Tawila (Sudan)
| arabisch طويلة Tawila | ||
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| Koordinaten | 13° 31′ N, 24° 52′ O | |
| Basisdaten | ||
| Staat | Sudan | |
| Bundesstaat | Schamal Darfur | |
| Distrikt | Tawila | |
Eine aus al-Fāschir vertriebene Frau in Tawila (August 2025)
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Tawila (arabisch طويلة) ist eine Kleinstadt im gleichnamigen Distrikt Tawila im Bundesstaat Schamal Darfur (Nord-Darfur) im Sudan. Sie liegt etwa 70 Kilometer südwestlich von al-Fāschir, der Hauptstadt des Bundesstaats.[1][2]
Geschichte
Darfur-Konflikt
Während des Darfur-Konflikts griff im November 2004 eine von der Regierung unterstützte Miliz die rund 40.000 bis 45.000 Einwohner zählende Stadt an und plünderte und zerstörte diese daraufhin fast vollständig. Die Regierung verhängte den Ausnahmezustand. Die Einwohner flüchteten in Dörfer in der Umgebung und gen Osten, wo sie nahe al-Fāschir in Flüchtlingslagern für Binnenvertriebene unterkamen. Eine Woche später waren nach Angaben von Entwicklungshelfern bereits etwa 2000 bis 3000 der Geflüchteten wieder in die Stadt zurückgekehrt. In der Nähe von Tawila entstanden ebenfalls drei Flüchtlingslager mit Geflüchteten aus der Region. Das größte war das Flüchtlingslager Rwanda mit 10.000 bis 12.000 Binnenvertriebenen. Das Lager Dali beherbergte zudem 8000 bis 10.000 Menschen und das Lager Argo 2500 bis 3500 Menschen.[3][4][5]
Später wurde Tawila von Minni Minnawi, einem Arm der Sudanesische Befreiungsarmee, kontrolliert.[3][4]
Krieg im Sudan ab 2023
Vor Ausbruch des Krieges im April 2023 zwischen den Sudanesischen Streitkräften (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) gab es sechs Lager für Binnenvertriebene um Tawila. Während des Krieges flohen jedoch tausende Menschen aus al-Fāschir und der Region nach Tawila, sodass sechs weitere Lager eingerichtet wurden. Zahlreiche Menschen verhungerten oder starben aufgrund der nicht ausreichenden Gesundheitsversorgung an Krankheiten wie Malaria, Masern und Keuchhusten, bei Geburten oder durch nicht behandelte Verletzungen.[6][7] Mitte April 2025 griffen die Rapid Support Forces und verbündete Milizen erneut das über eine halbe Million Binnenvertriebene beherbergende Flüchtlingslager Zamzam an. Die meisten Menschen flüchteten, darunter auch tausende in die zwei Tage entfernt liegende Stadt Tawila, wo sie erschöpft und dehydriert ankamen. Viele Überlebenden berichteten, dass sie unterwegs angegriffen und ausgeraubt wurden oder erschöpfte bzw. verletzte Personen zurücklassen mussten. Laut Ärzte ohne Grenzen kamen allein in den ersten 48 Stunden rund 10.000 Geflüchtete in Tawila an.[1][8][9]
Nachdem nach monatelanger Belagerung Ende Oktober 2025 die Stadt al-Fāschir von den Rapid Support Forces eingenommen wurde, wurde erneut mit der Ankunft hunderttausender Flüchtlinge im 65 Kilometer entfernt liegenden Tawila gerechnet.[10] Hatten laut dem lokalen Direktor des Norwegian Refugee Council Stand Anfang November etwa 6000 Flüchtlinge Tawila erreicht,[10] hatten laut den Vereinten Nationen Ende November etwa 700.000 Flüchtlinge die Kleinstadt bevölkert.[11]
Wirtschaft und öffentliche Einrichtungen
Tawila ist bekannt für die Produktion von Kautabak. Die Stadt verfügt über ein Gesundheitszentrum.[6][3]
Verkehr
Eine Fernstraße führt durch Tawila gen Nordosten nach al-Fāschir und gen Westen über Kabkabiya nach al-Dschunaina in Gharb Darfur (West-Darfur).
Weblinks
- Sudan - Darfur - Tawila City Reference Map - December 2024. In: ReliefWeb. Médecins Sans Frontières, 17. Januar 2025 (englisch).
- Tawilah. In: GeoNames. (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ a b Dominic Johnson: Brandschatzung und Massenflucht in Sudan. „Zamzam wird jetzt systematisch zerstört“. In: taz.de. 15. April 2025, abgerufen am 31. Mai 2025.
- ↑ Tawilah. In: GeoNames. Abgerufen am 31. Mai 2025 (englisch).
- ↑ a b c Tawila, North Darfur: "Now it"s known as a place that was brutally destroyed". Ärzte ohne Grenzen, 1. Juni 2008, abgerufen am 31. Mai 2025 (englisch).
- ↑ a b Sudan: Aid workers returning to Tawila, scene of renewed Darfur fighting. In: news.un.org. 1. Dezember 2004, abgerufen am 31. Mai 2025 (englisch).
- ↑ Dominic Johnson: Bundeswehr startet Darfur-Einsatz – in Gambia. In: taz.de. 17. Dezember 2004, abgerufen am 31. Mai 2025.
- ↑ a b Zeinab Mohammed Salih: ‘We’ve lost everything’: inside a Sudanese town where children die of hunger every day. The Guardian, 17. September 2024, abgerufen am 31. Mai 2025 (englisch).
- ↑ IPC Famine Review Committee. (PDF; 3,03 MB) Juli 2024, abgerufen am 31. Mai 2025 (englisch).
- ↑ People fleeing Zamzam camp arrive to overwhelmed humanitarian response in Tawila. Ärzte ohne Grenzen, 6. Mai 2025, abgerufen am 31. Mai 2025 (englisch).
- ↑ Kaamil Ahmed: Sudan’s news blackout stokes fear and confusion after attack on Zamzam camp. The Guardian, 14. April 2025, abgerufen am 31. Mai 2025 (englisch).
- ↑ a b Noha Elhenawy: Fears grow for thousands trapped in Sudan’s el-Fasher as few reach safety. AP News, 2. November 2025, abgerufen am 4. November 2025 (englisch).
- ↑ »Wir sprechen von extremer Erniedrigung, sexueller Folter und Sklaverei«. In: spiegel.de. 25. November 2025, abgerufen am 29. November 2025.