Straßenbahn Antwerpen

Straßenbahn Antwerpen
PCC- und HermeLijn-Wagen am Koning Albertpark
Basisinformationen
Staat Belgien
Stadt Antwerpen
Eröffnung 25. Mai 1873
Betreiber De Lijn
Infrastruktur
Streckenlänge 75,4 km
Spurweite 1000 mm (Meterspur)
Stromsystem 600 Volt DC Oberleitung
Haltestellen 158
Tunnelbahnhöfe 12
Betriebshöfe 3
Betrieb
Linien 14
Linienlänge 116,6 km
Takt in der HVZ 10 Minuten
Fahrzeuge 44 PCC
84 Hermelijn
62 Albatros
60 Stadslijner
Höchst­geschwindigkeit 70 km/h
Statistik
Fahrgäste Mehr als 120 Mio. pro Jahr (2010)
Liniennetz (Stand April 2015)

Die Straßenbahn Antwerpen verkehrt seit 1902 als elektrische Straßenbahn in der belgischen Stadt Antwerpen. Neben Brüssel, Charleroi, Gent, Lüttich und Ostende ist Antwerpen eines von sechs belgischen Straßenbahnsystemen. Das Netz umfasst zwölf Linien, die sieben Stadtbezirke und drei Nachbargemeinden bedienen. Seit 1991 wird die Straßenbahn vom flämischen Verkehrsunternehmen De Lijn betrieben. Von 1929 bis 1964 ergänzte außerdem der Oberleitungsbus Antwerpen die Straßenbahn.

Geschichte

Die Geschichte der Straßenbahn Antwerpen beginnt am 25. Mai 1873 mit der Eröffnung der ersten Pferdebahnlinie. Die ersten elektrischen Straßenbahnen im Linienbetrieb verkehrten am 2. September 1902. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war das Antwerpener Straßenbahnnetz deutlich umfangreicher als heute, so verkehrte die Linie 1 entlang der Straße De Leien vom Noorderplaats zum damaligen Südbahnhof. Allmählich wurden zahlreiche Straßenbahnlinien stillgelegt und auf Omnibusbetrieb umgestellt. Bis 1990 wurde die Straßenbahn Antwerpen durch die Maatschappij voor het Intercommunaal Vervoer te Antwerpen (deutsch: Gesellschaft für den interkommunalen Verkehr in Antwerpen, MIVA) betrieben. Am 1. Januar 1991 wurde die MIVA zusammen mit der Genter MIVG und dem flämischen Teil der NMVB zum flämischen Verkehrsunternehmen De Lijn (deutsch: Die Linie) fusioniert. Im Jahr 1996 wurde die erste Tunnelstrecke, der Premetro-Abschnitt Hauptbahnhof ↔ Sportpaleis, eröffnet.

Die ersten Linien

Im Jahr 1913 waren die meisten der heute bestehenden Linien in Betrieb, wenn auch zum Teil in leicht unterschiedlicher Linienführung. Eine Karte aus diesem Jahr nennt die folgenden Linien:

Linie Linienweg 1913 davon noch in Betrieb (2025)
1 Entrepot – Bank – Zuidstatie Bank – Zuidstatie
2 Werf – Statie – Van Rijswijcklaan Groenplaats – Belgiëlei – Van Rijswijcklaan
3 Zuidstation – Groenplaats – Statie – Schijnpoort (3/: Merksem) ersetzt durch die Premetro
4 Groenplaats – Brederodestraat – Kiel (4/: Hoboken) noch vollständig in Betrieb
5 Groenplaats – Lozanastraat – Dikke mee (5/: Wilrijk) stillgelegt
6 Pothoek – Werf – Zuidstation stillgelegt (wurde zunächst auf O-Bus umgestellt)
7 Tolhuis – Bank – Berchem (7/: Oude God) noch vollständig in Betrieb
8 Meir – Bank – Borsbeekpoort (8/: Gitschotel) noch vollständig in Betrieb
9 Van Schoonbekeplein – Park – Berchem Statie stillgelegt
10 Melkmarkt – Statie – Zoo – Borgerhout (10/: Deurne) Deurne – Astrid
11 Melkmarkt – Statie – Zoo – Dageraadplaats noch vollständig in Betrieb
12 Statie Waas – Justitiepaleis stillgelegt
13 Zuid – Pyrotechnie – Petrooltanks stillgelegt

Im Gegensatz zu späteren Gepflogenheiten hatten die sogenannten gestrichene Linien längere Fahrwege als ihre jeweiligen Stammlinien.

Überlandbahnen

Die Überlandbahnen der Provinz Antwerpen haben seit der Umspurung auf Meterspur im Jahr 1920 die gleiche Spurweite wie die Straßenbahnen. Deshalb haben die Überlandbahnen auf einigen Strecken auch die Gleise der Straßenbahn mit genutzt. Seit 1935 fuhren Überlandbahnen bis zum Rooseveltplaats durch. Unter anderem auf den Straßen De Leien und Turnhoutsebaan fuhren auch Überlandstraßenbahnen. Bei der späteren Verlängerung der Linie 3 nach Keizershoek wurde der straßenmittige Gleiskörper einer ehemaligen Überlandstraßenbahnstrecke wieder genutzt.

Entwicklungen seit dem Jahr 2000

Die Linie 3 wurde im Jahr 2002 zweimal verlängert. Am 16. Februar 2002 wurde die 4,3 Kilometer lange Strecke zwischen Antwerpen-Linkeroever und Zwijndrecht-Melsele eröffnet. Am 1. September 2002 wurde die Linie 3 nochmals um 1,6 Kilometer von Merksem nach Keizershoek verlängert. An beiden Endstellen wurden große kostenlose Parkplätze angelegt (Park+Ride).

→ Tabelle: Liniennetz seit September 2002
Linie Linienweg Fahrgäste 2000 Fahrgäste 2005
2 Linkeroever ↔ Hoboken 6,07 Mio. 10,27 Mio.
3 Zwijndrecht (Melsele) ↔ Merksem 4,59 Mio. 23,9 Mio.
4 Sint Pietersvliet ↔ Hoboken 2,23 Mio. 3,89 Mio.
7 Sint Pietersvliet ↔ Mortsel (Gemeenteplein) 2,56 Mio. 4,3 Mio.
8 Lambermontplats ↔ Eksterlaar 3,01 Mio. 5,89 Mio.
10 Melkmarkt ↔ Deurne 2,78 Mio. 4,32 Mio.
11 Melkmarkt ↔ Eksterlaar 2,74 Mio. 4,25 Mio.
12 Sportpaleis ↔ Hoboken (Schoonselhof) 4,71 Mio. 7,79 Mio.
15 Linkeroever ↔ Mortsel (Gemeenteplein) 5,39 Mio. 9,68 Mio.
24 Zuid ↔ Silsburg 3,52 Mio. 5,53 Mio.

Am 4. März 2006 wurde eine neue Straßenbahnlinie eröffnet: Linie 5. Diese verkehrt zwischen dem Wim Saerensplein in Deurne und dem Katwilgweg in Linkeroever. Auf der Strecke zwischen Sportpaleis und Linkeroever benutzt die neue Linie den Premetro-Tunnel. Hiermit besaß Antwerpen seit dem Jahr 2006 elf Straßenbahnlinien, von denen vier durch den Tunnel verkehrten.

Dies hatte auch Auswirkungen auf die Straßenbahnlinien 12 und 24. Die Linie 12 wurde verkürzt auf die Strecke zwischen Sportpaleis und der Wendeschleife Montignystraat (Südbahnhof), die frühere Endstelle der Linie 24. Die Linie 24 übernahm die Strecke zum Schoonselhof in Hoboken von der Linie 12.

Am 29. April 2006 wurde eine neue Strecke über die Amerikalei zur neuen Endstelle Bolivarplaats eröffnet, die sich am neuen Gerichtsgebäude befindet. Diese Endstelle wurde von der Linie 12 Sportpaleis ↔ Bolivarplaats bedient. Hierbei handelt es sich nicht um eine völlig neue Trasse: bis in das Jahr 1965 wurde sie von den Linien 1 und 3 bedient, damals befand sich jedoch der Südbahnhof an dieser Stelle.

Am 2. Mai 2007 wurde auch die Linie 8 zum Justizpalast am Bolivarplaats verlängert.

Am 27. Oktober 2007 wurde das Netz um die Linie 6 zwischen Luchtbal (Metropolis) und Kiel (Olympia-Hafen) erweitert. Neue Infrastruktur war für diese Linie nicht erforderlich, da sie fast vollständig parallel zu anderen Straßenbahnlinien verläuft. Lediglich die Strecke über die Groenendaallaan war ursprünglich eine Betriebsstrecke für Ein- und Ausrückfahrten zum Depot Punt aan de Lijn. Die Linie 6 verkehrt zwischen den Bahnhöfen Sport und Plantin durch den Premetro-Tunnel.

Seit dem 15. Mai 2009 verkehrt die Linie 8 über die Dascottelei und die Herentalsebaan nach Deurne Silsburg und ist somit bis zur Endstelle der Linie 24 verlängert worden.

Am 14. April 2012 wurde die Verlängerung nach Wijnegem in Betrieb genommen. Auf dieser Strecke verkehren die Linien 5 und 10.

Am 2. Mai 2012 wurde der Straßenbahnverkehr in der Nationalestraat unterbrochen. Dabei wurden die Linien 4 und 8 gekürzt.

Am Montag, den 13. August 2012 wurde die Verlängerung der Linie 15 über Mortsel hinaus nach Boechout in Betrieb genommen.

→ Tabelle: Liniennetz seit August 2012
Linie Linienweg Länge Fahrzeit mittlere
Geschwindigkeit
Fahrgäste 2000 Fahrgäste 2005 Fahrgäste 2010
2 Linkeroever ↔ Hoboken 12,4 km 38 min 20 km/h 6,07 Mio. 10,27 Mio. 12,8 Mio.
3 Zwijndrecht (Melsele) ↔ Merksem 14,5 km 40 min 22 km/h 4,59 Mio. 23,9 Mio. 31,4 Mio.
4 Sint Pietersvliet ↔ Hoboken 7,6 km 31 min 15 km/h 2,23 Mio. 3,89 Mio. 4,7 Mio.
5 Wijnegem ↔ Linkeroever 13,5 km 37 min 26 km/h 9,8 Mio.
6 Metropolis ↔ Olympiade 9,7 km 35 min 17 km/h 6,3 Mio.
7 Sint Pietersvliet ↔ Mortsel (Gemeenteplein) 7,7 km 28 min 17 km/h 2,56 Mio. 4,3 Mio. 6,5 Mio.
8 Bolivarplaats ↔ Silsburg 7,6 km 31 min 15 km/h 3,01 Mio. 5,89 Mio. 8,9 Mio.*
10 Melkmarkt ↔ Wijnegem 8,7 km 30 min 17 km/h 2,78 Mio. 4,32 Mio. 5,1 Mio.
11 Melkmarkt ↔ Eksterlaar 6,1 km 27 min 14 km/h 2,74 Mio. 4,25 Mio. 5,3 Mio.
12 Sportpaleis ↔ Bolivarplaats 5,8 km 26 min 13 km/h 4,71 Mio. 7,79 Mio. 4,2 Mio.*
15 Linkeroever ↔ P+R Boechout 11 km 33 min 20 km/h 5,39 Mio. 9,68 Mio. 13,1 Mio.
24 Hoboken (Schoonselhof) ↔ Silsburg 12 km 50 min 15 km/h 3,52 Mio. 5,53 Mio. 11,9 Mio.*

* = kein direkter Vergleich möglich, da Linienänderung gegenüber den Zahlen von 2005

Die Straßenbahn Antwerpen beförderte im Jahr 2010 120 Millionen Fahrgäste (von 547 Millionen in Flandern und 208 Millionen in der Provinz Antwerpen).

Liniennetz seit September 2012

Am Samstag, den 1. September 2012 wurden verschiedene Straßenbahnlinien modifiziert, vereinigt oder aufgelassen. Dabei wurde eine neue Linie 9 eingeführt.

→ Tabelle: Liniennetz seit September 2012
Linie Linienweg Länge Fahrzeit mittlere
Geschwindigkeit
2 P+R Merksem ↔ Hoboken 14,3 km 48 min 18 km/h
3 Zwijndrecht (Melsele) ↔ P+R Merksem 14,3 km 38 min 22 km/h
4 Hoboken ↔ Silsburg 14,6 km 62 min 14 km/h
5 Wijnegem ↔ P+R Linkeroever 13,5 km 39 min 21 km/h
6 Metropolis ↔ Olympiade 10,2 km 34 min 18 km/h
7 Sint Pietersvliet ↔ Mortsel (Gemeenteplein) 7,7 km 29 min 16 km/h
9 Linkeroever ↔ Eksterlaar 9,0 km 25 min 22 km/h
10 Melkmarkt ↔ Wijnegem 8,5 km 30 min 17 km/h
11 Melkmarkt ↔ Berchem Station (Groenhoek) 4,2 km 19 min 13 km/h
12 Sportpaleis ↔ Zuid 5,9 km 26 min 14 km/h
15 Linkeroever ↔ P+R Boechout 13,9 km 44 min 19 km/h
24 Hoboken (Schoonselhof) ↔ Silsburg 12,3 km 48 min 15 km/h

Am 4. Februar 2013 wurden die schon seit dem 1. September 2012 unter der gleichen Liniennummer verkehrenden Linien 4 Süd (Hoboken – Marnixplaats) und 4 Ost (Groenplaats – Silsburg) zu einer einzigen längeren Linie (Hoboken – Silsburg) vereinigt.

Pegasus-Plan

Die zentrale Intention des Pegasus-Plans war die Aktivierung der Jahre zuvor erbauten, aber noch im Rohbau befindlichen Reuzenpijp, der Tunnelstrecke unter der Turnhoutsebaan. Die Bauarbeiten für die Verbindung an die Oberfläche fingen im März 2013 an und endeten im September 2014. Nach einer Testphase wurde am 18. April 2015 die neue Linie 8 (Wommelgem – Astrid) in Betrieb genommen. Genau zwei Jahre später wurde dann auch die bis dahin oberirdisch verkehrende Linie 10 ebenfalls durch den Tunnel geführt und endet seitdem nicht mehr am Melkmarkt, sondern am südlichen Ende der Stadt.

Einführung der Linie 70

Bis zu einer Direktverbindung von Luchtbal bis ins Stadtzentrum über die Italiëlei sollte zunächst die Linie 70 mit einer zehn-minütigen Fahrzeit die neuen Strecken befahren.

→ Tabelle: Liniennetz seit September 2018
Linie Linienweg Fahrzeit Länge
2 P+R Merksem ↔ Hoboken 48 min 14,3 km
3 P+R Melsele ↔ P+R Merksem 38 min 14,3 km
4 Hoboken ↔ Silsburg 62 min 14,6 km
5 Wijnegem ↔ P+R Linkeroever 39 min 13,7 km
6 P+R Luchtbal ↔ Olympiade 34 min k. A
7 Eilandje ↔ Mortsel (Gemeenteplein) 29 min 8,8 km
8 Astrid - P+R Wommelgem 16 min k. A
9 P+R Linkeroever ↔ Eksterlaar 25 min 9,3 km
10 Melkmarkt ↔ Wijnegem 30 min 8,5 km
11 Melkmarkt ↔ Berchem Station (Groenhoek) 19 min 4,8 km
12 Sportpaleis ↔ Zuid 26 min 5,9 km
15 P+R Linkeroever ↔ P+R Boechout 44 min 14,2 km
24 Hoboken (Schoonselhof) ↔ Silsburg 48 min 12,3 km
70 P+R Luchtbal ↔ Eilandje 10 min 4,7 km

Einführung der Linie 1

Am 8. Dezember 2019 wurde die neu eingerichtete Straßenbahnlinie 1 vom Stadtteil Luchtbal im Norden zum Umsteigepunkt Süd in der nähe des gleichnamigen Bahnhofs eröffnet. Gleichzeitig wurde die Linie 24 jetzt zum Havenhuis geführt, anstatt wie vorher zum Melkmarkt, und die Linie 8 bis Astrid verkürzt, da der Abschnitt nun von der 1 übernommen wurde.

Drei Jahre später wurde die bekam die Linie 1 einen zusätzlichen Halt an der ZNA Cadix. Zuvor gab es nur eine westliche Anbindung durch die 24.

Aktuelles Liniennetz

Das Liniennetz seit dem 11. Oktober 2025 beinhaltet die folgenden 14 Linien, wobei die Linien 11 vorübergehend ausgesetzt ist:

Linie Linienweg Fahrzeit Länge Haltestellen / davon im Tunnel Takt mo-fr Takt sa Takt so Fahrzeuge im Regelbetrieb
1 P+R Luchtbal ↔ Zuid 32 min 8,8 km 20 (0) 10 min 10 min 15 min Stadslijner, selten auch HermeLijn oder Albatros
2 P+R Merksem ↔ Hoboken 48 min 14,3 km 27 (7) HermeLijn
3 P+R Merksem ↔ P+R Melsele 45 min 14,3 km 27 (9) Albatros, selten auch HermeLijn oder Stadslijner
4 Berchem Station (Groenhoek) ↔ Hoboken 49 min 14,5 km 25 (0) HermeLijn
5 Wijnegem ↔ P+R Linkeroever 39 min 13,7 km 29 (8) Albatros
6 P+R Luchtbal ↔ P+R Olympiade (Kruishof) 34 min k. A 25 (7) HermeLijn und Albatros, selten auch Stadslijner
7 Eilandje ↔ Mortsel (Gemeenteplein) 44 min 8,8 km 24 (0) 12 min HermeLijn
8 Astrid - P+R Wommelgem 16 min k. A 7 (2) 10 min Stadslijner, selten auch HermeLijn
9 P+R Linkeroever ↔ Silsburg 34 min 9,3 km 25 (6) Albatros oder HermeLijn
10 Wijnegem ↔ P+R Schoonselhof 52 min 14,5 km 33 (3) Stadslijner oder HermeLijn
11 Melkmarkt ↔ Berchem Station 19 min 4,8 km 10 (0)
12 Sportpaleis ↔ Central Station 13 min 6,2 km 8 (0) Stadslijner
15 P+R Linkeroever ↔ P+R Boechout 44 min 14,2 km 28 (6) Albatros oder HermeLijn
24 Havenhuis / Eilandje ↔ Silsburg 37 min k. A 15 (0) 12 min Stadslijner

Premetro

Antwerpen hatte zu Beginn der 1970er Jahre weitreichende Pläne zum Bau eines U-Bahn-Systems. Als erstes wurde ein U-Bahn-Tunnel zwischen den Haltestellen Groenplaats und Plantin mit den unterirdischen Bahnhöfen Meir, Opera und Diamant am 25. Mai 1975 eröffnet. Zunächst mussten Straßenbahnen in den Tunneln verkehren, später sollten Tunnel und Bahnhöfe wie in Brüssel für den Einsatz von Voll-U-Bahnen umgebaut werden. Diese Pläne für den U-Bahn-Betrieb wurden aufgegeben, aber es wurden weitere Straßenbahntunnel mit kleineren Bahnhöfen gebohrt. Die Tunnel unter der Turnhoutsebaan und der Kerkstraat aktuell von den Linien 8 und 10 genutzt. Später wurde der Tunnel von Diamant nach Schijnpoort und Sport gebaut und für die Straßenbahnlinien 3, 5 und 6 in Betrieb genommen.

Der große Durchbruch für den unterirdischen Schienenverkehr kam mit der Verlängerung des Tunnels unter der Schelde hindurch zum Stadtteil Linkeroever. Viele Besucher der Antwerpener Innenstadt parken ihre Autos auf großen Parkplätzen am linken Schelde-Ufer und fahren mit der Straßenbahn in die Innenstadt.

Ausbau

Bereits umgesetzte Maßnahmen

  • 2009 – 2012: Verlängerung nach Wijnegem: Im Jahr 2009 begannen die vorbereitenden Arbeiten an der Turnhoutsebaan (Deurne), um die Linien 5 und 10 gemeinsam nach Wijnegem zu verlängern. (Brabo I – am 14. April 2012 in Betrieb genommen)
  • 2010 – 2012: Verlängerung der Linie 15 nach Boechout. (Brabo I – am 13. August 2012 in Betrieb genommen, Endstelle ist eine Wendeschleife an der Ostecke der Kreuzung des Liersesteenweg mit dem Borsbeeksesteenweg)[1][2]
  • 2010 – 2012: Betriebshof Deurne (Anschluss an die Linie Deurne – Wijnegem) (Brabo I – am 14. April 2012 in Betrieb genommen)
  • 2013 – 2014: Inbetriebnahme der Reuzenpijp für die Linie 8 (Pegasus-Plan – am 18. April 2014 in Betrieb genommen)
  • 2013 – 2017: Führung der Linie 10 im neuen Tunnel gemeinsam mit der Linie 8 (Pegasus-Plan – am 18. April 2017 in Betrieb genommen)
  • 2019: Eröffnung der neuen Stichstrecke vom Rooseveltplein zum Havenhuis, bedient durch die Linien 1 und 24
  • 2022: Entfall der Wendeschleife Eksterlaar in Deurne

Routenplan 2030

Der Routenplan für das Jahr 2030 enthält jegliche geplante Ausbaumaßnahmen, die durch den vorherigen Masterplan Verkehr nicht realisiert wurden und grundlegend möglich sind. Zum Masterplan gehörten neben einer Reihe von Investitionen in Straßen- und Wasserstraßenbau von Antwerpen auch die Verlängerung und der Neubau von Straßenbahnstrecken:

  • 2012 – 2015: Straßenbahnlinie zur Grenze Ekeren und Straßenbahn auf das Eilandje und in der Brusselstraat (zwischen Bolivarplaats und Südbahnhof). Ausführung im Projekt Brabo II.
  • 2012 – 2015: Bau des Noorderleien, mit eigenem Gleiskörper. Ausführung im Projekt Brabo II.
  • 2013 – 2014: Strecke nach Beveren.[3] Die Ausführung wird mit dem Bau der N 70 kombiniert.
  • 2013 – 2014: Fertigstellung der gesamten Strecke Sint-Pietersvliet ↔ Havenhuis, so dass die Mitarbeiter des gerade fertiggestellten havenhuis mit der Bahn zur Arbeit fahren können (Realisierung vollendet)
  • Verlängerung der Linie 24 nach Hemiksem.
  • Verlängerung der Linie 15 nach Kontich.
  • Verlängerung der Linie 2 in den Norden von Linkeroever.
  • Weitere Verlängerung der Linien 5 und 10 zur Grenze Schilde.
  • Verlängerung der Linie 11 über Borsbeek nach Wommelgem.
  • Weitere Verlängerung der ehemaligen Linie 24 vom Schoonselhof nach Schelle.
  • Straßenbahnstrecke vom Bolivarplaats zum noch zu bauenden Stadtbezirk Nieuw-Zuid.
  • Verlängerung der Straßenbahnstrecke nach Ekeren weiter nach Leugenberg.

Fahrzeuge

Die Spurweite des Antwerpener Straßenbahnnetzes beträgt 1000 Millimeter (Meterspur) und die Fahrspannung 600 Volt. Das Netz ist für Einrichtungswagen ausgelegt: Es gibt keine Überleitstellen und auf den Tunnelstrecken keine Signale am Gegengleis. Bis zur Einführung der PCC-Wagen in den 1960er Jahren erfolgte die Stromzuführung über Rollenstromabnehmer. Danach wurde auf Scheren-Stromabnehmer umgestellt.

Zwischen 1960 und 1974 beschaffte die MIVA 165 vierachsige PCC-Wagen (verteilt über 5 Bestellungen) bei La Brugeoise et Nivelles (BN) in Brugge und bei ACEC in Charleroi. Ein Großteil dieser Bahnen wurde in den 1990er Jahren bei der Einführung der Hermelijn-Bahnen erneuert, um sie für den Einsatz auf Tunnelstrecken kompatibel zu machen. Dabei wurden neue Türen, ein Kupplungssystem, neue Sitze und eine Chopper-Steuerung eingebaut. Von der ältesten PCC-Serie wurden 20 verschrottet. Der allererste Wagen steht betriebsfähig im Vlaams Tram- en Autobusmuseum im Stadtteil Berchem. Die modernisierten PCC-Wagen sind nur noch selten im Einsatz (Stand Oktober 2025).[4]

Im November 2009 waren 229 Triebwagen im Einsatz, davon 155 PCC-Wagen und 74 HermeLijn-Wagen, die damals vor allem auf den Linien 2, 3, 5, 8, 11 und 15 eingesetzt werden. Diese Niederflurbahnen, die weitgehend baugleich mit den in Dresden eingesetzten Gelenktriebwagen NGT6DD sind, wurden seit 1999 von Bombardier im Werk Bautzen hergestellt. Auf den Linien 3, 5 und 15 verkehrt die neueste HermeLijn-Generation, die mit Hublift für Rollstuhlfahrer und automatischer Haltestellenansage ausgerüstet ist.

Ende 2011 wurden noch 13 Hermelijn-Bahnen geliefert, damit wurde die letzte Option aus dem Liefervertrag eingelöst. Inzwischen gibt es Pläne für eine weitere Erneuerung und Erweiterung des Fahrzeugparks. Es werden Bombardier Flexity 2 beschafft, da der Typ HermeLijn nicht mehr produziert wird. So kamen zwischen Juni 2015 und April 2018 insgesamt 62 Garnituren der als Albatros bezeichneten Fahrzeuge nach Antwerpen. Sie erhielten die Nummern 7301–7362. Dabei handelt es sich um 24 lange (7-teilig und 43 m lang) und 38 kurze (fünfteilig und 31,8 m lang) Straßenbahnen.[5] Neben dem Flexity 2 waren auch Urbos 3 von CAF, Avenio M von Siemens und Tango von Stadler angeboten worden.[6]

Die nächste Bestellung ging 2017 verbindlich an den Hersteller CAF, nachdem Einsprüche des unterlegenen Bieters Bombardier vom Staatsrat zurückgewiesen wurden. Von 146 bestellten Fahrzeugen des Typs Urbos 100X sind bis zu 66 (davon ursprünglich acht optional) für Antwerpen bestimmt. Von 2021 bis 2023 wurden 40 Einrichtungswagen (Nr. 7401 bis 7440) und von 2023 bis 2025 20 Zweirichtungswagen (Nr. 7441 bis 7460) ausgeliefert. Sie werden „Stadslijner“ genannt.[4]

In der Sommersaison setzt De Lijn manche Hermelijn zur Kusttram um, um der Nachfrage dort gerecht zu werden.[4]

Fahrzeugbestand für den Linienverkehr (Stand Oktober 2025)[4]
Typ Anzahl Auslieferung Nummern
PCC ca. 44 1966–1975 7061…7165
Hermelijn 84 1999–2007, 2012 7201–7284
Albatros (siebenteilig) 24 2015–2018 7301–7310, 7349–7362
Albatros (fünfteilig) 38 2015–2017 7311–7348
Stadslijner (Einrichtungswagen) 40 2021–2023 7401–7440
Stadslijner (Zweirichtungswagen) 20 2023–2025 7441–7460

Trivia

Straßenbahnen mit schwarzem Linienhintergrund und gelben Buchstaben fahren zu einem der Depots. Betriebshöfe gibt es im Bezirk Luchtbal (Punt aan de Lijn) im Norden der Stadt und in Hoboken (Zwaantjes). Ein neuer Betriebshof wurde am 14. April 2012 in Deurne in der Nähe der Haltestelle Ertbrugge in Betrieb genommen.

Wendeschleifen gibt es an allen Endstellen sowie unter dem Sportpaleis (im Premetro-Tunnel), am Hauptbahnhof (Astrid), am Koninklijkelaan in Berchem, am Leopoldplaats (Nationalbank), am Marnixplaats in Antwerpen-Süd, am Lambermontplaats (auch in Antwerpen Süd), am Südbahnhof (Montignystraat), an der Stenenbrug (Turnhoutsebaan am Anfang der E313), in Berchem Groenenhoek (Borsbeekbrug) und am Groenplaats. Zurzeit gibt es auch noch Wendeschleifen an den ehemaligen Endstellen der Linie 5 (Wim Saerensplein) und der Linie 10 (Schotensteenweg).

Commons: Trams in Antwerp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Informationstafel (Memento vom 30. Mai 2012 im Webarchiv archive.today)
  2. Gemeinde Mortsel, kommunaler Bebauungsplan Stadsplein (Memento vom 31. Juli 2013 im Internet Archive) (PDF; 3,3 MB)
  3. Rijdt tram dan toch tot aan Bevers treinstation. 27. Januar 2011, abgerufen am 2. Juli 2024 (flämisch).
  4. a b c d Robert Schwandl: Tram Atlas Westeuropa. Robert Schwandl Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-936573-81-7, S. 115 f.
  5. Antwerpen, Bombardier Flexity 2 — Fahrzeugliste. Abgerufen am 2. Juli 2024.
  6. Harry Hondius: Entwicklung der Nieder- und Mittelflur-Straßen- und Stadtbahnen. In: stadtverkehr. Nr. 1-2/2013. EK-Verlag, 2013, ISSN 0038-9013, S. 6 ff.