Burg Meersburg

Burg Meersburg

Die Burg über der Unterstadt von Meersburg

Alternativname(n) Alte Burg
Staat Deutschland
Ort Meersburg
Entstehungszeit unklar: 7. Jahrhundert oder 12. Jahrhundert
Burgentyp Höhenburg, Hanglage, Ortslage
Erhaltungszustand Erhalten oder wesentliche Teile erhalten, Museum
Ständische Stellung Staufer, Fürstbischöfe von Konstanz, Freiherr von Laßberg, Droste von Hülshoff, von Mayerfeld, von Miller, Privatbesitz
Geographische Lage 47° 42′ N, 9° 16′ O
Höhenlage 444 m ü. NN

Die Burg Meersburg (auch Alte Burg oder im Gegensatz zum gegenüberliegenden, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichteten Neuen Schloss auch Altes Schloss genannt) in der gleichnamigen Stadt Meersburg am Bodensee gilt insofern als älteste bewohnte Burg Deutschlands, als der Bau einer ersten Burg an dieser Stelle im 7. Jahrhundert angenommen wird. Allerdings ist aus dieser Zeit keine Bausubstanz mehr erkennbar.

Lage

Die Hangburg liegt an einem dem Bodensee zugeneigten Südhang auf einer Höhe von 440 m ü. NN und befindet sich heute in Ortslage.

Geschichte

Entstehungstheorien

Eine früher angenommene Ersterwähnung Meersburgs in einer im Original verlorenen Urkunde Ottos III. vom 27. August 988 (MG. DD. O. III. 446‒448, Nr. 46) ist nach der jüngeren Forschung eher auf Merseburg zu beziehen und scheidet in diesem Fall für die Frühzeit der Burg (und des Orts) Meersburg aus.[1][2][3] Damit verbleibt als früheste urkundliche Erwähnung der Meersburg ein Dokument aus dem Jahr 1147 mit der Nennung einer „Merdesburch“; zudem ist ein Luitpolt de Merdesburch bereits 1113 erstmals urkundlich als Zeuge in einer Vergabung der Herzöge Berthold und Konrad von Zähringen an das Kloster St. Peter auf dem Schwarzwald erwähnt.[4]

Über die Erbauung der Meersburg bestehen zwei Theorien:

  • Die Erste nennt den Merowingerkönig Dagobert I. als Erbauer des „Dagobertsturms“, dem Bergfried der Meersburg, im Jahr 630. Bekannt ist, dass Dagobert in dieser Zeit in der Bodenseeregion war und sich dort mit der Christianisierung der Alamannen befasste. Als Beleg für diese Theorie dient eine Quelle aus dem Jahr 1548, sie ist seither vor allem durch Joseph von Laßberg, der 1837 die Burg kaufte und bis 1855 dort lebte, vertreten worden.
  • Die zweite Theorie zur Erbauung stützt sich vor allem auf die Beobachtung, dass sich in der Bodenseeregion im 7. Jahrhundert keine Burgengründungen, im 12. und frühen 13. Jahrhundert hingegen auffällig viele verorten lassen. Architekturhistorisch ist das Megalithquadermauerwerk des Dagobertsturms mit zahlreichen Bergfrieden des 12.–13. Jahrhunderts der Region zu vergleichen; der Mauerwerksverband aus großen Felsblöcken ist nach modernen Untersuchungen dieses Typs als eine lokale Variante des Buckelquadermauerwerks zu sehen.

Obwohl der architektonische Befund eine spätere Entstehung nahelegt, existiert bereits seit von Laßberg die Annahme, dass es zuvor bereits eine frühere, dann aber zerstörte Anlage gegeben habe. Belege dafür fehlen aber, und so ist auch die teilweise geäußerte Vermutung, Karl Martell könnte kurzfristig im Dagobertsturm gelebt haben, in das Reich der Legenden zu verweisen. Vielmehr dürfte dies als ein Hinweis überlieferter Kontakte in den Bodenseeraum aufgrund der fränkischen Landeshoheit und die Klostergründung des Klosters Reichenau durch Martell zu vermuten sein.

In den folgenden Jahren sind unter anderen Friedrich II. und Konradin, der letzte legitime männliche Staufer, in der Meersburg nachgewiesen.[5]

Zeit der Konstanzer Fürstbischöfe

Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts war die Burg in Besitz der Fürstbischöfe von Konstanz. 1233 erhielt Meersburg das Stadtrecht des Wochenmarkts. Die Stadt florierte daraufhin, und die Unterstadt wurde um 1300 durch Aufschüttungen erweitert.

Mehrere Male wurde die Meersburg belagert, so in der „Bischofsfehde“ von 1334, in der nach einer Doppelwahl zwei Bischöfe um das Amt kämpften: Während Nikolaus von Frauenfeld, auch „Nikolaus von Kenzingen“ genannt, von der päpstlich gesinnten Mehrheit des Domkapitels gewählt wurde und Unterstützung bei Papst Johannes XXII. fand, wurde sein Konkurrent Albrecht von Hohenberg von Kaiser Ludwig dem Bayern unterstützt. Nikolaus von Frauenfeld verschanzte sich vierzehn Wochen lang in der Burg, belagert von kaiserlichen Truppen, die schließlich erfolglos abziehen mussten. Während dieser Belagerung wurden laut verschiedenen Quellen zum ersten Mal auf deutschem Boden Feuergeschütze eingesetzt. Der papsttreue Nikolaus von Frauenfeld wurde schließlich vom Kaiser anerkannt. Kaiser Ludwig der Bayer hatte vor Meersburg eine politische Niederlage hinnehmen müssen, die seine Schwabenpolitik beeinträchtigte und nicht zuletzt die Position der Habsburger stärkte.

1390 wurde die Unterstadtkapelle von Bischof Burkhard von Hewen als Burgkapelle erbaut (Patrozinium am 24. Juni, dem Tag des Johannes des Täufers); sie ging 1849 als Eigentum vom Großherzogtum Baden mit der Auflage an die Stadt Meersburg, weder sie noch ihr Inventar zu verkaufen.[6]

1414 weilte Kaiser Sigismund anlässlich des Konstanzer Konzils auf der Burg. 1458 kam es zum Aufruhr zwischen Stadtbewohnern und dem Bischof um eine Erweiterung der Stadtrechte, der jedoch niedergeschlagen wurde.

Den Staffelgiebel verdankt der Turm dem Konstanzer Fürstbischof Hugo von Hohenlandenberg (Amtszeit 1496–1532), der hier nach Konflikten mit der Stadt Konstanz 1526 seinen ständigen Wohnsitz einrichtete. Die Meersburg wurde vorübergehend Hauptsitz der Bischöfe. 1647 schossen die Schweden während des Dreißigjährigen Kriegs den Dachstuhl in Brand.

Anfang des 18. Jahrhunderts begannen die Bischöfe schließlich mit dem Bau des Neuen Schlosses als moderner Residenz. Nach 1750 diente die Burg nur noch Verwaltungszwecken.

Nutzung nach der Säkularisation

Durch die Säkularisation 1802 fiel die Meersburg an das spätere Großherzogtum Baden. Zunächst nutzte dann die Provinzialbehörde des „Oberen Fürstentums am See“ das Alte Schloss. Im Jahr 1814 befanden sich im Alten Schloss nur noch die Obereinnehmerei und die Wohnungen von vier pensionierten fürstbischöflichen Unterbeamten. Von 1814 bis 1836 wurde dort das neu errichtete Hofgericht des badischen Seekreises untergebracht, eine Zweigstelle zum Donaueschinger Gericht.

Joseph von Laßberg

Der Sammler mittelalterlicher Schriften und Bücher Joseph von Laßberg erwarb die Meersburg nach langwierigen Verhandlungen für 10.000 Gulden im Februar/März 1838 von der Domänenkammer in Karlsruhe. Von Laßberg rettete das Alte Schloss durch seinen Kauf vor dem Verfall und Abriss: Am 7. September 1838 zog er mit seiner Frau Maria Anna von Droste zu Hülshoff, auch Jenny genannt, und ihren Zwillingen ein. In dem gewölbten hellen Saal, dem ehemaligen Archiv, bewahrte er seine berühmte Bibliothek auf, zu deren Katalogisierung er auf Vermittlung von Jenny im Winterhalbjahr 1841/1842 Levin Schücking engagierte; im anschließenden runden Raum (Turmzimmer) richtete er sein Studien- und Schreibzimmer ein. Die Burg war Treffpunkt für Gelehrte und Dichter wie Ludwig Uhland, Karl Simrock, die Brüder Grimm und Justinus Kerner und Ignaz Heinrich von Wessenberg.[7]

Annette von Droste-Hülshoff

1841 zog Jennys Schwester Annette von Droste-Hülshoff in die Burg, verbrachte dort einen großen Teil ihrer letzten acht Lebensjahre und schuf hier einen bedeutenden Teil ihrer Lyrik. Der Meersburg hat sie das Gedicht von 1841/42 Das Alte Schloss („Auf der Burg haus’ ich am Berge, Unter mir der blaue See …“) und ein von ihr komponiertes Kunstlied gewidmet, am 24. Mai 1848 verstarb sie auf der Burg.[8]

Nach dem Tod von Joseph von Laßberg 1855 ging die Burg zu je einem Viertel an seine Erben Jenny, Karl, Hildegard und Hildegund. Die Burg diente als Treffpunkt von deren literarisch interessierten Freundinnen. So nahmen sie von 1866 bis zu deren Tode Amalie Hassenpflug dort auf.

Carl Mayer von Mayerfels

Letztendlich verkauften Laßbergs Zwillingstöchter Hildegard und Hildegund 1877 das Alte Schloss – in dem sie Wohnrecht bis zum Tode der ersteren 1914 hatten – für 12.000 Mark an den Münchner Heraldiker und Altertumssammler Carl Mayer von Mayerfels, der ein Mittelaltermuseum einrichtete. Ein Jahr nach dem Erwerb öffnete er die Burg für Besucher. Er ließ den Rittersaal und die Burg renovieren.[9] Nach dem Tod des von Mayerfels im Jahr 1883 ging das Schloss an seine Witwe, dann 1910 an seine Tochter und nach deren Tod 1939 an deren Tochter Maria, geb. von Miller[10], verheiratet mit Hubert Naeßl[11] der das heutige Burgmuseum begründete. Danach erbte und verwaltete es seine Schwester Ottilie Naeßl, bei der 1973/1974 Wilderich von Droste zu Hülshoff wohnte.[12] Bis heute ist die Burg in Privatbesitz und dient – neben dem für Besucher zugänglichen Museum – den Erben als Wohnsitz.

Vinzenz Naeßl-Doms

Vinzenz Naeßl-Doms, der Adoptivsohn von Ottilie Naeßl, übernahm 1977 die Burg, trug zu ihrem Erhalt bei und eröffnete das Burgcafé. Er öffnete die Burg auch für zeitgenössische Kultur: 1980 fand eine Ausstellung der Werke von Hortense von Gelmini statt, von der ein Altarbildzyklus seit dem Erwerb 1985 an Festtagen in der Burgkapelle zu sehen ist. Er war unter anderem Mitglied des Beirats der Annette von Droste-Gesellschaft und veranstaltete zum Beispiel 1998, anlässlich des 150. Todestages der Dichterin eine Autorenlesung „Annette von Droste-Hülshoff im Spannungsfeld ihrer Familie“.[13] Aus Anlass von Verleihungen des Meersburger Droste-Preises war er Gastgeber der Dichterinnentage. Nach dem Tod von Vinzenz Naeßl-Doms im Jahr 2018 übernahm seine Familie die Burg.[14]

Museum

Der Rundgang durch das Burgmuseum gibt Einblick in mehr als 30 eingerichtete Räume,[8] darunter auch die alte Burgküche, die Dürnitz, den Palas, die Brunnenstube, die Waffenhalle, Wehrgänge, Rittersaal, Burgverlies, zwei Kapellen, Stall, Nordbastion und vieles mehr. Auch die Wohnräume und das Sterbezimmer der von Droste-Hülshoff sind in diesem Rundgang enthalten. Im Rahmen einer Führung ist zudem die Besteigung des „Dagobertsturmes“ mit Aussicht auf die Stadt, den See und die Alpen möglich.[15] Im Turm ist eine Gefängnisstube aus dem 19. Jahrhundert sowie der Renaissancesaal mit Schatzkammer zu sehen. Im tiefsten Teil des Turmes gibt die Folterkammer Einblick in die Gerichtsbarkeit im Mittelalter.[16]

Renovierung

Anfang der 1990er Jahre wurde das Dach des Ostbaus zu 75 % neu eingedeckt.

2018 wurde der Grundputz an der Südseite der Burg erneuert: Er wurde durchlässig gehalten, damit die Feuchtigkeit aus der Mauer nach außen entweichen kann. Im Burggarten wurde eine Drainage eingebaut und die Zinnenmauer hergerichtet. 2019 wurden die Fenster der Südseite inklusive der Sandsteingewände renoviert und der Endputz angebracht.[17]

Literatur

  • Hubert Naeßl, Kurt Gramer: Die Meersburg: Geschichte, Kunst und Führung. 6. Auflage, Schnell & Steiner, München 1988, ISBN 3-7954-0514-9.
  • Wilderich von Droste zu Hülshoff: Annette v. Droste-Hülshoff im Spannungsfeld ihrer Familie. C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1997, ISBN 3-7980-0683-0.

Siehe auch

Commons: Burg Meersburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ronald Neumann: Die Tausendjahrfeier der Stadt Meersburg (1988). 'Irrtum von Amt' oder berechtigtes Jubeljahr? In: Archiv für Diplomatik. Band 37, 1991, S. 49–54.
  2. Hermann Schmid: Meersburg 988 oder Merseburg 988? Altes und Neues zur unhaltbaren Meersburger Tausendjahrfeier 1988 in Gestalt einer Entgegnung. In: Archiv für Diplomatik. Band 39, 1993, S. 9–18.
  3. Hermann Schmid: Meersburg 988 oder Merseburg 988? Altes und Neues zur unhaltbaren Meersburger Tausendjahrfeier 988 in Gestalt einer Entgegnung. 1993.
  4. Schoepflin: Hist. Zaringo-Badens. V, 48 und Neugart: Episcop. Const. II, 14–15.
  5. Lilly Braumann-Honsell: Bodensee ahoi! Oberbadische Verlagsanstalt Merk & Co., Konstanz 1947, S. 40.
  6. Adolf Kastner: Meersburgs Bevölkerung – nach den Salzlisten von 1810. In: Meersburg. Spaziergänge durch die Geschichte einer alten Stadt. Verlag Robert Gessler, Friedrichshafen 1999, ISBN 3-86136-045-4, S. 143–164.
  7. Sagenhafte Meersburg. Zahlreiche Burgherren prägen die Geschichte der Burg hoch über dem See In: Bodensee Magazin 2021, Labhard Medien, S. 64–67.
  8. a b Burg Meersburg. In: Sauwettertipps. Sonderheft der Bodensee Ferienzeitung. Ausgabe 2/2009. Südkurier GmbH Medienhaus, Konstanz 2009, S. 9.
  9. Sagenhafte Meersburg. Zahlreiche Burgherren prägen die Geschichte der Burg hoch über dem See. In: Bodensee Magazin 2021, Labhard Medien, S. 64–67.
  10. Adolf Kastner: Joseph Freiherr von Laßberg rettet die alte Meersburg (1837/1838). In: Badische Heimat, 1955, Heft 1, S. 1–10.
  11. Hubert Naeßl: Die Meersburg, Verlag Schnell und Steiner, München, 2. Auflage 1957.
  12. Wilderich von Droste zu Hülshoff: 900 Jahre Droste zu Hülshoff. Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2018, ISBN 978-3-936509-16-8.
  13. Wilderich von Droste zu Hülshoff: Annette von Droste-Hülshoff im Spannungsfeld ihrer Familie (= Aus dem deutschen Adelsarchiv. Band 11). Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1997, ISBN 3-7980-0683-0.
  14. Sagenhafte Meersburg. Zahlreiche Burgherren prägen die Geschichte der Burg hoch über dem See. In: Bodensee Magazin 2021, Labhard Medien, S. 64–67.
  15. Dagobertsturm bei „alemannische-seiten.de“
  16. Sauwettertipps. In: Sauwettertipps. Sonderheft der Bodensee Ferienzeitung. Ausgabe 2/2009. Südkurier GmbH Medienhaus, Konstanz 2009, S. 4f.
  17. Sylvia Floetemeyer: Die Meersburg wird saniert. In: Südkurier, 29. Januar 2019, S. 20.