Tatort: Kammerflimmern
| Folge 1308 der Reihe Tatort | |
| Titel | Kammerflimmern |
|---|---|
| Originalsprache | Deutsch |
| Länge | 89 Minuten |
| Altersfreigabe |
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| Produktionsunternehmen | Turnus Film |
| Regie | Barbara Kulcsar |
| Drehbuch |
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| Musik | Balint Dobozi |
| Kamera | Pascal Reinmann |
| Schnitt | Florian Geisseler |
| Premiere | 28. Sep. 2025 auf Das Erste |
| Besetzung | |
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| → Episodenliste | |
Kammerflimmern ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort. Der vom SRF produzierte Beitrag ist die 1308. Tatort-Episode und wurde am 28. September 2025 im SRF, im ORF und im Ersten ausgestrahlt. Das Zürcher Ermittlerduo Grandjean und Ott ermittelt in seinem zehnten Fall.
Handlung
In Zürich und weiteren Orten in der Schweiz[1] sterben mehrere Menschen durch manipulierte implantierte Defibrillatoren (ICD) desselben Medizintechnikunternehmens. Dieses hatte wenige Wochen zuvor auf seinen Geräten einen Update installieren lassen. Der Versuch, zur vorherigen Version zurückzukehren führt zu einem Ausfall aller Systeme. Erpresser verlangen die Zahlung von 317 Millionen US-Dollar.[2]
Die Ermittlerinnen Grandjean und Ott versuchen, die Täter zu identifizieren und einen digitalen Schlüssel zur Deaktivierung der Geräte zu finden. Es gibt Hinweise, dass die Täter ein persönliches Motiv haben könnten. Die Zeit drängt, dennoch wird eine öffentliche Bekanntmachung des Vorfalls vermieden, um Panik zu verhindern. Tessa Ott erfährt, dass auch ihre Mutter ein betroffenes Gerät trägt. Sie nimmt derzeit an einem Retreat teil und ist telefonisch nicht erreichbar.
Simon Berger, der Entwicklungsleiter des Unternehmens, stellt fest, dass sein früherer Mitarbeiter Albin Frey der Hacker ist. Er erschlägt ihn im Streit und flieht mit dem digitalen Schlüssel. Sein Bruder hindert ihn daran, an den Firmensystemen zu arbeiten.
Während Otts Vater ihre Mutter sucht und ins Krankenhaus bringt, gelingt es Noah Löwenherz, den Wirkmechanismus für den digitalen Schlüssel zu identifizieren und so die Systeme wieder freizuschalten.
Hintergrund
Der Film wurde vom 3. Oktober 2024 bis zum 4. November 2024 an 20 Drehtagen in Zürich und an zwei Drehtagen im Spital Muri gedreht.[3][4][5] Beim futuristischen Büro der Firma Lauber Cardio handelt es sich um die ehemalige Stadthalle Aussersihl, ursprünglich ein grosser Saal von 1906 mit 1400 Plätzen, welcher von 1949 bis 2017 als Autogarage mit Autolift genutzt worden war.[6]
In dieser Folge wurden die bis dahin meisten Opfer in einer einzelnen Episode verzeichnet und damit die Folge Im Schmerz geboren (2014) übertroffen.[7][8]
Rezeption
Kritiken
Im Tages-Anzeiger lobte Alexandra Kedves die Arbeit der Regisseurin Barbara Kulcsar, welche die Schwächen des an sich brisanten Krimis (gewisse Glaubwürdigkeitslöcher und die Begrenztheit der Bildräume) kunstreich überdecke.[1] Die NZZ gratulierte zum immerhin zehnten Tatort dieses Teams, eine Zahl, welche nicht alle Kommissare je erreichten. Auch das Thema sei prima gewählt worden, die Ausführung «okay bis mässig», umherschwirrende Ideen hätten sich nicht zu einem Ganzen gefügt und der grundsätzliche Mut sei auf halber Strecke verloren gegangen. Es habe sich aber etwas getan im schwierigen Verhältnis zwischen Grandjean und Ott.[2]
„Ungefähr bei Minute 40, wenn jeder längst alles verstanden hat, sagt Grandjean im Verhör noch einmal einen der Sätze, mit denen man jeden Krimi ermorden kann: 'Da draußen sterben Menschen! […]'“
„Wie aber soll einem beim Zuschauen der Puls hochgehen, wenn unentwegt Sätze fallen, die auch in der »Apotheken Umschau« stehen könnten? […] Weil die ganze Zeit Wissen und Halbwissen draufgeschafft werden muss, kann sich einfach kein Tempo einstellen – egal, wie oft und wie plakativ auf irgendwelchen Bildschirmen digitale Ziffern aufleuchten.“
Zum Teil löste die Folge Ängste bei Patienten aus. In einer Pressemitteilung ging die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) auf die Ängste der Herzpatienten ein. Die Organisation sehe die Sorgen als verständlich, könne jedoch gleichzeitig entwarnen, teilte sie mit. Die Pressestelle stellte klar: Bei ICD handele es sich um sichere, lebensrettende Medizinprodukte, die weltweit täglich viele Leben retteten. Die Chefärzte der Kardiologie des Schaumburger Agaplesion Klinikums, Christian Heer und Söhnke Theiß, stimmen mit den Aussagen des DGK überein. Für die beiden Kardiologen sei die Auseinandersetzung mit Cybersicherheit, besonders mit Blick auf medizinische Geräte, ebenfalls ein wichtiges Thema. Entsprechend sei die Aufmerksamkeit durch den Tatort auch für sie begrüßenswert, der Sachverhalt in seiner Darstellung jedoch viel zu überspitzt gewesen. Die Kardiologen schätzen „Kammerflimmern“ als ein realitätsfernes Szenario ein: „Hackerangriffe auf implantierbare Defibrillatoren sind nahezu ausgeschlossen“, ist auch Theiß überzeugt.[11]
Einschaltquoten
Die Erstausstrahlung von Kammerflimmern am 28. September 2025 wurde in Deutschland von 7,25 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 28,7 % für Das Erste.[12]
Musik
Der Entsperr-Code des Hacks besteht aus dem Blumenduett aus Lakmé von Léo Delibes. Diese Musik ist auf den gehackten Computern auch der Blockierungs-Mitteilung unterlegt, allerdings als Game-Konsolen-Getute respektive Klingelton.[13]
Weblinks
- Tatort: Kammerflimmern bei IMDb
- Kammerflimmern auf den Internetseiten der ARD
- Kammerflimmern bei Tatort-Fans.de
- Website des Produktionsunternehmen zum Film
Einzelnachweise
- ↑ a b Die Jubiläumsfolge aus Zürich verursacht Herzklopfen, Tages-Anzeiger, 28. September 2025
- ↑ a b Zehnter Zürcher «Tatort»: Zum Jubiläum gibt es eine Rekordzahl an Leichen, NZZ, 28. September 2025
- ↑ Tatort: Kammerflimmern bei crew united, abgerufen am 31. August 2025.
- ↑ Tatort: Spital Muri. Abgerufen am 27. September 2025.
- ↑ Tatort-Dreh im Spital Muri, Spital Muri, 14. Oktober 2024
- ↑ Das dritte Leben der Aussersihler Stadthalle, Tages-Anzeiger, 27. August 2019
- ↑ Thomas Gehringer: Tatort – Kammerflimmern. In: tittelbach.tv. Abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Janna Halbroth: Schweizer brechen Rekord: So viele Tote gab es im "Tatort" noch nie. In: t-online.de. 29. September 2025, abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ Claudia Tieschky: „Tatort“ aus Zürich. Die Opfer fallen um und fertig. In: Serien. Süddeutsche Zeitung, 26. September 2025, abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ Christian Buß: »Tatort« über Herz-Kreislauf-Patienten. Ein Drehbuch wie aus der »Apotheken Umschau«. In: Kultur. Der Spiegel, 26. September 2025, abgerufen am 27. September 2025: „Bewertung: 3 von 10 Punkten“
- ↑ https://www.sn-online.de/lokales/schaumburg/agaplesion-aerzte-kritisieren-tatort-das-sagen-kardiologen-zur-folge-kammerflimmern-LR77ARLCB5AEBKGXTT424TONQA.html
- ↑ Felix Maier: Primetime-Check: Sonntag, 28. September 2025. Quotenmeter.de, 29. September 2025, abgerufen am 29. September 2025.
- ↑ Christian Buß: Der Zürich-»Tatort« im Schnellcheck. In: spiegel.de. 28. September 2025, abgerufen am 29. September 2025.