Birmingham Museum and Art Gallery

Die Birmingham Museum and Art Gallery ist ein Museum und eine Kunstgalerie im Stadtzentrum von Birmingham in England. Es befindet sich in einem denkmalgeschützten Gebäude im Stil des viktorianischen Neoklassizismus am Chamberlain Square. Zusammen mit dem benachbarten Council House bildet es eine architektonische Einheit. Das Museum gehört zum Birmingham Museums Trust, dem größten unabhängigen Museumsverband im Vereinigten Königreich. Dieser betreut mehrere Museen in Birmingham. Die Sammlung des Museums umfasst Bestände aus den Bereichen Kunst, Archäologie, Ethnografie, Naturgeschichte sowie lokale und industrielle Geschichte mit Hunderttausenden von Objekten.[1]

Geschichte

Die Ursprünge der Birmingham Museum and Art Gallery reichen bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1829 errichtete die Birmingham Society of Artists ein privates Ausstellungsgebäude in der New Street. In diese Zeit fällt auch die zunehmende staatliche Förderung von Bildung infolge des Factory Acts von 1833. Mit dem Museums Act von 1845 erhielten Städte mit mehr als 10.000 Einwohnern erstmals die gesetzliche Möglichkeit, die Gründung und den Betrieb öffentlicher Museen über eine kommunale Abgabe zu finanzieren.[1]

Ein entscheidender Schritt zur Etablierung einer öffentlichen Kunstsammlung erfolgte im Jahr 1864, als die Birmingham Society of Artists dem Stadtrat gemeinsam mit weiteren Förderern 64 Gemälde sowie den sogenannten Sultanganj Buddha übergab. Diese Werke wurden zunächst im Gebäude der Free Library ausgestellt, mussten jedoch aufgrund von Platzmangel in die Aston Hall ausgelagert werden. Einen weiteren wichtigen Zuwachs erfuhr die Sammlung durch das Vermächtnis von Joseph Henry Nettlefold, der der Kunstgalerie 25 Gemälde von David Cox unter der Auflage hinterließ, sonntags geöffnet zu sein. Im Jahr 1880 übernahm der lokale Künstler Allen Edward Everitt die ehrenamtliche Leitung der Free Art Gallery, einer kommunalen Einrichtung, die als unmittelbare Vorläuferinstitution des späteren Museums gilt. Insbesondere Jesse Collings, der von 1878 bis 1879 Bürgermeister von Birmingham war und sich bereits zuvor maßgeblich für den Ausbau des städtischen Bibliothekswesens eingesetzt hatte, unterstützte das Projekt politisch. Er war ein früher Befürworter einer öffentlichen Kunstgalerie.[1]

Die konkrete Realisierung des heutigen Birmingham Museum and Art Gallery wurde durch eine Spende von 10.000 Pfund der Industriellen Sir Richard Tangye und George Tangye ermöglicht. Diese Spende löste eine neue Initiative zur Errichtung einer Kunstgalerie aus. Nach weiteren privaten Zuwendungen sowie einem Beitrag von 40.000 Pfund seitens der Stadtverwaltung konnte der Neubau vollendet werden. Am 28. November 1885 wurde die neue Galerie feierlich durch den Prince of Wales eröffnet. Das Museum und die Kunstgalerie wurden in einem erweiterten Teil des Rathauses untergebracht, oberhalb der neu eingerichteten Büros der städtischen Gasabteilung. Damit bildeten sie von Beginn an einen integralen Bestandteil des kommunalen Zentrums von Birmingham.[1]

Architektur

Das von Yeoville Thomason im Stil des viktorianischen Neoklassizismus entworfene und errichtete Gebäude befindet sich am Chamberlain Square gegenüber der klassizistischen Town Hall. Es ergänzt das benachbarte Council House sowohl architektonisch als auch funktional. Es besitzt eine markante Fassade mit einem doppelstöckigen Portikus und einem Dreiecksgiebel, der eine allegorische Darstellung Birminghams in den schönen Künsten zeigt. Dieser wurde von Francis John Williamson geschaffen. Das Bauwerk besitzt eine markante Fassade mit einem doppelstöckigen Portikus und einem Dreiecksgiebel, der eine allegorische Darstellung Birminghams in den schönen Künsten zeigt. Dieser wurde von Francis John Williamson geschaffen. Über dem Haupteingang erhebt sich der Uhrturm, der lokal als Big Brum bekannt ist.[1]

Sammlung

Die Sammlungen des Birmingham Museum and Art Gallery umfassen hunderttausende Objekte aus den unterschiedlichsten Bereichen. Die Gemäldesammlung enthält bedeutende britische und europäische Werke mit einer herausragenden Sammlung der Präraffaeliten, darunter zahlreiche Gemälde, Skulpturen und Glasmalereien. Daneben zeigt das Museum Artefakte aus der antiken Welt, darunter Objekte aus Griechenland, Rom und Ägypten, sowie ethnographische Objekte aus Afrika, Asien und Amerika. Die Ausstellung zur lokalen Geschichte präsentiert die Entwicklung der Stadt und ihrer Bevölkerung über Jahrhunderte. Ein weiterer bedeutender Sammlungsschwerpunkt ist die Industriegeschichte mit Objekten zur industriellen Entwicklung Birminghams. Ebenfalls von großer Bedeutung ist der Staffordshire Hoard, eine umfangreiche Sammlung angelsächsischer Gold- und Silberartefakte.[2]

Werke (Auswahl)

Präraffaeliten

Die Stadt Birmingham besitzt die weltweit umfangreichste Sammlung von Kunstwerken der Präraffaeliten und ihres Umkreises. In mehreren Galerien werden mehr als 60 Gemälde, Skulpturen und Glasfenster aus dieser Sammlung präsentiert. Die Ausstellung spannt einen Bogen von frühen Arbeiten der Bewegung bis zu Künstlern, die um 1900 in Birmingham tätig waren und an die präraffaelitische Tradition anknüpften. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Werken von Künstlerinnen. Dazu zählt das erste Ölgemälde einer präraffaelitischen Künstlerin, das in die städtische Sammlung aufgenommen wurde: Young Woman with a Rose von Emma Sandys. Ebenfalls gezeigt wird The Puritan Maiden Priscilla der in Birmingham tätigen Malerin Kate Bunce. Ergänzt werden die Bestände durch langfristige Leihgaben aus privaten Sammlungen, darunter Werke von Joanna Boyce Wells, Edward Burne-Jones und Arthur Hughes.[2][3]

Birmingham war im späten 19. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum für Kunst und Design. Die Birmingham School of Art auf der Margaret Street bildete eine Generation von Künstlern, Designern und Kunsthandwerkern aus. Präraffaelitische Künstler, insbesondere Burne-Jones und Rossetti, dienten den Studierenden als Vorbilder. Ihre Werke wurden an der Kunstschule studiert und im Birmingham Museum & Art Gallery kopiert. Burne-Jones besuchte die Schule 1887 persönlich und stand den Studierenden beratend zur Seite. Darüber hinaus entwickelte sich Birmingham zu einem Zentrum der Temperamalerei. Der Künstler Joseph Southall leitete die Wiederbelebung dieser mittelalterlichen Technik, bei der Farbpigmente mit Ei statt mit Öl gebunden werden. Die dadurch entstehenden intensiven und klaren Farben sind bei zahlreichen der ausgestellten Gemälde sichtbar.[2][3]

Staffordshire Hoard

Der Staffordshire Hoard ist der größte bislang entdeckte Schatz angelsächsischen Goldes. Er wurde 2009 in der englischen Grafschaft Staffordshire gefunden und besteht aus mehreren tausend Fragmenten und Objekten aus Gold, Silber und Granat, die überwiegend in das 7. Jahrhundert datiert werden. Der Hortfund wird mit der Kriegerelite des angelsächsischen Englands in Verbindung gebracht und liefert bedeutende Erkenntnisse zur Militär-, Kunst- und Kulturgeschichte dieser Epoche.[4]

Ein erheblicher Teil der Fundstücke steht in Zusammenhang mit Waffen und militärischer Ausrüstung, darunter Beschläge von Schwertern, Helmen und anderer Ausrüstung hochrangiger Krieger. Die Objekte zeichnen sich durch außerordentlich feine Goldschmiedearbeiten aus, die komplexe Flechtbandornamente, Tiermotive und geometrische Muster zeigen. Stilistische und technologische Analysen belegen Verbindungen zu verschiedenen Regionen Europas, was auf weitreichende kulturelle und handwerkliche Netzwerke im frühen Mittelalter hinweist. Forschungen ergaben, dass etwa ein Drittel der Fragmente zu einem Helm von außergewöhnlich hohem Status gehörte. Helme dieser Art sind aus der angelsächsischen Zeit äußerst selten, weshalb der sogenannte Staffordshire-Hoard-Helm zu den wichtigsten Einzelfunden des Schatzes zählt. Auf Grundlage von Dutzenden Fragmenten rekonstruierten Fachleute über einen Zeitraum von rund 18 Monaten das Aussehen des ursprünglichen Helms. Dabei kamen sowohl moderne technologische Verfahren als auch traditionelle handwerkliche Methoden zum Einsatz.[4]

In der Ausstellung Staffordshire Hoard werden mehrere hundert Originalstücke aus dem Fundkomplex präsentiert. Ergänzend werden die konservatorischen Methoden erläutert, mit denen die stark fragmentierten und korrodierten Objekte untersucht und gesichert wurden. Mithilfe interaktiver Elemente wird die ursprüngliche Nutzung der Fundstücke veranschaulicht, bevor diese vor rund 1400 Jahren absichtlich deponiert wurden.[4]

Literatur

  • Martin Ellis: World of Art from the Birmingham Museums and Art Gallery: From Birmingham Museums and Art Gallery. Merrell Publishers Ltd, 2000.
  • Kevin Leahy, Roger Bland: The Staffordshire Hoard. British Museum Press, 2009.
  • Moritz Wullen (Hrsg.): Natur als Vision. Meisterwerke der englischen Präraffaeliten. (Anlässlich der Ausstellung Natur als Vision – Meisterwerke der Englischen Präraffaeliten. Eine Ausstellung der Tate Britain in Zusammenhang mit der Nationalgalerie Berlin. Altes Museum, Museumsinsel Berlin, 11. Juni – 5. September 2004). DuMont, Berlin u. a. 2004, ISBN 3-8321-7485-0.
Commons: Birmingham Museum and Art Gallery – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

  1. a b c d e magazin museum.de: Birmingham Museum and Art Gallery. Abgerufen am 5. Januar 2026.
  2. a b c Highlights | Birmingham Museum & Art Gallery. Abgerufen am 5. Januar 2026 (englisch).
  3. a b The Pre-Raphaelites | Birmingham Museum & Art Gallery. Abgerufen am 5. Januar 2026 (englisch).
  4. a b c Staffordshire Hoard | Birmingham Museum & Art Gallery. Abgerufen am 5. Januar 2026 (englisch).

Koordinaten: 52° 28′ 49″ N, 1° 54′ 13″ W