St. Josef (Magdeburg)

St. Josef oder Sankt-Josef-Kirche ist die katholische Kirche im Magdeburger Stadtteil Neu Olvenstedt. Sie gehört zur Pfarrei St. Johannes Bosco mit Sitz an der St.-Agnes-Kirche in der Pastoralregion Magdeburg des Bistums Magdeburg. Die Kirche ist dem heiligen Josef geweiht, der seit 1955 von der katholischen Kirche als Josef der Arbeiter mit einem Gedenktag am 1. Mai geehrt wird.

Geschichte

Vorgeschichte

Die Ursprünge der St.-Josef-Gemeinde reichen bis in das Jahr 1938 zurück. Nachdem für die Arbeiter des Junkers Motorenbau-Zweigwerks Magdeburg (MZM) 1936/37 zwischen Magdeburg-Nord und Olvenstedt die Junkerssiedlung erbaut worden war, fanden seit 1938 durch Geistliche der Magdeburger Pfarrei St. Agnes Gottesdienste in der Junkersiedlung und in der Schulbaracke in Magdeburg-Neustadt-West (später in Magdeburg-Nordwest umbenannt) statt. Am 1. April 1941 wurde die zur Pfarrei St. Agnes gehörende Pfarrvikarie Magdeburg-Neustadt-West gegründet, sie bekam das Patrozinium St. Nikolaus. Die Gottesdienste fanden in verschiedenen provisorischen Räumen statt, bis 1950 eine Barackenkirche errichtet wurde.

Am 8. März 1941 folgte die Errichtung der Pfarrvikarie Magdeburg-Wilhelmstadt, welche die Ortschaften bzw. Stadtteile Diesdorf, Olvenstedt (heute Alt Olvenstedt) und Wilhelmstadt (später in Stadtfeld Ost umbenannt) umfasste. Nachdem sich die Zahl der Katholiken in Olvenstedt im Herbst 1944 durch Evakuierte von Niederrhein und ab 1945 durch Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten erheblich vergrößert hatte, fanden bis 1948 katholische Gottesdienste im evangelischen Kindergarten von Olvenstedt statt. Später wurde ein Haus in der Ebendorfstraße als Pfarrhaus gemietet und in dessen Hintergebäude eine Kapelle eingerichtet, die das Patrozinium der heiligen Hedwig von Andechs bekam.[1]

Am 2. August 1950 wurde aus der Kuratie Olvenstedt und der Pfarrvikarie Magdeburg-Neustadt-West die Kuratie Magdeburg-Nordwest gegründet, die ihren Sitz in Olvenstedt nahm, ihn aber später nach Magdeburg-Nordwest transferierte. Ihre im Stadtteil Magdeburg-Nordwest (Im Kräuterwinkel) gelegene Holzkirche wurde bis 1991 kirchlich genutzt und 2003 verkauft. Anschließend wurde die Holzkirche abgerissen, das Grundstück parzelliert und mit Doppelhäusern bebaut.

Kirche St. Josef

Seit 1981 entstand am Rande Magdeburgs, zwischen Magdeburg-Nordwest und Olvenstedt, ein neues Wohngebiet, welches von DDR-Plattenbauten dominiert wurde und insgesamt Wohnungen für 42.000 Menschen bieten sollte. Die katholische Kirche unter Bischof Johannes Braun engagierte sich dafür, am Rande dieser sozialistischen Großsiedlung ein neues Gemeindezentrum zu errichten.

Als Architekt wurde Horst Freytag vom Wohnungsbaukombinat Magdeburg gewonnen, der ab 1985, dem Wunsch des Bischofs nach einer traditionellen Kirche mit Glockenturm folgend, eine moderne funktionale Kirche unter Beibehaltung dieser traditionellen Komponenten entwarf. Das auf der Bauausstellung Constructa 86 in Hannover gezeigte Modell sorgte für Aufsehen.

Die Grundsteinlegung fand am 8. Februar[2] oder am 8. November[3] 1986 statt. Der Bau wurde mit einem Kirchenbauprogramm in der DDR finanziert. Der Tod des Architekten Freytag hatte jedoch Bauverzögerungen zur Folge. Nachfolger Freytags wurde 1987 Ralph Niebergall, der die Gestaltung des Turmes veränderte und die Fassadengestaltung überarbeitete. Am 1. Dezember 1990 wurde die Pfarrei St. Josef errichtet, von diesem Monat an wurde auch das Gemeindezentrum genutzt.[4] Die Kirchweihe folgte am 26. Oktober 1991 durch Bischof Leo Nowak.

Am 1. Januar 2000 fusionierte die St.-Josef-Gemeinde mit der St.-Benedikt-Gemeinde in Eichenbarleben, die Zahl der Gemeindemitglieder stieg dadurch auf rund 1.300 an. Am 1. März 2006 erfolgte die Errichtung des Gemeindeverbundes Magdeburg-Nord, dem die Pfarrei St. Josef von da an angehörte. Am 28. November 2010 wurde aus dem Gemeindeverbund die heutige Pfarrei St. Johannes Bosco gegründet, zu der seitdem die St.-Josef-Kirche sowie die St.-Agnes-Kirche im Stadtteil Neue Neustadt, die St.-Mechthild-Kirche im Stadtteil Neustädter Feld, die Rosenkranzkapelle im Stadtteil Rothensee und die Heilig-Geist-Kapelle in Barleben gehören.

Bauwerk

Das Kirchengebäude verfügt über mehr als 200 Plätze. Die Gebäudeteile des Gemeindezentrums umschließen den Kirchplatz von zwei Seiten. Die Fassaden sind geputzt, die Dächer mit Schiefer gedeckt. Die aus Holzleimbindern bestehende Satteldachkonstruktion ist innen mit Holz verschalt. Die Art der äußeren Baugestaltung nimmt die Beziehung zum westlich angrenzenden dörflich strukturierten Magdeburg-Alt Olvenstedt auf. Die östliche Fassade der Kirche wird von mit Sandstein verkleideten Stützen gegliedert.

Die vier vom Bonifatiuswerk gestifteten Bronzeglocken wurden vom Unternehmen Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen und nach Christus, Maria, Josef und den Nothelfern benannt.

Die in der Kirche befindlichen bleiverglasten Fenster wurden 1991/92 von der Magdeburgerin Maren-Magdalena Sorger geschaffen. Ein Fenster stellt Tod und Auferstehung Jesu dar. Weiter gibt es ein Josef-Fenster und ein Himmelsleiter-Fenster.

Den Altarraum umgibt ein Kreissegment. Seitliche Fenster ermöglichen eine indirekte Beleuchtung. Die Weihe des heutigen Altars, der den ursprünglichen provisorischen Holzaltar ersetzt, erfolgte am 21. Oktober 2001 durch Weihbischof Gerhard Feige.[5] Altar, Ambo, Tabernakel, Taufstein, Kreuz und Leuchter schuf der Bildhauer Paul Brandenburg. Erwähnenswert ist auch die von einem Holzschneider aus Südtirol geschaffene Kopie einer Riemenschneider-Madonna. Im Inneren der Kirche befindet sich ein dreieckiger Erker, der eine Sakramentskapelle bildet. Die digitale Kienle-Resonatorenorgel mit ihrem von der Magdeburger Tischlerei Johannes Baier erbauten Prospekt wurde am 28. Januar 1996 durch den Geistlichen Rat Theodor Steinhoff geweiht.[6] Zuvor wurde ein Keyboard für die Kirchenmusik genutzt.[7]

Die Kirche ist seit 1990 namengebend für die anliegende St.-Josef-Straße, die bis 1990 die Bezeichnung Straße der Völkerfreundschaft trug.

Siehe auch

Literatur

  • Hans Gottschalk, Magdeburg – Architektur und Städtebau, 2001, ISBN 3-929330-33-4
  • Hans-Joachim Krenzke, Kirchen und Klöster zu Magdeburg, 2000
  • Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 31, Teil 11, Die Zeit von der Potsdamer Konferenz bis zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik 1945–1949. St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 339–342.
Commons: St. Josef – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Rückblick auf das Hedwigsjubiläum. In: Tag des Herrn. Ausgabe 17/1968 vom 4. Mai 1968, S. 72.
  2. http://www.johannes-bosco-magdeburg.de/kirchen_josef.php
  3. http://www.buergerinitiative-olvenstedt.de/stadtteilgeschichte-neu-olvenstedt-teil-3/stadtteilgeschichte-neu-olvenstedt-teil-2-1984-1986
  4. St. Josef-Kirche in Olvenstedt geweiht. In: Tag des Herrn. Ausgabe 44/1991 vom 3. November 1991, S. 12.
  5. Die Provisorien sind vorbei. In: Tag des Herrn. Ausgabe 43/2001 vom 28. Oktober 2001, S. 13.
  6. Orgelweihe. In: Tag des Herrn. Ausgabe 4/1996 vom 28. Januar 1996, S. 13.
  7. Orgel statt Keyboard. In: Tag des Herrn. Ausgabe 10/1995 vom 5. März 1995, S. 11.

Koordinaten: 52° 9′ 16,2″ N, 11° 34′ 44″ O