Sto perigiali to kryfo
| Sto perigiali to kryfo | |
|---|---|
| Grigoris Bithikotsis | |
| Veröffentlichung | 1962 |
| Länge | 3:26 |
| Genre(s) | Rembetiko |
| Text | Giorgos Seferis |
| Musik | Mikis Theodorakis |
Sto perigiali to kryfo (griechisch Στο περιγιάλι το κρυφό ‚Am verborgenen Ufer‘) ist ein von Mikis Theodorakis vertontes griechisches Gedicht von Giorgos Seferis, das erstmals 1962 von Grigoris Bithikotsis als Lied aufgenommen wurde. Mit deutschem Text wurde die Melodie von Milva 1978 als Zusammenleben und von Hannes Wader 2012 unter dem Titel Um eine bess’re Welt zu schaffen veröffentlicht. Es ist auch unter dem Titel Arnisi (Άρνηση ‚Ablehnung‘) bekannt.
Hintergrund
Der Literaturnobelpreisträger Giorgos Seferis schrieb den Text zu diesem Lied 1924 und veröffentlichte ihn 1931. Er thematisiert das Exil, die Sehnsucht nach dem Mittelmeer sowie die Meinungs- und Lebensfreiheit. 1960 wurde es vom Komponisten Mikis Theodorakis vertont und zum ersten Mal 1962 von Grigoris Bithikotsis veröffentlicht.[1] Nach dem Obristenputsch, bei dem 1967 die griechische Regierung gestürzt wurde und die griechische Militärjunta von 1967 bis 1974 an die Macht kam, wurde das Lied verboten. Es wurde zur Hymne des Widerstands gegen das Regime. Bei Seferis’ Beerdigung säumte eine Menschenmenge die Straßen und sang dieses Lied.[2]
Inhalt
Das gesamte Gedicht ist aus einer Wir-Perspektive geschrieben. Der Inhalt der drei Strophen lässt sich folgendermaßen wiedergeben: 1. Am verborgenen Strand, weiß wie eine Taube, wurden wir mittags durstig, doch das Wasser war brackig. 2. Auf den hellgelben Sand schrieben wir den Namen von ihr, doch es kam eine Brise auf, die den Schriftzug wegblies. 3. Mit was für Herz und Atem, mit was für Sehnsüchten und Leidenschaft lebten wir unser Leben. Ein Irrtum! Und wir veränderten unser Leben.
Aufbau
Die drei Strophen mit je vier Versen haben einen klingendem umschließenden Reim (abba). Es gibt keinen Refrain, dafür werden jeweils die letzten beiden Verse wiederholt.
Das Versschema folgt einem Jambus, wobei in jeder Strophe anfangs ein Achtsilbler auftritt, gefolgt von einem Siebensilbler, Neunsilbler und Sechssilbler. Nach einer aufsteigenden Linie kommt es zu einem Absturz im vierten Vers. Die in der ersten Strophe ausgedrückte Erwartung und Sehnsucht wird von der Enttäuschung im vierten Vers beendet. Die zweite Strophe folgt einem ähnlichen Muster. In der dritten Strophe wird die individuelle Situation auf das menschliche Leben allgemein übertragen. Die Enttäuschung wird hier besonders stark ausgedrückt durch das als Einschub eingefügte Wort λάθος („Irrtum, Fehler“): Dieser Erkenntnis folgt die Änderung des eigenen Lebens (αλλάξαμε ζωή). Dietram Müller kritisiert die Vertonung von Mikis Theodorakis, da sie diesen starken Einschnitt „völlig unbeachtet“ lasse und „daher dem Inhalt nicht sehr angemessen“ sei.[3]
Musik
Das Lied im 4⁄4-Takt steht in C-Dur, wobei neben den anderen beiden Dur-Akkorden auch die Dominantparallele e-Moll verwendet wird. Die Dominante wird mit der Septime ergänzt. Die Melodie beginnt auf der Terz, die dreimal wiederholt wird. Anschließend führt sie bis zur Oktave und endet auf dem Grundton.
Aufnahmen
Das griechische Original nahm Grigoris Bithikotsis auf.[4] Außerdem gibt es zahlreiche Coverversionen, darunter eine A-cappella-Version von Trio Banana.[5] In anderen Sprachen ist das Lied unter anderem auch von folgenden Künstlern veröffentlicht worden:
- Milva veröffentlichte 1978 das von Thomas Woitkewitsch getextete Zusammenleben, ein emanzipatorisches Liebeslied (Du zeigst mir immer, dass es möglich ist, ganz Frau und trotzdem frei zu sein.)
- Hannes Wader sang das Lied unter dem Titel Um eine bess’re Welt zu schaffen 2012 als Bonustrack auf dem Album Nah dran[6] und nach Theodorakis’ Tod auf Noch hier – Was ich noch singen wollte (2022).
Weitere Versionen gibt es unter anderem auf Spanisch, Englisch, Schwedisch und Isländisch.[7]
Im fremdsprachlichen Griechischunterricht
Der Altphilologe Dietram Müller empfiehlt in seinem Artikel Neugriechisch für „Altgriechen“ von 1987 Seferis’ Gedicht als Unterrichtsmaterial für den Griechischunterricht an humanistischen Gymnasien in Deutschland, um den Griechisch-Schülern auch einen Bezug zum Neugriechischen zu ermöglichen. Er nutzt es als Textbeispiel für die Beschreibung des Wandels vom Alt- zum Neugriechischen und eine kurze Gedichtinterpretation.[3]
Quellen
Weblinks
- Sto Perigiali To Kryfo auf YouTube, gesungen von Maria Farantouri[Anmerkung 1]
- Άρνηση (Στο περιγιάλι το κρυφό) του Σεφέρη auf YouTube (Arnisi von Seferis), vorgetragen von Petros Fyssoun (Πέτρος Φυσσούν)
- Um eine bess’re Welt zu schaffen auf YouTube von Hannes Wader
Einzelnachweise
- ↑ greeksongs-greekmusic.com
- ↑ secondhandsongs.com
- ↑ a b Dietram Müller: Neugriechisch für „Altgriechen“. In: Das Humanistische Gymnasium, Band 94, C. Winter, Heidelberg 1987, S. 146–159, hier S. 152–155.
- ↑ Grigoris Bithikotsis
- ↑ A cappella
- ↑ Nah dran
- ↑ secondhandsongs.com
- ↑ Sto perigiáli to krifo
- ↑ Um eine bess’re Welt zu schaffen
- ↑ Zusammenleben mit Text im Kommentar
Anmerkungen
- ↑ In dieser sehr verbreiteten Version singt Maria Farantouri in der ersten Strophe „μικρό“ („klein“) statt „κρυφό“ („versteckt“) wie im Original von Seferis.