Sultanganj Buddha

Der Sultanganj Buddha ist eine überlebensgroße, hohl gegossene Kupferstatue des stehenden Buddha, die der Gupta-/Pala-Übergangsperiode zugerechnet wird. Sie gilt als die größte erhaltene Kupferstatue eines stehenden Buddha aus dieser Epoche. Heute befindet sich das Werk in der Sammlung des Birmingham Museum and Art Gallery, wo sie seit dem 19. Jahrhundert zu den zentralen Sammlungsobjekten zählt.[1] Die Figur ist etwa 2,30 Meter hoch, rund 1,00 Meter breit und wiegt nach museumseigenen Angaben über 500 Kilogramm.[2][3]

Geschichte

Die Statue wurde 1861 oder 1862 im heutigen Bundesstaat Bihar in Ostindien nahe der Stadt Sultanganj entdeckt. Der Fund erfolgte im Zuge von Erdarbeiten beim Bau der East Indian Railway. Verantwortlich für die Bauarbeiten in diesem Abschnitt war der britische Ingenieur E. B. Harris, der auch die ersten schriftlichen Berichte über den Fund verfasste. Die Statue lag etwa drei Meter unter der Oberfläche und war offenbar bewusst vergraben worden. Nach den Beobachtungen Harris’ war sie in einer Grube innerhalb der Reste eines buddhistischen Klosterkomplexes deponiert und anschließend durch einen festen Boden verdeckt worden. Zeitgenössische Deutungen gehen davon aus, dass die Statue in einer Phase religiöser Bedrohung verborgen wurde, um sie vor Zerstörung zu schützen.[2][3]

Nach der Freilegung erregte der Fund erhebliches Interesse in der lokalen Bevölkerung. Innerhalb kurzer Zeit besuchten Tausende Menschen den Fundort. Noch vor Ort wurde die Statue intensiv betrachtet und berührt. Bereits kurz nach der Bergung wurde entschieden, das Objekt nach Großbritannien zu bringen. Der Transport nach England erfolgte 1863. Die Kosten hierfür übernahm der Industrielle und ehemalige Bürgermeister von Birmingham Samuel Thornton. 1864 bot er die Statue offiziell der Stadt Birmingham als Schenkung an. Sie wurde damit eines der frühesten Objekte der neu entstehenden städtischen Museumssammlungen.[2]

Beschreibung

Der Sultanganj Buddha wurde im Wachsausschmelzverfahren aus Kupfer gegossen. Die Figur ist hohl und enthält im Inneren einen Tonkern mit organischen Einschlüssen, der in der modernen Forschung für naturwissenschaftliche Datierungen herangezogen wurde. Die Statue zeigt den Buddha in stehender Haltung. Die rechte Hand ist in der Abhaya-Mudra erhoben, die linke Hand weist nach unten in der Varada-Mudra. Das Gewand liegt eng am Körper an und folgt der Körperform in fließenden Linien. Charakteristische Merkmale sind das ruhige Gesicht mit gesenktem Blick, die langgezogenen Ohrläppchen sowie die Darstellung des Haarknotens. Stilistisch wird das Werk der spätguptazeitlichen beziehungsweise frühpalazeitlichen Kunst zugerechnet.[2]

Sammlung und Präsentation

Seit 1864 gehört der Sultanganj Buddha zur Sammlung des Birmingham Museum and Art Gallery. Die Statue wurde im Laufe der Jahrzehnte an unterschiedlichen Orten innerhalb des Museums aufgestellt. Seit 1998 ist ihr eine eigene Galerie gewidmet, in der sie zusammen mit weiteren Objekten buddhistischer Kunst präsentiert wird, darunter Leihgaben aus anderen britischen Museen. Die heutige Aufstellung erlaubt eine Sichtachse vom zentralen Eingangsraum des Museums bis zur Statue. Die Präsentation hebt die Größe und Monumentalität des Objekts hervor und macht es zu einem der visuell prägendsten Exponate des Hauses. Die Statue wurde häufiger als andere Objekte der Sammlung naturwissenschaftlich untersucht, unter anderem mittels Radiokohlenstoff- und Thermolumineszenzdatierungen.[2]

Bedeutung

Der Sultanganj Buddha nimmt innerhalb der Sammlungen des Museums eine herausgehobene Stellung ein. Er ist eines der bekanntesten Beispiele frühmittelalterlicher indischer Metallkunst in Europa und wird regelmäßig in Überblickswerken zur buddhistischen Kunstgeschichte erwähnt. Darüber hinaus ist er das einzige Objekt des Museums, das dauerhaft auch für religiöse Zeremonien genutzt wird. Seit den frühen 2000er Jahren finden in seiner Gegenwart regelmäßig Vesakh-Feiern statt, die von buddhistischen Gemeinden der Region organisiert werden. Diese Veranstaltungen werden in Kooperation mit dem Museum durchgeführt. Im Laufe seiner Museumsgeschichte war die Statue wiederholt Gegenstand öffentlicher Diskussionen, unter anderem zu Fragen der Provenienz, der kolonialen Erwerbungskontexte und einer möglichen Rückgabe an das Herkunftsland. Eine offizielle Rückgabeforderung wurde jedoch bislang nicht gestellt.[2]

Literatur

  • Benjamin Rowland: The Art and Architecture of India: Buddhist, Hindu, Jain, Penguin Books, 1978.
  • Christopher Wingfield: Touching the Buddha: Encounters with a Charismatic Object, Routledge, London, 2010.
  • Frederick M. Asher: The Art of Eastern India 300–800, University of Minnesota Press, Minneapolis, 1980.
  • James C. Harle: The Art and Architecture of the Indian Subcontinent, Yale University Press, New Haven und London, 1994.
  • Vincent Arthur Smith: A History of Fine Art in India and Ceylon, from the Earliest Times to the Present Day, HardPress Ltd, 2013.
Commons: Sultanganj Buddha (Birmingham) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. New gallery exploring the roots and routes of the city’s collections opening at Birmingham Museum & Art Gallery. Abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  2. a b c d e f Christopher Wingfield: Touching the Buddha: Encounters with a Charismatic Object, Routledge. London 2010.
  3. a b BBC - Birmingham - Faith - The Sultanganj Buddha. Abgerufen am 6. Januar 2026.