Steffen Fahl

Steffen Fahl (* 23. November 1964 in Göttingen) ist ein deutscher Musikwissenschaftler, Produzent und digitaler Interpret klassischer Musik. Er veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten insbesondere zum Komponisten Robert Kahn und ist Gründer der Plattform Klassik-resampled, die von ihm selbst erstellte digitale Aufnahmen von Werken aus acht Jahrhunderten bereitstellt.

Leben

Fahl erhielt seit dem fünften Lebensjahr Klavierunterricht, unter anderem bei Gerrit Zitterbart, und war Mitglied des Göttinger Knabenchores. Erste Auftritte hatte er beim Göttinger Jazzfestival[1] sowie als Musiker der New-Wave-Band Steif + Traurig, mit der er 1984 eine Schallplatte veröffentlichte.[2]

Von 1984 bis 1989 studierte er Klavier bei Sebastian Benda und Jazzklavier bei Harald Neuwirth in Graz, anschließend Musikwissenschaft und Komparatistik an der Freien Universität Berlin, wo er 1995 bei Rudolf Stephan mit einer Arbeit über Robert Kahn promoviert wurde. Die Dissertation erschien 1998 in der Reihe Berliner Musik Studien. Weitere Studien in Biologie und Germanistik führten ihn unter anderem an das Desert Research Center der University of California, Riverside.

Wissenschaftliche Tätigkeit

Steffen Fahl veröffentlichte Beiträge zur Musik- und Literaturwissenschaft. Er ist Autor von Artikeln in Fachlexika wie Komponisten der Gegenwart und dem Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit. Weitere Beiträge erschienen in Zeitschriften wie Rohrblatt und Chorzeit Er verfasst diverse Vorworte zu Notenausgaben und CD Booklets.[3]

Fahl hielt Vorträge und war zu Symposien eingeladen, unter anderem am Royal College of Music in London (2014)[4] und an der Akademie der Künste in Berlin (2019)[5]. Zudem beteiligte er sich an der Arno-Schmidt-Forschung mit Beiträgen in Sammelbänden und im Zettelkasten, dem Jahrbuch der Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser.[6][7]

Künstlerische Tätigkeit

Seit 2003 widmet sich Fahl der digitalen Musikproduktion auf der Basis von Samplesets klassischer Instrumente, insbesondere von Aufnahmen der Werke weniger bekannter Komponisten, die er oft zum ersten Mal hörbar macht.

Fahl produzierte zahlreiche Erstaufnahmen von Werken u. a. von Renaissancemusik aus dem Codex Bologna Q18[8], Antoine Brumel, Johann Gottfried Arnold, August Alexander Klengel, Eduard Franck, Felix Draeseke,[9] Jean Louis Nicodé, bis zu Robert Kahn[10] und Alban Berg. Seine Aufnahmen wurden international rezensiert, darunter auch die Erstaufnahme der Symphonischen Dichtung „Gloria!“ von Jean Louis Nicodé in der französischen Fachzeitschrift Diapason[11] Er produzierte außerdem autorisierte Aufnahmen zeitgenössischer Komponisten wie Martin Aike Almstedt, Alan Belkin, Rick LaSalle, Peer Baierlein.

Seit 2008 werden solche Aufnahmen auch immer wieder von internationalen Herstellern von Sample-Libraries (u. a. Synthogy, Realsamples, Steinberg, EastWest Sounds, Vienna Symphonic Library) als Klangbeispiele für ihre Produkte genutzt. 2011 gründete er die vollständig unkommerzielle Plattform Klassik-resampled, die heute über 6000 von Steffen Fahl erstellte Aufnahmen von Kompositionen aus über 600 Jahren Musikgeschichte umfasst. 2016 war er Artist in Residence am Institut für Kirchenmusik und Orgel der Kunstuniversität Graz.[12]

Midiarbeiten z. B. von Werken Conlon Nancarrows von ihm wurden auch u. a. vom Ensemble impronta im Projekt „Human machine“ in Konzerten in Lugano, Wien und Budapest aufgeführt.[13]

Darüber hinaus erstellte er für eine Reihe bekannter klassischer Instrumentalkonzerte digitale Orchesterbegleitungen für das US-amerikanische Unternehmen Smart Soloist.[14]

Diskografie

  • Steif + Traurig – Abendgestaltung (1984)[15]
  • Zahlreiche digitale Erstaufnahmen, u. a. Werke von Robert Kahn, Alban Berg, Eduard Franck und Jean Louis Nicodé

Publikationen

  • Tradition der Natürlichkeit. Zu Biographie, Lyrikvertonung und Kammermusik des spätromantischen Klassizisten Robert Kahn (= Berliner Musik Studien. Band 15). Dissertation. Freie Universität Berlin. Studiopunkt, Sinzig 1998, ISBN 3-89564-044-1.
  • Robert Kahn. In: Hanns-Werner Heister, Walter-Wolfgang Sparrer (Hrsg.): Komponisten der Gegenwart. 14. Nachlieferung. Edition text + kritik, München 1998, OCLC 8650022121.
  • Von inniger Freude am Sein und Schaffen. Der Komponist Robert Kahn. In: mr-Mitteilungen. Nr. 34, Berlin 1999, S. 1–8.
  • Robert Kahn. In: Claudia Maurer Zenck, Peter Petersen (Hrsg.): Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit. Universität Hamburg 2009.
  • Robert Kahns Kammermusik für Klarinette. In: Rohrblatt. Zeitschrift für Oboe, Klarinette, Fagott und Saxophon. Jahrgang 21, Nr. 2, 2006, S. 84–90.
  • Das unbekannte Chorschaffen Alban Bergs. In: Chorzeit. Nr. 47, 2018.

Einzelnachweise

  1. Göttinger Jazzfestival – Datenbank, abgerufen am 27. Oktober 2025.
  2. Discogs: Steif + Traurig – Abendgestaltung (1984), abgerufen am 27. Oktober 2025.
  3. MusicWeb International: Review of Robert Kahn Chamber Music Vol. 1, abgerufen am 27. Oktober 2025.
  4. Royal College of Music London: Symposium Singing a Song in a Foreign Land (Programm 2014), abgerufen am 27. Oktober 2025.
  5. Robert Kahn. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  6. Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser: 16. Jahrestagung (2001), abgerufen am 27. Oktober 2025.
  7. Steffen Fahl: „Dichte und Wahrheit. Zu Hugo von Langensteins Martina in Schmidts Abend mit Goldrand“. In: Zettelkasten 20. Hrsg. Thomas Körber. Bangert & Metzler, Wiesenbach 2001, S. 25–82, ISBN 3-924147-48-5.
  8. Bologna Q 18, Civico Museo Bibliografico | Goldberg Stiftung. Abgerufen am 30. Oktober 2025 (deutsch).
  9. Felix Draeseke: Recordings listed by opus number. Abgerufen am 4. November 2025.
  10. Akademie der Künste Berlin: Robert-Kahn-Projekt (2019), abgerufen am 27. Oktober 2025.
  11. Jean-Claude Hulot: Rezension in: Diapason, Nr. 617, September 2013, S. 116.
  12. Kunstuniversität Graz: Artists in Residence – Institut für Kirchenmusik und Orgel (2016), abgerufen am 27. Oktober 2025.
  13. Human Machine (2017) – Ensemble Impronta. Abgerufen am 27. Oktober 2025 (deutsch).
  14. Smart Soloist: Beethoven Piano Concerto No. 5 (Accompaniment), abgerufen am 27. Oktober 2025.
  15. Discogs: Steif + Traurig – Abendgestaltung (1984), abgerufen am 27. Oktober 2025.