Stiftung Familienunternehmen
| Stiftung Familienunternehmen | |
|---|---|
| Rechtsform | gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts |
| Bestehen | 2002 |
| Stifter | Brun-Hagen Hennerkes |
| Sitz | München, Deutschland |
| Zweck | Förderung, Information, Bildung und Erziehung sowie der wissenschaftliche Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des Familienunternehmertums (laut Satzung)[1] |
| Vorsitz | Rainer Kirchdörfer, Ulrich Stoll |
| Geschäftsführung | Stefan Heidbreder, David Deißner |
| Mitarbeiterzahl | 21 (Stand 2024)[2] |
| Website | www.familienunternehmen.de |
| Stiftung Familienunternehmen und Politik | |
|---|---|
| Rechtsform | Stiftung des bürgerlichen Rechts |
| Bestehen | 2021 |
| Sitz | Stuttgart, Deutschland |
| Zweck | Lobbyismus[3] |
| Vorsitz | Rainer Kirchdörfer, Ulrich Stoll |
| Geschäftsführung | Stefan Heidbreder, David Deißner |
| Mitarbeiterzahl | 10 (Stand 2025)[4] |
| Website | www.familienunternehmen-politik.de |
Die Stiftung Familienunternehmen ist eine 2002 gegründete Lobbyorganisation[5][6][7]. Die Stiftung wird getragen von rund 600 großen Unternehmen, die sich unter maßgeblicher Kontrolle von Privatpersonen befinden (Familienunternehmen).
2021 wurde die rechtlich unabhängige Stiftung Stiftung Familienunternehmen und Politik (nicht gemeinnützig) ausgegründet. Die Stiftung Familienunternehmen wird als gemeinnützig anerkannte Stiftung weitergeführt.
Die Stiftung Familienunternehmen ist in Stuttgart eingetragen und hat ihren Hauptsitz in München.[8]
Geschichte
Gründung 2002 und erste Projekte
2002 gründete Brun-Hagen Hennerkes die Stiftung Familienunternehmen.[9][10][11]
Vor dem Hintergrund der Debatte um die Reform der Besteuerung von Erbschaften und Vermögen setzte sich die Stiftung Familienunternehmen gegen eine Erbschaftsteuer ein.[12][13][14] Die Wiedereinführung einer Vermögensteuer lehnte sie ab.[15][16] Das Thema ist ein zentraler Punkt ihrer Aktivitäten.[17][18]
Zu den ersten Projekten der Stiftung Familienunternehmen zählte ebenfalls eine Veranstaltungsreihe, in der man den Generationenwechsel als strukturelles Problem für familiengeführte Unternehmen darstellte.[19][20] Um die Bedingungen des Standorts Deutschland für Familienunternehmen zu verbessern, gab die Stiftung erste Studien beim Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und dem Bonner Institut für Mittelstandsforschung in Auftrag.[21][22] Sie befasste sich aber auch mit anderen Fragen, etwa der Kapitalrendite und Eigenkapitalquote börsennotierter Familienunternehmen sowie dem Einfluss der Unternehmerfamilien auf die Unternehmenskultur.[23][24][25]
2012 eröffnete die Stiftung Familienunternehmen am Pariser Platz in Berlin das „Haus des Familienunternehmens“.[26][27] Aufgrund der Nähe zum Bundestag und zur Bundesregierung rückte sie in den Fokus ihrer Kritiker.[28][29] Seit 2022 unterhält die Stiftung Familienunternehmen und Politik eine Repräsentanz in Brüssel.[30]
Gründung der Stiftung Familienunternehmen und Politik
Im Juni 2021 gab die Stiftung Familienunternehmen die Gründung der „Stiftung Familienunternehmen und Politik“ bekannt.[31] Diese ist nicht gemeinnützig und übernimmt die Funktion des Lobbyismus sowie den Sitz im „Haus des Familienunternehmens“. Der Zweck dieser Lobbyorganisation ist satzungsgemäß die Förderung des Familienunternehmertums, die Bildung von Netzwerken und der Diskurs politischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Themen, soweit diese das Familienunternehmertum nachhaltig beeinflussen.[32] Die „Stiftung Familienunternehmen und Politik“ nimmt an Sachverständigenanhörungen im Deutschen Bundestag teil. Sie hat zehn Mitarbeiter (Stand April 2025).[33] Die Vorsitzenden beider Stiftungen sind identisch.[34][35]
Mit der Gründung reagierte die Stiftung Familienunternehmen auf das Urteil des Bundesfinanzhofs aus dem Jahr 2019, in dem Netzwerk Attac Deutschland die Gemeinnützigkeit abgesprochen wurde. Das Handelsblatt sah die Aufteilung als „einen geschickten Schachzug, um sich stärker politisch engagieren zu können“.[36]
Die „Stiftung Familienunternehmen und Politik“ ist im Lobbyregister[37] und im Transparenzregister der EU eingetragen.[38]
Senkung von Unternehmenssteuern, Abschaffung der Wegzugsbesteuerung
2021 forderte die Stiftung Familienunternehmen vor dem Hintergrund der Bundestagswahl 2021 und der COVID-19-Pandemie Steuersenkungen. Das Handelsblatt merkte dazu an, dass der Effekt von Steuersenkungen auf Investitionen unter Ökonomen umstritten und in Studien unklar sei; ein Race to the bottom sei außerdem die Folge.[39]
2022 gab die Organisation als Teil einer Kampagne gegen die Wegzugsbesteuerung eine Studie in Auftrag. Diese würde „radikal in das Schicksal von Familien eingreif[en]“.[40]
2024 erarbeitete und veröffentlichte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen eine Studie mit dem Titel „Standortfaktor Körperschaftsteuer“. Ziel der Studie war es laut Handelsblatt „massiv den Druck auf die Bundesregierung“ aufzubauen, um während der Konjunkturschwäche die Steuern für Unternehmen zu senken.[41] Ein Steuersenkungspaket über 46 Milliarden Euro für Unternehmen wurde 2025 beschlossen.[42]
Stiftungsstruktur
Struktur und Organisation
Die Stiftung Familienunternehmen ist eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts. Sie wurde nach den Vorschriften des Stiftungsgesetzes für Baden-Württemberg errichtet. Ihr Zweck erstreckt sich laut Satzung auf die „Förderung, Information, Bildung und Erziehung“ sowie auf den „wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des Familienunternehmertums in Europa“, etwa durch Maßnahmen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Die Stiftung verfolgt steuerbegünstigte Zwecke im Sinne der Abgabenordnung.[43]
Der Vorstand hat die Stellung eines gesetzlichen Vertreters und besteht aus mindestens zwei und maximal vier Mitgliedern. Ihre Amtszeit beträgt fünf Jahre.
Das Kuratorium überwacht die Arbeit der Stiftung. Es hat mindestens fünf Mitglieder, deren Amtszeit ebenfalls fünf Jahre beträgt. Das Kuratorium erweitert sich selbst durch Zuwahl. Im Juni 2024 bestand es aus 57 Personen. Mehr als zwei Drittel der Mitglieder vertreten Großunternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Auch Vermögensverwalter sind vertreten.[44]
Das Kuratorium der Stiftung Familienunternehmen wird durch einen wissenschaftlichen Beirat ergänzt.
Netzwerk der Stiftung Familienunternehmen und Finanzierung
Die Stiftung Familienunternehmen wird von rund 600 Firmen aus dem Kreis größerer Familienunternehmen getragen bzw. finanziert.[45] Nach eigenen Angaben gibt es keine Einzelspenden, die mehr als zehn Prozent der gesamten Jahreseinnahmen ausmachen.[46][47] Laut Recherchen von Greenpeace erhebt die Stiftung von ihren Förderern jährliche Beiträge ab rund 13 000 Euro; die Schwesterorganisation Stiftung Familienunternehmen und Politik (SFUP) schließt mit Unternehmen Dienstleistungsverträge in ähnlicher Höhe ab.[48]
Im September 2025 veröffentlichte das ARD-Magazin Panorama erstmals eine Liste bedeutender Förderer der Stiftung. Danach zählen u. a. die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland), Bertelsmann, Würth, Rossmann und Deichmann zu den Unterstützern. Von 123 identifizierten Förderern hatten lediglich zwei einen Jahresumsatz unter 50 Millionen Euro; 98 Prozent sind demnach Großunternehmen.[49]
Laut einer parallel veröffentlichten Netzwerkanalyse der Umweltorganisation Greenpeace sind 258 Unternehmen dem Netzwerk zuzuordnen, von denen 98 Prozent mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz erzielen; über 60 Prozent erwirtschaften mehr als 500 Millionen Euro und über 40 Prozent mehr als eine Milliarde Euro. Mindestens 82 der zugeordneten Eigentümerfamilien gelten als Milliardärsdynastien.[50]
Kritik und Kontroversen
Der Politikwissenschaftler Dieter Plehwe (Wissenschaftszentrum Berlin) bezeichnete die fehlende Offenlegung der kompletten Fördererliste als „Verschleierung“ und forderte größere Transparenz.[49]
Der Schwerpunkt des erweiterten Netzwerkes der Stiftung liegt auf Branchen mit besonders hoher Klimabelastung.[49][50] Die gleiche Studie weist darauf hin, dass rund 90 Prozent der identifizierten Unternehmen besonders emissionsintensiven Branchen angehören und 67 Prozent als „äußerst klimaschädlich“ bewertet werden.[48]
In einer Pressemitteilung wiesen die Stiftungen von sich, dass sie „allein Interessen von ‚Superreichen‘“ vertreten würden. Der Begriff sei ein „Kampfbegriff“, der den „volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beitrag von mittleren und großen Familienunternehmen“, von denen viele hinter deren Stiftungen stehen würden, diskreditiere.[51]
Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit
Politische Einflussnahme, Parteispenden
Die Stiftung setzt sich in verschiedensten Projekten mit der Bedeutung und den Interessen von Familienunternehmen auseinander, also Unternehmen, die maßgeblich von einer Eigentümerfamilie oder einem Familienverbund kontrolliert werden. Hierfür pflegt sie den Kontakt zu Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien, etwa auf Veranstaltungen und Kongressen.[52]
Nach Angaben von Greenpeace flossen aus dem Umfeld der Stiftung zwischen 2021 und 2025 mindestens 4,5 Millionen Euro an deutsche Parteien, davon rund drei Viertel an CDU/CSU, weitere größere Summen an FDP, Bündnis 90/Die Grünen und SPD.[48]
Die Organisation distanziert sich von der AfD und von Die Linke. Beide Parteien betrachtet sie als „extrem“; die jeweilige „Wertebasis“ würde in weiten Teilen nicht zu den Mitgliedsunternehmen passen.[53]
Finanzielle Aufwendungen für Lobbyarbeit
Gemäß dem Lobbyregister des Deutschen Bundestags betrugen die finanziellen Aufwendungen der Stiftung Familienunternehmen und Politik für das Lobbying im Geschäftsjahr 2022 rund 1,8 Millionen Euro.[54] Im September 2025 dokumentierte Greenpeace, dass die „Stiftung Familienunternehmen und Politik“ in den Jahren 2022 bis 2024 mehr als 6,2 Millionen Euro für Lobbyarbeit in Deutschland sowie über 1 Million Euro auf EU-Ebene aufwendete und damit zu den finanzstärksten ein Prozent der im Lobbyregister erfassten Organisationen zählt.[48]
Studien
Die Stiftung vergibt regelmäßig Studienaufträge an einzelne Wissenschaftler oder Forschungsinstitute, die sich u. a. mit gesellschaftlichen, steuerrechtlichen und volkswirtschaftlichen Fragestellungen befassen sollen. Die Ergebnisse der Studien dienen auch dazu, als Instrumente des Lobbying gegenüber Politik und Öffentlichkeit zur gezielten Diskurslenkung eingesetzt zu werden.[55]
Medien- und Journalistennetzwerke
Zur weiteren Verbreitung ihrer Anliegen betätigt sich die Stiftung auch in der Ausbildung von Journalisten.[5] Greenpeace berichtet außerdem von langfristigen Kontakten der Stiftung zu Journalistenschulen, darunter die Axel-Springer- und die Deutsche Journalistenschule, um den Begriff „Familienunternehmen“ im öffentlichen Diskurs zu stärken.[48]
Außerdem unterstützt die Stiftung Einrichtungen wie das Wittener Institut für Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke, das Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen an der Zeppelin Universität, die Forschungsstelle für Familienunternehmen an der Universität Bayreuth, das Institut für Familienunternehmen Ostwestfalen-Lippe an der Universität Bielefeld sowie das Corvinus Center of Family Business an der Corvinus-Universität Budapest. Die Stiftung ist Mitgründerin des Corvinus Center of Family Business.[56] Ferner fördert die Stiftung Dissertationen und Habilitationen.[57]
Tag des Familienunternehmens
Die Stiftung lädt jährlich zum „Tag des Familienunternehmens“. 2025 fand die Veranstaltung im Berliner Hotel Adlon statt, u. a. mit einem Auftritt der CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche.[49]
Rezeption
Medienberichte
2017 berichtete das Online-Magazin Krautreporter über die gezielte Beeinflussung von Politikern durch die Stiftung Familienunternehmen im Rahmen der Novellierung des Erbschaftssteuerrechts. Die Stiftung konnte die mutmaßliche Gefährdung von Arbeitsplätzen durch die Erbschaftssteuer auf Rückfrage nicht konkret belegen.[58] Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Binding erklärte 2025, der „größte Erfolg der Stiftung“ sei es gewesen, „ein transparentes, faires Erbschaftsteuerrecht zu verhindern“. Dabei spielte die sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung eine zentrale Rolle, die es ermöglicht, auch sehr große Erbschaften von über 26 Millionen Euro weitgehend steuerfrei zu übertragen.[49]
2026 warf der Ökonom Patrick Kaczmarczyk im Wirtschaftsmagazin Surplus der Stiftung Familienunternehmen vor, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Besteuerung von Erbschaften zu ignorieren: Eine Übersichtsarbeit[59] der Wirtschaftswissenschaftlerin Margit Schratzenstaller über mehr als 50 empirische Studien habe gezeigt, dass Erbschaftssteuern „überwiegend moderat[e] und stark kontextabhängig[e]“ Effekte haben. Insbesondere sehr vermögende und ältere Erblasser würden zwar mit „Steuerplanung sowie Ausweich- und Vermeidungsstrategien“ auf Erbschaftssteuern reagieren, nicht aber mit „reale[n] ökonomische[n] Entscheidungen wie beispielsweise geringere Investitionen, weniger Unternehmensgründungen oder reduzierte Vermögensbildung“. Quantitativen Simulationen kämen zu ähnlichen Ergebnissen. Einbußen für das Wirtschaftswachstum, wie von der Stiftung Familienunternehmen dargestellt, seien nicht zu erwarten. Die Debatte würde von Seiten der Lobby mit der „üblichen Aggressivität und Emotionalität geführt, die die Bevölkerung einschüchtern und verängstigen soll“, es gehe „um die Durchsetzung von Interessen der Überreichen“.[60]
Kritik am „Länderindex Familienunternehmen“
Mehrere Medien und Fachleute bewerten den von der Stiftung seit 2005 veröffentlichten „Länderindex Familienunternehmen“ kritisch. Das Ranking untersucht die Standortbedingungen für große Familienunternehmen, gewichtet dabei jedoch den Faktor „Steuern“ mit 20 Prozent, wovon wiederum 30 Prozent auf die Erbschaftsteuer entfallen. Steuerwissenschaftler Sebastian Eichfelder (Universität Magdeburg) sieht darin eine „massive Übergewichtung“, da in internationalen Wettbewerbsrankings Steuern nur einen geringen Anteil der Bewertung ausmachen. Auch andere Forscher verweisen auf erhebliche Abweichungen zu Indizes wie dem Global Competitiveness Index oder dem IMD World Competitiveness Yearbook. Politiker wie Bundesfinanzminister Christian Lindner zitierten den Länderindex wiederholt[61], um wirtschaftspolitische Reformen und niedrigere Steuerbelastungen zu fordern. Vorstandsmitglied Ulrich Stoll[62] erklärte bei der Vorstellung der Studie 2025, man sage allen Parteien „klipp und klar“, dass eine Senkung der Steuerbelastung notwendig sei und eine höhere Erbschaft- oder Vermögensteuer die Rezession verschärfen würde.[63]
Einschätzungen von NGOs
Ähnlich kritisch äußerte sich der gemeinnützige Verein Lobbycontrol im Jahr 2016. Er beanstandete unter anderem die Zusammensetzung des Kuratoriums, in dem kaum Vertreter mittelständischer Unternehmen sitzen. Lobbycontrol bezeichnete die Stiftung als intransparent, da sie weder einen Jahresbericht noch die Finanzierungsquellen oder andere Angaben zu ihrem Budget veröffentlicht.[47][64] Recherchen von Panorama kritisieren einen „Etikettenschwindel“: Obwohl die Stiftung öffentlich die gesamte Breite der Familienunternehmen betone, werde sie nahezu ausschließlich von Großkonzernen und sehr vermögenden Familien getragen.[49]
Das Netzwerk Steuergerechtigkeit, die Organisationen Bürgerbewegung Finanzwende und taxmenow – Initiative für Steuergerechtigkeit e. V. demonstrierten vor dem Haus des Familienunternehmens, da sich in Deutschland die „Steuerpolitik immer an den Interessen der Besserverdienenden“ ausrichten würde und die Stiftung Familienunternehmen und Politik zentraler Akteur bei „eine[r] der härtesten Lobbyschlachten der Republik“ zugunsten der Superreichen in Deutschland sei. Neben den Privilegien bei der Erbschaftssteuer thematisierte das Bündnis u. a. auch die Steuerfreiheit der „substanzlosen Holdings von vermögenden Familien“, die Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer, ein Gesetz aus dem Jahr 1935, wonach Mieteinnahmen von der Gewerbesteuer befreit seien und die Möglichkeit Vermögender Steueroasen zu nutzen. Insbesondere eine Erbschaftssteuer hätte „noch kein Familienunternehmen gekillt“.[65]
Politische Einordnung
2015 stellte Lisa Paus (Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen) die Gemeinnützigkeit der Stiftung Familienunternehmen in Frage. Die Stuttgarter Nachrichten zitierten sie mit der Vermutung, „individuelle materielle Vorteile“ der Inhaberfamilien würden die Zwecke der Stiftung bestimmen. An gleicher Stelle kam auch Lothar Binding (SPD-Bundestagsfraktion) zu Wort, der die Aktivitäten der Stiftung als „beinharten Lobbyismus“ bezeichnete.[66]
2017 thematisierte die Bundestagsfraktion Die Linke in einer kleinen Anfrage den politischen Einfluss der Stiftung Familienunternehmen, etwa durch Kongresse, Vorträge und andere Veranstaltungen. Anlass waren Diskussionen um die Einführung einer Vermögensteuer und die Reform der Erbschaftssteuer.[67] Die Bundesregierung antwortete, das Bundesministerium der Finanzen stehe „grundsätzlich mit allen Vertretern aus dem (finanz-) politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Bereich im Austausch“.[68]
Publikationen
- Länderindex Familienunternehmen. Stiftung Familienunternehmen, ISSN 2566-8544 (seit 2006).
- Deutschlands nächste Unternehmergeneration. Stiftung Familienunternehmen, München, DNB 1027875459 (seit 2011).
- Jahresmonitor der Stiftung Familienunternehmen. Stiftung Familienunternehmen, München (seit 2017).
Weblinks
- Website der Stiftung Familienunternehmen
- Stiftung Familienunternehmen in der Lobbypedia von Lobbycontrol
- Die Herrschaft der Superreichen, Artikel von Harald Schumann in Blätter für deutsche und internationale Politik, 2016.
Einzelnachweise
- ↑ Satzung - Stiftung Familienunternehmen. Abgerufen am 15. Mai 2024.
- ↑ Menschen - Stiftung Familienunternehmen. Abgerufen am 15. Mai 2024.
- ↑ Die Satzung der Stiftung Familienunternehmen und Politik. Abgerufen am 15. Mai 2024.
- ↑ Das Team der Stiftung Familienunternehmen und Politik. Abgerufen am 15. Mai 2024.
- ↑ a b Politische Kommunikation deutscher Familienunternehmen. 2014, S. 80 ff., doi:10.1007/978-3-658-04049-9.
- ↑ Milliardenvermögen in Deutschland. (PDF) Hans-Böckler-Stiftung, 11. Dezember 2023, S. 9, abgerufen am 20. Juni 2024.
- ↑ deutschlandfunkkultur.de: Familienunternehmen - Der entzauberte Mythos. Abgerufen am 20. Juni 2024.
- ↑ Impressum. Stiftung Familienunternehmen, abgerufen am 10. Februar 2020.
- ↑ Anja Müller: Brun-Hagen Hennerkes: Der Lautsprecher der Familienunternehmen. In: Handelsblatt. 22. Juni 2017, abgerufen am 10. April 2019.
- ↑ Jörg Eigendorf: Der Netzwerker. Brun-Hagen Hennerkes hat den Familienunternehmen in Deutschland ein Gesicht gegeben. In: Die Welt. 2. Oktober 2009, S. 12.
- ↑ Handelsblatt. Abgerufen am 15. Mai 2024.
- ↑ Bernd Hops: Familienfirmen fühlen sich benachteiligt. Unternehmen: Aktuelle Steuerdebatte geht an den Problemen vorbei. In: Der Tagesspiegel. 1. März 2005, S. 15 (tagesspiegel.de [abgerufen am 22. Juni 2020]).
- ↑ Wirtschaft rügt Erbschaftsteuerreform. In: Financial Times Deutschland. 20. April 2006 (genios.de [abgerufen am 22. Juni 2020] Abruf über GBI-Genios).
- ↑ Sven Afhüppe, Bert Fröndhoff: Schwieriges Erbe. In: Handelsblatt. 1. Februar 2007, S. 2 (handelsblatt.com [abgerufen am 22. Juni 2020]).
- ↑ Carsten Dierig, Olaf Gersemann: Wirtschaft wettert gegen Reichensteuer. In: Welt am Sonntag. 19. April 2009, S. 1.
- ↑ Marc Beise: Vermögensteuer als Gift. In: Süddeutsche Zeitung. 29. Mai 2017, abgerufen am 21. April 2020.
- ↑ Andrea Frühauf: Ungleiche Steuerlast. In: Neue Westfälische. 3. März 2016.
- ↑ Carsten Knop: Familienunternehmen zahlen mehr. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. März 2016.
- ↑ Birgit Gehrmann: Wenn es im Familienbetrieb heiß hergeht. In: Handelsblatt. 12. September 2005, S. 4.
- ↑ Daniel Mohr: Angst vor dem Generationswechsel. In: Der Tagesspiegel. 2. Oktober 2005, S. 26.
- ↑ Deutschland nicht ideal für Familienunternehmen. In: Bonner General-Anzeiger. 30. März 2006, S. 22.
- ↑ Joachim Weber: Im Ausland geht es vielen Familienunternehmen besser. In: Handelsblatt. 4. April 2006, S. 21.
- ↑ Elisabeth Dostert: Studie: Familienunternehmen wirtschaften erfolgreicher. In: Süddeutsche Zeitung. 26. August 2019, abgerufen am 15. April 2020.
- ↑ Jens Castner: Marktbericht: Die Börse ignoriert Unternehmertugenden. In: finanzen.net. 23. Oktober 2009, abgerufen am 15. April 2020.
- ↑ Wolfgang Gillmann: Studie: Familienunternehmen zeigen sich stark. In: Handelsblatt. 20. Oktober 2009, abgerufen am 15. April 2020.
- ↑ Haus des Familienunternehmens. Stiftung Familienunternehmen, abgerufen am 18. Juni 2020.
- ↑ Stiftung Familienunternehmen positioniert sich in Regierungsnähe. Stiftung Aktive Bürgerschaft, März 2012, abgerufen am 10. April 2019.
- ↑ Reich, mächtig, im Zentrum der Hauptstadt – die Lobby der superreichen Firmenerben. Campact, 2. August 2016, abgerufen am 10. April 2019.
- ↑ Rico Grimm: Wie reiche Familien die Erbschaftsdebatte manipulieren. Krautreporter, 21. September 2017, abgerufen am 10. April 2019.
- ↑ Stiftung Familienunternehmen und Politik: Repräsentanz Brüssel. In: Stiftung Familienunternehmen und Politik. Stiftung Familienunternehmen und Politik, 1. Januar 2022, abgerufen am 19. Juni 2024.
- ↑ Heike Anger: „Es soll keine Grauzone geben“: Warum sich Organisationen neu aufstellen. In: Handelsblatt. Handelsblatt, 8. Juni 2021, abgerufen am 4. August 2021.
- ↑ Stiftung Familienunternehmen und Politik: Satzung der Stiftung Familienunternehmen und Politik. In: www.familienunternehmen-politik.de. Stiftung Familienunternehmen und Politik, abgerufen am 31. Januar 2022.
- ↑ Stiftung Familienunternehmen und Politik: Team der Stiftung Familienunternehmen und Politik. In: www.familienunternehmen-politik.de. Stiftung Familienunternehmen und Politik, abgerufen am 31. Januar 2022.
- ↑ Stiftung Familienunternehmen und Politik: Vorstand und Geschäftsführung der Stiftung Familienunternehmen und Politik. In: www.familienunternehmen-politik.de. Stiftung Familienunternehmen und Politik, abgerufen am 31. Januar 2022.
- ↑ Stiftung Familienunternehmen: Vorstand und Geschäftsführung der Stiftung Familienunternehmen. In: www.familienunternehmen.de. Stiftung Familienunternehmen, abgerufen am 31. Januar 2022.
- ↑ Gemeinnützigkeitsrecht: „Es soll keine Grauzone geben“: Warum sich Organisationen neu aufstellen. In: Handelsblatt. Abgerufen am 19. Juni 2024.
- ↑ Lobbyregistereintrag "Stiftung Familienunternehmen und Politik". Abgerufen am 24. Juni 2024.
- ↑ Stiftung Familienunternehmen und Politik | lobbyfacts. Abgerufen am 24. Juni 2024.
- ↑ Was eine Senkung der Unternehmenssteuern wirklich bringen würde. In: Handelsblatt. Abgerufen am 27. November 2025.
- ↑ Ex-Millionär: Familienunternehmen planen Deutschland bei den Steuern „schamlos“ auszutricksen. 1. Dezember 2025, abgerufen am 4. Dezember 2025.
- ↑ Körperschaftsteuer: Wie niedrigere Steuern zu höheren Investitionen führen. In: Handelsblatt. Abgerufen am 27. November 2025.
- ↑ Jona Spreter, dpa: Steuerpaket: Bundesregierung beschließt Steuerentlastungspaket für Unternehmen. In: Die Zeit. 4. Juni 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 27. November 2025]).
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- ↑ Xenia Miller: Christian Lindner vertritt die Interessen der Superreichen – jetzt auch offiziell. In: Surplus. 24. Oktober 2025, abgerufen am 26. Oktober 2025.
- ↑ Anja Müller: Familienunternehmer-Tag: Banger Blick in die Welt. In: Handelsblatt. 25. Juni 2017, abgerufen am 10. April 2019.
- ↑ Corinna Emundts: Überdenken Unternehmen ihren AfD-Kurs? In: tagesschau.de. Abgerufen am 4. Dezember 2025.
- ↑ Lobbyregistereintrag "Stiftung Familienunternehmen und Politik". Abgerufen am 3. November 2023.
- ↑ sfu-recherche | Greenpeace. 25. September 2025, abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ WU (Vienna University of Economics and Business). Archiviert vom am 12. Oktober 2025; abgerufen am 15. Januar 2026 (britisches Englisch).
- ↑ Wissenschaftliche Arbeit und Förderung. Stiftung Familienunternehmen, abgerufen am 5. März 2020.
- ↑ Wie reiche Familien die Erbschaftsdebatte manipulieren. Krautreporter, 21. September 2017, abgerufen am 24. September 2017.
- ↑ Margit Schratzenstaller: Behavioral responses to inheritance taxation – A review of the empirical literature. In: Economic Analysis and Policy. Band 85, 1. März 2025, ISSN 0313-5926, S. 238–260, doi:10.1016/j.eap.2024.11.026 (sciencedirect.com [abgerufen am 14. Januar 2026]).
- ↑ Patrick Kaczmarczyk: Erbschaftsteuer: Wirtschaftslobby setzt auf Ideologie statt Empirie. In: Surplus. 14. Januar 2026, abgerufen am 14. Januar 2026.
- ↑ Christian Dürr, Dr. Florian Toncar, Frank Schäffler, Bettina Stark-Watzinger, Markus Herbrand, Katja Hessel, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Christine Aschenberg-Dugnus, Nicole Bauer, Jens Beeck, Nicola Beer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Carl-Julius Cronenberg, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Thomas Hacker, Katrin Helling-Plahr, Torsten Herbst, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Gyde Jensen, Dr. Christian Jung, Thomas L. Kemmerich, Karsten Klein, Pascal Kober, Carina Konrad, Alexander Kulitz, Alexander Graf Lambsdorff, Ulrich Lechte, Till Mansmann, Dr. Martin Neumann, Frank Sitta, Benjamin Strasser, Katja Suding, Michael Theurer, Stephan Thomae, Katharina Willkomm derFraktion der FDP: Kleine Anfrage. (PDF) In: Drucksache 19/7339. Bundestag.de, 24. Januar 2019, abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ Dr. Ulrich Stoll. Abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ David Böcking: Stiftung Familienunternehmen: Wie sie den Standort Deutschland schlechter rechnet. In: Der Spiegel. 20. Januar 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 26. September 2025]).
- ↑ Lobbyorganisation: Gemeiner Nutzen. In: Stuttgarter Nachrichten. 31. August 2015, abgerufen am 2. November 2019.
- ↑ Marta Orosz: Junge Millionäre starten Kampagne, um mehr Steuern zu zahlen: „Ich gehöre zu den oberen 10 Prozent und habe von Steuerprivilegien profitiert“. 13. September 2021, abgerufen am 26. Mai 2024.
- ↑ Markus Grabitz: Abgeordnete: Steuerprivileg von Lobbygruppen streichen. In: Stuttgarter Nachrichten. 31. August 2015, abgerufen am 10. April 2020.
- ↑ Drucksache 19/52. (PDF) Deutscher Bundestag, 13. November 2017, abgerufen am 10. April 2019 (107 KB).
- ↑ Drucksache 19/152. (PDF) Deutscher Bundestag, 29. November 2017, abgerufen am 10. April 2019 (121 KB).