Hans Hagerup Krag
Hans Hagerup Krag (* 9. August 1829 in Grong (Trøndelag);[1] † 8. Mai 1907 in Kristiania (Oslo)[2][3]) war ein norwegischer Artillerieoffizier und Straßenbauingenieur und zwischen 1874 und 1903 Straßenbaudirektor in Norwegen. Seit 1852 war er in der Staatlichen Straßenbehörde (Statens vegvesen) beschäftigt, in der er über 50 Berufsjahre verbrachte. Seine größten Projekte waren die Verbindungen zwischen Gudbrandsdalen und Sogn og Fjordane, der Haukelivegen, der Geirangervegen und der Gamle Strynefjellsvegen. Krag war Mitbegründer des Norwegischen Touristenvereins und Vorstand der Polytechnischen Vereinigung. Ihm ist die Erschließung des Holmenkollen und Voksenkollen bei Oslo zu verdanken, wo er außerdem auch eine Kapelle und ein Hospiz errichten ließ. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde ihm auf dem Aussichtspunkt Kragstøtten am Voksenkollen eine lebensgroße Statue errichtet.
Leben und Werk
Eltern und Geschwister
Hans Hagerup Krag entstammt der aus Trøndelag gebürtigen norwegischen Familie Krag. Er war das dritte von sechs Kindern des Pfarrers in Grong und Propst in Namdalen Hans Peter Schnitler Krag (1794–1855) und der Hermana Thomine Rognebye (1798–1878).[4] Der Vater wechselte als Pfarrer 1830 nach Vågå im Gudbrandsdalen, 1841 nach Fredrikshald und schließlich 1848 nach Eidsvoll. Er war ein hervorragender Prediger und kümmerte sich persönlich um den Unterricht in den Volksschulen seiner Gemeinden. „Unermüdliche, aufopferungsvolle Arbeit“ leistete er auch für die Erwachsenenbildung und die Fortbildung der Lehrer.[5]
Die Eltern waren sehr großzügig gegenüber bedürftigen Gemeindemitgliedern, obwohl sie sich das eigentlich nicht leisten konnten. Sie häuften Schulden an, die sie noch jahrelang abtragen mussten. Als ein Freund die Eltern ermahnte, sie sollten an das Erbe ihrer Kinder denken, soll Frau Krag geantwortet haben: „Können wir unseren Kindern ein besseres Erbe hinterlassen als den Segen der Armen?“[6.1]
Hans Hagerups Geschwister hießen: Thomas Peter (* 1821), Peter Rasmus (* 1825), Maren Oline (* 1834), Ole Herman Johannes (* 1837) und Hanna Hermana Balthazara (* 1841).[4] Peter Rasmus Krag wurde Militäringenieur und Parlamentsabgeordneter und Vater u. a. der beiden Literaten Thomas Peter Krag und Vilhelm Krag. Ole Krag diente als Oberst und Feldzeugmeister und erfand das Krag-Jørgensen-Gewehr mit einem fünf Schuss umfassenden Magazin.
Ausbildung
Hans Hagerup Krag verbrachte seine Kindheit im Gudbrandsdalen. Er war 13 Jahre alt, als seine Familie nach Fredrikshald zog, wo er in Folge die städtische Lateinschule besuchte. Laut seinen eigenen Erinnerungen – die er als über 70-Jähriger verfasste – war er kein guter Schüler und er beschrieb sich selbst als dumm, faul, uninteressiert und unwissend.[6.1][7]
Er muss sich aber doch interessiert haben, für eine technische Ausbildung, die in Norwegen bis zu den 1870er Jahren nur an der Militärschule (Krigsskolen) in Kristiania möglich war. Danach wurde er 1849 Offizier und 1852 legte er an der Militärhochschule (Den militære høiskole) das Examen im Ingenieurfach ab,[8][9][2] und zwar als Jahrgangsbester.[6.1]
Im selben Jahr 1852 begann der 23-jährige Leutnant der Artillerie Hans Hagerup Krag seine Tätigkeit bei der Statens vegvesen, der norwegischen Staatlichen Straßenbehörde;[8] zunächst als Volontär, eine Stelle, die ihm sein älterer Bruder Peter Rasmus verschafft hatte.[6.2] Später wurde Krag zum Hauptmann befördert, bis er 1866, als er Büroleiter in der Straßenbehörde wurde, den Militärdienst quittierte.[9][10]
Ehe und Kinder
Am 30. Oktober 1861 heiratete der junge Beamte Hans Hagerup Krag in der Sankt-Petri-Kirche in Stavanger die 14 Jahre jüngere Anna Marie Petersen (* 17. August 1843; † 6. Juni 1919), die Tochter des Großhändlers Fredrik Petersen (1803–1885) und der Johanna Christine Christensen (1808–1878)[11][12] und Schwester des Theologieprofessors Fredrik Petersen. Die Schwiegermutter war Dänin und ihre kulturellen Interessen prägten das Familienleben, während der sehr wohlhabende, aus Stavanger gebürtige Schwiegervater seine Geschäftstätigkeit schon 1858 nach Schweden verlegt hatte.[6.2]
Über seine Ehefrau kam Hans Hagerup Krag zu einem beträchtlichen Vermögen. „Die Erbschaft trug dazu bei, dass die Familie einen Lebensstil führen konnte, den sie sich sonst kaum hätte leisten können. Der erhöhte Lebensstandard war günstig für die Pflege der Kontakte, die Krag in seiner Amtszeit benötigte, stand jedoch im Widerspruch zu den Werten, die er aus seinem Elternhaus mitgebracht hatte.“[6.3]
In den frühen 1860er Jahren wohnte das Ehepaar Krag in Bergen.[13] Der kurz nach der Hochzeit geborene Sohn Johannes starb nach wenigen Monaten.[14] Die Volkszählungen von 1865 und 1875 nennen als Wohnort der Familie Hægdehougen in Frogner (damals Vestre Aker, später nach Kristiania eingemeindet).[15][16] In Vestre Aker wurden auch die beiden Kinder getauft, Sohn Hjalmar (* 2. Juli 1867)[17] und Tochter Hanna (* 25. September 1870).[18] Ab der Volkszählung 1885 war die Familie Krag in Kristiania in der Professor Dahls gate 25 gemeldet.[19][20]
Statens vegvesen
In den 1850er Jahren veränderten technische Neuerungen wie Dampfschiffe und Eisenbahnen, aber auch eine starke Beanspruchung der Straßen, das Verkehrsaufkommen in Norwegen. 1846 wurde die Zuständigkeit für das staatliche Straßenwesen vom Justizministerium auf das neu geschaffene Innenministerium übertragen, wo eine eigene Straßenbauabteilung eingerichtet wurde, in der ab 1852 Christian Vilhelm Bergh (1814–1873) die Stellung eines „Straßenassistenten“ innehatte.[21]
1864 wurde die Straßenbauabteilung des Ministeriums zu einem eigenständigen Amt (Vegdirektorat) umgewandelt und Bergh wurde dessen erster Direktor (Veidirektør). 1885 wechselte die Zuständigkeit für das Amt zum neu geschaffenen Arbeitsministerium und seitdem war die Straßendirektion außerhalb des Ministeriums angesiedelt. Sie trägt heute den Namen Statens vegvesen und ist seit 1946 dem Verkehrsministerium unterstellt.[22]
Durch das Straßenverkehrsgesetz von 1851 wurden die Straßenbaukompetenzen neu verteilt. Planung und Bau der Gemeindestraßen wurden den Kommunen übertragen; den Bezirksverwaltungen (Ämtern) verblieb die Obsorge für das höherrangige Straßennetz, wobei fallweise die Zentralverwaltung in Kristiania Vorschüsse leistete oder Zuschüsse gewährte.[21]
In der Geschichte des Norwegischen Straßenbaus wird die Zeit von 1850 bis 1912 als „Chaussée-Periode“ bezeichnet, in der man bewußt Fahrwege mit geringer Steigung errichtete und dafür längere Wege um die Hügel herum in Kauf nahm. Die Ljabru-Chaussée wurde mit einer maximalen Steigung von 1:20 und einer Straßenbreite von 10 Ellen (ca. 6,25 m) errichtet. Außerdem wurde die Straße in den Hang hinein gelegt, um möglichst wenig Erde ausheben zu müssen. „Das Ideal war nicht mehr, dass die Straßen in geraden Linien verliefen, sondern sich sanft dem Gelände anpassten. Die Straßenränder sollten nicht mehr mit einer mehrere Meter hohen Mauerkante markiert werden, sondern mit gemauerten, befestigten Böschungen.“[21] Sowohl Christian Vilhelm Bergh als auch sein Amtsnachfolger Hans Hagerup Krag waren überzeugte Vertreter dieser neuen Bauweise.[8]
Mitarbeiter von Christian Vilhelm Bergh
Über zwanzig Jahre (1852–1873) war Krag der engste Mitarbeiter Berghs in der Straßenbaudirektion und der junge Beamte hatte Gelegenheit, seine Fähigkeiten zu zeigen.[6.4] Krag arbeitete insbesondere an den geplanten Straßen von Gudbrandsdalen nach Sunnmøre, Nordfjord und Sogn, und 1859 legte er einen Plan für den weiteren Straßenausbau vor, den er später als Straßendirektor selbst umsetzen sollte.[8] Anfang der 1860er Jahre bereitete er den Bau der Straße über den Haukelifjell vor und bewies damit seine „großen Fähigkeiten im Bereich der Systematisierung“.[23]
Kurz nach seiner Beförderung zum Veidirektør 1864 wurde Bergh krank und vom Dienst freigestellt. Als sein Vertreter ernannt werden sollte, „fiel die Wahl ganz natürlich auf Krag“.[23] Als Bergh im nächsten Jahr wiederkehrte, wurde Krag 1866 zum Büroleiter im Straßenbauamt befördert.[8]
Hans Hagerup Krag behandelte und sprach von Bergh immer mit Hochachtung.[23] „Dennoch war Krag nicht Berghs bevorzugter Kandidat für seine Nachfolge. […] Möglicherweise hing dies mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammen.“[6.4]
Straßenbaudirektor
Nach Berghs Tod wurde Krag 1874 zum Straßenbaudirektor ernannt. Er war sich der Herausforderungen, die ihm das Gelände, die Bodenverhältnisse und das knappe Budget des Landes stellten, bewusst. Er errichtete meist schmale Straßen, oft mit Ausweichstellen, aber er machte keine Abstriche bei der Forderung nach sanften Steigungen und der Trassenführung. Sein Spruch „Lieber eine armselige Straße als gar keine Straße“ (Heller en tarvelig vei enn ingen vei) ist von ihm in Erinnerung geblieben. Spätere Generationen könnten die Straßen verbreitern, wenn es der Verkehr und die Wirtschaftlichkeit erfordern würden.[8][6.4][21]
1863 hatte Krag auf einer Studienreise in die Schweiz deren Hochgebirgsstraßen studiert, die er bewunderte, aber nicht imitierte. Während die Alpenstraßen viele steile Kurven hatten, reduzierte Krag in Norwegen die Zahl der Kurven und hielt zwischen ihnen größere Abstände ein. Seine Steigungen überstiegen selten 10 Prozent, „was den Pferden Kraft und später den Autos PS sparte.“[8]
Auf der Studienreise lernte Krag auch die Nachteile einer dezentralen Straßenverwaltung kennen, und als dieses Thema einige Jahre später auf die politische Tagesordnung kam, trat er mit guten Argumenten gegen die Dezentralisierung auf. „Im Zusammenhang mit dem Straßenbau kann Krag als Mann der Provinzen charakterisiert werden. Er war bestrebt, das Land zusammenzubinden und auf diese Weise zu einem verstärkten Handel zwischen den Regionen beizutragen.“[6.4] Seine Straßen verbanden West- und Ostnorwegen und reichten bis zu den Bahnhöfen und Fährstationen.[21] Bei der Festlegung des Straßenverlaufs ließ er sich von lokalen und wirtschaftlichen Sonderinteressen nicht beeinflussen, sondern bestand unnachgiebig auf den übergeordneten Notwendigkeiten, worüber so manche Anekdote existiert.[8.1]
Arbeitsstil
Kein anderer Straßenbaudirektor wurde so sehr mit seiner Behörde identifiziert wie Hans Hagerup Krag, und dies nicht nur wegen seiner langen Amtszeit, sondern vor allem durch seine starke Persönlichkeit: „Sein Auftreten und seine Energie sind legendär.“[6.4] „Mit seinem Auftreten und seinem farbenfrohen Führungsstil ist Krag als Generaldirektor für Straßenwesen mit großem ‚G‘ in Erinnerung geblieben.“[24] „Denn über Krag kann man mit Fug und Recht sagen, dass er einer der bekanntesten Männer des Landes war, und es gibt nicht viele Orte in Norwegen, an denen seine Tätigkeit keine Spuren hinterlassen hat.“[3] „Mit großer körperlicher Kraft, einer seltenen Ausdauer und einer lebhaften Fantasie in Verbindung mit einem umfassenden Interesse für die unterschiedlichsten Dinge konnte er sowohl in seinem Amt als auch darüber hinaus unermüdlich für das arbeiten, was er für richtig und angemessen hielt.“[23]
Krags Führungsstil war streng und großzügig zugleich. Er besaß die seltene Fähigkeit, gute Mitarbeiter zu finden und sie mit selbständigen Aufgaben zu betrauen.[2][3] Vor allem für die Jüngeren in der Behörde, die sogenannten Kraggutta (Krag-Burschen),[6.3] war er ein väterliches Vorbild, dessen Energie, Ideenreichtum und Exzentrik begeistern konnten. Die Mitarbeiter wurden auch in Entscheidungen einbezogen. „Berühmt war sein Tisch mit fünf Klingelknöpfen. Wenn er auf Schwierigkeiten stieß, rief er jemanden, der sich besser auskannte als er.“[8]
Krag veranlasste, dass alle Bezirks- und Abteilungsingenieure eine Zeit lang in seiner Behörde tätig sein sollten, damit die Mitarbeiter der Straßenbauverwaltung einander kennenlernen und ein gemeinsames Selbstverständnis entwickeln konnten.[24] Seine Ingenieure mussten, bevor sie fest angestellt wurden, einen Kurs an einer ausländischen Hochschule absolvieren. „Unter den Straßenarbeitern wurde er aufgrund seiner Strenge, seiner Großzügigkeit und seiner enormen Kraft ebenfalls zu einer Legende. Die Randsteine (Stabbesteinene)[25] mussten so fest verankert werden, dass nicht einmal er sie umwerfen konnte.“[8]
Straßennetz
Im Rahmen der Haushaltsplanung für 1879 entwarf Krag den ersten vollständigen norwegischen Straßenplan. Er erkannte, dass für die Umsetzung in den schwierigen 1880er Jahren das Geld fehlte, und schlug daher vor, zur Finanzierung Staatsanleihen auszugeben: Eine radikale Idee, die ein halbes Jahrhundert auf ihre Verwirklichung warten musste.[8]
Die Schwerpunkte des Straßenplans lagen auf Vestlandet, den Gebirgsübergängen zwischen Østlandet und Vestlandet und im straßenarmen Nordnorwegen. Unter Krags Amtsführung wurden die Arbeiten an der Haukelivegen (1880–1896), der Geirangervegen (1885) und der Strynefjellsvegen (1895) abgeschlossen,[21][26][9] drei Projekte, „die Krags unverkennbare Handschrift tragen“.[8] Auch in Nordnorwegen wurde das Straßennetz ausgebaut, aber erst mit dem Aufkommen des Autos nach 1900 wurden dort bedeutende Straßenbauprojekte realisiert.
Krag erkannte früh die Bedeutung der neuen Erfindung und begrüßte sie: „Das Auto sollte zu höheren Budgets für die Straßenverwaltung beitragen. Sobald das Auto akzeptiert und Teil der damaligen Infrastrukturdebatte war, war klar, dass die Straßen verbessert werden mussten und damit auch die Mittelzuweisungen.“[6.4]
Eisenbahnnetz
Hans Hagerup Krag war – auch nach seiner Pensionierung als Straßenbaudirektor – ein langjähriges Mitglied der Ingenieurskommission der Regierung, die Infrastrukturprojekte auf den Weg brachte.[9] Er nahm an allen drei großen „Kommunikationskommissionen“ teil, die 1874, 1882 und 1885–1887 eine landesweite Verkehrsplanung durchführten.[26][3] Als die Kommission von 1874 Norwegens ersten Eisenbahnplan ausarbeitete, war „die Nation gerade von einer Art Eisenbahnfieber erfasst worden, was sich in einer optimistischen Haltung des Ausschusses niederschlug.“ Krag hielt in seiner nüchternen Denkweise dagegen und „an einem Plan fest, der den Verhältnissen und Fähigkeiten unseres Landes insgesamt besser entsprach.“[23] Nichtsdestoweniger erkannte er die prinzipiellen Vorteile der Eisenbahn, und dort, wo sie gebaut wurde, schränkte er den Straßenbau ein. Das Land konnte sich nicht beides leisten.[8]
Tourismus
Auf seiner Schweizreise hatte Krag nicht nur die Alpenstraßen und den Föderalismus kennengelernt, sondern auch die Bedeutung des Tourismus für den wirtschaftlichen Aufschwung eines Gebirgslandes erkannt sowie als dessen Voraussetzung die gute Erschließung mit Verkehrsmitteln. Noch im Jahr seiner Rückkehr 1863 verfasste er dazu einen Bericht, der die zukünftig große Bedeutung des Tourismus für Norwegen prophezeite sowie die Notwendigkeit hervorhob, die norwegische Wasserkraft wirtschaftlich zu nutzen.[23]
Als 1868 der Norwegische Touristenverein gegründet wurde, war Krag gemeinsam mit Konsul Thomas Johannessen Heftye dessen Mitbegründer und – als bekannter „Freiluftmann“[8] – zeitlebens ein engagiertes Mitglied. Bis 1884[3] war er auch Mitglied des Vorstandes, und danach Ehrenmitglied. In einem Nachruf wird erwähnt, dass „seine umfassenden Ortskenntnisse“ für den Verein sehr nützlich waren.[23] 1903 war er auch an der Gründung des Landslaget for Reiselivet i Norge beteiligt.[8]
Polytechnische Vereinigung
Hans Hagerup Krag war Mitglied der 1852 gegründeten Polyteknisk Forening (Polytechnische Vereinigung), wo er durch Vorträge und Diskussionen viel zur Förderung der technischen Interessen beitrug. Mehrere Jahre lang (1879–1883 sowie 1893–1895) hatte er auch den Vorsitz inne.[27] Auch im Verein bewies er seine Fähigkeiten zur Vermittlung und in der Anleitung junger Menschen; als Ausdruck der Dankbarkeit wurde er zum Ehrenmitglied gewählt.[23]
Mit Vorliebe beschäftigte Krag sich mit Statistik. Seine originellen grafischen Darstellungen, die in Ausstellungen und offiziellen Publikationen veröffentlicht wurden, sind interessante Beiträge zur Darstellung der wirtschaftlichen Entwicklung Norwegens im 19. Jahrhundert.[26][9]
Jahrelang war die Gründung einer Technischen Hochschule in Norwegen das wichtigste Ziel der Polytechnischen Vereinigung, das erst 1910 durch die Gründung der Norges tekniske høgskole erreicht wurde.
Holmenkollen und Voksenkollen
Hans Hagerup Krag war die treibende Kraft, die Gebiete Holmenkollen und Voksenkollen nordwestlich von Kristiania als Naherholungszone für die Hauptstadtbevölkerung zu erschließen. Hier konnten sein Beruf als Straßenbauer, sein Interesse an Tourismus und seine religiös motivierte soziale Gesinnung harmonisch zusammenwirken. Die Gebiete wurden durch Straßen erreichbar gemacht. Mit seinen Ingenieurkollegen Albert Fenger-Krog und Halvor Emil Heyerdahl gründete er Unternehmen, die eine Lokalbahn errichteten und Parzellen für Wohnbauten und Hotellerie erschlossen.[8] Auch den Wald Frognerseteren rettete Krag vor der Zerstörung. Noch kurz vor seinem Tod im Frühjahr 1907 war Krag dort mit der Anlage einer Rodelbahn beschäftigt.[23]
Besondere Erwähnung verdienen die Holmenkollen-Kapelle und das Hospiz von Voksenkollen, beides Ideen und Planungen von Hans Hagerup Krag. Wenn man die Menschen am Sonntag in die Natur locken wollte, musste man ihnen auch im Wald Gottesdienste anbieten. Mit der Errichtung einer Kirche am Waldrand verband Krag seine religiöse Gesinnung mit seiner Liebe zur freien Natur. Die Kapelle wurde durch freiwillige Spenden finanziert und erst 1912, nach Krags Tod, eingeweiht.[6.5]
Das Voksenkollen-Hospiz wurde von einer von Krag gegründeten Aktiengesellschaft errichtet und bot einfache, aber gute Unterkunft und Verpflegung. Es war – im Gegensatz zu den schon vorhandenen Hotels und Sanatorien – auch für Gäste mit wenig Geld erschwinglich. Das Hospiz wurde 1901 eröffnet und bestand bis 1994. An seiner Stelle befinden sich heute die von der Eigentümergemeinschaft Holmenkollen terrasse verwalteten Privatwohnungen.[6.6]
Ende
Hans Hagerup Krag ging 1903 nach 50 Jahren als Straßenbauer in den Ruhestand, „noch immer voller Tatendrang und Arbeitsfreude“. In den letzten Monaten vor seinem Tod am 8. Mai 1907 hatte ihn ein Magenkarzinom ohne Aussicht auf Heilung ans Bett gefesselt.[3]
Eine sehr gerechtfertigte und auch künstlerisch gelungene Würdigung erfuhr Krag am 12. September 1909, als auf dem Hügel Kragstøtten an einer Kurve der Straße über den Voksenkollen seine von Gustav Lærum geschaffene Statue aufgestellt wurde.[26][9] Die Bronze in Lebensgröße lehnt an einem Stabbestein[25] und blickt über die Stadt und den Fjord.
Auszeichnungen
(Quelle:[8])
- Ritter des norwegischen Sankt-Olav-Ordens, ab 1879
- Kommandeur 2. Klasse des norwegischen Sankt-Olav-Ordens, ab 1894
- Kommandeur 1. Klasse des norwegischen Sankt-Olav-Ordens, ab 1899
Veröffentlichungen
- Rapport om en Reise gjennem Schweiz. Beilage zu: Polyteknisk Tidsskrift. 1866.
- (mit L. Segelcke:) Kapt. Segelckes og Kontorchef Krags Beregninger med Bilage over den projekterede Trondhjem-Christiania Jernbane. Norges Departementet for det Indre, 1872 (Digitale Version).
Literatur
- Joh. Skougaard: Det norske veivæsens historie.
- Band 1: Oversigt over Statens veivæsens virksomhed i tidsrummet 1820–1896. Nationaltrykkeriet, Kristiania 1899 (Digitale Version).
- Band 2: Oversigt over Statens veivæsens virksomhed i tidsrummet 1820–1914. S. & Jul. Sørensens boktrykkeri, Kristiania 1914 (Digitale Version).
- Andreas Baalsrud: Det norske veivesens historie og organisasjon: oversikt over veibyggingen. 1937 (Digitale Version).
- Mentz Schulerud: Kongevei og fantesti. Cappelen, Oslo 1974, ISBN 82-02030-44-7, Seite 287–318.
- Dag Bjørnland: Vegen og samfunnet. En oversiktlig fremstilling og analyse i anledning Vegdirektoratets 125-årsjubileum 1864–1989. Vegdirektoratet, Oslo 1989, ISBN 82-71336-17-7 (Digitale Version).
- Finn Holden (Hrsg.): Medlemsblad for Vinderen Historielag. 12. Jahrgang, Nr. 3, 2003. Mit Artikeln von Mads Almaas, Finn Holden und Eskild Jensen über Hans Hagerup Krag. (Digitale Version (PDF) bei Vestre Aker historielag).
- Ane Cecilie Røed: Hans Hagerup Krag - Vegdirektøren. «Heller en tarvelig vei enn ingen vei» in: Årbok for Norsk vegmuseum 2016. ISBN 978-82-91130-42-2, Seite 94 bis 126 (Digitale Version DIMU.org (PDF) • Digitale Version Nationalbibliothek).
Weblinks
- Hans Peter Schnitler Krag. in: Erik Berntsens Slektsider.
- Hans Hagerup Krag. in: Erik Berntsens Slektsider.
- Hans Hagerup Hagenuris Krag. in: Historisk befolkningsregister.
- Hans Hagerup Krag Krag. Werke in BIBSYS.
- Hans Hagerup Krag. im DigitaltMuseum.
- Vegdirektør Christian Wilhelm Berg og Hans Hagerup Krag på rullekjerre. Bilder aus dem Norsk vegmuseum mit Links zu weiteren Artikeln.
- Nachrufe auf Hans Hagerup Krag in den Norwegischen Zeitungen.
- Trygve Elias: ”Fir!” brølte Krag. in Historiske Tilbakeblikk vom 7. Dezember 2010.
Einzelnachweise
- ↑ Ministerialbok for Grong prestegjeld, Grong sokn 1821-1841 (1742P).
- ↑ a b c † Veidirektor Krag In: Bergens Aftenblad vom 8. Mai 1907, Seite 2 (Digitale Version).
- ↑ a b c d e f † Veidirektor Krag In: Aftenposten Ukens nytt vom 11. Mai 1907, Seite 1 (Digitale Version).
- ↑ a b Hans Peter Schnitler Krag. in: Erik Berntsens Slektsider.
- ↑ Krag, Hans Peter Schnitler: In: Haakon Nyhuus (Hrsg.): Illustreret norsk konversationsleksikon. Band IV: Hellige kjortel – Lassalle. H. Aschehoug & Co. (W. Nygaard), Kristiania 1910, Spalte 1396 (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
- ↑ Ane Cecilie Røed: Hans Hagerup Krag - Vegdirektøren. «Heller en tarvelig vei enn ingen vei» in: Årbok for Norsk vegmuseum 2016. ISBN 978-82-91130-42-2, Seite 94 bis 126 (Digitale Version DIMU.org (PDF) • Digitale Version Nationalbibliothek).
- ↑ Auf der folgenden Seite 97 merkt die Autorin Ane Cecilie Røed kritisch an: „Seine Notizen im Tagebuch über seine Schulzeit in Halden können im Nachhinein etwas kokett wirken. Die Frage ist, ob er dasselbe über sich selbst geschrieben hätte, wenn er nicht eine so herausragende Position in der Gesellschaft erreicht hätte.“
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o p Erling Welle-Strand: Hans Hagerup Krag. in: Store norske leksikon (Digitale Version).
- ↑ Die Quelle berichtet über eine Glommabrücke, deren Lage Krag gegen den Widerstand sämtlicher Bezirksvertreter durchsetzte.
- ↑ a b c d e f Krag, Hans Hagerup: In: Haakon Nyhuus (Hrsg.): Illustreret norsk konversationsleksikon. Band IV: Hellige kjortel – Lassalle. H. Aschehoug & Co. (W. Nygaard), Kristiania 1910, Spalte 1395 f. (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
- ↑ Krag, Hans Hagerup. in: Verner Söderberg (Hrsg.): Nordisk familjebok. Encyklopedi och konversationslexikon. Tredje upplagan. Band 11. Jylland – Kragduva. Nordisk familjebok aktiebolag, Malmö 1929, Spalte 1295 (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
- ↑ Ministerialbok for Stavanger prestegjeld, St. Petri sokn 1861-1869 (1103M2).
- ↑ Hans Hagerup Krag. in: Erik Berntsens Slektsider.
- ↑ Ministerialbok for Korskirken prestegjeld 1857-1866 (1301M2).
- ↑ Ministerialbok for Korskirken prestegjeld 1863-1875 (1301M2).
- ↑ Folketelling 1865 for 0218aP Vestre Aker prestegjeld.
- ↑ Folketelling 1875 for 0218aP Vestre Aker prestegjeld.
- ↑ Ministerialbok for Vestre Aker prestegjeld 1857-1868 (0218aP).
- ↑ Ministerialbok for Vestre Aker prestegjeld 1857-1877 (0218aP).
- ↑ Folketelling 1885 for 0301 Kristiania kjøpstad.
- ↑ Folketelling 1900 for 0301 Kristiania kjøpstad.
- ↑ a b c d e f Andreas Setsaa, Jørgen Ording: Vegminner i Vest-Agder. Nasjonal verneplan for veger, bruer og vegrelaterte kulturminner. Statens vegvesen Vest-Agder, Kristiansaand 2000, Seite 6, (Digitale Version).
- ↑ Svein Magne Olsen: Fra tråkk til motorveg = From bridleway to motorway. Statens vegvesen Rogaland, Stavanger 1995, Seite 62 (Digitale Version).
- ↑ a b c d e f g h i Veidirektør Hans H. Krag. 9. August 1829 – 9. August 1929. in: Teknisk Ukeblad, 76. Jahrgang, Nr. 32, 9. August 1929, Seite 1 f. (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
- ↑ a b Tor Schmedling: Glimt fra veghistorien i Østfold. Statens vegvesen i Østfold, Moss 1997, ISBN 82-99336-50-3, Seite 23, (Digitale Version).
- ↑ a b Stabbestein ist nicht übersetzbar. NAOB definiert ihn als „großer Stein, der an steilen Stellen am Straßenrand aufgestellt wurde (um zu verhindern, dass Fahrzeuge abrutschen)“. Ein Bordstein begrenzt ebenfalls die Fahrbahn, ist aber kein effektiver Schutz. Eine Schutzplanke schützt, ist aber kein Monolith. Stabbe ist laut NAOB ein „abgeschnittener Teil eines dicken Baumstamms“.
- ↑ a b c d J. B. Halvorsen, K. Fischer: Krag, Hans Hagerup. in: Chr. Blangstrup (Hrsg.): Salmonsens Konversationsleksikon. Anden Udgave. Band XIV: Kirkeskov – Kvadratrix. A/S J. H. Schultz Forlagsboghandel, København 1923, Seite 595 (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
- ↑ PFs formenn 1852-2004. bei Polyteknisk Forening Archiviert vom Original am 1. März 2012. Abgerufen am 10. November 2025.