Stadtbefestigung Überlingen
Die Stadtbefestigung Überlingen war die Festung der Stadt Überlingen im heutigen Bodenseekreis in Baden-Württemberg. Die im Mittelalter errichtete Anlage diente dem Schutz der Stadt und ihrer Bewohner. Sie ist heute noch weitgehend vollständig erhalten und bildet einen grünen Gürtel um die Altstadt.
Geschichte
Nachdem Überlingen 1180 durch Kaiser Barbarossa das Marktrecht verliehen worden war, wurde um den Ort eine erste Stadtbefestigung errichtet. Anfangs bestand diese nur aus Wall und Graben.[1] Gegen 1220 wurden diese durch eine Befestigung mit Mauern, Gräben, Toren und Türmen ersetzt[2] und die Befestigung systematisch ausgebaut. Die erste rund 1,6 km lange Ringmauer umschloss im Fünfeck den Kern der heutigen Altstadt (Innerer Stadtmauerring).[2][3] 1450 bis 1499 entstand ein Mauerring zum Schutz des Vorstadt[3] und später bis um 1550/1630 wurde auch die westlich gelegenen Gallerrücken gelegene zweite Vorstadt mit eingeschlossen.[3] Dabei entstand ein 1,1 km langer äußerer Stadtmauerring. Im Zug dessen wurden die bestehenden Festungswerke durch Verstärkung und Ausbau der modernen Kriegstechnik angepasst. Zur Schaffung der Schluchten wurden rund 450.000 m³ Fels bewegt.[2] Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Türme erhöht und die Anlagen mit vorgelagerten Erdwällen verstärkt.[1] Im 17. und 18. Jahrhundert verlor die Befestigung zunehmend an militärischer Bedeutung. Im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden aus verkehrstechnischen Gründen mehrere Tore und Türme abgebrochen.[1][3][4] Dennoch blieben große Abschnitte der Mauer, Türme und Tore erhalten und wurden später unter Denkmalschutz gestellt.
Tore und Türme
Innerer Mauerring
Die Liste enthält Objekte der Turmlinie sowie – soweit bekannt – deren Erhaltungszustand und heutige Nutzung. Die Bezeichnung von nicht erhaltenen Werken ist kursiv gesetzt.
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung |
|---|---|---|---|---|
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Franziskanertor (früher Barfüßertor) | Franziskanerstraße 21 47° 46′ 6″ N, 9° 9′ 33,7″ O |
1494 | |
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St.-Johann-Turm | Franziskanerstraße 21 47° 45′ 59,9″ N, 9° 9′ 52,1″ O |
1522; 1632 | |
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Rosenobel | Stadtgraben 47° 46′ 6,4″ N, 9° 9′ 47″ O |
1655/59 | |
| Christophstor (früher Fischerhäuser Tor) | 47° 46′ 4″ N, 9° 9′ 26,7″ O[5] | 1813 eingestürzt[2] und 1831 abgerissen[4] | ||
| Fidelistor (früher Rudolfs- oder Schlachthaustor) | 47° 46′ 2,9″ N, 9° 9′ 25,6″ O[6] | 1865 abgerissen[4] |
Äußerer Mauerring
Die Liste enthält Objekte der Turmlinie sowie – soweit bekannt – deren Erhaltungszustand und heutige Nutzung. Die Bezeichnung von nicht erhaltenen Werken ist kursiv gesetzt.
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung |
|---|---|---|---|---|
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Aufkircher Tor | Aufkircher Straße 56 47° 46′ 14,2″ N, 9° 9′ 26,6″ O |
15. Jahrhundert | |
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Badturm (früher Dammturm) | Christophstraße 2 47° 46′ 3,2″ N, 9° 9′ 16″ O |
15. Jahrhundert | |
| Wagsauterturm | Friedhofstraße 31 47° 46′ 16,9″ N, 9° 9′ 40,1″ O |
13. Jahrhundert, Rekonstruktion 1958–1960[7] | ||
| Kesselbach- oder Kohlturm | Kesselbachstraße 2 47° 46′ 9,9″ N, 9° 9′ 40,8″ O |
14./17. Jahrhundert | ||
| Quellturm | Sebastian-Kneipp-Steige 47° 46′ 7,3″ N, 9° 9′ 18,3″ O |
1510 | ||
| Gallerturm (früher Wallenturm bzw. Wallerturm) | Zum Gallerturm 17 47° 46′ 9″ N, 9° 9′ 19,4″ O |
1502/03[1] | ||
| Grundtor | 15. Jahrhundert | 1838 abgebrochen | ||
| Scheerentor | 14. Jahrhundert | im 18. Jahrhundert abgebrochen | ||
| Obertor[3] | 1880 eingestürzt | |||
| Hölltor (auch Helltor)[3] | äußeres Tor 1823 abgebrochen, inneres 1837 | |||
| Fahrtor[3] | Landungsplatz | 1858 abgebrochen | ||
| Wiestor | [8] | äußeres Tor 1828 abgebrochen, inneres 1843 | ||
| Kuderturm[9] | 47° 46′ 1,2″ N, 9° 9′ 23,1″ O | 1860 abgebrochen |
Heutige Nutzung
Heute sind noch etwa 1500 Meter der ursprünglichen Stadtmauer erhalten erhalten. Die ehemalige Stadtbefestigung bildet einen grünen Gürtel um die Altstadt, der nicht nur eine hohe ökologische Bedeutung hat, sondern auch als Naherholungsgebiet dient. Die bis zu 15 Meter tief in den Molassefels eingeschnittenen Stadtgräben bieten an heißen Sommertagen eine Abkühlung und sind auch im Winter gut begehbar. Einige Abschnitte der Mauer können begangen werden und bieten einen guten Blick über die Altstadt und den Bodensee. Die Stadtbefestigung Überlingen steht unter Denkmalschutz und ist ein wichtiges Zeugnis der mittelalterlichen Stadtgeschichte. Informationstafeln entlang der Befestigung erläutern die Geschichte und Bedeutung der einzelnen Bauwerke.
Literatur
- Alois Schneider, Regierungspräsidium Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege, Stadt Überlingen (Hrsg.): Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Band 34: Überlingen.
- Hermann Ginter: Überlingen am Bodensee. 8. Auflage. Feyel, Überlingen. 1950
Weblinks
- Offizielles Tourismusportal Überlingen: Stadtbefestigung
- Deutsche Stiftung Denkmalschutz: Stadtbefestigung Überlingen
- Stadtbefestigung Überlingen in der privaten Datenbank Alle Burgen.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Stadtbefestigung Überlingen, Baden-Württemberg. Deutsche Stiftung Denkmalschutz, abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ a b c d Festungsstadt Überlingen. Städtisches Museum der Stadt Überlingen, abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ a b c d e f g Überlingen – Altgemeinde~Teilort werk=LEO-BW. Abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ a b c Stadtbefestigung. Überlingen Marketing und Tourismus GmbH, abgerufen am 22. September 2025.
- ↑ Adventskalender der verschwundenen Orte: Reisewünsche eines Heiligen. Südkurier, abgerufen am 23. September 2025.
- ↑ Überraschungen nicht ausgeschlossen: Zwischen dem Rohrgewirr versteckt sich Stadtgeschichte. Südkurier, 25. August 2023, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Überlinger Gartenkulturpfad. Landratsamt Karlsruhe, abgerufen am 22. September 2025.
- ↑ https://www.bodensee-gastgeber.de/Hotel-garni-in-Ueberlingen-id798.html
- ↑ https://www.oberschwaben-tipps.de/mittelalterliche-stadtbefestigung-ueberlingen-tore-tuerme-und-mehr/