Stiftung Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik

Stiftung Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik
(SZH / CSPS)
Rechtsform Stiftung
Sitz Bern, Schweiz
Zweck Förderung, Entwicklung und Koordination der Heil- und Sonderpädagogik in der Schweiz
Website https://www.szh.ch/

Die Stiftung Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik (französisch Fondation Centre suisse de pédagogie spécialisée) fördert, entwickelt und koordiniert die Heilpädagogik und Sonderpädagogik in der Schweiz. Zu diesem Zweck führt die Stiftung das Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik (SZH). Als nationales Kompetenzzentrum für inklusive Bildung unterstützt das SZH Bund und Kantone in politischen, wissenschaftlichen und praktischen Fragen und schafft Grundlagen für eine inklusive und chancengerechte Bildungslandschaft.

Geschichte

Die Ursprünge des SZH liegen in der Schweizerischen Zentralstelle für Heilpädagogik, deren Entwicklung eng mit dem Ausbau der schweizerischen Sonderschullandschaft verbunden ist.[1]

Mit der Einführung der Invalidenversicherung im Jahr 1960 wurde das Recht auf Bildung für Kinder mit Behinderungen gesetzlich verankert. Dadurch entstanden Subventionen für spezialisierte Bildungsinstitutionen und ein differenziertes Ausbildungsangebot für heilpädagogisches Fachpersonal. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierten nur wenige Ausbildungsstätten; eine schweizweite Koordination war durch die föderalistische Struktur erschwert.[2]

1971 beschloss die Generalversammlung des Verbands der Heilpädagogischen Ausbildungsinstitute (VHpA) die Einrichtung einer nationalen Koordinationsstelle. Trotz Herausforderungen beim Aufbau – insbesondere der Finanzierung sowie der Einbindung von Kantonen und Bund – konnte die Schweizerische Zentralstelle für Heilpädagogik am 17. November 1973 offiziell eröffnet werden. 1975 wurde sie in einen eigenständigen Verein überführt.[3]

2008 erfolgte der Umzug von Luzern nach Bern im Zuge der Neugestaltung des Finanzausgleichs zwischen Bund und Kantonen (NFA). Seit dem 17. Januar 2009 ist die Stiftung Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik (SZH) Trägerin des Zentrums.

Aufgaben und Tätigkeitsfelder

Das SZH ist in den Bereichen Information, Dokumentation, Beratung, Vernetzung und Entwicklung von Lösungen für heil- und sonderpädagogische Fragestellungen tätig.[4] Die Stiftung begleitet Debatten über Separation, Integration und Inklusion und initiiert Prozesse zur Qualitätssicherung und Professionalisierung.

Zu den zentralen Aufgaben gehören:

  • Wissenschaftlich fundierte Beratung von Bund, Kantonen und Institutionen, u. a. zu rechtlichen und finanziellen Fragen sowie zur Entwicklung von Instrumenten wie dem Standardisierten Abklärungsverfahren (SAV).
  • Weiterentwicklung der Statistik der Sonderpädagogik und der Berufsbildung für Menschen mit besonderen Bedürfnissen.
  • Information und Dokumentation zu Berufen, Ausbildungen, Forschung und Praxis in der Heil- und Sonderpädagogik.
  • Organisation von Fachveranstaltungen, darunter das Schweizer Forum für inklusive Bildung und der seit 1999 alle zwei Jahre stattfindende Schweizer Kongress für Heilpädagogik.
  • Betrieb des Fachverlags Edition SZH/CSPS (seit 1974) sowie Herausgabe der Schweizerischen Zeitschrift für Heilpädagogik und der Revue suisse de pédagogie spécialisée; seit 2023 auch Open-Access-Publikationen.
  • Betrieb einschlägiger Literaturdatenbanken (u. a. über den Schweizerischen Dokumentenserver Bildung, edudoc.ch, und das deutsche Fachportal Pädagogik).
  • Vertretung der Schweiz bei der European Agency for Special Needs and Inclusive Education sowie im Internationalen Dialog Sonderpädagogik.
  • Koordination nationaler Netzwerke, u. a. Forschung Sonderpädagogik (in Kooperation mit der Schweizerischen Gesellschaft für Bildungsforschung, SGBF), Digitale Inklusion sowie Lernen mit Behinderung auf der Sekundarstufe II.
  • Entwicklung von Empfehlungen sowie digitalen, barrierefreien Lehrmitteln nach dem Universal Design for Learning (UDL)[5].

Organisation und Leitung

Die private Stiftung steht unter eidgenössischer Stiftungsaufsicht. Sie wird vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) gemäss Art. 74 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) gefördert und arbeitet eng mit der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) zusammen. Der Stiftungsrat setzt sich aus Vertretungen der EDK und weiteren Mitgliedern der öffentlichen Hand zusammen.

Die Finanzierung erfolgt durch Beiträge von Bund und Kantonen sowie durch Mandate und Dienstleistungen. Die operative Leitung liegt bei der Direktion.

Direktorinnen und Direktoren

  • Alois Bürli (1972–2001)
  • Peter Walther-Müller (2002–2004)
  • Beatrice Kronenberg (2004–2017)
  • Romain Lanners (seit 2017)

Sitz

Das SZH hat seit 2008 seinen Sitz im Haus der Kantone in Bern. Zuvor war es in Luzern beheimatet. Es beschäftigt rund fünfzehn Mitarbeitende und arbeitet zweisprachig (Deutsch und Französisch). Die Website bietet Informationen, Materialien sowie Zugang zu Datenbanken und Publikationen.

Ausblick

Historisch als Bindeglied zwischen Fachverbänden, Ausbildungsinstitutionen und Behörden positioniert, agiert das SZH heute als nationales Kompetenzzentrum. Es reagiert auf aktuelle Herausforderungen der Bildungslandschaft – insbesondere auf Heterogenität, berufliche Integration, Nachteilsausgleich und Digitalisierung.[6]

Literatur

  • Bürli, A.: 10 Jahre Schweizerische Zentralstelle für Heilpädagogik – 10 années Sécretariat suisse de pédagogie curative. Verlag der Schweizerischen Zentralstelle für Heilpädagogik, Luzern 1983, 104 S.
  • Bürli, A.: Die SZH – 20 Jahre im Dienste der Heilpädagogik = Le SPC – 20 ans au service de la pédagogie spécialisée. In: Bulletin SZH/SPC, 2/1992, S. 1–9.
  • Lanners, R.; Egloff, B.; Bürli, A.: 50 Jahre SZH. Edition SZH/CSPS, Bern 2023, 62 S.

Einzelnachweise

  1. Bürli 1983, S. 9–14.
  2. Lanners, Egloff & Bürli 2023, S. 7.
  3. Bürli 1983, S. 27–32.
  4. Lanners, Egloff & Bürli 2023, S. 32.
  5. Lanners, Egloff & Bürli 2023, S. 57.
  6. Lanners, Egloff & Bürli 2023, S. 56.