St. Katharinen und Pankratius
St. Katharinen und Pankratius[1] ist eine denkmalgeschützte Kirche im zur Gemeinde Burgstall gehörenden Dorf Cröchern in Sachsen-Anhalt. Sie gehört zum Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.
Lage
Die Kirche befindet sich nahe dem Ortszentrum von Cröchern, an der Adresse Dorfstraße 13. In der Vergangenheit bestand die Adressierung Breite Straße 13. Östlich steht das Pfarrhaus Cröchern, südöstlich das Kriegerdenkmal Cröchern.
Architektur
Die Kirche geht in ihrem Kern auf einen romanischen Vorgängerbau aus dem 12. oder 13. Jahrhundert zurück. Ihr heutiges barockes Erscheinungsbild geht nach einer inschriftlich Datierung auf Umbauten im Jahr 1724/1725 zurück. Der aus Bruchsteinen errichtete Bau entstand auf einem längsrechteckigen Grundriss, mit den Maßen 6,9 × 19,1 Metern. Das Mauerwerk an den Längsseiten ist noch mittelalterlich und weist unterschiedliche Schichthöhen sowie eine altertümliche Fugenritzung auf. Sowohl in den Seitenwänden als auch im Chor befinden sich große, von einem flachen Bogen überspannte Fensteröffnungen.
Ein quadratischer Turmaufbau in Fachwerkbauweise erhebt sich über dem Westgiebel des Schiffs. Bedeckt ist der Turm von einem Pyramidendach.
Das Innere des Schiffs ist flach mit einer Holzbalken gedeckt. Es besteht eine hufeisenförmige Empore. Die etwas gebauchte, dreiseitige Kanzel ist in eine Kanzelwand mit mittigem Durchgang integriert. Bekrönt ist sie mit einem kronenartigen Schalldeckel. Flankiert wird die Kanzel von zwei Säulen, es besteht ein vegetabilisches Dekor. Der eindrucksvolle, große, zwölfeckige, spätgotische Taufstein aus Sandstein ist beschädigt. An der Kuppa des Steins befinden sich weiche ungelenke halbfigürliche Reliefs vom Ende des 14. Jahrhunderts. Sie zeigen den auferstandenen Christus in einem Strahlenkranz sowie elf Apostel auf Wolken. Der flache, runde Fuß des Taufsteins wurde nachträglich hinzugefügt. Er befand sich ursprünglich möglicherweise im Kloster Wolmirstedt. Im Taufstein befindet sich eine Zinnschale. Sie trägt die Inschrift Der Kirchen und Gemeinde zu Kröchern schenket dieses Taufbecken Herr Johann Braerus, Ratmann der Altenstadt Magdeburg und Herr Georg Saltzmann, Zinngießer daselbst anno 1725. Zur Schale gehört ein Zinnleuchter, der 1741 von der Witwe Bohnin, Schulmeisterin in Cröchern, gestiftet wurde. Eine kleine barocke Sakramentsnische mit noch originaler Tür befindet sich in der Ostwand.
Die Fenster sind mit Butzenscheiben verglast. Am Rande befindet sich die Inschrift Des Klosters St. Catherina et. Pancratius vor Wolmerstät als Kirchenpatron und Gerichts-Obrigkeitlicher Stand.
Im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt ist das Kriegerdenkmal unter der Erfassungsnummer 094 70283 als Baudenkmal eingetragen.[2]
Glocken
Im Kirchturm befinden sich zwei Glocken. Die kleine trägt die Inschrift Anno Dm. MCCCCC in deme XIII iar ave maria. und stammt danach aus dem Jahr 1513. Eine andere Glocke war 1848 entstanden, nachdem ihre Vorgängerin beim Überläuten gesprungen war. Sie wurde jedoch im Ersten Weltkrieg für Rüstungszwecke zerstört. 1917 erschien in der letzten Juniwoche ein Glockengießer, nahm die Glocke ab und zerschlug sie. Die einzelnen Stücke wurden vom Turm geworfen und dann per Eisenbahn nach Mahlwinkel gebracht.
Die Glockengießerei Gebrüder Ullrich aus Apolda stimmte im Herbst 1926 die alte Glocke. Zugleich wurde eine neue Glocke bestellt, die am Sonnabend vor Ostern im Jahr 1927 geliefert wurde. Sie kam bei Schneefall vom Bahnhof Mahlwinkel. Nachdem sie bekränzt vor dem Altar gestanden hatte, wurde sie am Ende der Osterwoche in den Turm hochgezogen. Die Weihe der Glocke erfolgte am Sonntag nach Ostern. Sie trägt die Inschrift Der Krieg verschlang, die vor mir hier erklang. Nun ließ der Herr mich werden, zu preisen ihn auf Erden. Läute Glocke, läute Frieden. Läute du mich heimatwärts.
Orgel
Oberhalb des Westportals befindet sich die Orgel auf der Empore. Sie wurde, beruhend auf einem Kostenvoranschlag vom 10. Mai 1895 über 1.560 Mark, von Orgelbauer Beier aus Magdeburg geschaffen. Für die Orgel wurde die Empore verbreitert und verlängert.[3]
Geschichte
In einer Kirchenvisitation des Jahres 1564 wird die Kirche als baufällig und die Gemeinde als arm bezeichnet. Die Kirche unterstand dem Patronat des Klosters Wolmirstedt. Die Leiterin des Stifts, Sibylla Catherina von Borstel, ließ ab 1724 eine neue Kirche errichten. Der Baubeginn war am 18. April 1724. Am 2. Juni 1725 wurden in Anwesenheit von Frau von Borstel die Kirchenstühle verteilt. Inspektor Peter Kalkbrenner aus Magdeburg weihte die Kirche am 8. Juli 1725 auf den Namen der Heiligen Katharina.
Die Kosten für den Bau beliefen sich auf 1023 Taler, 15 Groschen und 5 Pfennige, von denen das Kloster 675 Taler und 16 Groschen und die Gemeinde 347 Taler 23 Groschen und 5 Pfennige übernahmen. Frau von Borstel hatte außerdem den preußischen König Friedrich Wilhelm I. um Unterstützung gebeten, der 131 Eichen aus der Colbitzer Heide für 475 Taler schenkte.
Die Priorin von Pritzelwitz schenkte der Kirche einen Altarschmuck aus blauem Tuch mit gelben Kamelhaarschnüren. Ein Fräulein Conventualin stiftete einen neuen Behang für den Taufstein. Gardinen für die Kanzel und die Sakristei stammten von Sybilla Magdalena von Urtschen. Darüber hinaus erfolgten noch weitere Spenden. In der Kirche befand sich auch ein altertümlicher hölzerner Almosenstock.
Literatur
- Folkhard Cremer: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen-Anhalt I. Regierungsbezirk Magdeburg. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2002, ISBN 3-422-03069-7, S. 153 (dehio.org).
- Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt. Band 10: Holger Brülls, Dorothee Könemann: Ohrekreis. Teilband 2: Altkreis Wolmirstedt. fliegenkopf verlag Halle (Saale) 2001, ISBN 3-910147-71-2, Seite 42 ff.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Cröchern St. Katharinen und Pankratius auf www.kirchturmblick.de
- ↑ Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19.03.2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Seite 256
- ↑ Evangelische Kirche Cröchern auf www.elbe-heide.de
Koordinaten: 52° 23′ 19,1″ N, 11° 39′ 10,9″ O