Like-Coping

Like-Coping
Studioalbum von Jeff Parker

Veröffent-
lichung

2003

Aufnahme

22.–26. Juni 2002

Label(s) Delmark Records

Format(e)

CD, Download

Genre(s)

Jazz

Titel (Anzahl)

10

Länge

1:03:30

Besetzung

Produktion

Steve Krasinsky, Robert G. Koester

Studio(s)

Riverside Studio, Chicago

Chronologie
Jeff Parker, Bernard Santacruz, Michael Zerang: Vega
(2002)
Like-Coping The Relatives
(2005)

Like-Coping ist das Debütalbum von Jeff Parker. Die vom 22. bis 26. Juni 2002 im Riverside Studio in Chicago entstandenen Aufnahmen erschienen 2003 auf Delmark Records.

Hintergrund

Der damals in Chicago lebende Gitarrist Jeff Parker sammelte seine ersten musikalischen Erfahrungen bei Post-Bop-Größen wie Ted Sirota und Ernest Dawkins, bevor er sich eklektischeren Gefilden zuwandte, notierte Peter Marsh.[1] Zur Zeit der Veröffentlichung des Albums hatte Parker in der „Arthouse-Szene“ verkehrt; zu seinen Referenzen zählten bis dato auch Beiträge zu Avantgarde-Rockern wie Tortoise, den Electro-Fusion-Musikern Isotope 217 (deren Debütalbum „The Unstable Molecule“ erschien 1997) und dem Dark-Jazz-Kollektiv Chicago Underground um den Trompeter Rob Mazurek, schrieb Aaron Steinberg.[2]

Titelliste

  • Jeff Parker: Like-Coping (Delmark Records DG-543)[3]
  1. Miriam (Chad Taylor) 2:43
  2. Like-Coping (Chris Lopes) 5:05
  3. Days Fly By (With Ruby) (Jeff Parker) 6:02
  4. Holiday for a Despot (Taylor, Lopes, Parker) 4:55
  5. Onyx (Jeff Parker) 9:24
  6. Watusi (Jeff Parker) 4:03
  7. Omega Sci Fi (Taylor, Lopes, Parker) 4:16
  8. Pinecone (Chris Lopes) 4:07
  9. Cubes (Jeff Parker) 7:19
  10. Plain Song (Chris Lopes) 5:47
  11. Scrambler (Jeff Parker) 5:53
  12. Roundabout (Chad Taylor) 3:46

Rezeption

Nach Ansicht von Mark Corroto, der das Album in All About Jazz rezensierte, würde Gitarrist Jeff Parker, um es mal so auszudrücken, das neue „Midwest Cool“ präsentierten, Auf seiner ersten Veröffentlichung als Bandleader (abgesehen von dem kollaborativen Album „Vega“, das 2002 auf dem französischen Label Marge erschien) spiele er mit einer Authentizität, die man leicht mit Intellektualismus verwechseln könnte. Parker sei sich durchaus der Jazzgitarrentradition bewusst, würde sich aber weder auf das Spielen von Licks beschränken noch sich mit dieser Tradition zufriedengeben. In seinem aktuellen Umfeld habe er sich durch das Spiel intelligenter, einfacher Akkorde hervorgetan, und bei der Gelegenheit, eine Session zu leiten, bleibe Parker seiner coolen Ensemble-Konzeption des Jazz treu. Wenn Parker spielt, könne man seine Gedanken förmlich spüren. Er erinnere mit seinen eingängigen, swingenden Melodien und seinem entspannten Rhythmus an den Gitarristen Jim Hall, doch Parker würde eine etwas unkonventionelle, eigenwillige Art der Entspannung wählen. Wenn er Geräusche und Effekte einsetzt, stünden diese selten im Mittelpunkt der Musik, sondern lenkten die Aufmerksamkeit des Zuhörers immer wieder auf das Zusammenspiel des Ensembles.[4]

Auf diesem Album arbeite Parker mit seinen alten Kollegen, dem Bassisten Chris Lopes (Isotope 217) und dem Schlagzeuger Chad Taylor (Chicago Underground), zusammen und würde eine unaufdringlich individuelle Interpretation des Jazzgitarren-Trio-Formats präsentieren, merkt Peter Marsh (BBC) an. Parkers bedächtiges, präzises Spiel besitze dieselbe Resonanz und Tiefe wie das von Jim Hall, mit einem schlichten, schmucklosen Umgang mit Melodien, der an Ornette Coleman erinnern würde. Tatsächlich klinge ein Großteil dieser Platte wie eine von Pat Methenys geradlinigen Jazz-Aufnahmen, nur ohne die Hälfte der Noten. Auch Parkers Akkorde seien reduziert, wobei jede Note zählt (wie etwa in Taylors wunderschönem „Miriam“ oder dem minimalistischen, ausgedehnten „Onyx“). Parkers offensichtliche Zurückhaltung, die konventionelle Führungsrolle zu übernehmen, würde Like-Coping zu einem echten Gruppenalbum machen. Zwei freie Improvisationen bildeten einen Kontrast zur sorgfältigen Logik der Kompositionen; leider wirke Parkers Gitarrenspiel etwas halbherzig, und die Rhythmusgruppe würde es nicht vermögen, ihn oder sich selbst zu etwas wirklich Herausforderndem anzuspornen. Im Gegensatz dazu sei die sorgfältig ausgearbeitete Dynamik des abschließenden „Roundabout“ (mit trägen Flötenklängen und kreisenden Vibraphonmustern) berauschend schön, ebenso wie ein Großteil dieses stillen, einfallsreichen Albums.[1]

Im Vergleich zu seinen früheren Arbeiten mit rockorientierten Gruppen wie Tortoise und Isotope 217 sowie seiner Beteiligung am progressiven Jazzprojekt Chicago Underground und an Tricolor markiere „Like-Coping“ einen Kurswechsel für Parker, da es stärker in der klassischen Jazztradition verwurzelt sei, schrieb Nick Sheets in Dusted. Parkers klarer, präziser Ton erinnere auf dem gesamten Album an frühere Jazzgrößen wie Wes Montgomery, Kenny Burrell und Grant Green. Darüber hinaus seien die meisten Kompositionen des Albums eindeutig der klassischen Jazztradition zuzuordnen, indem sie Standard-Jazz-Voicings verwenden und häufig auf wiederkehrende Melodien zurückgreifen, die als Ausgangspunkt für Variationen und Improvisationen dienen. So interessant diese Ähnlichkeiten auch sind, Parkers Abweichungen seien noch bemerkenswerter. Anstatt beispielsweise Virtuosität in den Vordergrund zu stellen, seien die Soli auf Like-Coping stets kontrolliert und zurückhaltend. Das Trio würde mehr Wert auf den Zusammenhalt der Gruppe legen, und die Solisten ließen die Stimmen der anderen Mitglieder meist zur Geltung kommen und träten mitunter sogar in den Hintergrund. Obwohl das Album stellenweise etwas schwächle, sei es insgesamt dennoch äußerst beeindruckend.[5]

Doch trotz seiner ungewöhnlichen Umgebung in vorangegangenen Projekten würde Parker letztlich eine besondere Vorliebe für den klassischen Jazzgitarrensound hegen, meinte Aaron Steinberg in JazzTimes. Der sanftmütige Gitarrist habe nun endlich seine eigene Session mit Like-Coping geleitet, und für alle, die Parkers Spiel bereits kannten, dürfte dies keine große Überraschung sein. Parkers Stil würde sich im Spannungsfeld zwischen dem entspannten Klangexperimentalismus der AACM und der Akkordimprovisation von Gitarristen wie Kenny Burrell bewegen. Der Gitarrist bevorzuge mittlere bis langsame Tempi, einen leicht gedämpften Ton und Melodien aus klingenden Akkorden, die mitunter nur durch zwei oder drei Töne verbunden seien. Sein klarer Stil lasse seinen Trio-Kollegen, Bassist Chris Lopes und Schlagzeuger Chad Taylor, viel Raum – insbesondere Letzterem, dessen unverwechselbarer, harmonischer Sound der Musik viel Persönlichkeit verleiht. Obwohl diese Melodien oberflächlich betrachtet leicht und beschwingt wirkten, würden sich darunter verborgene Wendungen und Schattenseiten verbergen.[2]

Alex Henderson verlieh dem Album in Allmusic drei Sterne und schrieb, trotz seiner [anfänglichen] Bezüge zum Avantgarde Jazz (wie zur AACM und dem Chicago Underground Quartet, dessen Arbeit von Roscoe Mitchell, Muhal Richard Abrams und Anthony Braxton beeinflusst sei), wäre Parker Parker jedoch kein reiner Avantgarde-Musiker, und „Like-Coping“ würde sich tatsächlich „eher im Intro als im Extro“ bewegen. Dieses Album sei nicht so extrem, wie man vielleicht erwarten würde – der Großteil aber dem Post-Bop gewidmet. Im Trio mit Schlagzeuger Chad Taylor (ebenfalls Mitglied des Chicago Underground Quartet) und Bassist Chris Lopes präsentiere sich Parker intellektuell, aber auf eine introspektive und relativ melodische Weise. Dennoch habe Like-Coping auch seine experimentellen Momente, doch wenn „Like-Coping“ in solche Gefilde abdriftet, wirke Parker eher nachdenklich und verträumt als konfrontativ. Größtenteils ein Album des Post-Bop, lasse sich Parker dennoch nicht in eine Schublade stecken und halte sich auf seinem gelungenen Debüt als Bandleader klugerweise alle Möglichkeiten offen.[6]

Einzelnachweise

  1. a b Peter Marsh: Jeff Parker: Like-Coping. In: BBC. 6. November 2003, abgerufen am 29. November 2025 (englisch).
  2. a b AARON STEINBERG: Jeff Parker: Like-Coping. In: JazzTimes. 1. Juni 2003, abgerufen am 1. November 2025 (englisch).
  3. Jeff Parker: Like-Coping. In: Discogs. Abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
  4. Mark Corroto: Jeff Parker: Like-Coping. In: All About Jazz. 11. Februar 2003, abgerufen am 28. November 2025 (englisch).
  5. Nick Sheets: Jeff Parker: Like-Coping. In: Dusted. 1. August 2003, abgerufen am 24. November 2025 (englisch).
  6. Besprechung des Albums von Alex Henderson bei AllMusic (englisch). Abgerufen am 21. November 2025.