstforening). Für die Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler war er nicht nur ein großzügiger Mäzen, sondern auch ein Freund und Gastgeber.[2]
Die Gastfreundschaft übte er in großem Stil aus, sowohl in seinem Stadthaus Frognæs als auch auf seinen ländlichen Anwesen Frognerseteren und Sarabråten, „wo er zwar offenbar gerne in Einsamkeit lebte, die er aber für jeden Besucher und sogar für die Allgemeinheit öffnete.“[3] Das Familjebok betonte 1909 neben seinem kulturellen Mäzenatentum auch seinen „intensiven Einsatz für die Verschönerung der norwegischen Hauptstadt und ihrer Umgebung“.[21]
Freiluftmann
Thomas Heftye war ein begeisterter friluftsmann[24] und gemeinsam mit dem genau so begeisterten Naturfreund Hans Hagerup Krag gründete er 1868 Den Norske Turistforening (DNT) (Norwegischer Wanderverein) und stand ihm bis zu seinem Tod vor.[16] Eine wichtige Rolle bei der Gründung spielte Vinje, der in seiner Zeitung Dølen von allen vorbereitenden Treffen berichtete. Vereinsziel war, die Menschen in die Natur zu bringen, und dies zu einer Zeit, als die Berge noch als „hässlich“ galten und nur für die Jagd oder die Ausbeutung von Bodenschätzen aufgesucht wurden. Im Laufe der Jahre baute der DNT mehrere Schutzhütten, die erste bei Rjukanfossen. Dann folgten weitere Hütten in Jotunheimen.[6]
Heftye brachte den Naturtourismus, der in der Schweiz schon im 18. Jahrhundert Fuß gefasst hatte, nach Norwegen, und zwar auch in die abgelegenen „unbekannten Bergregionen, wo jeder Besucher, der nicht Schafhirte oder Rentierzüchter war, von der ruhigen Bevölkerung des Dorfes fast als Sonderling betrachtet wurde, wohin heute Hunderte von Touristen strömen und wo die Gespräche in fremden Sprachen geführt werden.“ Den Tourismuspionieren galt die Natur nicht nur als Ort, „wo Seele und Körper Erholung von den Mühen des Alltags finden“, sondern auch als Antrieb der nationalromantischen Erneuerung Norwegens, „wo die Liebe zum Vaterland gefestigt wird.“[25.1]
Heftyes Gesinnung war demokratisch; er wollte die Natur nicht in vornehmer Einsamkeit genießen, sondern alle sollten an ihr teilnehmen dürfen. In seinen eigenen Worten: „Lasst es uns einfach und günstig machen, damit wirklich viele kommen und sehen können, was in unserem Land groß und schön ist!“[25][2]
Bauherr
Thomas Heftye interessierte sich sehr für die norwegische Volkskultur (auch für Asbjørnsens Volksmärchen), sammelte Bauernmöbel und -gerätschaften und kaufte aus abgelegenen Höfen ganze Zimmereinrichtungen an. Er erwarb in Østmarka, in den Wäldern östlich der Hauptstadt, nahe eines Sees den Hof Sarabråten und ließ ihn erweitern.[6] Er beschäftigte zwei deutschstämmige Architekten, Wilhelm von Hanno und Heinrich Ernst Schirmer, die sich an der traditionellen norwegischen Bauweise orientieren sollten. Damit war Heftye ein Pionier der nationalromantischen Architektur, die sich in Norwegen erst dreißig Jahre später als Stil etablieren sollte. Das neue Haus in Sarabråten wurde 1856 fertiggestellt und war einem Bauernhaus aus dem Østerdalen, einer waldreichen Region Norwegens, nachempfunden.[26]
In den Jahren 1866–1867 ließ sich Heftye auf einem Hügel westlich der Hauptstadt, mit weiter Aussicht über den Fjord, das Landhaus Frognerseteren errichten; ein Haupthaus und ein Vorratsspeicher (Stabbur) im Stil der Architektur von Telemark. 1884 wurden zwei alte Bauernhäuser aus anderen Tälern erworben, abgebaut und in Frognerseteren originalgetreu wieder aufgebaut. Beide Anwesen ließ Heftye durch Wege erschließen und schon kurz nach der Errichtung für die Allgemeinheit öffnen.[26]
Dies galt auch für den Besitz Eidsbugarden in Vang am Bygdin-See, den Heftye 1870 erwarb. Hier war von Vinje und dessen Freunden 1868 eine Hütte als Ausgangspunkt für Wanderungen nach Jotunheimen errichtet worden, die Heftye für den DNT erwarb und von diesem weiterbetreiben ließ.
Nach Thomas Heftyes Tod wurden Sarabråten und Eidsbugarden von seinem Sohn Thomas Thomassen Heftye übernommen. Der Hügel Tryvannshøgda in Nordmarka nordwestlich der Hauptstadt wurde (mitsamt dem Aussichtsturm) der Gemeinde Kristiania vererbt, während Frognerseteren inklusive Freilichtmuseum und Wald von der Gemeinde angekauft wurde.[2]
Nachrede und Erinnerung
In seinen letzten Lebensjahren erkrankte Thomas Heftye und statt seine jährlichen Bergtouren zu unternehmen, unterzog er sich verschiedenen Kuraufenthalten.[25] Die chronische Krankheit hinderte ihn bis zuletzt nicht daran, seine gewohnte Energie zu entfalten. Schließlich starb er am 4. Oktober 1886 um 22 Uhr in seinem Stadthaus Frognæs,[9][15][20] wo er so oft vor dem knisternden Kaminfeuer gesessen hatte, um aus seinem Lieblingsbuch The Pickwick Papers vorzulesen.[2]
Die Nachrufe in den Tageszeitungen vermitteln eine Vorstellung von der Persönlichkeit Thomas Johannessen Heftyes. Sie beschreiben ihn als mageren Mann „mit einer Lebhaftigkeit in seinen Bewegungen und einer schnellen Leichtigkeit in seinem Gang, die an die südländische Rasse erinnerten, aus der er stammte. […] Meistens summte oder pfiff er eine Melodie, wenn er die Drammensvejen entlangging oder an seinem Schreibtisch stand und seine Papiere ordnete. […] Seine Schnelligkeit, Dinge zu erkennen, zu verstehen und Entscheidungen zu treffen, gab ihm selbst Sicherheit, machte es aber oft schwierig, mit ihm zusammenzuarbeiten. Oft folgte er einfach einem Instinkt, den er anderen nicht mitteilen konnte, und nicht selten ließ er wieder los, was er schnell ergriffen hatte.“[20]
Thomas Heftye wurde zu Lebzeiten mit sechs Orden geehrt, außer skandinavischen auch mit einem französischen und einem österreichischen. Im Januar 1888 wurde ihm oberhalb von Svendstuen bei Midtstuen, wo er die Sägemühle Frognerseteren Bruk besessen hatte, ein Denkmal gesetzt.[3][2] Die schlichte Stele aus rotem Granit ist sieben Meter hoch und trägt die Inschrift Christiania-ungdom satte denne bautasten (Die Jugend von Christiania hat diesen Menhir aufgestellt).[27]
Auszeichnungen
(Quelle:[2])
- Ritter des schwedischen Nordstern-Ordens, 1860
- Ritter des norwegischen Sankt-Olav-Ordens, 7. Juni 1864 für „gemeinnützige Arbeit“[15]
- Ritter des dänischen Dannebrogordens, 1866
- Ritter der französischen Ehrenlegion, 1867
- Kommandeur des österreichischen Franz-Joseph-Ordens, 1867
- Kommandeur 1. Klasse des schwedischen Wasaordens, 1877[15][9]
Veröffentlichungen (Auswahl)
Monografien
(Alle Bücher erschienen unter dem Namen Tho. Joh. Heftye)
- Kursværdien af Sterling, Mark Banco, Gylden og Francs i norske Species og Dele af Species. (Der Kurswert von Sterling, Mark Banco, Gulden und Francs in norwegischen Species und Teilen von Species.) 1871.
- Om Norges Myntcirkulation. (Über den Geldumlauf in Norwegen.) Kristiania 1873 (Digitale Version).
- Den norske Guldmynt. (Die norwegische Goldmünze.) (Vom Verfasser auf den 8. April 1874 datiert.)
- Vore Pengeforhold. (Unsere Geldverhältnisse.) Christiania 1875 (Digitale Version).
- De skandinaviske Banker og deres Pengesedler. (Die skandinavischen Banken und ihre Banknoten.) 2 Hefte. In Kommission bei Cappelen, 1877 bzw. 1878 (Digitale Version Heft 1) (Digitale Version Heft 2).
- De svenske Seddelbanker. Skitse. (Die schwedischen Notenbanken. Skizze.) Christiania 1878 (Digitale Version).
- Bankmetal, særligt om den tydske Rigsbanks metalliske Dækning og Forhold siden dens Stiftelse 1875. Foredrag holdt i den Statsøkonomiske forening i Kristania 30te october 1885. (Bankmetall, insbesondere über die metallische Deckung der deutschen Reichsbank und die Verhältnisse seit ihrer Gründung 1875. Vortrag gehalten vor der Staatsökonomischen Vereinigung in Kristiania am 30. Oktober 1885.) Kristiania 1886 (Digitale Version).
Zeitungsartikel
- Morgenbladet (1863–1886)
- Aftenbladet (1863–1881)
Literatur
- Karsten Alnæs: Thomas J. Heftye. En biografi om finansmannen og stifteren av Den Norske Turistforening. Gyldendal, Oslo 2018, ISBN 978-82-05514-60-7.
- Even Saugstad: Sarabråten. Godset i skogen. Frie fuglers forlag, Oslo 2016, ISBN 978-82-99541-57-2.
- Lars Alldén: Thomas Heftye og Sarabråten. In: St. Hallvard. Tidsskrift til Selskabet for Oslo Byes Vel. 2016, Nr. 2, Seite 4 bis 19 (Digitale Version).
- Eystein Fredrik Husebye: Thomas Johannessen Heftye og hans slekt fra Sveits som tok borgerskap i Christiania. Vinderen historielag, Oslo 2015, ISSN 0804-3256.
- Th. J. Heftye. In: Illustreret tidende, 28. Jahrgang 1886, Nr. 3 vom 17. Oktober 1886, Seite 321 f. (Digitale Version).
- † Tho. Joh. Heftye. In: Aftenposten, Nr. 583 (Morgennummer) vom 5. Oktober 1886, Seite 2 (Digitale Version).
- Tho. Joh. Heftye. In: Dagbladet, 18. Jahrgang Nr. 348, 5. Oktober 1886, Seite 1 (Digitale Version).
- J. B. Halvorsen: Konsul Tho. Joh. Heftye. in: Skilling-Magazin, Nr. 1 vom 4. Januar 1879, Seite 1 bis 3 (Digitale Version).
Weblinks
- Johannes Thomassen Heftye. in: Slekt skal følge slekters gang.
- Thomas Johannessen Heftye. in: Slekt skal følge slekters gang.
- Thomas Johannesen Heftye. in: Historisk befolkningsregister.
- Bücher von Tho. Joh. Heftye Suche in der Nasjonalbiblioteket.
- Tho. Joh. Heftye. Werke in BIBSYS.
- Thomas Johannessen Heftye. im DigitaltMuseum.
- Nachrufe auf Thomas Heftye in den Norwegischen Zeitungen.
- Villa Frognæs, the british embassy in Oslo.
- Sarabråten Kulturhistorie fra Oslos første utfartssted.
- Til minne om Thomas Johannessen Heftye Granitskulptur von 1887, 700 × 76 × 61 cm.
Einzelnachweise
- ↑ a b Terje Bratberg: Heftye. in: Store norske leksikon (Digitale Version).
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o Christine C. Heftye: Thomas Johannessen Heftye. in: Store norske leksikon (Digitale Version).
- ↑ a b c d e f K. V. Hammer: Heftye, Thomas Johannessen. in: Chr. Blangstrup (Hrsg.): Salmonsens Konversationsleksikon. Anden Udgave. Band XI: Hasselmus – Hven. A/S J. H. Schultz Forlagsboghandel, København 1921, Seite 121 (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
- ↑ „Politisch spielte H. nie eine bedeutendere Rolle.“
- ↑ Johannes Thomassen Heftye. in: Slekt skal følge slekters gang.
- ↑ Haagen Krog Steffens (Hrsg.): Heftye. in: Norske Slægter 1912. Gyldendalske Boghandel Nordisk Forlag, Kristiania 1911, Seite 148 f. (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
- ↑ a b c d e Karsten Alnæs: Thomas J. Heftye bei Søndre Aker historielag. Archiviert vom Original am 13. März 2022.
- ↑ Ministerialbok for Oslo Domkirke / Vår Frelsers menighet prestegjeld 1828-1847 (0301M12).
- ↑ Folketelling 1885 for 0301 Kristiania kjøpstad.
- ↑ a b c d e f g Heftye, Thomas Johannessen. In: Tallak Lindstøl (Hrsg.): Stortinget og statsraadet. 1814–1914. B. 1 D. 1. Biografier A–K. Steen'ske bogtrykkeri, Kristiania 1914, Seite 357 f. (Digitale Version).
- ↑ Thomas Heftyes gate. in Oslo byleksikon.
- ↑ Thomas Heftyes plass. in Oslo byleksikon.
- ↑ Folketelling 1865 for 0218aP Vestre Aker prestegjeld.
- ↑ Thomas Johannessen Heftye. in: Slekt skal følge slekters gang.
- ↑ Thomas Johannessen Heftye. In: Morgenbladet, Nr. 503, 5. Oktober 1886, Seite 2 (Digitale Version).
- ↑ a b c d e f g h i j k l Heftye, Thomas Johannessen. in: J. B. Halvorsen: Norsk Forfatter-Lexikon 1814–1880. Band 2: C–H. Den Norske Forlagsforening, Kristiania 1888, Seite 585–589 (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
- ↑ a b c Heftye, Thomas Johannesen: In: Haakon Nyhuus (Hrsg.): Illustreret norsk konversationsleksikon. Band III: Fabre – Hellige kilder. H. Aschehoug & Co. (W. Nygaard), Kristiania 1909, Spalte 1618 f. (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
- ↑ Rikke Fjell: Tiden og Kvinnene … to jubileer in: Vi selv og våre hjem., September 1934, Seite 16 f.
- ↑ Thomas Johannessen Heftye. in Polsys.sikt.no.
- ↑ Bis zur Wahl 1906 waren die Stortingwahlen indirekt. Die Wahlberechtigten wählten zunächst Vertreter, die Wahlmänner (valgmenn), die dann die Stortingabgeordneten bestimmten.
- ↑ a b c d Tho. Joh. Heftye. In: Dagbladet, 18. Jahrgang Nr. 348, 5. Oktober 1886, Seite 1 (Digitale Version).
- ↑ a b Heftye, Thomas Johannessen. in: Th. Westrin (Hrsg.): Nordisk familjebok. Konversationslexikon och realencyklopedi Uppleupplagen. Band 11. Harrisburg – Hypereides. Nordisk familjeboks förlag aktiebolag, Stockholm 1909, Spalte 228 (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
- ↑ a b † Thomas Johannesen Heftye. In: Statsøkonomisk tidsskrift. 1887, Seite 58 (Digitale Version).
- ↑ Th. Joh. Heftye: Til Redaktionen af Norsk Folkeblad. und Antwort von Ferdinand Roll, in: Norsk Folkeblad 3. Jahrgang 1868, Nr. 7 vom 15. Februar 1868, Seite 49 (Digitale Version).
- ↑ Für diesen norwegischen Ausdruck gibt es keine geläufige deutsche Übersetzung, daher empfiehlt sich die Verwendung der wörtlichen Übertragung Freiluftmann.
- ↑ a b Rasmus Søegaard: † Konsul Thomas Johannesen Heftye. In: Den Norske turistforenings årbok 1886-87, Seite III bis VI. (Digitale Version).
- ↑ wörtliche Zitate, nicht ironisch gemeint
- ↑ a b Tonte Hegard: 8 Thomas Joh. Heftye som oppdragsgiver for fritidsbebyggelse i norsk stil. In: Konsthistorisk tidskrift/Journal of Art History , Vol. 57, 1988, Nr. 3–4, Seite 161–167 (Summary, online version vom 1. September 2008, abgerufen am 16. Dezember 2025).
- ↑ Til minne om Thomas Johannessen Heftye bei okk.kunstsamlingen.