St. Servatius (Lüttich)

Die römisch-katholische St. Servatius-Kirche ist ein zu Ehren des heiligen Servatius von Tongern geweihter gotischer Kirchenbau im Zentrum von Lüttich in Belgien. Er liegt am Fuß des Hügels, worauf die Zitadelle von Lüttich liegt, und in der Nähe vom Bahnhof Liège-Saint-Lambert. Nach einer langen Geschichte seit 933 brannte die Kirche 1981 mit großen bleibenden Schäden nieder.

Geschichte

Bischof Richer von Lüttich stiftete die Kirche 933. Möglicherweise gab es vor der Verwüstung Lüttichs durch die Normannen 881 schon eine ältere Kirche. Die Pfarrei wurde mit einem Geistlichen schriftlich erstmals 1189 erwähnt.

Die heutige Kirche wurde großenteils im 13. Jahrhundert erbaut, im 14. oder 15. Jahrhundert wurde der Chor erneuert. Auch wenn sie von der Verwüstung durch die Burgunder unter Karl dem Kühnen 1468 verschont geblieben war, litt sie 1491 unter einem starken Orkan. Baufällig geworden, stürzte die Turmspitze 1583 auf das Kirchengewölbe nieder. Pastor Jan Curtius ließ die Kirche wiederherstellen in den Bauformen der Spätgotik und der Maasländischen Renaissance. Für seine Amtsdauer liegt eine Untersuchung der anti-calvinistischen Anschuldigungen von 1571 bis 1593 unter den etwa 2000 Gemeindemitgliedern vor: Insgesamt waren es fast 300 und betrafen sittliche (darunter Konkubinat mit Geistlichen) und religiöse Verfehlungen (etwa Psalmengesang in der Muttersprache).[1]

Mit der Ankunft französischer Revolutionstruppen 1794 kam das Ende der meisten Kirchen und Klöster in Lüttich. Das Gebäude wurde für 100.000 Francs verkauft und erst Jahre später wieder als Pfarrkirche genutzt. Die Jesuiten eröffneten 1838 das Kolleg St. Servais in der Nähe, das die Tradition des Collegium in Insula (Collège en Isle) von 1582 wieder aufnehmen sollte.

Am 22. August 1981 verwüstete ein großer Brand die Kirche, nur die Außenmauern blieben stehen. Vieles wurde seitdem wiederhergestellt, bis auf das hohe Satteldach.

Beschreibung

Außen

Die Kirche St. Servatius ist ein großenteils gotisches, dreischiffiges Bauwerk, mit Ausnahme der Transepten. Der Unterbau des Kirchturms enthält noch Teile älterer Bauphasen aus dem 11. Jh., unter dem Turn liegt noch Fundamente aus Kohlenstein aus dem 10. Jh. Der Chor wurde mit Belgisch Granit erbaut; die Seitenmauern wechseln nach maasländischer Weise Specklagen von Backstein und Mergel ab. Die gotischen Rahmen des Südschiffs weisen freies Maßwerk auf.

Inneres

Durch den Brand 1981 ist das großenteils barocke Innere verloren gegangen.[2] Einzelne Säulen (13. Jh.) sind erhalten geblieben. Im Kirchenchor ist ein Teil der Verglasung erneuert worden. Das heutige Mobiliar stammt aus verschiedenen anderen Kirchen.

Kunstwerke

Beim Brand sind die meisten Kunstwerke verloren gegangen. Ein Sandsteinbild von St. Servatius und ein Bildnis der heiligen Balbina von Rom (1665) überstanden das Feuer. Bewahrt blieben auch ein Taufstein von 1571[3] und einzelne Grabkreuze aus dem 16. und 17. Jh.

Commons: Église Saint-Servais (Liège) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege

  1. Léon Ernest Halkin: Réforme catholique et police ecclésiastique dans la principauté de Liège au XVIe siècle. In: Revue d'histoire de l'Église de France. Band 75, Nr. 194, 1989, S. 21–33, doi:10.3406/rhef.1989.3451 (persee.fr [abgerufen am 18. November 2025]).
  2. BALaT KIK-IRPA. Abgerufen am 15. November 2025.
  3. Scènes de la Bible. Abgerufen am 15. November 2025 (amerikanisches Englisch).

Koordinaten: 50° 38′ 48,7″ N, 5° 34′ 15,2″ O