Thereupon

Thereupon
Studioalbum von Fieldwork

Veröffent-
lichung

5. September 2025

Aufnahme

Mai 2024

Label(s) Pi Recordings

Format(e)

LP, Download

Genre(s)

Jazz

Titel (Anzahl)

9

Besetzung

Studio(s)

Okatave Audio

Chronologie
Door
(2007)
Thereupon

Thereupon ist ein Musikalbum der Formation Fieldwork um Vijay Iyer. Die im Mai 2024 in Studio Oktave Audio in Mount Vernon, New York, entstandenen Aufnahmen erschienen am 5. September 2025 auf Pi Recordings.[1]

Hintergrund

Zu Beginn seiner Karriere gründete der Pianist Vijay Iyer die Gruppe Fieldwork; das erste Album Your Life Flashes erschien 2002 auf Pi Recordings. Es folgten die zwei Fieldwork-Alben Simultaneous Progress (2005) und Door (2007). Die Gruppe war immer ein Trio – Klavier, Saxophon und Schlagzeug. Und obwohl sich die Besetzung geändert hat – zwei verschiedene Saxophonisten (Aaron Stewart und Steve Lehman) und zwei verschiedene Schlagzeuger (Elliot Humberto Kavee und Tyshawn Sorey) – ist der Sound derselbe geblieben, wie Dan McClenegan feststellte.[2] Das dritte Album nahm Vijay Iyer mit dem Altsaxophonisten Steve Lehman und dem Schlagzeuger Tyshawn Sorey auf. Das Cover-Artwork stammt vom amerikanischen bildenden Künstler Charles Gaines, dessen Arbeiten den Diskurs von Ästhetik, Politik und Philosophie hinterfragen und so die sich ständig weiterentwickelnde, reiche und nuancierte Musiksprache von Fieldwork unterstreichen, notierte Eyal Hareuveni.[1]

Titelliste

  • Fieldwork: Thereupon (Pi Recordings – PI109)[3]
  1. Propaganda
  2. Embracing Difference
  3. Evening Rite
  4. Fire City
  5. Domain
  6. Fantøme
  7. Astral
  8. Thereupon
  9. The Night Before

Die Kompositionen 1, 3, 4, 8 und 9 stammen von Vijay Iyer, 2, 5, 6 und 7 von Steve Lehman.

Rezeption

Nach Ansicht von Dan McClenaghan, der das Album in All About Jazz rezensierte, ist Fieldwork ein Power-Trio: Drei Instrumentalisten würden einen ursprünglichen Sound auf der Grundlage intellektueller Grundlagen kreieren, die beim ersten Hören vielleicht nicht erkennbar seien. Wiederholtes Hören bringe dessen tiefes und komplexes Wurzelsystem zum Vorschein. Neben Intensität und Unerbittlichkeit zeige Thereupon auch eine eher „astrale“ Seite, ein beruhigendes, in der Zeit schwebendes Gefühl, insbesondere in dieser Melodie und im Schlussstück „The Night Before“. Dieser Einfluss könnte zumindest teilweise auf Iyers Zusammenarbeit mit dem Trompeter Wadada Leo Smith bei Cosmic Rhythm with Each Stroke (2016) und Defiant Life (2025) zurückzuführen sein.[2]

Die meisten Stücke seien in rasantem Tempo gehalten, zeichneten sich durch labyrinthische Passagen und ein strukturiertes, aber dennoch eigenwilliges Feeling aus, meint Mike Borella (Avant Music News). Iyer würde Klavierlinien mit der ihm eigenen entspannten Intensität spielen und den Raum mit kräftigen Akkorden und klassisch angehauchten Läufen füllen. Ergänzt werde dies durch Soreys Schlagzeugspiel, das sowohl seine klassische Ausbildung als auch eine ausgeprägte Melodik widerspiegle. Er wechsle zwischen frenetischen Rhythmen, diszipliniertem Rasseln und subtileren Akzenten. Das Spiel Lehmans sei kreativ und vielleicht das eigenwilligste der drei. Besonders auf „Fire City“ entfessle er raue, klagende Soli und integriere dabei erweiterte Mundstücktechniken.[4]

Der Titeltrack würde die Ästhetik von Fieldwork zusammenfassen, so Borella weiter. Iyers Staccato-Akkorde und Soreys komplizierte Rhythmen verbänden sich mit Lehman, der eine vergleichsweise melodische Rolle einnimmt. Das Ergebnis sei seltsam majestätisch und grenze an Filmmusik, da Iyer das Tempo seines Spiels ändere, um die dynamische harmonische Struktur des Stücks widerzuspiegeln.[4]

Die Musik sei drängend, dicht, risikofreudig, weise, einfallsreich, reflektierend und forschend und erweitere die Klangpalette und Dynamik von Fieldwork, lobte Eyal Hareuveni (Salt Peanuts). Die neun kurzen Stücke seien geprägt von Lehmans gewundenen Linien, seiner erweiterten Atemtechnik und mikrotonalen Fingersätzen; Iyers komplexem, zyklischem, treibendem Spiel, kaleidoskopisch in seiner harmonischen und klanglichen Vielfalt; und Soreys unendlich erfinderischer Dynamik und Orchestrierung der Musik mit Subtilität und Nuancen. Man würde die Anklänge an bedeutende AACM-Musiker hören, mit denen Lehman, Iyer und Sorey zuvor zusammengearbeitet haben – Muhal Richard Abrams, Anthony Braxton, Henry Threadgill, Roscoe Mitchell, Wadada Leo Smith und George Lewis. Das Album erfordere jedoch wiederholtes, aufmerksames Anhören, um seine labyrinthische, zum Nachdenken anregende innere Logik und seine vielen klanglichen Wunder zu entschlüsseln. Diese Idee entspreche dem Albumtitel, der dem buddhistischen Vimalakīrti-Sutra entlehnt ist, in dem Buddha zeigt, dass die Welt viel mehr sein kann, als sie scheint.[1]

Diese Musik habe etwas seltsam Nostalgisches an sich, meint Phil Freeman (Ugly Beauty/Stereogum). Die 2000er-Jahren seien eine ganz besondere Zeit des New Yorker Jazz gewesen. Eine kollektive kompositorische Stimme, die Komponisten wie Henry Threadgill, Roscoe Mitchell, Tim Berne und Steve Coleman stark verpflichtet war, habe sich damals entwickelt, und alle verschiedenen Mitglieder von Fieldwork hätten dabei geholfen, diesen Stil und Sound zu definieren. Seitdem hätten sie alle die unterschiedlichsten Richtungen eingeschlagen, gemeinsam und einzeln, aber sie kehrten immer wieder in diese Dynamik zurück, „als würden sie alte Laufschuhe anziehen“. Das Stück „Embracing Difference“ sei ein spannendes, freudiges brüderliches Wiedersehen.[5]

Dave Sumner (Bandcamp) zählt das Album zu einer der besten Veröffentlichungen des Jahres 2025. Es zeige, dass Fieldwork einen eigenen Sound geschaffen habe, der den heutigen Jazz maßgeblich geprägt hat. Thereupon würde beweisen, dass die Entwicklung des Trios diesen Veränderungen weiterhin voraus ist.[6]

Einzelnachweise

  1. a b c Eyal Hareuveni: Fieldwork: Thereupon. In: Salt Peanuts. 14. September 2025, abgerufen am 14. September 2025 (englisch).
  2. a b Dan McClenaghan: Fieldwork: Thereupon. In: All About Jazz. 27. August 2025, abgerufen am 31. August 2025 (englisch).
  3. Fieldwork: Thereupon. In: Discogs. Abgerufen am 27. September 2025 (englisch).
  4. a b Mike Borella: Fieldwork: Thereupon. In: Avant Music News. 10. August 2025, abgerufen am 27. September 2025 (englisch).
  5. Phil Freeman: Joni Mitchell, Jazz Artist. In: Stereogum. 25. September 2025, abgerufen am 26. September 2025 (englisch).
  6. Dave Sumner: The Best Jazz Albums of 2025. In: Bandcamp. 12. Dezember 2025, abgerufen am 13. Dezember 2025 (englisch).