Martin Aike Almstedt

Martin Aike Almstedt (* 1944 in Göttingen)[1] ist ein deutscher Komponist der Neuen Musik, Organist, Pianist, Kirchenmusiker und Schriftsteller (Pseudonym: Kai Hortiensis). Almstedt ist der Bruder des Pädagogen, Autors und Liedermachers Matthias Almstedt.

Ausbildung

Ersten Violinunterricht erhielt Almstedt mit fünf Jahren bei seinem Großonkel Paul Almstedt. In den folgenden Jahren lernte er neben der Violine auch Gitarre, Klavier und Orgel bei verschiedenen Privatlehrern, unter anderem bei den Kantoren Hans Jendis und Ludwig Doormann, bei denen er mit 14 Jahren die Prüfung als C-Kirchenmusiker ablegte.[2] Ab 1964 studierte Almstedt Musikwissenschaft, Philosophie an der Georg-August-Universität Göttingen sowie von 1965 bis 1970 Kirchenmusik und Komposition an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover bei Gunter Lege. Ab 1966 nahm er regelmäßig an den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik teil und erhielt dort weitere Unterweisung in Kompositionsseminaren von Karlheinz Stockhausen und György Ligeti, Klavierseminaren der Brüder Alfons und Aloys Kontarsky,[1] Christoph Caskel (Percussion) und weiteren Kursen bei Kurt Thomas (Dirigieren/Chorleitung) und Walter Gerwig (Laute).[2] Weitere Impulse erhielt er u. a. durch Begegnungen mit Olivier Messiaen, Karl Jaspers und Jiddu Krishnamurti.[3]

Wirken

1975 führte das Göttinger Symphonieorchester Almstedts noch in der Studienzeit entstandenes Orchesterstück Dressat auf, in dem er bereits mit neuen Notationsformen und einer eigenen Musiksprache arbeitete.[4] 1975 diskutierte Erhard Karkoschka Almstedts Klavierkonzert Schizophonie als Beispiel für das Konzept der „Equiton“-Notation.[5] Hinsichtlich der Psychologie musikalischen Ausdrucks arbeitete Almstedt mit der musikalischen Darstellung psychopathologischer Ausdrucksformen und präsentierte und diskutierte im selben Jahr seine Komposition Du bist mein Spiegel auf dem Internationalen Kolloquium der Gesellschaft für Psychopathologische Ausdrucksformen, wobei er Texte des schizophrenen Autors Alexander Herbrich von Gesang und körperspannungsgesteuertem Synthesizer und Monitoren darstellen ließ.[6]

In seinen „intermedialen“ Bühnenwerke wie Frühleben und Tausend tote Rosen, die 1977 am Oldenburgischen Staatstheater aufgeführt wurden, oder die Oper Aytoschizora oder Eisbruch, Herzrot, die 1984 an der Opera Stabile der Hamburgischen Staatsoper aufgeführt wurde, arbeitete Almstedt mit neuen Kombinationen musikalischer Interpretation und medialer Repräsentation.[4] Weitere „intermediale“ Bühnenwerke wurden 1997 bei den 16. Internationalen Orgeltagen in Göttingen und auf der Expo 2000 in Hannover aufgeführt.[7] Werke von Almstedt werden auch 1980 auf den vom Süddeutschen Rundfunk veranstalteten Tagen für Neue Musik Stuttgart aufgeführt[8]. 1982 erhielt Almstedt das Niedersächsische Künstlerstipendium, das nach der Entscheidung des Landesmusikrates und der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover von der Niedersächsischen Landesregierung vergeben wurde.[1]

Almstedt arbeitete an den Grenzen von Komposition und Improvisation, z. B. mit dem Vibraphonisten Dietmar Traeger[9] oder dem Saxophonisten Allan Praskin.[10] Eine längere Zusammenarbeit ergibt sich auch mit Interpreten wie der Sängerin Dietburg Spohr und ihrem Ensemble, dem amerikanische Klarinettisten David Loewus[4] oder Steffen Fahl.[11]

Martin Almstedt trat immer wieder selbst als Organist, Pianist, Percussionist oder Dirigent mit der Interpretation seiner eigenen Werke auf.[12] Als Autor reflektierte Almstedt in verschiedener Weise den theoretischen, philosophischen und biografischen Kontext seines kompositorischen Schaffens.[3]

Werke

Almstedt schrieb zahlreiche Solowerke, Lieder, Vokalwerke, Kammermusik, Konzerte, Bühnenwerke, geistliche Musik,[1] die zumeist im Selbstverlag bzw. im Felipen-Design-Verlag Göttingen erschienen, sowie Bücher z. B. zur eigenen Musik, Biographie zu bewusstseinsphilosophischen Fragen sowie unter dem Pseudonym Kai Hortiensis einige fantastische fiktionale Erzählungen.[13]

Publikationen

Tonaufnahmen

  • Martin Almstedt - MSG-Kompositionen. Expanded Media Editions o. J.[9]
  • Sie spielen damit kein Spiel zu spielen / Du bist mein Spiegel. Telefunken 1978 – 66. 21753[14]
  • Frühleben 1978. Aktionsring Alternativer Musikkultur – ETST 011[15] & 2024 Creel Pone – CP 297[16]

weitere über 70 CDs im Selbstverlag[17]

Schriften

  • Martin-Aike Almstedt: „Du bist mein Spiegel.“ Ein Audiovisuelles Werk für Sopran, körperspannungsgesteuerten Synthesizer und Monitore, auf Texte über Liebe und Tod des schizophrenen Alexander Herbrich. In: Die Sprache des Anderen: Gedenkschrift für Theodor Spoerri. 9. Internationales Kolloquium der Société Internationale de Psychopathologie de l’Expression (Internationale Gesellschaft für Psychopathologische Ausdrucksformen), Paris, Internationales Kolloquium, Hannover, 26.–28. September 1975 hrsg. von Hofer, Gunter, Spoerri, Theodor 1976 S. 134.
  • Martin-Aike Almstedt: Kompendium meiner musikalischen Sprache. Verlag felipen-design, Göttingen 2019.
  • Martin-Aike Almstedt: Wahrheit und Aufbruch. Verlag felipen-design, Göttingen 2016.
  • Martin-Aike Almstedt: Die vergessene Wurzel Holistischer Gedanken. tredition, 2024, ISBN 978-3-384-22525-2.
  • Martin-Aike Almstedt: Das Eine, das Andere und das Andersandere. tredition, 2020, ISBN 978-3-347-10738-0.
  • Kai Hortiensis/Martin-Aike Almstedt: Der Sinn des Lebens. tredition, 2025, ISBN 978-3-384-72929-3.
  • Kai Hortiensis: Der Merlebaum. tredition, 2021, ISBN 978-3-347-41433-4.
  • Kai Hortiensis: Lächeln ist Licht. tredition, 2022, ISBN 978-3-347-49747-4.

Anmerkungen

  1. a b c d Profile, Impulse: 2; niedersächsische Künstlerstipendiaten 1982 bis 1984; Bildende Kunst, Musik, Literatur; Herzog-Anton-Ulrich-Museum, Braunschweig 6. Juni bis 22. Juli 1984 Redaktion: Zerull, Ludwig, 1984 S. 113
  2. a b MAA - Künstlerischer Weg
  3. a b Martin-Aike Almstedt legt Buch über die eigene Kompositionstechnik vor „Kompendium meiner musikalischen Sprache“ in einer Neuerscheinung | nmz - neue musikzeitung
  4. a b c Profile, Impulse : 2 ; niedersächsische Künstlerstipendiaten 1982 bis 1984 ; Bildende Kunst, Musik, Literatur ; Herzog-Anton-Ulrich-Museum, Braunschweig 6. Juni bis 22. Juli 1984 Redaktion: Zerull, Ludwig, 1984, S. 114.
  5. Erhard Karkoschka: Notation wohin? In: Melos/NZ, Mai/Juni 1975/III, S. 184
  6. Martin-Aike Almstedt: „Du bist mein Spiegel.“ Ein audiovisuelles Werk für Sopran, körperspannungsgesteuertenm Synthesizer und Monitore auf Texte über Liebe und Tod des schizophrenen Alexander Herbrich. In: Die Sprache des Anderen : Gedenkschrift für Theodor Spoerri. 9. Internationales Kolloquium der Société Internationale de Psychopathologie de l’Expression (Internationale Gesellschaft für Psychopathologische Ausdrucksformen), Paris, Internationales Kolloquium, Hannover, 26.–28. September 1975 hrsg. von Hofer, Gunter, Spoerri, Theodor 1976 S. 134.
  7. Martin-Aike Almstedt feierte seinen 70. Geburtstag Komponist und Multimedia-Künstler. In: nmz – neue musikzeitung. 17. Oktober 2014, abgerufen am 8. Dezember 2025.
  8. Rudolf Lück im Auftr. der Gesellschaft für Neue Musik, Sektion Bundesrepublik Deutschland der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (Hrsg.): Neue Musik in der Bundesrepublik Deutschland. Dokumentation. Bd. 23/24, 1979/80-1980/81, 1982, ISSN 0548-2879, S. 47
  9. a b Martin Almstedt - MSG-Kompositionen. 26. Januar 2025, abgerufen am 8. Dezember 2025.
  10. Rudolf Lück im Auftr. der Gesellschaft für Neue Musik, Sektion Bundesrepublik Deutschland der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (Hrsg.): Neue Musik in der Bundesrepublik Deutschland. Dokumentation. Band 21/22, Nr. 1977/78-1978/79, 1980, ISSN 0548-2879, S. 194.
  11. Martin-Aike Almstedt: Ausstellung eines Lebenswerkes. In: nmz – neue musikzeitung. 12. Juni 2016, abgerufen am 8. Dezember 2025.
  12. Ein Abend zum Staunen – mit offenen Ohren. In: nmz – neue musikzeitung. 7. März 2015, abgerufen am 8. Dezember 2025.
  13. Martin-Aike Almstedt - Start. Abgerufen am 8. Dezember 2025.
  14. Dietburg Spohr - Sie Spielen Damit, Kein Spiel Zu Spielen / Du Bist Mein Spiegel. 1978, abgerufen am 8. Dezember 2025.
  15. Martin Almstedt - Dietburg Spohr / Volker Freibott / Dietmar Traeger / Peter Krug - Frühleben. 1978, abgerufen am 8. Dezember 2025.
  16. Martin Almstedt, Dietburg Spohr, Dietmar Traeger - Frühleben, Sie Spielen Damit, Kein Spiel Zu Spielen / Du Bist Mein Spiegel, MSG-Kompositionen. 2024, abgerufen am 8. Dezember 2025.
  17. MAA - Musik-CDs. Abgerufen am 8. Dezember 2025.