The Relatives
| The Relatives | ||||
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| Studioalbum von Jeff Parker | ||||
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Veröffent- |
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Aufnahme |
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| Label(s) | Thrill Jockey, Headz | |||
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Format(e) |
LP, CD, Download | |||
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Titel (Anzahl) |
8 | |||
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40:47 | ||||
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Besetzung |
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Studio(s) |
Soma Electronic Music Studios, Chicago | |||
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The Relatives ist ein Musikalbum von Jeff Parker. Die im Januar 2004 in den Soma Electronic Music Studios in Chicago entstandenen Aufnahmen erschienen im Dezember 2004 auf Thrill Jockey bzw. (in Japan) auf Headz.
Hintergrund
Nach einem kollaborativen Album mit Bernard Santacruz und Michael Zerang 2001 (Vega) nahm der Gitarrist Jeff Parker Mitte 2002 mit Chris Lopes und Chad Taylor sein erstes Album unter eigenem Namen auf, Like-Coping. Bei seinem zweiten Album spielte Parker erneut mit seiner Stamm-Rhythmusgruppe mit Schlagzeuger Chad Taylor und Bassist Chris Lopes; hinzu kam Sam Barsheshet am Fender Rhodes und dem Wurlitzer Electric Piano. „Istanbul“ ist Chad Taylors einziger kompositorischer Beitrag, ein Stück mit Akustikgitarre und Besenspiel von Taylor. Parkers „Mannerisms“ besitzt nach Ansicht von Sean Westergaard gewisse Ähnlichkeiten mit Miles Davis’ „Spanish Key“ (auf Bitches Brew, 1970). „When Did You Stop Loving Me, When Did I Stop Loving You“, ist eine Coverversion des Marvin-Gaye-Klassikers von dessen Album Here, My Dear (1978). Die Komposition „The Relative“ hatten Parker und Matthew Lux zunächst für die Formation Isotope 217 (mit Dan Bitney, John Herndon, Matthew Lux, Rob Mazurek) geschrieben.[1]
Titelliste
- Jeff Parker: The Relatives (Thrill Jockey THRILL-JP17, Headz HEADZ 37)[2]
- Istanbul (Chad Taylor) 3:25
- Mannerisms (Jeff Parker) 6:06
- Sea Change (Chris Lopes) 3:31
- When Did You Stop Loving Me, When Did I Stop Loving You (Marvin Gaye) 6:26
- Beanstalk (Chris Lopes) 3:26
- The Relative (Jeff Parker, Matthew Lux) 5:55
- Toy Boat (Chris Lopes) 5:00
- Rang (Jeff Parker) 6:58
Rezeption
Sean Westergaard verlieh dem Album in Allmusic viereinhalb Sterne und meinte, dass The Relatives in vielerlei Hinsicht Jeff Parkers erstem Album als Bandleader, Like-Coping, ähnele. Parker bevorzuge nach wie vor einen klaren Ton, wohlüberlegte Notenwahl statt virtuoser Virtuosität und eine kooperative Arbeitsweise mit seinen Bandkollegen; Parker war als Komponist nur an drei der acht Stücke selbst beteiligt. Die Hauptunterschiede lägen in der Hinzunahme von Sam Barsheshet an den Fender Rhodes und Wurlitzer sowie in einem stärker Song-orientierten Ansatz, der Parkers Spiel in einem neuen Licht erscheinen lasse. Der Bebop-Einfluss sei weniger stark ausgeprägt, obwohl sein Spiel harmonisch genauso reichhaltig sei; die Stücke blieben viel eher im Ohr als die etwas abstrakteren Titel auf Like-Coping. Diese Jungs seien nicht nur großartige Musiker, sondern auch hervorragende Zuhörer, und The Relatives vereine auf perfekte Weise sanfte, melodische Klänge mit der zusätzlichen Lebendigkeit der kollektiven Improvisationskunst der Band. Der Sound sei zugänglicher als auf seinen anderen Alben, aber nicht weniger interessant.[1]
Nach Ansicht von Rex Butters, der das Album in All About Jazz rezensierte, überrasche Jeff Parkers zweites Album als Bandleader, The Relatives, mit einer gelungenen Mischung aus entspannten Mainstream-Klängen und raffinierten Variationen, die den Formen gerecht würden und sie gleichzeitig neu interpretierten. Parkers bewährte Rhythmusgruppe, bestehend aus Chris Lopes am Bass und dem aus New York und Chicago stammenden Chad Taylor am Schlagzeug, sorge für einen energiegeladenen Rhythmus. Parkers ernsthafter und bedächtiger Vortrag spiele mit dem Raum und verleihe dem Ganzen oft eine Prise Grant Green. Mit eingängigen, mitreißenden Melodien und enthusiastischen Darbietungen sorgten Parker und seine Band dafür, dass es ein Vergnügen sei, die Verwandten (The Relatives) für eine Weile bei sich zu haben.[3]
Beim ersten oberflächlichen Hören klinge The Relatives wie eine verschollene Session aus den späten 1960ern oder frühen 1970ern, aufgenommen an der Schwelle zwischen dem Niedergang des akustischen Jazz in kleinen Besetzungen und dem Aufblühen von Fusion, meint Matthew Wuethrich (Dusted). Mit seinem lockeren Swing und einer straff eingespielten Band, die einprägsame Stücke spiele, die sich an populären Liedformen orientierten, erinnere das Album auch an eine klassische Blue-Note-Aufnahme. „Doch dann setzten Sam Barshershets spritziges Fender Rhodes und Wurlitzer-Akkorde ein und katapultieren die Musik über die Schwelle der 1970er hinaus“.[4]
Beim ersten Hören trage auch das Fehlen deutlicher dynamischer Höhepunkte und Tiefpunkte sowie die dumpfe Aufnahme – als wäre sie auf dem Grund des Chicago River entstanden – zu einer beinahe neutralen Abstraktion bei, die wie ein undurchsichtiger Vorhang wirkt und die Musik dem Hörer verbirgt, so Wuetrich weiter. Doch schon der Albumtitel deute an, dass diese Unbestimmtheit beabsichtigt sei; das Quartett erkenne die Subjektivität seines Handwerks an. Der persönliche Hintergrund des Hörers präge sein Hörerlebnis von The Relatives, doch das Album offenbare nur so viel Farbe, wie man zwischen den subtil gezogenen Linien herauskritzeln könne.[4]
Der [zu dieser Zeit] in Chicago lebende Jazzgitarrist Jeff Parker habe stets erkannt, dass – um es mit den Worten von Robert De Niro in Rolle als Al Capone[5] zu sagen – „niemand gewinnt, solange nicht das Team gewinnt“, meint Matthew Murphy (Pitchfork Media). Wie schon bei seiner Arbeit mit Tortoise und Isotope 217 sei Parkers Spiel als Bandleader nahezu selbstlos, und auch auf The Relatives würde er sich weiterhin bereit zeigen, den Klang seines Instruments dem Gesamtklang der Gruppe unterzuordnen. Diese kooperative Großzügigkeit wäre fehl am Platz, hätte Parker nicht das Glück, sich mit so einfühlsamen Musikern zu umgeben. Hier würde sich das Quartett in einem lockeren, fast schon lässigen Gleichschritt bewegen, wobei jedes Mitglied gleichberechtigt mitwirke. Würde man dieses Album unvoreingenommen hören, könnte man leicht Taylor oder Barsheshet für den Bandleader halten, so bescheiden und unprätentiös präsentiere Parker seine glasklaren, schnörkellosen Gitarrenparts. Auf dem Großteil von The Relativen klängen die Musiker geradezu begeistert davon, miteinander und füreinander zu spielen (wenn man den zahlreichen lebhaften Rufen Glauben schenken darf, die sie sich im Laufe des Albums zurufen).[6]
Jede Besprechung von Jeff Parkers Werk würde üblicherweise mit einem Hinweis auf seine vielseitigen und abwechslungsreichen musikalischen Stationen beginnen – vom Hard-Bop-Virtuosen bis zum gefragten Indie-Rock-Musiker (mit Tortoise), merkt Tim O'Neil (PopMatters) an. Selbst wenn man seinen umfangreichen Lebenslauf vor dem Einlegen von The Relatives nicht kannte, werde sofort deutlich, dass Parker ein Bandleader der besonderen Art ist. Der Jazz hier sei gleichermaßen von Rockmusik und Soul wie von Bebop und Swing beeinflusst, aber dies sei keine Fusion im eigentlichen Sinne, sondern lediglich eine zeitgenössische Interpretation eines klassischen Combo-Sounds. Es sei geradliniger Jazz, „direkt aus dem Museum geholt und für maximale Zugänglichkeit aufbereitet“. Der wunderbare Humor, der „The Relatives“ durchziehe, zeuge von Parkers Gespür als Bandleader. Die vier Musiker würden sichtlich gerne zusammen spielen. Dieses Album sei ein Genuss: Es durchstreife die musikalischen Gefilde der letzten fünfzig Jahre Jazz und bleibe dabei stets im Hier und Jetzt verankert.[7]
Weblinks
- The Relatives von Jeff Parker. In: Bandcamp. 25. Januar 2005 (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ a b Besprechung des Albums von Sean Westergaard bei AllMusic (englisch). Abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Jeff Parker: The Relatives. In: Discogs. Abgerufen am 1. November 2025 (englisch).
- ↑ Rex Butters: Jeff Parker: The Relatives. In: All About Jazz. 19. März 2005, abgerufen am 22. November 2025 (englisch).
- ↑ a b Matthew Wuethrich: Jeff Parker: The Relatives. In: Dusted. 6. November 2005, abgerufen am 19. November 2025 (englisch).
- ↑ in The Untouchables – Die Unbestechlichen, einem Film von Brian De Palma (1987)
- ↑ Matthew Murphy: Jeff Parker: The Relatives. 19. Januar 2005, abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
- ↑ Tim O'Neil: Jeff Parker: The Relatives. 25. Juli 2005, abgerufen am 21. November 2025 (englisch).