St. Neophyt (Nizäa)
Als Basilika des Hl. Neophytos wird die Ruine einer byzantinischen Basilika in der türkischen Stadt İznik, dem antiken Nikaia, bezeichnet.
Von der Kirche sind nur die Grundmauern erhalten, die lange Zeit unter der Oberfläche des İznik-Sees lagen, jetzt aber aufgrund des niedrigen Wasserstands verlandet sind. Sie war wahrscheinlich vom Ende des 4. bis zum 13. Jahrhundert in Gebrauch, als sie einstürzte und im See versank.[1]
Beschreibung
Die geostete Basilika besteht aus drei Längsschiffen, deren mittleres breiter als die seitlichen ist. Auf der östlichen Seite ist der Naos durch eine Apsis beschlossen, die an der Außenseite mit einer geraden Wand umgeben ist. Neben dieser liegen auf der südlichen Seite ein Diakonikon, das seinerseits eine kleine Apsis aufweist, und auf der nördlichen Seite eine Prothesis. Westlich schließt ein Narthex und ein diesem vorgelagertes dreiteiliges Atrium an das Kirchenschiff an. Die Fundamente sind bis zu einer Höhe von etwa 40 cm erhalten, auf dem Gelände liegen Teile des Schutts, der durch den Einsturz des Oberbaus entstand.[2]
Geschichte
Ab 2014 wurde die Ruine durch Ausgrabungen unter der Leitung des Archäologen Mustafa Şahin erschlossen. Dabei entdeckte man mehrere Gräber auf dem Gelände der Basilika, die anhand von Münzfunden auf das ausgehende 4. Jahrhundert datiert werden konnten, und die teils unter den Grundmauern der Basilika liegen, sodass von einem kleineren Vorgängerbau ausgegangen werden kann, der später überbaut wurde. Dieser Bau wurde im Diakonikon der Basilika identifiziert, das auch einen Sarkophag – es handelt sich wahrscheinlich um den des Heiligen Neophytos von Nikaia – beinhaltet. Die Archäologen nehmen an, dass es sich bei dem Diakonikon um ein ehemals freistehendes Martyrion handelt, das an der Stelle eines Apollo-Archegetes-Tempels erbaut wurde. Der Bau dieses Tempels außerhalb der Stadtmauern im Jahr 183 unter Kaiser Commodus durch den Architekten Baktyanos wird in einer Inschrift aus Nikaia erwähnt. Funde von Münzen und einer Öllampe mit einem erotischen Motiv stützen die These eines vorchristlichen Gebäudes an dieser Stelle. In der theodosianischen Zeit wurde dann in einer dritten Bauphase die Basilika errichtet.[2]
St. Neophyt als Konzilsort
Der genaue Versammlungsort des Ersten Konzils von Nikaia in der Stadt ist unbekannt. Zwar ist man sich weitgehend einig, dass es in einem kaiserlichen Palast stattgefunden haben dürfte, die genaue Lokalisierung des Palastes ist allerdings unklar, verschiedene Orte sind dafür vorgeschlagen worden. Da die Kirche im See einige Jahrzehnte jünger als das Konzil ist, dürfte es kaum als tatsächlicher Konzilsort in Frage kommen, ist aber womöglich als jene Kirche zu identifizieren, die von späteren Pilgern, etwa Willibald von Eichstätt, als Konzilskirche betrachtet wurde.[2]
Zum 1700-jährigen Jubiläum des Konzils trafen sich am 28. November 2025 hochrangige Kirchenführer verschiedener Konfessionen – darunter Papst Leo XIV. und der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I. zu einem ökumenischen Gebetstreffen am archäologischen Areal der Basilika.[3]
Einzelnachweise
- ↑ Mustafa Şahin: Underwater Excavation at the Basilica Church in İznik Lake-2019. In: International Journal of Environment and Geoinformatics. Band 9, Nr. 2, 2022, S. 71–80 (researchgate.net).
- ↑ a b c Mustafa Şahin: Neue Forschungen und Ausgrabungen in der Basilika des İznik Sees. In: Asia Minor Studien. Band 96. Dr. Rudolf Habelt, Bonn 2020, S. 93–106.
- ↑ Ecumenical Prayer for the Commemoration of the 1700th Anniversary of the First Council of Nicaea. In: vatican.va. 28. November 2025, abgerufen am 2. Dezember 2025 (englisch).
Literatur
- Mustafa Şahin: Neue Forschungen und Ausgrabungen in der Basilika des İznik Sees. In: Asia Minor Studien. Band 96. Dr. Rudolf Habelt, Bonn 2020, S. 93–106 (researchgate.net [PDF]).
- Mustafa Şahin: Underwater Excavation at the Basilica Church in İznik Lake-2019. In: International Journal of Environment and Geoinformatics. Band 9, Nr. 2, 2022, S. 71–80 (researchgate.net).
- Mark R. Fairchild: The underwater basilica of Nicaea. Archaeology in the birthplace of Christian theology. IVP Academic, Downers Grove 2024, ISBN 978-1-5140-1067-9.
Koordinaten: 40° 25′ 32,9″ N, 29° 42′ 35,2″ O