Staël von Holstein

Staël von Holstein (auch Staël oder Stail (ohne Holstein) sowie Stael von Holstein, Stail von Holstein, Stael-Holstein o. ä.) ist der Name eines jülich-bergischen Uradelsgeschlechts, das später auch im Baltikum und in Schweden ansässig war.

Geschichte

Die Familie erscheint erstmals mit Ludewicus Vlekke de Are 1189.[1] Hermannus Vlekke de Are (urkundlich 1238–1259) war erzbischöflich-kölnischer Mundschenk und wurde von den Grafen von Sponheim mit der Burg Holstein im Bröltal belehnt. Entsprechend nannte er sich auch Flecke von Holstein. Der Holstein-Beiname blieb dem Geschlecht, während der Name Flekke seit 1282 durch den Übernahmen Stael (Stail) verdrängt wurde.

1270 erscheint ein Werner. 1282 folgten Henrich Stael, Ritter von Oustorp, sein Bruder Theoderich genannt Flecco sowie eine Schwester, die mit Goebel von Glevel verheiratet war. Henrichs Kinder hießen Aleid, Tilman und Henrich. Theoderich Flecco besaß Lancwaden/Lanquit und Berghausen bei Langenfeld sowie Schleidt im benachbarten Monheim am Rhein.[2][3]

Im Eigentum der Familie standen neben der erwähnten Burg Holstein bei Nümbrecht im Oberbergischen Land (urkundlich 1390–1476) ursprünglich auch Haus Sülz (urkundlich 1407–1531) und Schloss Eulenbroich an der Sülz.[4] Darüber hinaus besaß die Familie in Westfalen und am Niederrhein Berensterz, Berghausen (urkundlich 1282–1433), Bergheim (1512–1520), Haus Kliff bei Hattingen (1470), Haus Dahlhausen, Eschmar (1485), Eulenburg bei Bensberg (1650–1709), Hardenberg (1497), Burg Hardenstein (1436–1501), Herbeck (1497–1659), Haus Heisingen (1498 bis Anfang 18. Jahrhundert), Ickern, Lancwarden/Lanquit (1363–1546), Milspe (Radevormwald) (1699), Mortfeld (1699), Mutzenrath (1374), Haus Nergena in Goch, Oustorp (1285), Pesch (1342), Rheine (1807–1823), Sauernbach (1766), Schleidt bei Monheim am Rhein (1282), Schönholthausen, Sechtem (1780–1807), Stael bei Roesdorf (1577), Steinbüchel (1429), Haus Steinhausen (1497–1667), Uedem (1478) und Witten (1464). Im Königreich Hannover und im Osnabrückschen kamen Nette (1788), Gut Sutthausen (1788–1856), Haus Vortlage bei Lengerich (1580) und Wulfften (1807) hinzu.[5]

Im 15. Jahrhundert siedelte ein Teil der Familie ins Baltikum um.[6] Im 17. Jahrhundert kam ein Teil der Familie von Livland nach Schweden. Am 14. Oktober 1652 wurde die hier ansässige Familie in das schwedische Adelsregister eingetragen.[7] Seit 20. September 1657 ist sie als Nr. 308 Mitglied im schwedischen Ritterhaus (schwedisch Riddarhuset), der Vertretung des schwedischen Adels. Drei Linien der Familie wurden in den Freiherrenstand erhoben: Otto Wilhelm Staël von Holstein 1719, Georg Bogislaus Staël von Holstein 1731 (erloschen 1763) und Erik Magnus Staël von Holstein 1788. Letztere Linie erlosch in den 1830er Jahren in Frankreich.[8]

Nach der Trennung Estlands und Livlands von Schweden und der Angliederung an Russland 1721 bestanden die dortigen Zweige der Familie in der Estländischen und Livländischen Ritterschaft fort. Der russische Kaiser erhob sie durch einen Ukas 1869 in den Freiherrenstand.

Bekannte Familienangehörige

Bekannte Vertreter des Geschlechts waren (chronologisch geordnet):

Wappen

Stammwappen

Blasonierung des Stammwappens
In Silber dem Schildrand folgend acht rote Kugeln. Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Helmdecken zwei silberne, mit außen je vier roten Kugeln geschmückte Büffelhörner.[9]

Schwedische Linien

Blasonierung des schwedischen Naturalisationswappens der Stael von Wapnö von 1652
In Silber dem Schildrand folgend acht rote Kugel. Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken zwei silberne Büffelhörner, jeweils außen mit vier roten Kugeln besteckt.
Blasonierung des schwedischen freiherrlichen Wappens I von 1719
Geviert von Rot und Blau durch ein goldenes Tatzenkreuz, mit silbernen Herzschild worin acht rote Kugeln am Rande (= Stammwappen). Felder 1 und 4 eine goldene Krone, durch welche zwei silberne Fahne geschrägt gesteckt sind, die schrägrechte mit goldenen Fransen; Feld 2 ein aufrechter goldener Löwe, mit allen vier Pranken auf dem gekrümmten goldenen Stiel einer silbernen Hellebarde stehend; Feld 3 zwei ins Andreaskreuz gestellte goldene Kanonenrohre, die Mündungen nach oben. Zwei mit schwedischen Freiherrenkronen gekrönte Helme: I. mit blau-goldenen Decken zwei Büffelhörner, je außen mit vier roten Kugeln besteckt; II. mit rot-silbernen Decken ein offener von Silber und Rot übereck geteilter Flug. Zwischen den Helmen ruht auf dem Schild die schwedische Freiherrenkrone. Als Schildhalter zwei schwarze auswärtssehende Pferde auf einem Postament.[9]
Blasonierung des schwedischen freiherrlichen Wappens II von 1731
Geviert mit silbernen Herzschild, worin acht rote Kugeln am Rande (= Stammwappen). Feld 1 über einem blauen Schildrand, worin zwei silberne Sporenräder balkenweis gestellt, in Gold ein roter Festungsturm; Feld 2 in Rot ein silberner Schrägrechtsstrom, darüber quergelegt zwei silberne Kanonenrohre übereinander; Feld 3 in Rot ein silberner Schrägrechtsbalken; belegt mit einem aufwärtsgekehrten blauen Halbmond; Feld 4 geteilt, oben in Blau drei gestürzte grüne Lindenblätter (2:1), unten in Hold ein schwarzes Jagdhorn mit blauem Bande; die Öffnung nach links. Zwei mit schwedischen Freiherrenkronen gekrönte Helme: I. mit rot-silbernen Decken zwei Büffelhörner, jedes außen mit vier roten Kugeln besteckt; II. mit blau-goldenen Decken ein wachsender, geharnischter Arm, einen grünen Lorbeerkranz emporhaltend, zwischen zwei schrägauswärts gestellten Fahnen; die rechte ist von Schwarz und Silber schräglinks geteilt mit einem nach Rechts springenden, im schwarzen Teil von zwei silbernen Sternen begleiteten Löwen in gewechselten Farben; die linke zeigt in Rot das holsteinische Nesselblatt. Zwischen den Helmen die schwedische Freiherrenkrone. Als Schildhalter zwei silberne auswärtssehende Greifen auf einem Postament.[9]
Blasonierung des schwedischen freiherrlichen Wappens III von 1788
In Silber acht rote Kugeln am Rande (= Stammwappen). Zwei mit schwedischen Freiherrenkronen gekrönte Helme mit rot-silbernen Decken: I. zwei Büffelhörner, jedes außen mit vier roten Kugeln besteckt; II. ein wachsender, geharnischter Arm, einen rot gesiegelten Brief emporhaltend, zwischen zwei schrägauswärts gestellten Fahnen; die rechte ist golden mit einem nach rechts springenden schwarzen Greifen; die linke ist rot und zeigt das holsteinische Nesselblatt. Zwischen den Helmen die schwedische Freiherrenkrone. Als Schildhalter zwei silberne auswärtssehende Greifen auf einer Rokoko-Konsole, um welche sich eine grüne Lorbeergirlande schlingt.[9]

Russische Linien

Blasonierung des russischen Baronenwappens (Livländische Linie) von 1869
In Silber dem Schildrand folgend acht rote Kugeln. Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken zwei silberne, mit außen je vier roten Kugeln besteckte Büffelhörner.[10]
Blasonierung des russischen Baronenwappens (Estländische Linie) von 1869/70
In Silber neun rite bordweis gestellte Kugeln. Auf dem Schild die Freiherrenkrone mit zwei gekrönten Helmen mit rot-silbernen Decken. Der rechte trägt das Stammkleinod: 2 silberne, außen mit vier roten Kugeln besteckte Büffelhörner; der linke zwischen zwei mit je drei roten Kugeln belegten silbernen Flügeln einen wachsenden silbergeharnischten Arm, der in der Faust eine Papierrolle mit anhängendem roten Siegel hält. Als Schildhalter zwei goldene widersehende Löwen auf goldener Arabeske.[10]

Rezeption in anderen Wappen

Elemente des Wappens der Stael von Holstein fanden darüber hinaus Eingang in verschiedene Gemeindewappen:

Literatur

Commons: Staël von Holstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Lacomblet: Urkundenbuch des Niederrheins, Band 4, Nr. 638.
  2. Fahne (1848), S. 408.
  3. Fahne (1853), S. 143.
  4. Stael von Holstein - Burgen und Schlösser. Abgerufen am 3. Mai 2022.
  5. Ledebur (1856), S. 468.
  6. Staël von Holstein. In: Theodor Westrin, Ruben Gustafsson Berg, Eugen Fahlstedt (Hrsg.): Nordisk familjebok konversationslexikon och realencyklopedi. 2. Auflage. Band 26: Slöke–Stockholm. Nordisk familjeboks förlag, Stockholm 1917, Sp. 911–918 (schwedisch, runeberg.org).
  7. Anders Anton von Stiernman: Matrikel öfwer Swea rikes ridderskap och adel. Stockholm 1754, S. 629–630 (schwedisch).
  8. Staël von Holstein. In: Herman Hofberg, Frithiof Heurlin, Viktor Millqvist, Olof Rubenson (Hrsg.): Svenskt biografiskt handlexikon. 2. Auflage. Band 2: L–Z, samt Supplement. Albert Bonniers Verlag, Stockholm 1906, S. 509–511 (schwedisch, runeberg.org).
  9. a b c d Spießen (1901–1903), S. 120.
  10. a b Gritzner (1898), S. 204.