Luther Seminary (Ohio-Synode)

Das Luther Seminary war ein von 1884 bis 1934 bestehendes lutherisches theologisches Seminar in Trägerschaft der Allgemeinen Synode von Ohio, das in Saint Paul im US-Bundesstaat Minnesota angesiedelt war. Neben dem eigentlichen theologischen Seminar umfasste es als angegliedertes St. Paul-Luther College auch ein Junior College und ein Konservatorium. Es darf nicht mit dem ebenfalls in Saint Paul befindlichen und bis heute bestehenden Luther Seminary verwechselt werden, das seinen Ursprung in der Norwegischen Lutherischen Kirche hatte.

Geschichte

Die Ohio-Synode, eine deutschamerikanische unabhängige lutherische Kirche unterhielt bereits seit 1830 an ihrem Hauptsitz in Columbus, Ohio, ein Theologisches Seminar, um ihren Bedarf an Geistlichen zu decken. Nachdem dieses in den 1880er-Jahren stark akademisiert wurde und in Folge die Studentenzahlen sanken, wurde dort ein Praktisch-theologisches Department mit einem stärkeren Fokus auf der Vermittlung homiletischer und poimenischer Fähigkeiten gegründet. Ziel dieser Einrichtung war eine schnelle Ausbildung von Pfarrern für die zahlreichen neu entstehenden deutschsprachigen Gemeinden.[1]

Da dieses Wachstum vor allem im Mittleren Westen stattfand, entschied die Synode, das Department als eigenständiges Seminar abzutrennen und nach Minnesota zu verlegen. In Afton wurde zu diesem Zweck ein leerstehendes Akademiegebäude für 2.000 $ erworben. Zu den zwei Professoren Henry William Ernst und Weiss und sechs Studenten aus Columbus stießen noch einige weitere Studenten aus der Umgebung dazu. Weiss trat bereits nach einigen Monaten zurück. Die entstehende Vakanz vertrat Pfarrer Duborg und 1886 wurde mit William P. H. Schmidt ein Nachfolger auf die Professur berufen.[1]

Schon 1892 war das Seminar mit 57 Schülern und Studenten überbelegt und das vergleichsweise kleine Dorf Afton bat kaum andere Unterkunftsmöglichkeiten. 1893 wurde ein Grundstück im Nordosten von Saint Paul am Lake Phalen erworben, wo ein neues Seminargebäude für insgesamt 23.400 $ errichtet wurde. 1911 wurden weitere 10 Morgen Land für 10.000 $ erworben und Geld zum Bau eines Auditoriums gesammelt. Auf dem Campus bestanden daneben noch Häuser für den Hochschulpräsidenten und den Dekan. Das Proseminar wurde 1918 in ein sechsjähriges College umorganisiert, das neben den vier High-School-Stufen auch zwei Hochschuljahre umfasste. 1925 wurde daraus ein vierjähriges Junior College. 1924 wurde ein Konservatorium am Luther Seminary gegründet, das im Schuljahr 1926/27 bereits fast 100 Studierende besuchten. 1927 wurden erstmals Frauen am Junior College zugelassen, auch wenn das Konservatorium schon zuvor koedukativ gewesen war. Angesichts der vielfältigen Bildungswege wurde die Institution im selben Jahr zum St. Paul-Luther College umbenannt, das eigentliche theologische Seminar behielt jedoch seinen Namen. 1928 wurde ein kleiner College-Kurs zu religiöser Bildung und Philosophie eingerichtet, der mit einem Bachelor of Science abgeschlossen werden konnte.[2]

Nachdem die Ohio-Synode 1930 gemeinsam mit zwei anderen Kirchen zur Amerikanischen Lutherischen Kirche verschmolzen war, wurde das kleine Seminar in St. Paul in das bestehende Wartburg-Seminar in Dubuque eingegliedert. William Frederick Schmidt, der letzte Hochschulpräsident, setzte sich zwar energisch für den Erhalt der College-Kurse ein, doch die angespannte wirtschaftliche Situation während der Great Depression veranlasste die Kirche dazu, Konsolidierungen bei den Bildungseinrichtungen vorzunehmen. Das St. Paul-Luther College wurde so in das Wartburg College integriert, eine größere Zahl Studierender und vier Angehörige des Lehrkörpers wechselten nach Iowa.[2]

Lehre

Das Luther Seminary bat ein dreijähriges vorbereitendes Proseminar – äquivalent zu einer High School – an, dessen Curriculum neben Theologie auch Altgriechisch, Latein, Deutsch, Englisch, US-Geschichte, Mathematik und Geographie umfasste. Dieses Proseminar, in dem auf Deutsch und Englisch unterrichtet wurde, konnte auch ohne anschließendes Studium am Seminar besucht werden, dafür wurde jedoch ein Schulgeld verlangt.[2]

Am eigentlichen Seminar umfasste der Lehrplan mit Ausnahme von Kursen in der Englischen Philologie nur noch theologische Fächer. Dabei wurden die Kandidaten mit einem Fokus auf den für den Gemeindedienst benötigten praktischen Fähigkeiten ausgebildet. So fand kein Unterricht in den alten Sprachen statt. Unterrichtssprache des Seminars war überwiegend das Deutsche, auch wenn die englische Sprache zunehmend vorherrschend wurde.[2]

Absolventen

Obwohl das Seminar stets eine vergleichsweise kleine Zahl Studierender vorzuweisen hatte, graduierten dort ein großer Teil der Pfarrer, die in den Gemeinden der Ohio-Synode im amerikanischen Westen und in Kanada tätig waren. Zu ihnen zählten auch einige, die später herausgehobene Ämter in der Synode und ihrer Nachfolgerkirche innehatten.[1]

  • Paul Groschupf (Abschluss 1890), später Präses des Washington-Distrikts
  • John Bernard Cronek (Abschluss 1898), später Präses des Washington-Distrikts und Präsident des Pacific Seminary
  • Oscar Just (Abschluss 1898), später Präses des Washington-Distrikts

Einzelnachweise

  1. a b c Clarence Valentine Sheatsley: History of the Evangelical Lutheran Joint Synod of Ohio and Other States. Lutheran Book Concern, Columbus (Ohio) 1919, S. 206–208 (englisch, archive.org).
  2. a b c d Mark Granquist: The other Luther Seminary in Minnesota. In: Minnesota History. Band 68, Nr. 7. Minnesota Historical Society Press, 2023, S. 260–267, JSTOR:48769292 (englisch).