Synagoge Nienburg
Die Synagoge in Nienburg (Weser) befand sich von 1817 bis 1938 in zweiter Reihe in der Langen Straße in Nienburg.
Geschichte
Die jüdische Gemeinde Nienburgs bestand seit dem frühen 18. Jahrhundert. Mit zunehmender Mitgliederzahl wuchs der Bedarf an einem festen Gebets- und Versammlungshaus. Eine Synagoge konnte jedoch erst 1817 durch eine Erbschaft der Witwe Marcus Abraham errichtet werden, die der Gemeinde ihr Haus vermachte. Das Gebäude wurde auf dem hinteren Teil des Grundstücks der heutigen Lange Straße 79 errichtet.[1] Die Gemeinde musste sich für den Bau stark verschulden. Sie florierte im 19. Jahrhundert, ein besonderer Aufschwung setzte ab 1871 ein. Zu einer Ghettoisierung der Juden kam es Nienburg nicht, zahlreiche jüdische Mitbürger nahmen am gesellschaftlichen Leben der Stadt teil. Auch in den Jahren unmittelbar vor der Zeit des Nationalsozialismus war die jüdische Gemeinde integriert und sehr aktiv.[2]
Baubeschreibung
Der Eingang zur Synagoge lag zurückgezogen in zweiter Reihe, wurde aber wird durch eine lange Treppe aus Ziegelstufen betont, die zum Hauptportal führte. Das Eingangsportal war von zwei Säulen gerahmt. Über den großen Eingangstüren befand sich eine Lunette, darüber ein rundes Fenster, das sich harmonisch in die rechteckige Form des Gebäudes einfügte und zur Symmetrie der Fassade beitrug.
Die Nienburger Synagoge hatte einen rechteckigen Innenraum, der durch Säulen an den Wänden gegliedert war. Im Mittelpunkt befand sich die Bima, vor dem Toraschrein. Die Bankreihen für die Männer waren im Hauptbereich des Raumes angeordnet. Der Frauenbereich befand sich auf einer Empore, die über dem Eingang lag.[3]
Zerstörung
Während der Pogrome 1938 wurde die Synagoge in Nienburg von der SA in den frühen Morgenstunden des 10. Novembers zerstört. Feuer wurde aus Rücksicht auf die Nachbarbebauung nicht gelegt. Stattdessen wurde das Dach abgedeckt, der Innenraum verwüstet und alles zusammen mit den Dachbalken zu einem großen Scheiterhaufen aufgerichtet. Auch die Ritualgegenstände wurden verbrannt. Die Szenen spielten sich vor einer großen Zuschauermenge ab. Es erfolgten außerdem, unter der Beteiligung der Nienburger Bevölkerung, zahlreiche Angriffe auf die jüdischen Mitbürger und ihr Eigentum.[4]
Erinnerung und Gedenken
Ein Gedenken an die jüdische Bevölkerung Nienburgs erfolgte seitens der Stadt durch Tafeln auf dem jüdischen Friedhof, an den weiteren, zentralen Stätten der jüdischen Gemeinde fehlen bisher Gedenkorte.[5]
Siehe auch
- Liste der im Deutschen Reich von 1933 bis 1945 zerstörten Synagogen
- Jüdischer Friedhof (Nienburg/Weser)
Weblinks
- Nienburg auf jewish-places.de
- Jüdische Kultur in den Landkreisen Diepholz und Nienburg (pdf)
- Jüdische Gemeinde Nienburg
- Nienburg auf frauenorte-niedersachsen.de
- Nienburg auf juedische-gemeinden.de
Einzelnachweise
- ↑ Herbert Obenaus, David Bankier, Daniel Fraenkel: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 978-3-89244-753-5, S. 1111–1112.
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1107–1117.
- ↑ Siehe für den gesamten Abschnitt die überlieferten Pläne, Skizzen und Fotografien unter Stätten jüdischer Kultur in den Landkreisen Diepholz und Nienburg (abgerufen am 12. Dezember 2025)
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1119.
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1120–1121.
Koordinaten: 52° 38′ 32,4″ N, 9° 12′ 26,6″ O