Struszewo

Struszewo
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Struszewo
Basisdaten
Staat: Polen Polen

Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Bytów
Gmina: Borzytuchom
Geographische Lage: 54° 11′ N, 17° 22′ O
Einwohner:

Struszewo (deutsch Strussow) ist ein Dorf im Verwaltungsbezirk Gmina Borzytuchom im Powiat Bytowski in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage

Die Ortschaft liegt in Hinterpommern, etwa 200 Kilometer nordöstlich von Stettin, acht Kilometer westnordwestlich der Kreisstadt Bytow, 2,5 Kilometer westsüdwestlich des Kirchdorfs Borzytuchom und zwei Kilometer nordnordöstlich des Dorfs Chotkowo.

Geschichte

Auf der Gemarkung des Dorfs wurden Artefakte aus der Steinzeit, der Bronzezeit und der Eisenzeit gefunden.[1] Auf einem Hügel der Feldmark des Gutsbesitzer Wetzel in Strussow, südwestlich des Gutshofs, waren im Jahr 1893 eine Reihe von Steinkistengräbern aus der Bronzezeit freigelegt worden.[2]

Nachdem die Handfeste des Schulzenhofes zu Strussow im Hussitenkrieg von 1433 verlorengegangen war, wurde sie 1435 vom Pfleger des Deutschen Ordens zu Bütow, Lukas von Lichtenstein, mit Genehmigung des Hochmeisters Paul von Rußdorf erneuert und am 11. November 1580 von Herzog Barnim X. von Pommern-Rügenwalde bestätigt.[3]

Nach der kurbrandenburgischen Besitzergreifung des Landes Bütaw am 18. Juni 1658 wurde die Starostei, zu der Strussow zwischenzeitlich gehört hatte, in das Domänenamt Bütow umgewandelt. Das Dorf war durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen worden: Zuvor hatte es einen Freischulzen-Hof und zehn Bauernhöfe gehabt; vier Bauernhöfe waren durch den Krieg wüst geworden, und an Vieh waren nur noch ein Pferd, neun Ochsen und sieben Kühe vorhanden.[4] Das ehemalige Amtsdorf Strussow des königlichen Domänenamts Bütow hatte um 1782 einen Lehnschulzen-Hof, zehn Bauernhöfe, eine Schmiede, einen Schulmeister und 15 Feuerstellen (Haushaltungen).[5]

Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 838,1 Hektar großen Gemarkung der Landgemeinde Strussow 41 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 45 Pferde, 181 Stück Rindvieh, 29 Schafe und 203 Stück Borstenvieh hielten.[6]

Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Strussow eine Flächengröße von 6 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen insgesamt 32 bewohnte Wohnhäuser an zwei verschiedenen Wohnplätzen:[7]

  1. Gänsekrug
  2. Strussow

Um 1935 hatte Strussow unter anderem einen Gasthof, eine Bäckerei, einen Gemischtwarenladen und eine Schmiede.[8]

Bis 1945 bildete Strussow eine Landgemeinde im Kreis Bütow der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Strussow war dem Amtsbezirk Borntuchen zugeordnet. Das Standesamt befand sich in Kathkow.

Nach Beendigung der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs wurde Strussow 1945, wie ganz Hinterpommern, von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Danach kamen Polen in das Dorf, von denen die einheimischen Dorfbewohner aus ihren Häusern und Wohnungen gedrängt wurden. Für Borntuchen wurde von der polnischen Administration die polonisierte Ortsbezeichnung ‚Struszewo‘ eingeführt. Die einheimischen Dorfbewohner wurden in der Folgezeit von der polnischen Verwaltungsbehörde aus Strussow vertrieben.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 Amtsdorf, mit einem Lehnschulzen-Hof, zehn Bauernhöfen, einem Schulmeister, einem Schmied und 15 Feuerstellen (Haushaltungen), eingepfarrt zu Borntuchen (Haushaltungen)[5]
1818 136 Dorf, königliche Besitzung, zum Kirchspiel Borntuchen gehörig[9][10]
1846 271 Dorf[11]
1852 285 Dorf[12]
1855 283 am Jahresende, davon 281 Evangelische und zwei Katholiken[13]
1864 351 am 3. Dezember, im Gemeindebezirk und im Gutsbezirk zusammen[14]
1867 384 am 3. Dezember, Landgemeinde[15]
1871 337 am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 333 Evangelische und vier Katholiken[15]
1885 273 am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 271 Evangelische und zwei Katholiken[16]
1895 271 am 2. Dezember, Landgemeinde, davon 268 Evangelische und drei Katholiken[17].
1905 252 am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 247 Evangelische (sämtlich mit deutscher Muttersprache) und fünf Katholiken (sämtlich mit deutscher Muttersprache)[18]
1910 237 am 1. Dezember, Dorf[19]
1925 233 Landgemeinde, in 52 Haushaltungen, darunter 224 Evangelische und acht Katholiken[7]
1933 223 [20]
1939 218 [20]

Kirche

Kirchspiel bis 1945

Die vor 1945 hier lebenden Dorfbewohner waren mit wenigen Ausnahmen Evangelische (Angehörige der Landeskirche) und gehörten zum Kirchspiel Borntuchen.

Das katholische Kirchspiel war in Bütow.

Kirchspiel seit 1945

Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft gehört überwiegend der Römisch-katholischen Kirche in Polen an.

Das polnische evangelische Kirchspiel ist in Bütow.

Literatur

  • Strussow, Dorf, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Strussow (meyersgaz.org)
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1059, Ziffer (31) (Google Books).
  • P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Band 2: Provinz Pommern, 2. Auflage, Nicolai (Stricker), Berlin 1884, S. 18–19 (Google Books).
  • Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 94–95 (Google Books).

Fußnoten

  1. Historische Ortsbeschreibungen Kreis Bütow: Strussow (buetow-pommern.info)
  2. A. Stubenrauch: Die Steinkistengräber von Strussow, Kr. Bütow, in: Mitteilungen (Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Alterthumskunde, Hrsg.), Neunter Jahrgang, No. 12, Stettin 1895, S. 179–185 (Google Books).
  3. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, Zweiter Teil: Urkundenbuch, Königsberg 1858, S. 198–200 (Google Books).
  4. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, E. J. Dalkowski, Königsberg 1858, Band 1: Die Geschichte, Anhang S. 30, Nr. 24 (Google Books).
  5. a b Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1059, Nr. (31) (Google Books).
  6. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 2. Regierungsbezirk Köslin, 27. Kreis Bütow, S. 138–139, Ziffer 39 (Google Books).
  7. a b Die Gemeinde Strussow im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
  8. Klockhausʼ Kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1161 (Google Books).
  9. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 4: P–S, Halle 1823, S. 402, Ziffer 7672 (Google Books).
  10. Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 287, Ziffer 27 (Google Books).
  11. Bütower Kreisblatt, No. 3, Bütow, 17. Januar 1849, S. 11–12, Einwohner-Tabelle, Ziffer 48 (bibliotekacyfrowa.eu, PDF)
  12. Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 607 (Google Books).
  13. Hermann Gribel: Statistik des Bütower Kreises, Bütow 1858, Anhang, Beilage 1, Ziffer 33 (Google Books).
  14. Königliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin, 2. Kreis Bütow, Berlin 1966, S. 10–17, Ziffer 52 (Google Books).
  15. a b Königl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, Regierungsbezirk Köslin, XII. Kreis Bütow, S. 174–175, Ziffer 34 (Google Books).
  16. Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen, IV. Provinz Pommern, Berlin 1888, Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 192–193, Ziffer 39 (Google Books).
  17. Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen. Band IV: Provinz Pommern, Berlin 1898, 2. Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 196–197, Ziffer 17 (Google Books), und S. 198–199, Ziffer 39 (Google Books).
  18. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon für die Provinz Pommern. Auf Grund von Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1908, 4. Kreis Bütow, S. 18–19, Ziffer 39 (pbc.gda.pl).
  19. Strussow, Dorf, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Strussow (meyersgaz.org)
  20. a b Michael Rademacher: Provinz Pommern – Landkreis Bütow. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.