Tatort: Die Erfindung des Rades

Folge 1317 der Reihe Tatort
Titel Die Erfindung des Rades
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Länge 89 Minuten
Produktions­unternehmen Molina Film im Auftrag des WDR
Regie Till Franzen
Drehbuch Thorsten Wettcke
Musik Andreas Weidinger
Kamera Jan Prahl
Schnitt Robert Kummer
Premiere 7. Dez. 2025 auf Das Erste
Besetzung
Episodenliste

Die Erfindung des Rades ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort. Der vom WDR produzierte Beitrag ist die 1317. Tatort-Episode und wurde am 7. Dezember 2025 im SRF, im ORF und im Ersten ausgestrahlt. Das Münsteraner Ermittlerduo Thiel und Boerne ermittelt seinen 48. Fall. Für die Staatsanwältin Wilhelmine Klemm ist es der letzte Auftritt.[1]

Handlung

Während der Präsentation eines neuen Fahrradmodells des Traditionsunternehmens Hobrecht wird statt der Innovation eine Kühltruhe mit einem gefrorenen Menschen enthüllt. Bei dem Toten handelt es sich um den Bruder Albert des derzeitigen Firmeninhabers Kurt Hobrecht. Wie sich später herausstellt, hatte Kurts älteste Tochter Klara die Kühltruhe mitsamt dem Leichnam dort versteckt, weil sie sich in der Firmennachfolge übergangen fühlte.

Nach etlichen Verwicklungen, wobei zwischenzeitlich alle Familienangehörigen verdächtigt werden, finden Boerne und Thiel heraus, dass der Tote von seinem angetrunkenen Neffen Konstantin beim ungeschickten Zurücksetzen seines Wagens versehentlich überfahren wurde. Kurt und sein Sohn wollten dies vertuschen. Dazu ließen sie über Monate eine falsche Spur des Toten simulieren in Form einer längeren fingierten Reise des angeblich Verschollenen rund um die Welt. Kurt legt zwischenzeitlich sogar ein falsches Geständnis ab, um seinen Sohn zu schützen.

Staatsanwältin Wilhelmine Klemm geht am Ende der Folge in den Ruhestand.

Trivia

Zu Beginn des Filmes wird ein geheimnisvoller Mord dargestellt, der im 19. Jahrhundert in London geschah. Dadurch sollte der wahre Erfinder des Fahrrades unbekannt bleiben. Inzwischen sind jedoch alte Pläne wieder aufgetaucht, die etwas anderes beweisen sollen und können, nämlich die Urheberschaft des Gründers der Firma Hobrecht. Dieser Handlungsstrang läuft parallel zum aktuellen Mordfall und bewirkt zusätzliche Verwirrung.

Mehrfach fährt ein sonderbarer Radfahrer durchs Bild im Auftreten des Sherlock Holmes mit Trenchcoat, Schlapphut und Pfeife. So wird an den dargestellten Mord von 1882 angeknüpft.

Die bis zu dieser Folge kettenrauchende Staatsanwältin raucht erstmals nicht, beobachtet aber in einer Szene lächelnd, wie eine der Verdächtigen sich im Krankenhaus heimlich eine Zigarette anzündet.

Professor Boerne benutzt diesmal kein eigenes Auto, sondern ein Fahrrad. Auf mehrfache Nachfragen seiner Kollegen gibt er nur ausweichende Begründungen ab. Außerdem bearbeitet er ein Schneidermaßband mit seiner Schere. Statt Boerne fährt jedoch Kommissar Mirko Schrader überraschend einen schwarzen Tesla Model S.

Passend zum Thema des Falls ist der Musiktitel Bicycle Race der englischen Rockband Queen aus dem Jahr 1978 zu hören.

Hintergrund

Der Film wurde vom 11. März bis zum 9. April 2025 in Köln, Münster und Umgebung gedreht.[2] Die Krankenhausszenen wurden im St. Josef-Hospital in Troisdorf gedreht, einschließlich der kurzen Außenaufnahme des Gebäudes.

Rezeption

Kritiken

„Einen Münster-‚Tatort‘ nachzuerzählen, ist, wie die Botschaft eines Glückskekses zu interpretieren. Zu viel Bedeutung in die Handlung reinzulegen, bringt einen um den Spaß, den man der einen oder anderen Folge abringen kann. Der Plot ist meist nachrangig, im Vordergrund stehen die Gimmicks.“

Christian Buß: Der Spiegel[3]

„Diese Krimikomödie ist ungefähr so spannend wie der Blick in einen Zierfischteich – da muss es zum Ausgleich in puncto Originalität und sprachliche Finesse natürlich stimmen. Worauf man sich verlassen kann: Münster liefert.“

„Autor Thorsten Wettcke liefert wenig brauchbaren Stoff, Regisseur Till Franzen macht nichts daraus. Dabei haben Schmierentheater und Klamauk aus Münster viele Freunde. Bei elf bis 14 Millionen Zuschauern und bisweilen über 40 Prozent Marktanteil machen sie ja offenbar viel richtig. Aber nach über 20 Jahren ist Originalität längst verzweifelt gesucht. Gefunden wird sie diesmal nicht. So bleibt nur Dank an Mechthild Großmann für ihre markante Nebenrolle und Gratulation zum Abgang. Wie sagt die Staatsanwältin Klemm so schön: ‚Ich bin zu alt für den Scheiß.‘ Thiel und Boerne sind zwar noch jünger, empfehlen sich hier aber schon dringend für den Ruhestand.“

„… eine richtig doll dysfunktionale Familienkonstellation, Zwangsneurosen und Kindheitstraumata inklusive (…) Das mag ein wenig überfrisiert und stereotyp daherkommen, aber dafür gewinnen die Kommissariatsfiguren an Tiefe, besonders auch Assistentin Haller-Alberich und eben Staatsanwältin Klemm“

Alexandra Kedves: Tages-Anzeiger[5]

Einschaltquoten

Die Erstausstrahlung von Die Erfindung des Rades am 7. Dezember 2025 wurde in Deutschland von 11,63 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 42,6 % für Das Erste.[6]

Einzelnachweise

  1. a b Holger Gertz: „Tatort“ aus Münster. Es lebe der Humor aus dem letzten Jahrhundert. In: Serien. Süddeutsche Zeitung, 5. Dezember 2025, abgerufen am 6. Dezember 2025: „Der Münster-‚Tatort‘ macht das, was er am besten kann: Thiel um Boerne wirken lassen. Und Mechthild Großmann verabschiedet sich als Staatsanwältin Klemm.“
  2. Tatort: Die Erfindung des Rades bei crew united, abgerufen am 9. November 2025.
  3. Christian Buß: Lokalpatriotischer Münster-»Tatort«. Eine Stadt, gebaut aus Pizza und Speichen. In: Kultur. Der Spiegel, 5. Dezember 2025, abgerufen am 6. Dezember 2025: „Bewertung: 7 von 10 Punkten“
  4. Allgemeine Zeitung vom Freitag, 5. Dezember 2025, S. 6 Kultur (Titel: Originalität verzweifelt gesucht)
  5. Staatsanwältin-Darstellerin Mechthild Grossmann verabschiedet sich mit Gefühl, 7. Dezember 2025
  6. Felix Maier: Primetime-Check: Sonntag, 7. Dezember 2025. Quotenmeter.de, 8. Dezember 2025, abgerufen am 8. Dezember 2025.