Täuberich und Taube
Täuberich und Taube (Le Pigeon et la Colombe) ist ein Feenmärchen von Marie-Catherine d’Aulnoy und erschien 1698 in Contes Nouveaux ou Les Fées à la Mode.
Inhalt
Als der König stirbt, will die Königin auch sterben und übergibt ihre einzige schöne Tochter Constancia einer befreundeten Fee. Diese sieht Unheil, wenn ein Riese sie vor Ablauf von 16 Jahren sähe, und bringt sie in ein Land, wo sie als Schäferin lebt. Ihr Schafbock Ruson musiziert sogar mit ihr. Als er zu seinem geliebten Schaf geht und ihn der Wolf holt, läuft sie nach und wird von einem Riesenwolf mit anderen Tieren in einen Sack gesteckt. Sie schneidet den Sack auf, befreit die Tiere und begegnet mit Ruson an einem Fluss dem Prinzen Constancio. Er bewundert ihre Schönheit und verschafft ihr eine Anstellung als Schäferin. Er hört ihr Liebeslied auf der Weide, glaubt aber, es gälte einem Schäfer seines Namens. Sein Freund Mirtain soll sie beobachten. Sie meiden einander, jedes denkend, der andere liebe jemand anders oder meine es nicht ernst, bis er liebeskrank wird. Sie soll ihn heilen, die Königin droht ihr andernfalls mit dem Tod, doch es fällt ihr leicht. Sie entdecken einander ihre Gefühle, er erfährt ihren Rang als Prinzessin, sie wollen heiraten. Seine Mutter beobachtet sie, findet schließlich einen Brief, den sie ihm geschrieben hat, und schickt ihren Sohn an den Hof der Verwandten, wo er die ihm bestimmte Braut heiraten soll. Constancia wird von Schlangen angegriffen, doch ihr Ring, den er ihr gab, schützt sie. Dann schickt die Königin sie zur Waldfee, deren Elefanten jeden verschlingen, doch Rusons Anblick macht sie zahm, und das tödliche Mieder der Fee verliert seine Kraft, nachdem Constancia es erst um Bäume bindet. Schließlich wird sie als Sklavin auf ein Schiff verkauft. Die Königin streut ein Gerücht von ihrer Krankheit und lässt eine Wachsfigur begraben. Der Prinz kehrt heim und hört, sie sei tot. Als die Königin in seiner Trauer von ihm hört, dass sie eine Prinzessin ist, sagt sie ihm die Wahrheit. Er nimmt ebenfalls ein Schiff. Riesen auf einer Insel helfen ihm nicht. Amor prüft ihn: Er soll sich ins Feuer werfen und wird eine Taube, will sich töten, rupft sich die Federn aus und wird von Mädchen gefangen. Er hört, dass der Riese Constancia in einen Turm sperrte. Sie bringen ihn zur Fee. Sie erzählt ihm, wie der Riese Constancia von den Schiffern raubte und in den Turm sperrte, dass sie ihn nach einem Jahr heiraten muss. Sie gibt ihm einen Ring, mit dem sie als Taube fortfliegen kann. Er steckt ihn ihr an, grade als der Riese hereinkommt. Sie fliegen fort und entscheiden, Tauben zu bleiben und sich ewig zu lieben.
Bemerkungen
Die Namen Constancia und Constancio bedeuten Treue, wofür auch Tauben stehen. Aulnoy zieht die Liebesgeschichte schön in die Länge. Die Fee ist hier wieder wohlwollende Patin, die Schäferin Inbegriff idyllischen Lebens, wie in Aulnoys Gracieuse und Percinet. Prinzessinnen werden immer wieder in Türme gesperrt, etwa in Der goldene Zweig. Der Prinz erwähnt gegen Ende das Märchen Der blaue Vogel. Auch das Schaf ist zuletzt ein verwandelter Prinz, wie in Der Widder. Amor ist der Liebesgott. Die Taube als Bild des verwandelten, verwundeten Liebhabers korrespondiert zu Grimms Das singende springende Löweneckerchen.