St. Michael (Zeil am Main)

Die Stadtpfarrkirche St. Michael in Zeil am Main (Landkreis Haßberge, Bayern) ist eine römisch-katholische Kirche, die den Marktplatz am höchsten Punkt dominiert. Ihre ältesten Teile stammen aus dem 14. Jahrhundert, das heutige barocke Langhaus wurde 1713–1732 unter Melchior Kurtz errichtet. Zu den bedeutenden Ausstattungen zählen die vor 1700 entstandene Kanzel, das Deckengemälde von Johann Peter Herrlein (1761) sowie spätgotische Figuren der Heiligen Stephanus und Urban.

Geschichte

Die römisch-katholische Stadtpfarrkirche St. Michael erhebt sich weithin sichtbar an der höchsten Stelle des leicht abschüssigen Marktplatzes und bildet dessen markanten Abschluss. Durch ihre Lage prägt sie das Gesamtbild des Platzes in charakteristischer Weise.

Die ältesten Bauteile sind der gotische, viergeschossige Chorturm mit dem mittelalterlichen Chorraum im Turmuntergeschoss. Der Turm zeigt die verschiedenen Bauphasen deutlich: Das Untergeschoss stammt aus dem 14. Jahrhundert, der abschließende Fünfknopfhelm vermutlich aus dem 16. Jahrhundert. Das barocke Langhaus wurde zwischen 1713 und 1732 von dem Zeiler Kunsthandwerker Melchior Kurtz errichtet; der Grundstein belegt den Baubeginn im Jahr 1713. Die Bauentwicklung zeigt sich daran, dass der barocke Neubau des 18. Jahrhunderts Teile des mittelalterlichen Vorgängerbaus übernahm. So wurden der Turm und Abschnitte der Südmauer integriert, was sich bis heute an zwei gotischen Fenstern im südöstlichen Bereich erkennen lässt. Zugleich musste die westliche Kirchhofsmauer versetzt werden, um Platz für das erweiterte Langhaus zu schaffen.

Bei der 1957 begonnenen Renovierung der alten Sakristei, die heute als Taufkapelle dient, wurden gotische Freskenreste entdeckt.

Die Ausstattung zeigt verschiedene Epochen: Die Kanzel entstand vor 1700 und stammt vermutlich aus einer Bamberger Kirche. Das wertvolle Deckengemälde von Johann Peter Herrlein mit Stuckarbeiten von P. Hellmuth kam 1761 hinzu. Die spätgotischen Holzfiguren der Heiligen Stephanus und Urban (um 1500) gehören noch zum Vorgängerbau. Die Orgel befindet sich auf einer doppelgeschossigen Empore, die auf drei Steinkorbbogen ruht; 2009 wurde eine neue Orgel eingebaut und geweiht.

An der Südfassade entstand Mitte des 18. Jahrhunderts eine Ölberggruppe mit lebensgroßen Figuren über dem Heiligen Grab. Ihre farbige Fassung, die in neuerer Zeit angebracht oder erneuert wurde, belebt die ansonsten schlichte Außenwand. Rechts daneben, nahe der Ölbergkapelle und dem Aufgang zur Empore, erinnert ein 1748 errichtetes Sandstein-Kruzifix an den 1713 aufgegebenen Friedhof.[1.1][2]

Jüngste Forschungen zur Baugeschichte

Noch bis vor wenigen Jahren nahm man an, dass bereits im 12. oder 13. Jahrhundert an der Stelle der heutigen St.-Michaels-Kirche ein Vorgängerbau existierte, der Johannes dem Täufer geweiht war. Grundlage dieser Vermutung war allein die Erwähnung eines „Johannisbergs“ in einem Dokument von 1196. Ob damit tatsächlich der heutige Kaulberg (Kirchberg) gemeint war, wie Heimatforscher Mauer annahm, lässt sich nicht belegen; nach Heimatforscher Umlauf dürfte eher der Mönchshang gemeint sein.

Mauer folgerte daraus, dass ein Johannisberg seinen Namen nur von einer entsprechenden Kirche erhalten haben könne, und schloss auf einen frühmittelalterlichen Sakralbau vor der ersten bekannten Michaelskirche des 14. Jahrhunderts. Am heutigen Bauwerk finden sich jedoch keinerlei Hinweise auf eine romanische Vorgängerkirche. Die ältesten erhaltenen Elemente – etwa das Kreuzrippengewölbe und die Turmfenster – sind eindeutig gotisch. Auch die Glocken belegen dies: eine stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert, eine weitere trägt die Jahreszahl 1397. Fresken im Turm und in der Sakristei gehören ebenfalls in diese Zeit.

Ein Kirchenbau im 14. Jahrhundert erscheint zudem plausibel, da Zeil erst 1361 als eigenständige Pfarrei erwähnt wird; zuvor war der Ort eine Filiale von Eltmann. Die Annahme Mauers und Winters, es habe sich bei dem mittelalterlichen Bau um eine Wehrkirche gehandelt, gilt heute als überholt, da solche Anlagen frühestens im 15. Jahrhundert entstanden.[1.2]

Neubau der Pfarrkirche

Die alte Kirche in Zeil aus dem 14./15. Jahrhundert war gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu klein geworden und zudem baulich stark beschädigt. Erste Überlegungen zu einem Neubau sind 1696 in den Bürgerratsprotokollen dokumentiert. Am 14. September 1697 wandte sich Pfarrer Gabriel Meixner aus dem Kloster Langheim mit einem Schreiben an den Würzburger Bischof. Dem Brief lagen ein Bauplan des Zeiler Baumeisters Melchior Kurtz, ein Kostenvoranschlag über 3000 Gulden sowie Überlegungen zur Finanzierung bei. Da die Pfarrei die Summe nicht allein aufbringen konnte, hoffte man auf einen Zuschuss aus Würzburg. Eine Unterstützung blieb jedoch aus, sodass das Vorhaben zunächst ins Stocken geriet. Meixner wies wenige Monate später erneut auf die Dringlichkeit hin, da die alte Kirche bereits einsturzgefährdet war. Da der Bischof weiterhin keine Mittel bereitstellte, begann die Gemeinde, über Spenden von Bürgern und Wohltätern ein Kapital aufzubauen, was innerhalb von zwölf Jahren gelang. Ab 1709 zeigen die Kirchenrechnungen erste konkrete Vorbereitungen: Der Friedhof um die alte Kirche wurde eingeebnet, und 1710 genehmigte die fürstbischöfliche Behörde in Würzburg nach einer Besprechung mit dem Zeiler Stadtschreiber Wolfgang Forster den Neubau. Beim Abriss des alten Kirchenschiffs 1712 überwachten der bambergische Oberamtmann und Pater Nicolaus Loyson S.J. die Arbeiten. Loyson erstellte zudem einen neuen Bauplan, nach dem die Kirche errichtet wurde. Der Neubau begann 1713 und war 1715 baulich abgeschlossen. Wegen knapper Mittel konnte die Innenausstattung jedoch erst 1732 beschafft werden, sodass die feierliche Einweihung am 9. September desselben Jahres stattfand. Die vollständige Ausgestaltung mit Stuck und Malereien dauerte bis 1763. Während der gesamten Bauzeit bis zur Einweihung begleiteten die in Schmachtenberg ansässigen Langheimer Zisterzienserpatres das Projekt. Auch nach 1732 unterstützten sie die Ausstattung der Kirche, bis sie 1739 gemäß Vertrag abgezogen wurden und die Seelsorge wieder von weltlichen Priestern übernommen wurde.[1.3]

Glocken und Turmuhr

Die erste Erwähnung der Kirchturmuhr stammt aus dem Jahr 1598. Wie viele mittelalterliche Turmuhren besaß sie nur einen Zeiger, sodass Minuten oder Sekunden nicht angezeigt wurden. Die heutige Uhr wurde 1754 von einem Uhrmacher aus dem nahegelegenen Dörflis gefertigt. Zeit wurde im Mittelalter vor allem akustisch durch den Glockenschlag wahrgenommen, weniger durch das visuelle Ablesen einer Uhr. Der Tagesablauf der Menschen in Zeil richtete sich überwiegend nach dem natürlichen Rhythmus von Sonnenaufgang und -Sonnenuntergang, Arbeit und Ruhe. Für die bäuerliche Bevölkerung genügte lange Zeit eine grobe Einteilung des Tages.[1.4]

Die Kirche verfügt über vier Glocken in c-Moll, darunter die sogenannte „Elfuhrglocke“ mit der eingravierten Jahreszahl 1379.[1.1] Die Glocken hatten eine zentrale Bedeutung für das Leben der Bürger. So durfte die Stadt erst nach dem morgendlichen Ave-Maria-Läuten verlassen werden. 1635 ordnete der Zeiler Kastner an, dieses Läuten „wie vor alters herkommen“ dreimal täglich zu wiederholen, um die christliche Lebensweise zu betonen. Am Abend markierte die „Schlafglocke“ das Ende des Arbeitstages: niemand sollte sich mehr auf den Feldern aufhalten, Kinder und Jugendliche nicht mehr auf den Straßen.

Das Läuten begleitete sowohl freudige als auch traurige Ereignisse und verlieh auch weltlichen Anlässen Gewicht. In Zeiten von Gefahr, etwa bei Feuer oder Unwetter, warnte die „Feuerglocke“. Besonders bedeutend ist die große Glocke, die im Friedensjahr 1648 vermutlich aus Kanonenmetall des Dreißigjährigen Krieges gegossen wurde. Sie trägt eine Inschrift, die ihren vielfältigen Zweck beschreibt: Lob Gottes, Ruf an die Christen, Festgesang, Abwehr von Gewittern, Klage über die Toten und Ermutigung zu Arbeit und Mühe: Meinen Klang gieb ich - Gott lob und preis ich - allen Christen ruff ich - die hohen Fest sing ich - die schädtling Gewitter vertreib ich - die Toten bewein ich - gott erbarm sich. Lust und lieb zu seinem Ding - macht alle Mühe und Arbeidt gering.[1.4]

Ölberggruppe

An der ansonsten schlichten Südfassade der Pfarrkirche fällt besonders die zweigeschossige Ölbergdarstellung mit dem darunterliegenden Heiligen Grab ins Auge. Die Szene zeigt die drei Jünger im Schlaf, während Christus erschöpft vor einer Felswand seinem bevorstehenden Tod entgegensieht. Ein Engel reicht ihm dabei den Kelch des Leidens. Gestiftet wurde die Anlage Mitte des 18. Jahrhunderts von Ottilia Kurtz, der Ehefrau des Kirchenbaumeisters Melchior Kurtz.

Die im unteren Teil befindliche Christusfigur war stark beschädigt. 1982 wurde sie mit Acrylharz behandelt und erhitzt, wodurch sie heute eine Härte ähnlich wie Granit besitzt.[1.5]

Ausstattung

Die Altäre

Der Hochaltar beeindruckt durch ein reiches Rahmenwerk, das wie kostbarer Marmor wirkt, tatsächlich aber nur durch eine spezielle Bemalung diesen Eindruck erzeugt. Gefertigt wurde er 1723 vom Bamberger Bildhauer Martin Walter, der sechs Jahre später auch die Seitenaltäre schuf. Das zentrale Altarbild aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigt den Erzengel Michael im Kampf mit Luzifer. Neben dem Bild stehen fast lebensgroße Figuren der Heiligen Kilian mit dem Schwert und Jakobus mit dem Pilgerstab; auf den Konsolen sind Katharina mit dem zerbrochenen Rad und Barbara mit dem Turm dargestellt.

Der rechte Seitenaltar ist dem heiligen Josef gewidmet. Sein Altarblatt, das vermutlich vom fränkischen Barockmaler Georg Sebastian Urlaub stammt, wird von den Figuren des Ignatius von Loyola und des Franz von Assisi flankiert. Der linke Seitenaltar zeigt Maria als „ohne Sünde empfangen“, ein Werk von Johann Peter Herrlein. Die charakteristische S-förmige Körperhaltung und die geneigte Kopfstellung der Figur finden sich auch in Herrleins Deckengemälde wieder. Begleitfiguren sind Dominikus, Gründer des Dominikanerordens, und Bernhard von Clairvaux, Erneuerer des Zisterzienserordens. Beide Altarbilder wurden erst 1937 erworben und in die Kirche eingefügt.[1.6]

Die Kanzel

Die reich verzierte Kanzel der Pfarrkirche wurde 1717 von den Jesuiten in Bamberg (heutige Martinskirche) erworben. Da die Pfarrei wegen des Kirchenneubaus in Geldnot war, konnte der Kaufpreis nicht vollständig beglichen werden; die Schuld wurde teilweise mit Wein und etwas Geld abgetragen. Die Kanzel entstand bereits um 1660, der Künstler ist unbekannt, Fachleute vermuten einen Jesuiten-Ordensgeistlichen.

In den von gedrehten Säulen eingefassten Nischen stehen die vier Evangelisten, die dem Bamberger Bildhauer Sebastian Degler zugeschrieben werden. Die Matthäus-Figur wurde um 1970 gestohlen und später durch eine originalgetreue Kopie ersetzt. 1958 erfolgte eine umfassende Renovierung, bei der die durch Ruß und Lack geschwärzte Oberfläche abgelaugt und mit Bienenwachs poliert wurde.

Die Bekrönung zeigt den Erzengel Michael, dessen Darstellung an antike Hermesstatuen erinnert. Als Mittler zwischen Gott und den Menschen trägt er eine Seelenwaage und ein Flammenschwert; unter seinen Füßen windet sich Luzifer, halb Mensch, halb Reptil.

Bis in die 1960er Jahre wurde von dieser Kanzel gepredigt, auch zu gesellschaftlichen und politischen Themen. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil verlor sie ihre liturgische Funktion, da die Kanzelpredigt abgeschafft und durch den Ambo ersetzt wurde. Heute ist sie vor allem ein kunsthistorisches Schaustück.[1.6][3]

Kurioses

Ein ungewöhnlicher Brauch ist durch den Lehrer Karl Krapf aus Greßhausen überliefert: Bis 1810 befand sich unter der Kanzel der Zeiler Pfarrkirche ein stallähnliches Behältnis, in dem junge Tiere wie Hühner, Tauben, Gänse oder Schweinchen als Opfergaben aufbewahrt wurden. Auf Anordnung der großherzoglichen Landesdirektion wurde dieses Kästchen im Zuge der Säkularisation entfernt.

Nach einer Anweisung aus dem Jahr 1917 musste der Zeiler Mesner zu Beginn jeder Predigt die Tür neben der Kanzel verschließen. Erst nachdem der Prediger die Kanzel wieder verlassen hatte, durfte sie geöffnet werden.

Um die Länge der Predigten im Rahmen zu halten, schaffte die Zeiler Gemeinde bereits vor rund 300 Jahren für ihre neue Kanzel eine Sanduhr an. Heute gilt scherzhaft die Regel, dass man über jedes Thema sprechen darf – nur nicht länger als zehn Minuten.[3]

Stuck und Fresken

Die Stuckarbeiten des Deckengewölbes wurden 1760, mehr als drei Jahrzehnte nach Fertigstellung der Kirche, von Peter Hellmuth aus Eltmann ausgeführt. Die Ornamente an Gesimsen, Fensternischen und den Rahmen der Deckengemälde sind in Form und Farbgebung auf die Altäre abgestimmt.

Als Hauptwerk gilt das Fresko im Langhaus, das Peter Herrlein aus Kleineibstadt schuf. Es zeigt die Kirche in drei Zuständen: leidend, streitend und triumphierend. Mit Hilfe einer illusionistischen Architektur wird ein Raum inszeniert, der sich scheinbar ins Unendliche öffnet. Am unteren Bildrand erscheinen die Seelen im Fegfeuer, während die streitende Kirche durch die Vertreter aller Völker auf einem Gesims dargestellt ist. Den oberen Bereich bildet die himmlische Herrlichkeit mit Engeln und Heiligen.

Im Zentrum steht die triumphierende Kirche als Braut Christi, in kostbare Gewänder gekleidet und mit einem Siegeskelch in der Hand. Zwei Engel tragen die Insignien kirchlicher Herrschaft, Papstkreuz und Tiara. Das Licht des Heiligen Geistes erreicht auch die Seelen im Fegfeuer, die von Engeln zu retten versucht werden.

Die Komposition zeigt zudem die Kirche als weltliche Herrscherin mit Krone und Zepter, umgeben von monumentalen Säulen. Figuren mit Talaren symbolisieren Protestantismus und Calvinismus; aus dem Mund eines nichtkatholischen Predigers tritt eine Schlange als Zeichen von Lüge und Versuchung. Trotz dieser Darstellung finden unter dem Fresko heute ökumenische Gottesdienste statt.

Der Kunstkenner Johann Pfeufer bemerkte, dass die Gesichter der Engel und Apostel bäuerliche Züge des 18. Jahrhunderts tragen und damit die damaligen Menschen aus der Region widerspiegeln.

Im Chorraum befindet sich ein Fresko mit der Darstellung des letzten Abendmahls. Christus und sein Lieblingsjünger Johannes bilden die ruhenden Pole innerhalb einer Gruppe von Aposteln, die soeben die Ankündigung des Verrats vernommen haben. Judas, mit dem Geldsack in der Hand, wendet sich von der Tafel ab und nimmt sowohl in der Komposition als auch in der Farbgebung eine Außenseiterrolle ein. Zu seinen Füßen ist ein kleiner Hund dargestellt, der möglicherweise als Symbol des Bösen zu deuten ist.

Der Maler nutzte eine illusionistische Architektur, um den Eindruck einer weiträumigen Halle zu erzeugen. Solche Darstellungen sollten den Gläubigen, die oft nicht lesen konnten, die zentralen Glaubenswahrheiten anschaulich vermitteln und die Herrlichkeit des Himmels als Ziel vor Augen führen.

In den vier Ecken des Gewölbes sind Medaillons mit bedeutenden Kirchenlehrern angebracht: über dem Marienaltar Papst Gregor der Große, über dem Josefaltar der Einsiedler Hieronymus, über der Orgelempore Ambrosius im Bischofsornat und gegenüber Augustinus mit einem Stapel von Büchern. Über dem Chorbogen befindet sich zudem das Wappen des Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim, der nach dem Abzug der Langheimer Mönche 1739 die geistliche Herrschaft übernahm.[1.6]

Heiligenfiguren

Zu den ältesten Ausstattungsstücken der Kirche gehören die spätgotischen Figuren des heiligen Urban, Schutzpatron der Winzer, und des heiligen Stephanus, beide um 1500 entstanden und vermutlich noch aus dem Vorgängerbau übernommen. Die Statue des Erzengels Michael wird traditionell von den Zeiler Steinhauern bei Prozessionen mitgeführt.

Aus dem 17. Jahrhundert stammt die Tonplastik der Pietà, während die Holzfigur des heiligen Laurentius dem Spätbarock zuzuordnen ist. Laurentius trägt als Zeichen seines Martyriums ein Rost im Diakonengewand. Die lebensgroßen Holzfiguren in den Wandnischen werden dem Bildhauer Thomas Wagner zugeschrieben, der Mitte des 18. Jahrhunderts ähnliche Werke im Bamberger Umland schuf. Sie bestehen aus Lindenholz, wurden polierweiß gefasst und mit Gold verziert – eine damals verbreitete Mode.

Im Eingangsbereich sind in den Nischen folgende Heilige dargestellt: Benedikt von Nursia, Johannes Nepomuk mit Kreuz, Helena mit Kreuz und Nagel, Antonius von Padua mit dem Jesuskind, Nikolaus mit Buch und Äpfeln sowie Longinus mit Lanze und Essigschwamm. Auf der gegenüberliegenden Seite finden sich Wendelin mit Schaufel, Schaf und Rind, Johannes der Täufer, die Madonna und die Mutter Anna mit Maria. Letztere gilt als besonders gelungenes Werk.[1.6]

Turmhalle

Das Erdgeschoss des Kirchturms entstand vermutlich im 14. Jahrhundert. Bis zum Kirchenneubau von 1713 befanden sich hier der Chorraum und die anschließende Sakristei. Hinweise auf die frühere Vorschrift, das Allerheiligste sicher zu verwahren und liturgische Einrichtungen aus Stein oder Ziegeln zu errichten, geben die noch sichtbaren Befestigungsspuren am ehemaligen Sakramentshäuschen. In früherer Zeit kam es mehrfach zu Hostienfreveln oder Verlusten bei Kirchenbränden.

Die sogenannte „Alte Sakristei“ dient heute als Taufkapelle. Ursprünglich war der Raum als Friedhofskapelle genutzt; die Unterkellerung deutet darauf hin, dass hier ein Ossarium zur Aufbewahrung von Gebeinen bestand. Da die Wehrkirche nur begrenzte Fläche für Gräber bot, mussten die sterblichen Überreste ausgeräumter Gräber pietätvoll gesammelt werden.

An den Wänden und am Gewölbe befinden sich rund 600 Jahre alte Fresken, die lange überputzt waren und 1957 wieder freigelegt wurden. An der Westwand sind Kaiser Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde dargestellt, die Gründer des Bistums Bamberg, mit dem Dom in den Händen. Dazu erscheinen das alte Reichswappen sowie die Wappen der Grafen von Luxemburg und des Hochstifts Bamberg, das zugleich das Stadtwappen von Zeil ist. Das gegenüberliegende, stark beschädigte Gemälde zeigt vermutlich die Verspottung und Dornenkrönung Christi. Neben einem Fenster sind die Umrisse eines Bischofs mit Krummstab und gegenüber die Gestalt eines Hohenpriesters zu erkennen, die möglicherweise als Sinnbilder für Christentum und Judentum gedacht waren.[1.6]

Kirchengestühl

Die Kirchenbänke fügen sich harmonisch in das Gesamtbild des Innenraums ein. Besonders hervorzuheben sind die kunstvoll geschnitzten Betstuhlwangen aus der Zeit um 1720. Sie werden dem Zeiler Zimmermann und Bildhauer Jörg Hofmann zugeschrieben, der auch das bedeutendste Fachwerkhaus der Stadt unterhalb des Marktplatzes errichtete.[1.6]

Literatur

  • Tilmann Breuer u. a.: Franken: die Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken (= Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern I). 2., durchgesehene und ergänzte Auflage. Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 1999, ISBN 3-422-03051-4, S. 929.
Commons: St. Michael (Zeil am Main) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Zeiler Baudenkmäler. In: denkmal-zeil.de. Abgerufen am 21. November 2025.
    1. a b Stadtpfarrkirche St. Michael
    2. Zur aktuellen Forschungslage
    3. Heinrich Weise: „Der Zeiler Kirchenbau...“
    4. a b Glocken und Turmuhr
    5. Ölberggruppe
    6. a b c d e f Führung durch die Kirche St. Michael
  2. Hermann Mauer, Josef Barth, Konrad Hamm, Josef Gaßner, Rudolf Winkler: Chronik der Stadt Zeil am Main. Hrsg.: Stadt Zeil am Main. Band 2, 1975, S. 296/296.
  3. a b Ludwig Leisentritt: Die Kanzel in der Zeiler Pfarrkirche St. Michael (PDF-Datei). (PDF) In: denkmal-zeil.de. Abgerufen am 21. November 2025.

Koordinaten: 50° 0′ 38,1″ N, 10° 35′ 38,6″ O