Stormé: The Lady of the Jewel Box
| Film | |
| Titel | Stormé: The Lady of the Jewel Box |
|---|---|
| Produktionsland | Vereinigte Staaten |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1987 |
| Länge | 21 Minuten |
| Produktionsunternehmen | Eye of The Storm Productions |
| Stab | |
| Regie | Michelle Parkerson |
| Drehbuch | Michelle Parkerson |
| Produktion | Michelle Parkerson |
| Kamera | Mike Boyer, Charles Mahorney |
| Schnitt | Michelle Parkerson |
| Besetzung | |
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Stormé: The Lady of the Jewel Box ist ein US-amerikanischer Dokumentarfilm aus dem Jahr 1987. Er handelt von Stormé DeLarverie, die darin selbst hauptsächlich über ihre 14-jährige Karriere als Dragking und Leiterin der erfolgreichen Jewel Box Revue redet. Neben ihr kommt unter anderem die Historikerin Joan Nestle zu Wort.
Die Idee zum Film stammt von der Regisseurin Michelle Parkerson, die seit ihrer Kindheit aufgrund eines mitgehörten Gesprächs über die Revue an dem Thema Interesse hatte. Die Dreharbeiten kamen trotz Fördermitteln beinahe aufgrund fehlenden finanziellen Mitteln nicht zustande. Parkerson versuchte deshalb, den Großteil des Budgets per Kreditkarte aufzubringen, womit sie Erfolg hatte.
Die Produktion wurde 1987 erstmals auf Filmfestivals veröffentlicht. Stormé: The Lady of the Jewel Box ist seitdem regelmäßig im Programm verschiedener kultureller Veranstaltungen inner- und außerhalb der USA. Rezensenten äußerten sich positiv über den Film, der als wichtiger Vertreter des New Black Cinema und New Queer Cinema gilt und aus demselben Grund gelegentlich Gegenstand film-, geschichts-, kultur- sowie sozialwissenschaftlicher Analysen ist.
Handlung
Der Film besteht zum Großteil aus Erzählungen der 65-jährigen Stormé DeLarverie über ihre Vergangenheit. Im Gegensatz dazu macht die Regisseurin nur sehr wenige Bemerkungen und tritt auch nicht vor die Kamera. Am Anfang ist DeLarverie während eines Spaziergangs durch ihre Heimatstadt New York zu sehen, während sie in einem Voiceover ihre künstlerischen Vorbilder (Count Basie, Joe Williams und Lambert, Hendricks & Ross) aufzählt. Anschließend berichtet sie von ihrer Karriere. Sie gehörte 1955 bis 1969 der Drag-Revue Jewel Box an, organisierte deren Vorstellungen im Apollo Theater und spielte die Conférencière. Ihre schwierige Kindheit in New Orleans bezeichnet sie als für ihre spätere Laufbahn förderlich, da sie dort als aus einer Mischehe entstandenes Kind auf sich allein gestellt gewesen sei und Diskriminierungen „elegant“ getrotzt habe.
Danach kommt es zu einem Treffen zwischen DeLarverie und dem ehemaligen Revuemitglied Robin Rogers. Er lobt ihre Führungsstärke, die er als Hauptgrund für den Erfolg der Jewel Box betrachtet. Anschließend reden die beiden über die Anproben der Kostüme und deren aufwendigen Accessoires. Am Ende ihrer Unterhaltung kommen sie zur Erkenntnis, wonach die Kostümbildner trotz ihrer großen Talents stets im Hintergrund blieben.
In der nächsten Sequenz kommt Bobby Schiffman zu Wort, der ehemalige Manager des Apollo Theater. Für ihn waren die Auftritte der Jewel Box höchst ungewöhnlich, da sie deutlich glamouröser als andere Shows in der Spielstätte ausfielen. Aufgrund dessen sowie der Familienfreundlichkeit des Programms seien viele Zuschauer mehrmals zu den Vorstellungen gekommen, die nicht nur bei der homosexuellen Gemeinschaft, sondern auch heterosexuellen Einheimischen beliebt waren. Hinter den Kulissen habe keine frivole, sondern eine geschäftstüchtige Atmosphäre geherrscht. Den Künstlern sei es sehr wichtig gewesen, so professionell wie möglich zu arbeiten, weswegen sie die Pausen statt für Partys zur Vorbereitung genutzt hätten.
DeLarverie erzählt, wie sie 1946 in Miami die Dragclubbesitzer Doc und Danny kennen lernte. Eines Tages baten sie sie, als Dragking einzuspringen. Aus ihrer zunächst vorgesehenen sechsmonatigen Einstellung entwickelte sich einige Zeit später die Jewel Box als Nachfolgerin von Docs und Dannys Show. DeLarverie habe in ihrer Rolle die Feminität der Draqueens mit Maskulinität ausgleichen müssen, sich aber in der Bühnenrolle nicht sonderlich verstellt. Vielmehr habe das Publikum mit Ausnahme der jüngsten Zuschauer in ihr bewusst einen Mann sehen wollen. Die Maskerade habe ihr weibliches Geschlecht nicht im Geringsten beeinflusst; die in Bezug auf sie verwendeten Anreden seien ihr aus demselben Grund gleichgültig.
Nächste Interviewpartnerin ist Joan Nestle, Leiterin der Lesbian Herstory Archives. Sie erläutert die Geschichte darstellender Künstlerinnen, die männliche Rollen inklusive Crossdressing übernahmen, darunter Gladys Bentley, Sarah Bernhardt, Charlotte Cushman, Marlene Dietrich und Katharine Hepburn. Bei weiblichem Crossdressing müsse jedoch zwischen Kunst und Wirklichkeit unterschieden werden. Im Gegensatz zu den ästhetischen Gründen der Schauspielerinnen hätten sich viele Frauen in der Vergangenheit zum Selbsterhalt als Männer ausgegeben, etwa um arbeiten oder offen mit ihren Partnerinnen zusammen sein zu können. Der Stil von Künstlerinnen wie DeLarverie mache das Potential des Spiels mit Geschlechterrollen für Forscher fassbarer. Laut Nestle sehe die Gesellschaft in Dragkings eine größere und mysteriösere Bedrohung als in Dragqueens, weil sie vorherrschende Mächte sowie Privilegien verspotteten und in gewisser Weise auch kopierten. Darin liege der Grund für ihre generelle Unsichtbarkeit.
Das nächste Gesprächsthema sind zwei verstorbene Freundinnen DeLarveries. Sie lernte Diane Arbus im Backstagebereich des Apollo Theater kennen und ließ sich bei mehreren Treffen von ihr fotografieren. Die Bilder verwendete sie für ein Zeitschriftenfeature über DeLarverie. Sie beschreibt Arbus als „wunderbare Frau“. Ihre zweite Freundin, die Dragqueen und weiteres Mitglied der Jewel Box Lynne Carter, starb 1985. Sie hatte DeLarverie über ihre schwere Erkrankung nicht informiert, weswegen sie noch kurz vor ihrem Tod ein gemeinsames Projekt planten. Carter sei nach den Worten DeLarveries nicht nur „dynamisch, herzlich und humorvoll“, sondern auch eine „fantastische“ Darstellerin und ihr Tod ein großer Verlust gewesen.
In den letzten Szenen spricht DeLarverie, während sie als Türsteherin für die Lesbenbar Cubbyhole arbeitet, über ihre zweite Karriere als Personenschützerin. Diese nahm ihren Anfang 1969 nach DeLarveries Ende in der Jewel Box. Sie habe den komplett anderen Berufszweig gewählt, da alle ihre Entscheidungen völlig und dauerhaft seien. DeLarverie habe sich im Gegensatz zu früher aber dennoch nicht wirklich verändert, was auch so bleiben solle, weil der Aufbau ihrer jetzigen Persönlichkeit sie viel Zeit gekostet und „seinen Preis gefordert“ habe. Der Film endet mit einem Clubauftritt DeLarveries, die in ihrem gewohnten Smoking mit Fliege There Will Never Be Another You singt. Anschließend behauptet sie, erst nach ihrem Tod „langsamer machen“ zu werden.
Produktion
Vorproduktion
Stormé: The Lady of the Jewel Box wurde von der unabhängigen Filmemacherin Michelle Parkerson gedreht. Sie erfuhr erstmals in ihrer Kindheit von DeLarverie, als sie zufällig ein Telefonat ihrer Mutter mitbekam, die von der Revue schwärmte. Nachdem sie Parkerson verbot, dem Gespräch weiter zuzuhören, interessierte sich diese seither für das Thema. Gut 20 Jahre später beschloss sie, es in einer Dokumentarproduktion zu verarbeiten. Parkerson empfand einerseits DeLarveries Vita als interessant, da es Anfang der 1980er Jahre nur wenig historisches Material über Dragkings allgemein und insbesondere nicht-weiße Frauen, die dieser Kunst nachgingen, gab.[1] Zudem wollte die Regisseurin, die einige Jahre vor Beginn der Dreharbeiten ihr öffentliches Coming-out hatte, anderen, insbesondere schwarzen Homosexuellen sowie Travestiekünstlern ein filmisches Denkmal setzen und die Geschichte dieser beiden Gruppen näher beleuchten.[2]
Obwohl Parkerson eine eigene Produktionsfirma und mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender PBS[1] sowie der Nonprofit-Organisation Corporation for Public Broadcasting (kurz CPB) zwei große Geldgeber hatte, scheiterte die Verwirklichung von Stormé: The Lady of the Jewel Box beinahe an der Finanzierung. Laut ihr lag das an der darin behandelten Travestie, die aufgrund der zum Drehzeitpunkt gesellschaftlich konservativen Stimmung in den USA einen schlechten Ruf hatte. Deswegen zeigte sie sich überrascht, überhaupt von der CPB unterstützt worden zu sein, die oft Werke finanziert habe, die den Ansichten der damaligen Regierung entsprachen.[2] Trotz einer lokalen Spendensammlung kam weiterhin nicht genug Geld zusammen, weswegen Parkerson zu einem ungewöhnlichen Mittel griff. Sie beschloss, den Großteil der fehlenden 120.000 Dollar mit einer gewöhnlichen Kreditkarte zu beschaffen. Diese Methode war für die Regisseurin unerwarteterweise problemlos möglich, weswegen im Abspann des Films Gott bei den Danksagungen als erstes genannt wird, der, wie sie in einem Gespräch mit The Washington Post erklärte, ihre „Gebete erhörte“.[3]
Dreharbeiten
Die mit knapp 20 Minuten sehr kurze Laufzeit des Films hatte mehrere Ursachen. Bewegtbildaufnahmen von Shows der Jewel Box existierten nicht; die Verwendung von Ausschnitten aus anderen Produktionen über Travestiekünstler, etwa La Cage aux Folles, gab das enge finanzielle Budget nicht her. Wegen letzterem sowie der von PBS festgesetzten Veröffentlichungsfrist musste Parkerson sieben Minuten an Filmmaterial herausschneiden (durch weitere Kürzungen hätte Stormé: The Lady of the Jewel Box nicht mehr die vom Sender vorgegebene Mindestlänge erreicht).[1] Die begrenzten finanziellen und zeitlichen Mittel hatten jedoch für Parkerson einen künstlerischen Vorteil. Sie konnte deshalb für die einzelnen Sequenzen keine Beleuchtung, sondern nur bereits vorhandenes Licht verwenden. So entstand eine in ihren Worten „interessante visuelle Spannung“, da die in den Nachtclubs und nächtlichen Straßen New Yorks spielenden Szenen durch ihre verschiedenfarbige Beleuchtung „theatralisch“ wirkten. Andere hingegen seien „strikt vérité“, beispielsweise die in einem Lagerhaus und einem Taxi gedrehten. Nach zwei Jahren konnte Parkerson ihre Arbeit am Film schließlich beenden.[4]
Veröffentlichung
Eine verkürzte Version der Produktion feierte ihre Premiere in der Sektion Panorama der Internationalen Filmfestspiele Berlin 1987.[5] Im selben Jahr war Stormé: The Lady of the Jewel Box Teil des Programms beim Frameline Filmfestival[6] und dem Filmfest der University of the District of Columbia.[3] Für den Vertrieb waren die auf von Frauen gedrehten und / oder Produktionen über queere Themen spezialisierten New Yorker Verleihe Third World Newsreel[7] und Women Make Movies verantwortlich.[8] In den folgenden Jahren folgten weitere Aufführungen auf Filmfestivals, darunter dem Outfest,[9] sowie auf einer Benefizveranstaltung in Boston zu Gunsten der Lesbian Herstory Archives, an der DeLarverie, Nestle und Parkerson teilnahmen.[10]
Ebenfalls 1987 erschien eine Setaufnahme, auf der DeLarverie in ihrer Wohnung im Chelsea Hotel Parkerson bei der Einstellung der Filmkamera zusieht, in der von der Fotografin Joan E. Biren zusammengestellten Bildersammlung Making a Way: Lesbians Out front.[11]
Seit den 2010er Jahren wird der Film regelmäßig innerhalb verschiedener Veranstaltungen gezeigt, oft mit den Schwerpunkten New Black Cinema beziehungsweise New Queer Cinema. Dazu gehörten Ausstellungen des Art Institute of Chicago,[12] Museum of Modern Art,[13] Museum of the City of New York[14] und Palais des Beaux-Arts de Lille;[15] Filmabende inner-[16] und außerhalb der USA;[17] Aufführungen in New Yorker Kulturzentren[18] und Programmkinos[19] sowie Vorstellungen in Spielstätten der Universitäten Harvard[20] und UCLA.[21] Weitere Anlässe waren eine Ehrung DeLarveries durch die LGBT-Organisation Brooklyn Pride, Inc im Juni 2012[22] sowie sieben Jahre darauf eine Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag von Stonewall.[23]
Stormé: The Lady of the Jewel Box wurde sowohl als VHS-Kassette als auch auf DVD veröffentlicht. Diese sind jedoch nicht für den kommerziellen Markt vorgesehen, sondern befinden sich im Bestand der New York Public Library[24] und von Women Make Movies.[25] 2021 sowie 2023 war die Produktion innerhalb einer Parkerson-Retrospektive[26] beziehungsweise einer von Jenni Olson mitkuratierten Filmreihe über queere Aspekte von Maskulinität für kurze Zeit beim Streamingdienst der The Criterion Collection abrufbar.[27]
Rezeption
Rezensionen
So Mayer bezeichnete die Produktion in einem Beitrag für Film Comment, einer Publikation der zum Lincoln Center gehörenden Organisation Film at Lincoln Center, als „grundlegenden“ Film des queeren Kinos.[28] Alison Natasi vom Kulturmagazin Flavorwire nahm Stormé: The Lady of the Jewel Box, den sie eine „intime“ Dokumentation nannte, in ihre Liste der 50 bedeutendsten feministischen Filme auf.[29] Chris Holmlund schrieb in einem Artikel der Jump Cut, dass die Produktion ein „wertvolles historisches Dokument“ darstelle. Auch in der Gegenwart und insbesondere zum Drehzeitpunkt hätten innerhalb öffentlicher Diskussionen über das binäre Geschlechtersystem vor allem Gespräche über Feminität, aber kaum Maskulinität stattgefunden, wobei besonders nicht-weiße Personen von dieser Diskrepanz betroffen gewesen seien.[30]
Laut Victoria A. Brownworth der lesbischen Zeitschrift Lesbians on the Loose handle es sich bei Stormé: The Lady of the Jewel Box um ein „Kleinod, in dem DeLarverie glänze“.[31] Hilton Als beschrieb den Film in The New Yorker als „liebevolles Porträt eines liebevollen menschlichen Phänomens“.[32] Für Tega Okiti von Sight & Sound unterstreiche Parkerson dank ihres von den Archivmaterialien und in-situ-Interviews verstärkten Fokus auf DeLarverie das große Spektrum schwarzer Weiblichkeit.[33]
Wissenschaftliche Rezeption
Der Film wurde in einigen von Dozenten verfassten Abhandlungen besprochen. Jacqueline Bobo sieht in ihm ein typisches Beispiel für von afroamerikanischen Regisseurinnen gedrehte biografische Dokumentationen, in denen die Lebensgeschichten der Personen vor und hinter der Kamera (teilweise) übereinstimmen. Diese Produktionen seien keine „distanzierten, voyeuristischen Untersuchungen“, sondern illustrierten viel mehr, wie die Regisseurinnen und Porträtierten gleichermaßen Hürden überwanden, um für ein schwarzes Publikum bedeutsame Kunst zu erschaffen.[34] Laut Gloria J. Gibson beseitige DeLarverie durch ihre Erklärungen ihrer Maskerade Mythen über Männlichkeit. Sie fechte durch die visuelle Verwandlung nicht nur das Konzept von Maskulinität an, sondern stelle auch dazugehörige, Männer privilegierende gesellschaftliche Auffassungen und Sitten in Frage. Der Film selbst bevorzuge anscheinend „autoritäre“ Vorstellungen von Männlichkeit, stelle sie aber gleichzeitig ironisch dar, um die „Willkürlichkeit sozialer Werteinschätzungen“ zu demonstrieren. Am Ende der Produktion stehe erneut das Thema Gender im Mittelpunkt, da sich DeLarverie mit ihrer Darbietung im Club „neu erfinde“ und Geschlechtskonzepte „symbolisch störe“. Diese Sequenz hinterfrage erneut Vorstellungen von Männlichkeit und akzeptiere sie gleichzeitig. Die Szene stelle auch Geschlechterunterschiede allgemein zur Debatte, da DeLarverie bei ihrem Auftritt Maskulinität und Feminität vereine. Obwohl weder sie noch Parkerson ihre sexuelle Orientierung direkt zur Sprache brächten, was aufgrund der offenen Homosexualität der Regisseurin paradox wirke, werde durch die Ausführungen Nestles sowie das hauptsächlich weibliche Publikum, dem DeLarverie ein Liebeslied vorträgt, lesbischer Subtext kommuniziert. Die Künstlerin weise damit altersdiskriminierende Stereotype zurück, spiele auf ihre lesbische Identität an und „übe Macht an ihrem filmischen Bild aus“.[35]
Karen Jaime vertritt die Ansicht, wonach Parkerson durch die Kombination von Fotografien und Filmmaterial eine umfassende visuelle sowie akustische Darstellung DeLarveries liefere. Die Produktion betone die „geschlechtsspezifische und ethnisierte“ Selbstdarstellung der Protagonistin außerhalb derer Bühnenauftritte. Durch die Erfassung von DeLarveries „Stolzieren“ beweise sie außerdem die Existenz bestimmter, in der Butch-Szene verbreiteter gestischer sowie geschlechtlicher Chiffres.[36] Nach Auffassung von Alexandra Juhasz steht der Film sinnbildlich für die Angewohnheit vieler schwarzer homosexueller Regisseurinnen, stetig zwischen Mainstream und Independent zu wechseln. Er sei zwar eine der ersten Dokumentationen über eine lesbische Afroamerikanerin gewesen, wirke aber im Vergleich zu Parkersons späteren Werken „traditionell“.[37] Mark A. Reid zählt Stormé: The Lady of the Jewel Box zu Produktionen, die Positionen des Womanism vertreten, einer afroamerikanischen feministischen Bewegung. Anhand des Porträts von DeLarverie werde schwarze homosexuelle Geschichte abgebildet, womit der Film nicht nur patriarchalische und heterosexistische Ansichten über afroamerikanische Frauen hinterfrage, sondern auch den Kampf gegen von Männern dominierten Wissens- und Machtformen inner- sowie außerhalb der schwarzen Gemeinschaft abbilde.[38]
Einfluss auf andere Künstlerinnen
Mehrere weibliche Kunstschaffende benannten Stormé: The Lady of the Jewel Box als Einfluss auf ihre eigenen Karrieren. Dazu gehörten die Filmemacherin und UCLA-Dozentin Zeinabu irene Davis,[39] die Regisseurin Cheryl Dunye[40] sowie die Konzeptkünstlerin Tiona Nekkia McClodden.[41]
Literatur
- Gloria J. Gibson: Michelle Parkerson Interview. Black Camera, Band 3, Ausgabe 1, Winter 1988, S. 5–8.
- Jewelle Gomez: Michelle Parkerson and Stormé DeLarverie: The Filmmaker Celebrates a Black Woman’s Courage. Gay Community News, Band 14, Ausgabe 43, 24. Mai 1987, S. 9–10.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c Gibson: Michelle Parkerson Interview. S. 6.
- ↑ a b Gomez: Michelle Parkerson and Stormé DeLarverie: The Filmmaker Celebrates a Black Woman’s Courage. S. 10.
- ↑ a b Rita Kempley: PRESENTING THE PROVOCATIVE. In: The Washington Post. 2. Mai 1987, abgerufen am 1. November 2025 (englisch).
- ↑ Gomez: Michelle Parkerson and Stormé DeLarverie: The Filmmaker Celebrates a Black Woman’s Courage. S. 9.
- ↑ Stormé: The Lady Of The Jewel Box. In: Berlinale.de. Abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ 11th – San Francisco International Lesbian & Gay Film Festival. In: Issuu. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Sophie Mayer: Beyond Stonewall: Screening Trans* Lives, Seeing Trans* Histories. In: Verso Books. 10. September 2015, abgerufen am 1. November 2025 (englisch).
- ↑ Patricia White: Killer Feminism. Swarthmore College, Swarthmore 2016, S. 41 (PDF).
- ↑ GAY & LESBIAN FILM/VIDEO FESTIVAL. LA Weekly, Ausgabe vom 14. Juli 1988, S. 90.
- ↑ Lucinda Zoe: WOMEN, SEX & CENSORSHIP AND OTHER SPECIAL EVENTS OF NOTE… LHA Newsletter, Ausgabe von Juni 1991, S. 12.
- ↑ Ariel Goldberg: Incomplete Messengers: Notes on Heavy Equipment. In: e-Flux Journal. Oktober 2018, abgerufen am 3. November 2025 (englisch).
- ↑ PARIS IS BURNING. In: Siskel Film Center. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ From the Archives: An interview with Lesbian Stonewall Veteran Stormé DeLarverie. In: AfterEllen. 5. Juni 2018, abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Past Event: Portraits of Pride: Stormé, Marsha, and Stonewall on Film. In: Museum of the City of New York. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Carte Blanche à “Our Story” – CINEMATEK. In: Heure Exquise. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ The Big Gay Read | Stormé: The Lady of the Jewel Box Screening & Director Q&A. In: Ann Arbor District Library. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Village Film Night – PIONEERS / Kurzfilm-Programm. In: We are village. Abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ Craig Hubert: Rewriting Film History with Two Decades of Black Women’s Cinema. In: Hyperallergic. 3. Februar 2017, abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch). Punks, Poets & Valley Girls: Women Filmmakers in 1980s America. In: Screen Slate. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch). Leslie, Max & Storme. In: Brooklyn Academy of Music. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch).
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- ↑ Evan Nicole Brown: Where To Celebrate Pride Month In NYC. In: Gothamist. 31. Mai 2019, abgerufen am 3. November 2025 (englisch).
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- ↑ Alison Nastasi: 50 Essential Feminist Films. In: Flavorwire. 18. Juli 2014, abgerufen am 3. November 2025 (englisch).
- ↑ Chris Holmlund: Transgender documentary subjects shaping “hirstory”. Jump Cut, Ausgabe 59, Herbst 2017.
- ↑ Victoria A. Brownworth: The Herstory Pride Archives. Lesbians on the Loose Magazine, Ausgabe 303, Juni 2015, S. 17.
- ↑ Hilton Als: A Pioneer of Gender Performance. In: The New Yorker. 26. Januar 2017, abgerufen am 3. November 2025 (englisch).
- ↑ Tega Okiti: INNER VISIONS. Sight & Sound, Band 27, Ausgabe 6, Juni 2017, S. 45.
- ↑ Jacqueline Bobo: Black Women Film and Video Artists. Taylor & Francis, London 2013, ISBN 978-1-135-22542-1, S. 9–10.
- ↑ Gloria J. Gibson: Identities Unmasked / Empowerment Unleashed: The Documentary Style of Michelle Parkerson, in: Diane Waldman, Janet Walker (Hrsg.): Feminism and Documentary (Visible Evidence, Band 5), University of Minnesota Press, Minneapolis 1999, ISBN 0-8166-3007-0, S. 146–152.
- ↑ Karen Jaime: “It Ain’t Easy Being Green”: Race and Time in Stormé DeLarverie’s Butch Swagger and Presence. QED: A Journal in GLBTQ Worldmaking, Band 10, Ausgabe 3, Herbst 2023, S. 259.
- ↑ Alexandra Juhasz: To Be Transparent: Seeing Directions and Connections in Black Lesbian Film, in: Alexandra Juhasz, Yvonne Welbon (Hrsg.): Sisters in the Life: A History of Out African American Lesbian Media-Making. Duke University Press, Durham 2018, ISBN 978-0-8223-7086-4, S. 16.
- ↑ Mark A. Reid: Dialogic Modes of Representing Africa(s): Womanist Film. Black American Literature Forum, Band 25, Ausgabe 2, Sommer 1991, S. 377.
- ↑ Gwendolyn Audrey Foster: Women Filmmakers of the African & Asian Diaspora: Decolonizing the Gaze, Locating Subjectivity. Southern Illinois University Press, Carbondale 1997, ISBN 0-8093-2120-3, S. 22.
- ↑ Brooke Marine: Director Cheryl Dunye Shares Her Film School Syllabus. In: W. 12. März 2021, abgerufen am 3. November 2025 (englisch).
- ↑ Maximilíano Durón: ‘To Know That There Were Lesbians Before Us Was So Immense’: Artists Joan E. Biren (JEB), Lola Flash, and Tiona Nekkia McClodden on Lesbian Visibility. In: Art news. 3. Juli 2019, abgerufen am 3. November 2025 (englisch).