Theophilusparaphrase der justinianischen Institutionen
Die Theophilusparaphrase der justinianischen Institutionen (verkürzt auch Theophilusparaphrase, oder nur Theophilus) ist – bis auf eine spätere Auslassung[1] – eine vollständig erhaltene griechische Paraphrasierung der Institutionen des spätantiken Kaisers Justinian I. Angefertigt wurde sie allen Anzeichen nach von Theophilus, einem Mitverfasser der Institutionen, der ein bedeutender byzantinischer Jurist des 6. Jahrhunderts war und als antecessor an der Rechtsschule von Konstantinopel lehrte.[2]
Im Rahmen eines von Justinian verfügten Studienprogramms, der sogenannten Constitutio Omnem, diente die Schrift didaktischen Zwecken und als Anfängerlehrbuch dazu, die zumeist nur Griechisch sprechenden Studenten und Praktiker des römischen Ostens dazu zu befähigen, Begriffe und Sinnzusammenhänge des ursprünglich in Latein verfassten Gesetzeswerkes der Institutionen zu verstehen und anwenden zu lernen.
Im Umfeld der engagierten Übertragung von lateinischen Texten ins Griechische etablierte sich ein methodisch orientierter Lehrbetrieb. Zunächst stand die Sensibilisierung der Schüler für juristisches Problembewusstsein im Vordergrund, damit sie ein systematisches Herangehen an die Lösungsmöglichkeiten für die Probleme erlernten. Der Betrieb diente aber nicht allein einem soliden Bildungsabschluss, in einem stark zentralverwalteten Staat bestand mehr denn je ein großer Bedarf an Absolventen für die Erledigung von Staatsverwaltungs- und Gerichtsaufgaben.[3]
Teilweise wird davon ausgegangen, dass die Einbindung der Theophilusparaphrase in den Unterricht eine Vorbildfunktion für den im hochmittelalterlichen 12. Jahrhundert einsetzenden Rechtsbetrieb im westlichen Bologna ausübte.[4]
Zu der Paraphrase wurden Scholien gefertigt, die bis heute Gegenstand reger Forschungsdiskussion sind.[4]
Literatur
- Johannes H. A. Lokin, Roos Meijering, Bernardus Hendrikus Stolte, Nicolaas van der Wal (Hrsg.): Theophili Antecessoris Paraphrasis Institutionum. Mit einer Übersetzung von A. F. Murison. Groningen 2010, S. IX ff.
- Giuseppe Falcone: I prestiti dalla Parafrasi di Teofilo nella cd. Glossa Torinese alle Istituzioni. In: Studia et documenta historiae et iuris. Band 62, 1996, S. 255–286.
- Giuseppe Falcone: Sull’inquadramento sistematico delle obbligazioni nella Parafrasi di Teofilo (e nelle Istituzioni giustinianee). In: Scritti Alessandro Corbino Band 2, 2016, S. 503–522.
- Contardo Ferrini: Note critiche al libro IV dello Pseudo-Teofilo. In: Rendiconti del R. Istituto Lombardo. Band 17, 1884, S. 891–902. (Nachdruck: È stato ripubblicato nelle raccolte delle opere di Ferrini, come il primo volume delle sue Opere. Mailand 1929, S. 27 ff.)
Weblinks
Anmerkungen
- ↑ Andreas Schminck: Zur Auslassung des 1. Titels der Institutionen-Paraphrase des Theophilos. In: Tijdschrift voor Rechtsgeschiedenis / Revue d’histoire du droit / The Legal History Review, Band 82 (3–4), 2014, S. 323–326, doi:10.1163/15718190-08234p05.
- ↑ Rolf Knütel, Berthold Kupisch, Thomas Rüfner, Hans Hermann Seiler (Übers. und Hrsg.): Corpus Iuris Civilis. Band 5: Digesten 28–34. Text und Übersetzung. C. F. Müller, Heidelberg 2012, ISBN 3-8114-4533-2, S. XIV.
- ↑ Grundlegend: Herman Jan Scheltema: L’enseignement de droit des antécesseurs. Leiden 1970, S. 7 ff.
- ↑ a b Alice Cherchi: Überlegungen über die Scholien zur Paraphrase des Theophilos und die Lehrmethoden der antecessores. In: Forum historiae iuris. 2017 (online).